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Die Tochter der Bettlerin - Nora Berger

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 490 Seiten
    • Verlag: Tinte & Feder (17. Dezember 2019)
    • ISBN-10: 2496702515
    • ISBN-13: 978-2496702514
    • Genre: historischer Roman



Tinte & Feder Kurzbeschreibung:
Berlin, 1747. Als ihre Mutter sie zur Prostitution zwingen will, flieht die junge Anna – und landet als Magd im Hause derer zu Trenck. Der Stolz der Familie ist der älteste Sohn Friedrich, Leibgardist von Friedrich dem Großen. Auch Anna verfällt seinem wagemutigen Charme ‒ hoffnungslos: Er ist heimlich mit Prinzessin Amalie liiert. Einzig als Überbringerin seiner Liebesbriefe nutzt er die schöne Tochter der Bettlerin. Als der König von der Liebschaft zwischen Friedrich und seiner Schwester erfährt, lässt er Trenck einkerkern. Anna verliert ihre Anstellung und fasst einen folgenschweren Entschluss: Als Mann verkleidet dient sie in der preußischen Armee und begibt sich schließlich in noch größere Gefahr: Auch wenn Trenck ihre Liebe womöglich nie erwidern wird, will sie ihm helfen …

Meine Bewertung: noch * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dies ist nicht mein erstes Buch der Autorin, jedoch konnte mich schon ihr letzter Roman "Spielball des Schicksals" nicht mehr so richtig - wie ihre Vorgänger - überzeugen
Leider ist das auch bei "Die Tochter der Bettlerin" der Fall. Zuerst möchte ich aber noch kurz auf die wichtigsten Punkte zum Roman eingehen.
Mittelpunkt der Geschichte ist Anna, ein junges Mädchen, das in ärmlichsten Verhältnissen im Jahr 1747 in Berlin aufwächst. Ihre alkoholkranke Mutter will sie in die Prostitution zwingen, weil sie selbst kaum mehr genug zum Überleben einnimmt. Anna flüchtet und hat erstmal Glück, denn sie landet als Magd im Haushalt der zu Trenck. Sie verliebt sich in Friedrich, einem strammen Offizier der königlichen Leibgarde und ältesten Sohn der Familie. Dieser nutzt ihre Verliebtheit aus, um seiner Angebeteten, Prinzessin Amalie, die Schwester von König Friedriich II., Nachrichten zukommen zu lassen. Die Liebesbeziehung der beiden wird verraten und Trenck, der des Königs Liebling war, wandert ins Gefängnis. Anna verliert ihre Stellung und findet sich auf der Straße wieder, wo ihr nichts Gutes widerfährt. Als letzte Lösung verkleidet sie sich als Mann und meldet sich bei der preußischen Armee...

Dies ist nicht der erste historische Roman, den ich lese, wo sich eine Frau als Mann verkleidet, um an ihre Ziele zu kommen. Anna hat die irrwitzige Idee Trenck zu befreien, aber vorallem braucht sie etwas zu Essen, um nicht zu verhungern. Für sie ist ein Platz in der preußischen Armee der rettende Anker. Glaubwürdig erscheint mir dies nicht wirklich, aber daran will ich mich jetzt nicht echauffieren...das hat auch nichts mit meiner Bewertung zu tun. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen als Frau auf engsten Raum, inmitten von einer Horde Soldaten, nicht aufzufallen. Vorallem, als Anna auch noch schwanger ist...

Bemängeln muss ich allerdings die zu vielen Zufälle und der etwas konstruierte Aufbau, auch wenn historische Fakten mit der fiktiven Handlung verwoben wurden. Die Autorin hat nämlich die Memoiren von Freiherr Friedrich von Trenck als Inspiration genommen, der Zeit seines Lebens ein sehr von sich eingenommener und überzeugter Mann gewesen sein muss und sich nicht wirklich viel aus anderen Menschen machte...nicht einmal aus seiner großen Liebe Amalie, die im Roman die zweite starke weibliche Rolle spielt. Die Figuren sind lebenig und bildhaft dargestellt. Annas Entscheidungen konnte ich jedoch die meiste Zeit überhaupt nicht verstehen. Sie ist sehr naiv, was ich etwas unglaubwürdig finde. Als Straßenmädchen, das vom Betteln lebt, erfährt sie doch schon früh, wie es auf der Straße zugeht. Eine emotionale Bindung konnte ich zu den Figuren ebenfalls nicht wirklich aufbauen. Die Geschichte habe ich eher von außen verfolgt.
Gefallen hat mir der Einblick in das damalige gesellschaftliche Leben bei Hofe, das Kriegsgeschehen, die politische Lage zwischen Preußen und Österreich, sowie in die Ausbildung bei der Armee.

Der Roman bietet sehr kurzweilige historische Unterhaltung. Mich zieht es in letzter Zeit mehr zu authentischen historischen Geschichten, die vorallem weniger Kitsch und mehr Tiefgang beinhalten. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, dass ich hier doch etwas enttäuscht vom Roman war.
Wer gerne nicht so anspruchsvolle historische Kost bevorzugt oder Leserinnen, die gerne ins Genre einsteigen und nicht gleich von zu viel Historie überschüttet werden möchten, denen kann ich den Roman trotzdem empfehlen. Er unterhält....aber leider nicht mehr.

Schreibstil:
Die bildhafte, oftmals melodramatische und detaillierte Beschreibung der Autorin lässt sich immer wieder wunderbar lesen. Die historischen Fakten werden mit der fiktiven Handlung perfekt verflochten. Der Schreibstil ist der Zeit angepasst. Am Ende gibt ein ausführliches Personenverzeichnis, das historische und fiktive Figuren trennt und anführt.

Fazit:
Ein historischer Roman ohne Tiefgang, den ich eher Einsteiger ins Genre empfehlen würde, die nicht mit sehr anspruchsvoller historische Kost starten möchten. Obwohl historische Fakten mit der fiktiven Handlung perfekt verflochten werden, gibt es zu viele Zufälle und zu viel Drama. Ich habe schon einge sehr gute Romane der Autorin gelesen, aber leider gehört "Die Tochter der Bettlerin" nicht dazu. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Vielen Dank an Tinte & Feder für das Rezensionsexemplar und für die Autorenbegleitung bei der Lovelybooks Leserunde

Spielball des Schicksals - Nora Berger

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 464 Seiten
    • Verlag: Tinte & Feder (17. Juli 2018)
    • ISBN-10: 2919801708
    • ISBN-13: 978-2919801701
    • Genre: Historischer Roman


Amazon Kurzbeschreibung:
Als Alexander von Waldheim im Nachlass seiner Eltern das Tagebuch seiner Ururgroßmutter Camilla findet, ist ihm gleich klar: Das wird die Geschichte für seinen nächsten Roman werden! Fasziniert taucht er in die Vergangenheit ein und erfährt so von den turbulenten Leben von Camilla und Tessa, zweier sehr unterschiedlicher Frauen, die sich in einem nicht enden wollenden Krieg zwischen Liebe, Eifersucht und Tod durchs Leben kämpfen müssen … Berlin, 1862: Camilla schlägt sich alleine durchs Leben. Sie wird es Tessa, der Geliebten Ihres Vaters, nie verzeihen, dass sie ihn dazu gebracht hatte, sie und ihre Schwester in ein Kloster abzuschieben. Doch das Leben muss weitergehen. Als Krankenschwester in der Berliner Charité durchlebt Camilla dramatische Höhen und Tiefen, bis sie eines Tages völlig überraschend wieder auf Tessa trifft …

Meine Bewertung: noch * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von Nora Berger habe ich bereits einige tolle historische Romane gelesen. Leider konnte mich ihr neuer Roman "Spielball des Lebens" nicht richtig überzeugen.

Der Roman ist in zwei Zeitebenen geteilt, wobei der  Gegenwartsstrang, der die eigentliche Rahmenhandlung bildet, viel zu kurz kommt. Auf der anderen Seite hätte er auch total wegfallen können und die Autorin hätte einen historischen Roman ohne zwei Zeitebenen daraus machen können, was mir wesentlich besser gefallen hätte.
Mich konnte nämlich der Strang in der Gegenwart überhaupt nicht abholen. Dieser erzählt die Geschichte der Ärztin Vanessa (ihr Nachname blieb im Roman unerwähnt) und Alexander von Waldheim, einem ehemaligen Patienten von ihr. Dieser hat ein Tagebuch seiner Ururgroßmutter Camilla gefunden, welches großes Potenzial für einen Roman haben könnte. Eine Person daraus, nämlich die Tänzerin Tessa Taylor, scheint mit Vanessa verwandt zu sein.  Alexander kontaktiert daraufhin Vanessa. Er bittet sie seine Entwürfe zu lesen und hofft auch auf weitere Informationen über Tessa von ihr.

Der Hauptstrang in der Vergangenheit befasst sich mit diesen zwei interessanten Frauen und startet im Jahr 1862. Camilla und ihre kleine Schwester Emily haben erst ihre Mutter verloren, als ihr Vater auf Wunsch seiner neuen Geliebten Tessa, die Kinder ins Kloster steckt. Diesen Abschnitt fand ich sehr bedrückend, aber großartig dargestellt. Ich fühlte mit den beiden Mädchen mit, die vom Vater einfach im Stich gelassen und von den Nonnen alles andere als herzlich behandelt wurden. Als Camilla endlich volljährig ist, verlässt sie das Kloster und beginnt in einem Modehaus zu arbeiten. Dort ist sie nicht nur als Schneiderin tätig, sondern darf auch die schönsten Modelle vorführen. Dabei lernt sie Paul von Waldheim kennen und lieben. Der junge Adelige ist jedoch verlobt und ein notorischer Spieler.
Auch Camillas Vater ist ein Lebemann und kann nicht mit Geld umgehen. Tessas Traum eine berühmte Tänzerin zu werden scheint immer unmöglicher. Doch die ehrgeizige junge Frau ist das komplette Gegenteil von Camilla. Sie ist egoistisch, pickt sich überall ihren Vorteil heraus, manipuliert die Männer und lebt für den Tanz. Dabei meint es das Schicksal allerdings auch nicht immer gut mit ihr. Obwohl sie mir nicht wirklich sympathisch war, muss man Tessas Mut bewundern. Sie gibt einfach nicht auf...auch wenn sie dabei über Leichen gehen muss...

Die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten hat die Autorin gekonnt eingeflochthen. Man trifft auch auf Persönlichkeiten, wie Bismarck oder Rudolf Virchow, dem bekannten Mediziner der Charité. Der deutsch-französische Krieg erhält ebenfalls genug Anteile an der Geschichte.
Jedoch hat Nora Berger in diesem einen Roman viel zu viele Themen hineingepackt. Ohne den Gegenwartsstrang und einigen Nebenthemen, wäre der Roman wirklich äußerst gelungen. So hingegen wirkt alles etwas zu konstruiert und es spielen mir viel zu viele Zufälle hinein. Nicht nur die etwas verstrickten Verwandtschaftsverhältnisse, sondern auch einige Zusammentreffen und Erbangelegenheiten ließen mich den Kopf schütteln. Noch mehr brachte mich aber Camillas Naivität um das Lesevergnügen. Um ihr komplettes Geld gebracht, lässt sie sich wieder mit denjenigen ein, der ihr alles genommen hat. Dazu kommt noch eine Krimisequenz a la Jack the Ripper. Diese begann sehr spannend, verschwand danach völlig aus dem Geschehen, um am Ende noch schnell den Täter, den ich bereits früh identifiziert hatte, zu präsentieren. Auch hier half Freund Zufall kräftig nach.
Der Abschnitt in der Charité war wieder sehr interessant, vorallem weil ich auch erst im Juli ein Buch (Die Charité von Ulrike Schweikert - sehr zu empfehlen!) über das berühmte Berliner Krankenhaus gelesen habe.

Der Roman hätte wirklich Potential gehabt, doch die Autorin wollte einfach zu viele Themen hineinquetschen. Weniger davon, ohne den Gegenwartsstrang und die vielen Zufälle, und "Spielball des Schicksals" wäre eine wunderbare Geschichte geworden. So wirkte vieles zu konstruiert und unglaubwürdig und ich kann gerade noch mit viel Bauchweh 3 Sterne vergeben.

Schreibstil:
Nora Berger kann schreiben...dass weiß ich bereits von ihren anderen Romanen, die ich gelesen habe. Der Schreibstil ist fesselnd, detailliert und sehr bildhaft. Die Charaktere sind lebendig und wecken Gefühle beim Leser.
Die historischen Fakten werden mit der fiktiven Handlung perfekt verflochten. Abwechselnd wird aus der Sicht von Tessa oder Camilla erzählt, bzw. aus Vanessa's. Dieser Handlungsstrang in der Gegenwart hebt sich vom Vergangenheitsstrang durch kursive Schrift ab.

Fazit:
Leider kann "Spielball des Schicksalas" nicht mit den anderen Romanen der Autorin mithalten. Mir war die Geschichte zu konstruiert. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass Nora Berger zu viele Themen in den Roman quetschen wollte. Das ging leider nach hinten los. Den Gegenwartsstrang fand ich komplett überflüssig. Die Geschichte hätte wirklich großes Potential gehabt. Schade! Trotzdem werde ich auch die zukünftigen Bücher von Nora Berger lesen, da ich weiß, dass sie es kann!

Vielen Dank an Nora Berger für das Rezensionsexemplar!

Die gefährlichen Intrigen des Marquis de Cinq-Mars - Nora Berger




    • Taschenbuch: 544 Seiten
    • Verlag: Bookspot Verlag (23. Februar 2017)
    • ISBN-10: 395669077X
    • ISBN-13: 978-3956690778
    • Genre: Historischer Roman


Bookspot Kurzbeschreibung: 
Venedig, 1640: Julien de Rochebonne, ein Pariser Adeliger mit einer hohen Meinung von sich und noch höheren Spielschulden, hält um die Hand von Gabriella di Montadori an. Mit dem Vermögen der schwerreichen Familie, aus der die junge Frau stammt, lockt schließlich ein Ausweg aus seiner Misere. Doch Gabriella wehrt sich mit Kräften gegen die Heirat, denn sie hat ihr Herz bereits verschenkt – an Angelo, einen Hirtenjungen … Da belauscht sie ein Gespräch zwischen Julien und dem Marquis de Cinq-Mars, seinem besten Freund und einem ehrgeizigen Günstling König Ludwigs XIII. Gabriella ist schockiert: Kardinal Richelieu soll aus dem Weg geräumt werden! Als sie Nachforschungen anstellt, stößt die junge Frau auf ein streng gehütetes Geheimnis des Kardinals – und gerät in Lebensgefahr, denn Mademoiselle Praslin, die dem Kardinal bedingungslos ergebene Gouvernante, setzt alles daran, Gabriella zum Schweigen zu bringen …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbumnmler Challenge

Meine Meinung:
Leider verrät der Klappentext oben wieder sehr viel von der Geschichte, doch mit 544 Seiten bleibt noch genug davon übrig und die erzählt Nora Berger in gewohnt bildhafter und lebendiger Sprache.
Die beiden Romane, die ich bereits von der Autorin gelesen habe, stachen durch hervorragende Recherchearbeit ihrer in verschiedenen historischen Zeitepochen handelnden Bücher, heraus. "Der Fluch der Zuckerrohrinsel" spielte im 19. Jahrhundert in Martinique, "Sturmwind über Auprèsmont" während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich.

Auch diesmal sind wir wieder in Frankreich, aber zur Zeit von Richelieu und Ludwig, den XIII. Und wer wie ich die Verfilmungen der Musketiere kennt weiß, dass sich hier vieles um Politik- und Kirchenintrigen dreht. So auch bei "Die gefährlichen Intrigen (hier steckt ja schon das Wort im Titel!) des Marquis Cinq-Mars.
Doch zuerst lernen wir die junge Italienierin Gabriella di Montadori in Venedig kennen. Die Adelige soll mit dem französischen Lebemann Julian de Rochebonne verheiratet werden. Dieser hat vorallem ein Auge auf ihre Mitgift geworfen, um seine Schulden tilgen zu können. Gabriella hat ihr Herz allerdings bereits an Angelo, den Hirtenjungen, vergeben, obwohl sie weiß, dass diese Liebe nicht standesgemäß ist und keine Chancen hat. Als Julien mit seinem Freund Henri de Cinq-Mars bei Gabriellas Eltern die Formalitäten für die Hochzeit verhandelt, belauscht Gabriella ein Gespräch der beiden Männer, bei dem ein Mordanschlag auf Kardinal Richelieu geplant wird. Cinq-Mars selbst ist ein Günstling des regierenden Königs Ludwig des XIII und doch boykottiert er seinen Herrscher und begünstigt einen Thronwechsel. Gabriella hofft durch dieses Wissen der Hochzeit zu entgehen....

Historische und politische Ereignisse aus dieser Zeit hat Nora Berger geschickt mit einer fiktiven Geschichte verwebt und zu einem spannenden historischen Roman verarbeitet. Mein Kopfkino war immer eingeschaltet und im Hinterkopf hatte ich immer wieder opulente Festlichkeiten, farbenprächtige Kleider und weiße Perücken, Schlösser und Gärten vor Augen und natürlich Richelieu, der hier einen großen Part in der Geschichte einnimmt. Man hat das Gefühl selbst in dieser illustren Gesellschaft zu wandeln und den Ränkespielen der Reichen und Mächtigen ausgeliefert zu sein.

Atmosphärisch ist der Roman sehr dicht und äußerst detailreich erzählt. So hatte ich in der Mitte des Romans das Gefühl manchmal auf der Stelle zu treten. Doch danach steigt der Spannungsbogen wieder kontinuierlich an und endet in einem grandiosen Finale.

Die Charaktere sind hervorragend beschrieben und man hat von jedem Einzelnen ein absolut rundes Bild. Alle haben ihre Ecken und Kanten und besonders bei Cinq-Mars entdeckt man, wie unbekümmert er ist und vorallem seine Vorteile nutzt, auch bei den Frauen. Gabriella ist eine für ihre Zeit mutige und starrsinnige Frau, die versucht ihre Lage zu verbessern und der Heirat mit Julien Rochebonne zu entkommen. Dieser ist ein notorischer Spieler und Lebemann, der arrogant und selbstverliebt ist. Natürlich gibt es weitere unsympathische Figuren, die vorallem in die politischen Machtspielchen verwickelt sind. Die Charaktere sind jedoch keinesfalls schwarz-weiß, sondern haben alle ihre Facetten und sind vielfältig.

Das Personenverzeichnis am Anfang des Buches mit den historisch belegten und den fiktiven Figuren fand ich sehr hilfreich und aufschlussreich.

Schreibstil:
Wie bereits erwähnt hat Nora Berger einen absolut fesselnden und bildreichen Schreibstil. Die Geschichte ist detailreich erzählt, die historischen Fakten sind mit der fiktiven Handlung perfekt verwebt. Das Kopfkino ist dauernd am Laufen und der Roman wurde historisch sehr gut recherchiert. Es wird abwechselnd aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, was die Gedanken und Gefühle der einzelnen Figuren noch deutlicher rüberbringt.

Fazit:
Wieder ein gelungener historischer Roman der Autorin, der so bildgewaltig ist, dass man sich selbst am Hof des Königs wähnt. Intrigen, Ränkespiele und Attentate wechseln neben der Liebesgeschichte und den historischen Ereignissen ab. Großartig recherchiert und erzählt. Ich freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin!

Vielen Dank an die Autorin, dem Bookspot Verlag und an lovelybooks für die Leserunde!

Sturmwind über Auprèsmont - Nora Berger




    • Taschenbuch: 504 Seiten
    • Verlag: Amazon Publishing (13. September 2016)
    • ISBN-10: 1503940276
    • ISBN-13: 978-1503940277
    • Genre: Historischer Roman



Amazon Kurzbeschreibung:
Sophie genießt ihr Studium in Paris. Das Leben ist leicht und der Zweite Weltkrieg weit weg. Noch. Doch plötzlich stirbt ihre Mutter und was vorher sicher schien, wird auf einmal ungewiss. Was hat ihre Mutter Sophie verschwiegen? Welches Geheimnis liegt über der Familie? Sophie macht sich auf nach München. Auf die Suche nach ihrem eigenen Leben und mitten in die Wirren des bevorstehenden Krieges. Es wird eine Reise, begleitet von Liebe, Tod und Freundschaft. Eine Reise, die Sophies Leben verändert, vor allem als sie den jüdischen Maler David trifft und eine atemberaubende Flucht beginnt.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dies ist das zweite Buch der Autorin, das ich im Rahmen einer Lovelybooks Leserunde lesen durfte. Und ich muss sagen, es hat mir noch besser gefallen als "Der Fluch der Zuckerinsel" (Rezi *hier*)
Eingestellt hatte ich mich auf einen Roman rund um ein Familiengeheimnis, doch bekommen habe ich sehr viel mehr!
Die 504 Seiten sind prall gefüllt mit unvorhersehbaren Ereignissen und überraschenden Wendungen.  Erst vor kurzem habe ich in den Roman "Die Nachtigall" von Kristin Hannah gelesen, in dem es auch um die Besetzung Frankreichs und die französische Resistance geht. Auch hier wird dieses Thema aufgegriffen, denn dieser Roman beginnt ebenfalls kurz vor dem Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges und erzählt von den drei Geschwistern Sophie, Philippe und Marguerite.
Diese sind in Auprèmont aufgewachsen, einen Landsitz unweit von Paris, und gehören der gehobenen Schicht an. Während Philippe mit einem Mode-Designer in Paris zusammenlebt, versucht sich Marge als Schauspielerin. Beide sind nur in einem erfolgreich: im Geld ausgeben. Nie mussten sie darüber nachdenken, woher es kommt. Doch als die Mutter stirbt und Sophie als Haupterbin eingesetzt wird, sehen die Beiden ihre Geldquelle versiegen und gehen juristische gegen Sophie, der Jüngsten der Geschwister, vor. Diese ist noch Studentin und hatte als Einzige eine sehr tiefe Beziehung zu ihrer Mutter. Neben den Kampf ums Erbe hat Sophie aber noch andere Sorgen. Sie findet eine alte Schachtel mit Liebesbriefen, die  an ihre Mutter gerichtet sind. Dessen Inhalt versetzt ihr Leben in Aufruhr und veranlasst sie nach München zu reisen. Dort erhält Sophie bereits einen ersten Eindruck der politischen Lage in Deutschland und der Hetze gegen die Juden. Sie ist entsetzt über die brutalen An- und Übergriffe auf hilflose Menschen. Als sie den jüdischen Maler David kennenlernt und sich in ihn verliebt, spitzt sich auch ihre Situation immer mehr zu. Sie versucht David zur Flucht zu verhelfen....

Kaum hatte ich angefangen zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Sophie, Philippe oder Marguerite erzählt, allerdings in der 3. Person. So erhält man Einblicke in die Gefühlswelt aller drei Hauptprotagonisten, die unterschiedlicher nicht hätte sein könnten. Man lebt in der Welt der Mode, der Kunst und Schauspielerei und als Gegensatz begleitet man Sophie in München. Und hier setzt der Blickwinkel von einer ganz anderen Seite an, denn Sophie kommt ohne Vorurteile nach Deutschland und erlebt hier in rascher Abfolge die Auswirkung des Nationalsozialismus. Es werden historische Vorkommnisse, wie die Reichspogromnacht im November 1938, miteingebunden und sehr real wiedergegeben. Die Autorin hat, wie schon in ihrem letzten Roman, hervorragend recherchiert. 
Der Roman ist atmosphärisch sehr dicht und verfügt über einen hohen Spannungsbogen. Die einzige Kritik, die ich hier anbringen kann, ist das etwas zu abrupte Ende, das einige Fragen offen lässt. Dafür lässt es mich auf eine Fortsetzung hoffen!

Charaktere:
Sowohl die Charaktere, als auch die Schauplätze sind einfach wunderbar beschrieben. Man geht durch die Straßen von Paris, betritt den Landsitz in Auprésmont mit den großartig beschriebenen Räumen, flieht durch die Straße von München oder versteckt sich voller Angst und Schrecken in einem Versteck am Dachboden. Ich war überall mittendrinnen und man fühlt sich "vor Ort"!
Auch die Charaktere sind so grandios beschrieben, dass man die so unterschiedlichen Personen alle vor Augen hat. Jeder hat seine Macken, wobei eigentlich die unsympathischen Charaktere die Mehrzahl bilden. Normaler Weise färbt dies auch auf mein Leseverhalten ab bzw. habe ich dann öfters Probleme mit dem ganzen Roman. Hier ist das absolut nicht der Fall!

Schreibstil:
Nora Berger hat einen sehr bildhaften und lebendigen Schreibstil. Der Roman ist sehr flüssig geschrieben, lässt sich leicht lesen und wurde historisch sehr gut recherchiert. Auch wenn sich die Kapitel mit den drei Geschwistern abwechseln, kommt man ohne Probleme mit der Geschichte mit und hat immer wieder das Gefühl weiterlesen zu müssen, um mehr zu erfahren. Der Spannungsbogen bleibt hoch und die Autorin hat viele überraschende Wendungen eingebaut.

Fazit:
Ich hatte etwas ganz anderes erwartet und bin trotzdem begeistert! Ein toller Roman, geschichtlich  hervorragend recherchiert, mit sehr lebendigen Schauplätzen und Charakteren. Einzig das zu abrupte Ende schmälert ein bisschen meine Begeisterung. Leseempfehlung!

Vielen Dank an Lovelybooks und an die Autorin für das Rezensionsexemplar und die tolle Begleitung bei der Leserunde.

Der Fluch der Zuckerinsel - Nora Berger


    • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
    • Verlag: Bookspot Verlag (Juli 2014)
    • ISBN-10: 3937357998
    • ISBN-13: 978-3937357997
    • Genre: Historischer Roman

Bookspot Kurzbeschreibung (gekürzt): 
Insel Martinique, Anfang des 19. Jahrhunderts: Annabelle und Léon lieben sich. Doch ihre Familien, reiche Zuckerrohr-Plantagenbesitzer, sind verfeindet und gegen eine Verbindung. Sklavenaufstände erschüttern die Insel, die nur ein scheinbares Paradies ist. Léon, der in Paris sein Medizinstudium abschließen will, erleidet Schiffbruch und gilt als verschollen. Annabelle, die nach einem leidenschaftlichen Abschied ein Kind von ihm erwartet, erfährt, dass die elterliche Plantage verschuldet ist. Sie ist gezwungen, den reichen Sklavenhändler Ramazon zu heiraten. Ein böser Fluch scheint über ihr und Léon zu liegen, trotz des schützenden Amuletts ihrer Sklavin Leila, der Tochter einer Mambo-Priesterin.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Einmal um die Welt Challenge

Buch zur Deutschen Autoren Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks durfte ich den äußerst spannenden historischen Roman der Autorin Nora Berger lesen. Ich habe oben die Inhaltsangabe gekürzt, da sowohl amazon als auch Bookspot fast den ganzen Inhalt preisgeben!
Wer sich also noch überraschen lassen will, sollte keine der Kurzbeschreibungen lesen!


Zwei der größten Plantagen auf der karibischen Insel Martinique - zwei verfeindete Familien: die Castellins und die de Montargis. Wie schon bei Shakespeare's Romeo und Julia (man beachte dieselben Initialen des Nachnamens!) lieben sich auch hier die Kinder der beiden Großfamilien: Annabelle Castellin und Leon der Montargis.
Während Leon bereits zu Beginn des Romans nach Frankreich aufbricht um sein Medizinstudium zu beenden, werden die Zustände auf der Insel immer schlimmer. Sklavenaufstände und Übergriffe auf die reichen Plantagenbesitzer lassen die reichen Grundherren vor Sorge noch härtere Maßnahmen gegen die Sklaven ergreifen. Bald darauf wird der grausame Aufseher der Planatage der Castellins ermordet aufgefunden. Alles sieht nach einem Übergiff der Sklaven aus, doch die beiden verfeindeten Familien beschuldigen sich gegenseitig. Während Annabelle auf ein Lebenszeichen von Leon hofft, der Schiffbruch erlitten hat, verlangt die Familie von ihr, dass sie den reichen Plantagenbesitzer und Sklavenhändler Ramazon heiratet, damit die in Schwierigkeiten steckende Plantage gerettet werden kann.
Als der ältere Bruder von Leon, Albert, der mehr dem Alkohol und den Prostituierten zuspricht als der Aufsicht der Plantage, Annabelles Vater schwer verletzt, kommt es zum endgültigen Bruch. Die Liebe der beiden scheint auswegslos. Nur Emilie, Leons Schwester, bleibt Annabelle eine gute Freundin.
Nach dem Tod des Vaters versucht Pierre, Annabelles Bruder, die Plantage zu retten. Doch ein böser Fluch scheint über den beiden Familien zu liegen. Hilft dagegen das Amulett von Annabelles Sklavin Leila, der Tochter einer Mambo-Priesterin ?

Man taucht sofort in die Geschichte ein, die die Autorin sehr spannend geschrieben hat. Die Sklavenaufstände, die napoleonischen Kriege in Europa und die schwelende Unruhe schildert Nora Berger sehr lebhaft. Auch geschichtlich wurde hier sehr gewissenhaft recherchiert und auch im Roman erwähnt, wie z. Bsp. die Abschaffung der Sklaverei während der Französischen Revolution, die von Napoleon wieder eingeführt wurde und hier auch als einer der Gründe für die Unruhen angegeben wurde. Auch der Aberglaube und Voodoo komment dabei nicht zu kurz.
Während der erste Teil des Buches in Martinique spielt, geht es im zweiten Teil in Paris weiter. Auch dort werden die Zustände nicht beschönigt und die Gegensätze zwischen Arm und Reich werden auch in der europäischen Metropole hervorgehoben. Annabelle, die reiche und verwöhnte Tochter eines Plantagenbesitzers, lernt hier die Armut kennen.

In diesem Buch wimmelt es nur so von Schicksalschlägen und die meisten "meiner" Thriller, die ich bis jetzt gelesen habe, habe nicht so viele Tote zu bieten, wie dieser historische Roman. Die Autorin meinte dazu, dass sie nichts beschönigen wollte und in dieser Zeit eben viele Menschen aufgrund von Krankheiten, Tod im Kindbett oder durch Aufstände ums Leben gekommen sind.


Schreibstil:
Die Autorin hat einen sehr bildhaften Schreibstil. Die Schauplätze in der Karibik und in Frankreich werden wunderbar beschrieben. Man fühlt sich fast "vor Ort". Der Roman ist sehr flüssig geschrieben, lässt sich leicht lesen und wurde historisch gut recherchiert. Die Charaktere sind sehr lebendig. Einige davon sind jedoch sehr stereotyp.

Cover:
Das Cover muss ich auch nochmals extra hervorheben, denn ich finde es wirklich schön und passend zu einem historischen Roman, der in der Karibik spielt.

Fazit:
Ein spannender historischer Roman rund um Sklavenaufstände und Aberglauben, sowie den Gegensätzen zwischen Arm und Reich.  Lebendige Charaktere und bildhaften Beschreibungen runden die, mit vielen Toten bereichernde Geschichte ab.


 Vielen Dank an Lovelybooks und an die Autorin Nora Berger für die aufschlussreiche Leserunde!
 

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