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Brombeerblaue Tage - Simone Veenstra

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: ‎ Rowohlt Wunderlich, 1. Auflage  (15. Mai 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 380520129X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3805201292
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Rowohlt Kurzbeschreibung:
Elisas Leben ist eng getaktet. Als Landschaftsarchitektin hetzt sie von einem Projekt zum nächsten, immer erreichbar, immer unter Strom. Als ihr Vater zu einer Untersuchung ins Krankenhaus muss, willigt sie widerstrebend ein, für einige Tage sein Gutshaus auf Rügen zu hüten. Auf der Insel angekommen, ist Elisa entsetzt. Das Haus entpuppt sich als Sanierungsprojekt, der Garten ist von Brombeerranken überwuchert, WLAN und fließend Wasser gibt es nur unter freiem Himmel. Während sie versucht, das Chaos zu bewältigen, entdeckt Elisa ihre Liebe zu den Pflanzen wieder. Sie nimmt sich des verwilderten Grundstücks an und stößt dabei auf Geheimnisse aus der Vergangenheit der Insel, die auch auf ihr eigenes Leben ein neues Licht werfen. Elisa muss sich entscheiden. Kann sie sich auf Rügen ein neues Leben aufbauen?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Elisa ist erfolgreiche Landschaftsarchitektin in Berlin. Obwohl sie ihre Arbeit liebt, ist ihr Arbeitstag lang und sie ist fast immer 24/7 erreichbar. 
Als sie mitten in einem größeren Projekt den Anruf ihres Vaters erhält, der sich normaler Weise nur zum Geburtstag und zu Weihnachten meldet, ist Elisa überrascht. Er muss ins Krankenhaus zu einer Untersuchung und bittet sie ein paar Tage auf seinen Hund und das Haus aufzupassen. Als Elisa auf Rügen ankommt, findet sie ein restaurierungsbedürftiges Gutshaus vor, ohne Warmwasser und WLAN nur unter freien Himmel. Wie soll sie hier ihrer Arbeit nachgehen? Und was zum Henker hat sich ihr Vater dabei gedacht? Seitdem er die Familie verlassen hat, hatte Elisa nur wenig Kontakt zu Henk, den sie nur beim Vornamen nennt.
Als Großstadtpflanze kommt sie bald an ihre Grenzen. Während ihr Vater länger im Krankenhaus bleiben muss, macht Elisa eine überraschende Entdeckung, die sie erkennen lässt, wofür ihr Herz wirklich schlägt. Die Begegnungen mit den liebenswerten und manchmal etwas schrulligen Inselbewohnern sorgten immer wieder für ein Schmunzeln. Besonders schön ist es mitzuerleben, wie das alte Gutshaus, der verwilderte Garten und die zauberhaften Gewächshäuser nach und nach wieder zum Leben erwachen.

Elisa hat die Liebe zu den Pflanzen von ihrer Großmutter, die ihr schon als Kind mehr über Blumen, Kräuter und Sträucher spielerisch beigebracht hat.
Die Annäherung zwischen Vater und Tochter, aber auch die Entwicklung von Elisa, die endlich ihren eigenen Weg findet und zur Ruhe kommt, ist schön zu lesen, war mir allerdings zu oberflächlich. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin nicht nur die Pflanzen sehr ausführlich beschreibt, sondern auch die Figuren in ihrem Roman. Sowohl Elisa und ihr Vater, als auch die Nebencharaktere blieben für mich etwas distanziert - wie auch mancher ihrer Beweggründe.

Die Geschichte ist ruhig und vermittelt eine angenehme Atmosphäre. Die Naturverbundenheit ist in diesem Roman auf jeder Seite spürbar. Allerdings greift die Autorin für meinen Geschmack auch zu viele Themen auf. Auf knapp 300 Seiten fehlt dadurch manchen Handlungssträngen die Tiefe, die sie verdient hätten. Die schwierige Vater-Tochter Beziehung und die schwere Erkrankung des Vaters, die totale Überlastung und Unzufriedenheit im Job und die historischen Ereignisse betreffend den verwunschenen Garten des Gutshauses. Das sind einfach zu viele Themen, um nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. Dementsprechend schnell werden auch die letzten Kapitel abgehandelt, was ich sehr schade fand.

Am Beginn jedes Kapitels befindet sich die Zeichnung einer Pflanze, sowie eine genaue Erklärung über ihre Herkunft und ihre Eigenschaften. Ein interessantes "Zuckerl", das mir gefallen hat.

Fazit:
Ein sehr ruhiger und atmosphärischer Roman, der leider zu viele Themen aufmacht und diese nur oberflächlich behandelt. Die Landschafts- und Pflanzenbeschreibungen sind hingegen sehr bildhaft und ausführlich. Eine nette Lektüre, aber nicht mehr und nicht weniger.



Unser schönster Sommer - Elena Sonnberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 480 Seiten
    • Verlag: ‎ Goldmann Verlag, Originalausgabe (20. Mai 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442496942
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442496945
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur



Goldmann Kurzbeschreibung:
Mykonos bedeutet für Ana pures Glück. Seit ihrer Kindheit verbringt sie dort jeden Sommer bei ihrer griechischen Großmutter, die auf der Kykladeninsel eine kleine Taverne führt. Malerische Strände, türkisblaues Meer, die leckere Küche ihrer geliebten Yiayia – Ana lässt den stressigen Alltag in der Großstadt hinter sich. Doch diesen Sommer ist nichts wie früher. Ihre Großmutter hütet ein Geheimnis, und das charmante Fischerlokal steht kurz vor dem Ruin. Sofort packt Ana mit an, um die Taverne zu retten. Hilfe erhält sie ausgerechnet von dem attraktiven Bootsbauer Leonidas: Als Kinder konnten er und Ana sich nicht ausstehen, nun ist er nach Mykonos zurückgekehrt, und Ana entdeckt ganz neue Seiten an ihm. Vielleicht wird es ja doch noch der schönste Sommer aller Zeiten …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Die liebe Elena Sonnberg aka Adriana Popescu entführt uns in ihrem neuen Sommerroman nach Griechenland. Nach ihren Romanen, die in Italien und auf Mallorca gespielt haben, sind wir bei der nächsten Lieblingsurlaubsdestination der Mitteleuropäer angekommen. Ganz genau sind wir auf der Insel Mykonos.

Seit Ana mit ihrer Freundin Natalie eine Marketingfirma gegründet hat, blieb kaum Zeit für Urlaub – und noch seltener für Mykonos, die Heimat ihrer Mutter. Als Kind verbrachte sie hier jeden Sommer und genoss unbeschwerte Ferientage mit dem Nachbarjungen Leonidas.

Nun freut sie sich auf ihre Großmutter Eleni und die vertraute Taverne, deren Küche auf der ganzen Insel berühmt ist. Ana stellt jedoch bald fest, dass das Familienrestaurant kurz vor dem Aus steht. Eleni verdient seit Jahren kein Geld mehr, weil sie Menschen, die sich keine Mahlzeit leisten können, kostenlos versorgt. Obwohl der finanzielle Ruin droht, denkt die über 80-Jährige nicht ans Aufgeben. Eleni hofft noch immer, dass ihr vor Jahren auf See verschollener Mann eines Tages zur Taverne zurückkehrt.
Als Ana die Lage erkennt, möchte sie helfen – doch Eleni lehnt jede Unterstützung ab, bis es beinahe zu spät ist.

Eleni und ihre Taverne bilden das Herz der Geschichte. Als Ana Leonidas wiedersieht, der nach dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn Yannis auf die Insel zurückgekehrt ist, schlägt ihr Herz schneller. Gleichzeitig begegnet sie dem charmanten Briten William, der ihr in der Taverne zur Hand geht. Beide Männer bemühen sich um sie bzw. nervt Leonidas Ana wie damals mit seinen Neckereien. Um seinen Sohn Yannis bemüht er sich sehr und versucht ihm zu helfen, die Trauer um seine Mutter zu überwinden. Mit der Hilfe in Elenis Taverne und der Ziege Cordelia genießt Yannis die Ferien. 
Und auch für Ana hält dieser Sommer zwischen Vergangenheit und Neuanfang mehr bereit, als sie je erwartet hätte....

Die bildhaften Beschreibungen der griechischen Insel haben sofort den Wunsch geweckt, endlich wieder einmal nach Griechenland zu reisen. Mein Kopfkino hat verrückt gespielt und ich saß in Gedanken bei Eleni in der Taverne und habe den Sonnenuntergang genossen, die Segelboote bestaunt und das Meeresrauschen gehört.
Auch die Figuren wirken authentisch und lebensnah. Nicht nur die Charaktere rund um Eleni und Ana, sondern auch die vielen Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet. Der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft hat mir besonders gut gefallen. Und natürlich Yanni, der kleine Sohn von Leonidas, den man sofort ins Herz schließt.
"Unser schönster Sommer" hat mir doch um einiges besser als "Das Versprechen eines Sommertages" gefallen. Jetzt muss ich nur noch den ersten Roman lesen und an den Gardasee reisen....

Fazit:
Ein Wohlfühlroman, der uns nach Mykonos entführt und den Zauber der Insel spüren lässt. Der Roman bietet alte Erinnerungen und neue Begegnungen, Familien- und Dorfgemeinschaften, zweiten Chancen und eventuell einen Neuanfang. 

Drei Tage im Juni - Anne Tyler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    • Verlag: ‎ Kein & Aber, 3. Auflage  (12. November 2024)
    • Übersetzer: Michaele Grabinger
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3036950400
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3036950402
    • Originaltitel: ‎ Three Days in June
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Kein & Aber Kurzbeschreibung:
Drei Tage stehen an, in denen sich Gail und Max, beide Ende fünfzig und seit Längerem getrennt, anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Debbie zusammenfinden. Max reist, nichts ahnend von der Allergie des Bräutigams, überraschenderweise mit einer Katze an, weshalb er statt bei seiner Tochter bei Gail wohnen muss. Obwohl diese Vorstellung für Gail zunächst kaum auszuhalten ist, willigt sie ihrer Tochter zuliebe zähneknirschend ein. Doch schnell zeigt sich: Die alte Verbindung ist immer noch da. Gemeinsam müssen sie sich mit der Frage nach der Treue des Bräutigams auseinandersetzen, und damit, ob Vertrauen auch nach Jahren wiederhergestellt werden kann. Sie blicken aus belustigter Distanz auf die Feierlichkeiten, erinnern sich an Vergangenes und stellen sich Fragen nach der Zukunft – was hält das Leben noch für sie bereit?

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Die Hochzeit von Gails Tochter Debbie steht kurz bevor, als plötzlich ihr Ex-Mann Max vor der Tür steht. Im Schlepptau hat er eine Katze, die dafür sorgt, dass er – anders als geplant – nicht bei seiner Tochter übernachten kann. Kenneth, Debbies zukünftiger Mann ist nämlich allergisch. Und so zieht Max für drei Tage im Juni bei seiner Exfrau ein. Diese ist alles andere als begeistert, denn neben den Hochzeitsvorbereitungen schwirren ihr noch andere Probleme durch den Kopf. Gail hat gerade erst erfahren, dass sie nicht wie erhofft zur Schuldirektorin befördert wird. Wegen ihrer mangelhaften Sozialkompetenz wurde jemand Externes für den Posten vorgeschlagen. Die zukünftige Schuldirektorin möchte auch noch ihre eigene Stellvertreterin mitnehmen und so wird Gail mehr oder weniger vor die Tür gesetzt. 

Wie bereits der Titel suggeriert, spielt die Geschichte an drei aneinander folgenden Tagen. Obwohl der Roman nur 240 Seiten hat, versteht es Anne Tyler auf diesen eher wenigen Seiten eine Handlung mit viel Tiefe zu erzählen. Es gleicht ein bisschen einem Kammerspiel.
Im Klappentext sind Gail und Max Ende fünfzig, im Buch jedoch 62 und 65 Jahre alt. Wie sich das ehemalige Ehepaar zurückerinnert oder wie sie sich bei der Hochzeit schlagen, die größtenteils von Kenneth Familie organisiert wird, wird humorvoll erzählt. Man erlebt nicht nur die gemeinsamen Feierlichkeiten mit, sondern erhält nach und nach auch einen tieferen Einblick in das Leben von Gail, Max und Debbie. Stück für Stücki wird deutlich, weshalb die Ehe der beiden letztlich gescheitert ist. 

Die Autorin lässt uns dabei hinter Gails Fassade blicken. Max und Gail sind so unterschiedlich, dass man sich fragt, was die beiden zusammengeführt hat. Gail liebt ihren Job, ist jedoch eher kühl, vorausplanend und distanziert. Sie macht sich Sorgen über alles Mögliche und zerdenkt sehr viel. Max ist eher chaotisch, gutgläubig und nimmt das Leben, wie es kommt. Dabei plant er nicht, sondern macht sich nicht wirklich Gedanken.

Obwohl der rote Faden der Handlung die Hochzeit von Debbie und Kenneth ist, sind die Hauptpersonen der Handlung Gail und Max. Man spürt, dass die alten Gefühle noch vorhanden sind, sie aber viele Eigenheiten des anderen nerven. 

Anne Tylers Figurenentwicklung ist absolut gelungen. Die Geschichte ist leicht melancholisch, besitzt aber auch einem Hauch feiner Ironie. Es geht aber auch um Betrug, Verzeihen und das Leben selbst.
Der Roman setzt weniger auf dramatische Höhepunkte, als auf die glaubwürdige Entwicklung seiner Figuren. Es ist eine leise Geschichte, eine fast alltägliche, die jedoch ein gutes Gefühl hinterlässt.
Das Ende fand ich gelungen. Ob die Geschichte jedoch lange im Gedächtnis bleibt, wage ich zu bezweifeln. 

Cover:
von links nach rechts:
das amerikanische Original, die Cover aus Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, Finnland und Großbritannien

Fazit:
Ein eher leises Buch mit einer tollen Figurenentwicklung und Atmosphäre. Direkt aus dem Leben und mit einer feiner Prise Humor. 


Gretas Männer - Judith Reusch

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ List Hardcover, 1. Auflage (26. Februar 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 347137003X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3471370032
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Roman




List Kurzbeschreibung:
Greta war fünfmal verheiratet, und alle Ehemänner bis auf einen sind kurz nach der Hochzeit gestorben. »Die Bienenkönigin« nennt man sie in der Familie. Als ihre Enkelin Lola ihre kleine Tochter nach der unbekannten Großmutter benennt, bricht ein jahrzehntealter Familienkonflikt wieder auf. Warum hat Lolas Mutter Marie den Kontakt zu Greta abgebrochen? Neugierig besucht Lola die 87-Jährige und entdeckt hinter den Gerüchten eine Frau mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Von den 1950er Jahren bis heute entfaltet sich ein bewegendes Panorama weiblicher Selbstbestimmung, tragischer Verluste und unerwarteten Glücks.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Hinter diesem Cover und dem Titel, der vielleicht ein bisschen an "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" von Taylor Jenkins Reid erinnert, steckt eine wundervolle Geschichte, die mich sehr berührt hat. Judith Reusch hat mit "Gretas Männer" einen emotionalen Roman über verschiedene Erinnerungen, Vorurteile und Vergebung geschrieben.

Als Lola ihre neugeborene Tochter nach ihrer Großmutter nennen möchte, bricht ein Familienzwist aus. Ihre Mutter Marie hat mit ihre eigenen Mutter Greta, genannt "die Bienenkönigin", seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr. Nicht einmal ihr Name durfte laut ausgesprochen werden – und jetzt möchte ihre Tochter Lola ihr Kind Greta nennen? Das kommt doch gar nicht in Frage!
Lola möchte jedoch endlich wissen, was damals zum großen Bruch geführt hat und warum Greta fünfmal geheiratet hat. Wer ist diese Frau, die ihre Großmutter ist und die sie nicht kennt? Lola setzt eine Geburtsanzeige in die Zeitung und erhält von Greta einen sehr einfühlsamen Brief, der an ihre Tochter gerichtet ist. Lola öffnet diesen nach tagelangen Zweifeln und erfährt, dass ihre Großmutter gar nicht weit entfernt in einem Seniorenheim wohnt. Sie beschließt die bereits 87-jährige Greta mit ihrer neugeborenen Tochter Greta zu besuchen.....

Bei diesen Zusammentreffen erzählt Greta ihrer Enkeltochter von den fünf Männern, die ihr Leben geprägt haben und die sie jeweils auf unterschiedliche Weise liebte. Obwohl ihre Ehemänner kaum unterschiedlicher sein könnten, wird nachvollziehbar, weshalb sie sich für jeden von ihnen entschieden hat. Schritt für Schritt erfährt Lola mehr über eine Frau, deren Leben von Leid und zahlreichen Rückschlägen gezeichnet wurde. Gretas großes Herz und ihr Mitgefühl haben ihr nicht nur Wohlwollen und Akzeptanz gebracht - im Gegenteil. Besonders schmerzhaft empfand sie den Kontaktabbruch ihrer Tochter Marie. Diese Entfremdung durchzieht den Roman wie ein roter Faden und macht deutlich, welche Spuren ungelöste Konflikte und verdrängte Verletzungen innerhalb einer Familie hinterlassen. 

Sehr gut gefallen haben mir die unterschiedlichen Erzählweisen. Diese machen den Roman besonders lebendig und abwechslungsreich. Judith Reusch lässt verschiedene Figuren zu Wort kommen. Abwechselnd erzählen Lola und Marie ihre Sicht der Ereignisse, während Greta ihre eigene Geschichte vorliest und Lola an ihrer Vergangenheit teilhaben lässt. Dazwischen findet man auch Briefe, die weitere Informationen liefern.

Greta ist eine vielschichtige, intelligente und emotionale Frau, die ihr Leben lang zu kämpfen hat. Sie hat ein großes Herz und kümmert sich rührend um andere Menschen. Ich habe mit ihr geweint, mitgelitten und gekämpft. 
Lola leidet hingegen an der Last ihrer Vergangenheit, ihrer sturen Mutter, die sich strikt weigert mit ihr über Greta zu sprechen und dem großen Schweigen.

Geheimnisse, Missverständnisse und jahrzehntelanges Schweigen sind vertraute Motive vieler Familiengeschichten. Judith Reusch gelingt es jedoch, diesen Stoff in eine berührende und facettenreiche Erzählung zu verwandeln. Das Thema Demenz ist ebenfalls ein großes Thema, welches de Autorin sehr einfühlsam behandelt.
Das Ende hat mich betroffen zurückgelassen.

Fazit:
Ein wunderbarer Roman voller Emotionen und Geheimnissen, sowie mit starken Charakteren. Mich hat dieses Buch mitgerissen und vollkommen eingenommen. Eine große Leseempfehlung!


Vielen Dank an Judith Reusch für das Rezensionsexemplar, welches liebevoll verpackt hier ankam und für die Begleitung bei der Lovelybooks Leserunde.

Sommertage am Meer - Roberta Gregorio

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Ullstein Taschenbuch, 1. Auflage (26. März 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548073034
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548073033
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur



Ullstein Kurzbeschreibung:
Als Dafne und Amelia die Nachricht vom Tod ihrer Tante erhalten, herrscht zwischen ihnen seit Jahren Funkstille. Nun sollen die Schwestern gemeinsam das idyllische Strandbad an der Amalfiküste erben – jenem Ort, an dem sie den magischsten Sommer ihrer Jugend erlebt haben, bis in einer verhängnisvollen Nacht alles ein Ende fand. Jetzt kehren sie nur nach Positano zurück, um das Strandbad so schnell wie möglich zu verkaufen. Doch als vier Gäste eintreffen und Tag für Tag zur gleichen Zeit ins Meer tauchen, ist ihre Neugierde geweckt. Was haben die vier Personen mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun? In der salzigen Meeresluft finden Dafne und Amelia endlich den Mut, sich der Wahrheit zu stellen – und erkennen, dass ein Neuanfang nur möglich ist, wenn sie einander vergeben.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur Book Special ABC Challenge

Meine Meinung:
Von Roberta Gregorio habe ich bereits die Reihe um die kleinen Läden an der Amalfiküste gelesen, die perfekte Urlaubsstimmung verbreiten. Mit ihrem neuen Roman "Sommertage am Meer" gelingt dies ebenfalls, jedoch ist die Handlung viel ernster und hat mehr Tiefgang.

Die Geschichte von Dafne und Amelia wird auf zwei Zeitebenen erzählt: in der Gegenwart und anhand von Erinnerungen an jene Sommer, die die Schwestern einst gemeinsam mit ihren Eltern in Positano an der Amalfiküste verbrachten. Im Strandbad ihrer Patentante Carmen schienen die Tage damals endlos und das Leben unbeschwert. Jahre später haben sich die Schwestern jedoch voneinander entfernt und haben keinerlei Kontakt mehr.  Schon früh wird klar, dass ein schwerwiegendes Ereignis in der Vergangenheit vorgefallen sein muss und sie deshalb den Kontakt abgebrochen haben.
Als Carmen stirbt, müssen die Schwestern zur Testamentseröffnung zurück an die Amalfiküste. Sie haben das Strandbad geerbt, jedoch nur unter einer Bedingung. Einen Sommer lang sollen sie das Strandbad betreiben - gemeinsam! Sowohl Dafne, als auch Amelia sind entsetzt, denn beide haben in der Zwischenzeit andere Lebensmittelpunkte. Dafne wohnt mit ihrem Mann Cesare und Sohn Leo in der Nähe von Mailand und Amelia in Bologna, wo sie als Lektorin arbeitet. Gezwungener Maßen beginnen sie Carmens Bedingung zu erfüllen, denn die Arbeit im Strandbad ist ihnen nicht neu. Und obwohl das Ereignis aus der Vergangenheit noch immer zwischen ihnen steht, fühlt man die tiefe Verbundenheit, die die Schwestern einmal zueinander hatten.....

Roberta Gregorio bleibt der Amalfiküste treu. Diesmal sind wir jedoch im wunderschönen Positano. Bunte Häuser, sommerliches Flair, steile Klippen und Treppen, Zitronen und Urlaubsfeeling....dies vermittelt die Autorin mit jeder Zeile. Man fühlt sich, als ob man selbst durch die Straßen von Positano schlendern würde. 
Neben den beiden Zeitebenen, die abwechselnd aus der Vergangenheit und der Gegenwart erzählen,  wird die Geschichte auch jeweils aus der Sicht von Dafne und Amelia erzählt. Man merkt sehr schnell, dass ein schlimmer Vertrauensbruch zum Kontaktabbruch geführt haben muss.
Ich hatte bereits ein drückendes Gefühl im Magen...eine kleine Vorahnung, was die beiden Schwestern damals entzweit haben könnte. Doch als es dann tatsächlich eintraf, war ich trotzdem geschockt und musste stark schlucken....

Die Geschichte wird sehr gefühlvoll und detailverliebt erzählt. Die lockere Sommer- und Urlaubsstimmung, die für die Amalfi-Reihe bezeichnend sind, verbreiten auch bei "Sommertage am Meer" dieses Gefühl von Sonne, Sommer und Meer. Jedoch hält dieser Roman einiges zum Nachdenken bereit und besitzt Tiefgang. Der leichte Grundton und die besondere Beziehung der Figuren untereinander bringen aber auch die gewünschte Leichtigkeit mit. Eine gelungene Mischung aus entspannter Urlaubsatmosphäre und inhaltlicher Tiefe.

Fazit:
"Sommertage am Meer" verbreitet das gewünschte Sommer- und Urlaubsfeeling, bringt aber auch etwas Tiefe und Nachdenklichkeit mit. Perfekt für schöne Sommertage in der Hängematte oder auf der Terrasse...oder noch besser: am Meer.



Eine Liebe ohne Sommer - Timothy Paul

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Rowohlt Taschenbuch, 1. Auflage  (15. Mai 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3499017563
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499017568
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur



Rowohlt Kurzbeschreibung:
Ein verregneter Tag, eine zufällige Begegnung: Als Rosa vor Nikolas steht, macht ihr Herz den ersten von vielen Sprüngen. Zwischen dem humorvollen Mann mit den perfekten Haaren und ihr funkt es gewaltig; sollte es da stören, dass er sie trotz großer Innigkeit nie seinen Freunden vorstellt? Doch dann stirbt Nikolas bei einem Unfall – und lässt Rosa mit zwei Fragen zurück: Was war das zwischen ihnen, und hat sie ihn überhaupt richtig gekannt? Auf der Suche nach Antworten trifft sie seine Exfreundin, seinen besten Freund, der überraschend feindselig ist, und ein Kind mit dem Charme einer Naturgewalt. So lernt Rosa eine neue Seite von Nikolas kennen: eine, die sie hätte lieben können?

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
"Eine Liebe ohne Sommer" ist das Debüt von Timothy Paul und war für mich eine Liebesgeschichte, die etwas anders war.
Man weiß von Beginn an, dass Nikolas bei einem Unfall stirbt und irgendwie habe ich immer auf diesen Moment gewartet, der dann doch etwas kurz und knapp ausfiel. Timothy Paul widmet sich in seinem Roman eher den Geheimnissen hinter den Charakteren und der Frage: "Wie gut kennt man seinen Partner?"
Rosa und Nikolas lernen sich im Treppenhaus kennen und bemerken bald, dass sie mehr füreinander empfinden. Sie werden ein Paar, doch Rosa beginnt immer wieder an der Beziehung zu zweifeln, denn sie kennt auch nach drei Monaten noch niemanden aus seinem Freundeskreis. Die einzige Person aus seinem Umkreis, die sie kennenlernt, ist seine dominante Mutter Ellen. Auch was seine Vergangenheit betrifft, hält er sich bedeckt. Welche Geheimnisse verbirgt er vor Rosa? 
Nach Nikolas Tod bleibt nicht nur Trauer, sondern auch die Frage: "Wie trauert man um einen Menschen, mit dem man nur drei Monate zusammen war und der anscheinend Geheimnisse vor einem hatte? Deshalb beschließt Rosa mehr über ihn zu erfahren...

Die Geschichte ist in zwei Teile aufgeteilt. Ich hatte mit einem stärkeren Fokus auf die Zeit nach dem Tod gerechnet, wurde jedoch überrascht, da ziemlich genau die Hälfte des Buches in der Vergangenheit spielt.
Im ersten Teil erfahren wir, wie sich Rosa und Nikolas kennenlernen, wie ihre Beziehung beginnt und welche Zweifel Rosa begleiten.
Im zweiten Teil lernt Rosa Nikolas durch Gespräche mit seinen Freunden gewissermaßen ein zweites Mal kennen. Stück für Stück erkennt sie, was ihn wirklich ausgemacht hat.

Jeden von uns wird das Thema Trauer früher oder später treffen und jeder Mensch geht anders damit um. Auch Rosa schwankt zwischen Wut, Trauer und Unsicherheit. Darf sie um jemanden trauern, den sie erst so kurze Zeit und vielleicht nie wirklich kannte?
Trotz der ernsten Thematik wirkt der Roman nicht bedrückend, da immer wieder humorvolle Dialoge und Gedanken aufblitzen. Timothy Paul verbindet Tiefgang und Humor auf eine Weise, die die Geschichte zugleich berührend, aber auch unterhaltsam macht. Man erkennt, dass Verständnis oftmals erst entsteht, wenn die Gelegenheit zum Gespräch längst vorbei ist.

Die Grundidee der Geschichte hat mich angesprochen, jedoch konnte mich das Buch nicht restlos überzeugen. Timothy Paul behandelt zugleich zentrale Themen wie Familie, Trauer und Queerness. Der Schreibstil ist eher ruhig, obwohl es zu einigen überraschenden Enthüllungen kommt, die man nicht erwartet hat. Einige davon fand ich allerdings etwas überzogen und skurill. 

Die einzelnen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und einige davon auch leicht exzentrisch. Nikolas übergriffige Mutter, die sich ihr Weltbild zurechtrückt, wie es ihr passt; sein Bruder Stefan, der immer im Schatten von Nikolas stand; Vater Dieter, der früh die Familie verließ; das Nachbarskind, welches sich selbst "Dickeskind" nennt und sehr an Nikolas hing; Steffi, die beste Freundin von Rosa, die immer für sie da ist und Martin, Nikolas bester Freund, der immer wieder im falschen Moment auftaucht und sich feindselig gegenüber Rosa verhält.
Interessant fand ich Rosas Beruf als Lektorin und Ghostwriterin. Hier hätte ich gerne noch mehr darüber gelesen.
Hingegen tat ich mir manchmal ein bisschen schwer mit der Dynamik zwischen Rosa und Nikolas. So ganz konnte ich die Verbindung der beiden nicht spüren. Die Zweifel, die Rosa spürt und einige Dinge hinterfragt - wie zum Beispiele Nikolas regelmäßiges abtauchen für ein paar Tage - konnte ich hingegen jederzeit nachempfinden.
Das Ende empfand ich etwas zu pathetisch....

Fazit:
Der Roman handelt von Menschen, die einander nicht immer erreichen, aber dennoch etwas Bleibendes hinterlassen. Nicht alles konnte mich überzeugen, aber im Großen und Ganzen ist Timothy Pauls Debüt ein gelungenes!

Vielen Dank an vorablesen und den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

Der Sommer, der uns blieb - Greta Herrlicher

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
    • Verlag: ‎ VANI Verlag GmbH; 1. Auflage (14. April 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3691690009
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3691690002
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Vani Kurzbeschreibung:
Drei Freunde, eine alte Schuld – und ein Sommer, der alles verändert. In einer idyllischen Kleinstadt, umgeben von glitzernden Seen und endlosen Feldern, erleben Britta, Pia und Martin eine Jugend voller Abenteuer und kindlicher Träume. Doch ein verhängnisvoller Sommer reißt die enge Freundschaft der drei auseinander. Zwei Jahrzehnte später ist die verlorene Zeit zwischen ihnen zu einem fremden Land geworden. Inmitten von Schmerz und Vergebung müssen Britta, Pia und Martin entscheiden, ob ihre Freundschaft stark genug ist, um die Schatten der Vergangenheit zu überwinden. Doch ein gut gehütetes Geheimnis droht die zarten Bande, die sie miteinander verbinden, endgültig zu zerreißen.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur Book Special ABC Challenge

Meine Meinung:
Als Kinder waren Martin, Pia und Britta unzertrennlich. Aufgewachsen in den Neunziger Jahren verbringen die Nachbarskinder ihre gemeinsame Zeit am See, beim Picknick oder bei Britta zuhause. Der Sommer nach dem Abitur sollte nochmal richtig unbeschwert werden, doch er verändert alles. Kurz nach der Abifeier verschwindet Pia - ohne sich von Martin und Britta zu verabschieden. Martin und Britta sind geschockt und kommen mit ihren verletzten Gefühlen nicht klar. Warum hat Pia sie so Knall auf Fall verlassen?
Die drei verlieren sich aus den Augen. Von Pia hört niemand mehr etwas und Britta arbeitet in einem Krankenhaus in Frankfurt. Nur Martin ist in der Kleinstadt geblieben. Er hat nie geheiratet und wohnt noch immer im Nachbarhaus bei seiner Mutter. Er arbeitet im eigenen Familienbetrieb, den er übernommen hat. 
Erst zwanzig Jahre später kommt Britta von Frankfurt wieder in ihre alte Heimat, um ihren dementen Vater zu unterstützen, der seit dem Tod der Mutter alleine lebt und nur mehr schwer zurechtkommt.  
Als Martin ein Flyer in die Hände fällt, der über eine Foto-Ausstellung berichtet, ist er sicher, dass die Frau am Foto Pia ist. Und es dauert nicht lange, bis sich die Wege der drei ehemaligen Freunde wieder kreuzen. Als sie sich wieder begegnen, wird schnell deutlich, dass etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen liegt.....

Die Geschichte wird in zwei verschiedenen Zeitebenen und abwechselnd aus der Sicht von Britta, Martin und Pia erzählt. Wir sind in der Vergangenheit in den Neunziger Jahren und in der Gegenwart im März 2020, dem Beginn der Pandemie, die ab und zu aufgegriffen wird, aber eher als Randerscheinung "mitläuft". Ab und an habe ich mich über einige Begebenheiten zu dieser Zeit gewundert, die ich nicht ganz passend fand. 
Die langsame Annäherung der Drei fand ich hingegen gelungen und sehr authentisch. Die damaligen und späteren Entscheidungen der Charaktere, zeigen Spuren und Folgen bis in die Gegenwart. Die Themen Schuld und Vergebung ziehen sich als roter Faden durch die ganze Handlung. 
Das im Klappentext angekündigte große Geheimnis aus der Vergangenheit war für mich jedoch nicht wirklich eine Überraschung. Inhaltlich vielversprechend, bleibt die Geschichte jedoch in der Umsetzung hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Ich habe die Geschichte als weniger tiefgründig empfunden, als sie hätte sein können. Denn die Fülle an schweren Themen und Konflikten sind doch einige. Manche wurden daher nur angerissen. Dennoch schafft Greta Herrlicher es, eine angenehme Leichtigkeit zu bewahren, was das Lesen erleichtert.

Optisch kann man an diesem Buch aus dem Vani Verlag nicht vorbeigehen. Es ist ein Träumchen! Unter dem Umschlag verbirgt sich ein wunderschöner Leineneinband, der das Bild des Covers nochmals abbildet. Rundherum gibt es einen bezaubernden Farbschnitt in denselben zarten Farben und im Buch gibt es ein Page Overlay (eine illustrierte, transparente Seite), sowie ein Farbbändchen. Leserherz, was willst du mehr!? 

Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Zitat, wie z.B.: "Ein kleiner Stein der Erkenntnis kann eine Lawine auslösen" oder "Entscheidungen verschwinden nicht, sondern begleiten uns leise weiter". Drunter steht der jeweilige Name des erzählenden Protagonisten.

Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und lässt sich leicht lesen. Der heutige Zeitgeist ist gut eingefangen. Obwohl oftmals Zitate und Gedanken eingebracht sind, die nachdenklich machen, wirkt manches etwas oberflächlich. Die Figuren sind gut gezeichnet, wobei ich Martin nicht wirklich gemocht habe, was aber keine Rolle spielt. Was mir ein bisschen fehlte, war der Unterschied im Sprachstil der Protagonisten als Kinder und als Erwachsene. Die Rückblicke in die Neunziger Jahre fangen das damalige Lebensgefühl perfekt ein. Die sommerliche Kleinstadt-Atmosphäre hat mir ebenfalls gut gefallen.

Fazit:
Ein Kompliment an den Vani Verlag für diese Augenweide! Inhaltlich ist die Geschichte eher ruhig und nicht wirklich etwas Neues. Sie wird jedoch - trotz mancher schweren Themen - mit einer Leichtigkeit erzählt und versprüht Emotionen und Atmosphäre. Ich habe es gerne gelesen!


Vielen Dank an vorablesen und den Vani Verlag für das Rezensionsexemplar!

Elbland - Claudia Rikl

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag ‎ Ullstein Hardcover, 1. Auflage (12. März 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550204469
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550204463
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Ullstein Kurzbeschreibung:
Als ihre Mutter Irma stirbt, verliert Nina den Boden unter den Füßen. Nach Jahren des Ausharrens an der Seite dieser gebrochenen Frau ist sie plötzlich frei und fühlt sich verlorener denn je. Um wieder festen Grund zu finden, reist sie ins tschechische Riesengebirge, wo die Familie ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Nina will ergründen, was die Familie damals auseinandertrieb – und was das Land für sie bereithält, das ihre Mutter einst Heimat nannte: Böhmen. So tiefsinnig wie schwebend schön ergründet Claudia Rikl, was beim Verlassen der Heimat zurückbleibt und was uns das Bleiben kostet.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Claudia Rikl wurde durch ihre eigenen Familiengeschichte inspiriert, sich mit mit der Vertreibung der Sudetendeutschen aus der damaligen Tschechoslowakei auseinanderzusetzen. Auch meine Vorfahren mütterlicherseits sind aus Mähren vertrieben worden und haben alles zurücklassen müssen. Deshalb war ich sehr gespannt auf diesen Roman.

Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen. In der Gegenwart fällt Nina in ein tiefes Loch, als ihre Mutter Irma stirbt. Obwohl sie sich die letzten Jahre um ihre unter Depressionen leidende Mutter gekümmert hat, war das Verhältnis der beiden eher kühl. Trotzdem hat Nina jahrelang ihren eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und sich alleine um sie gekümmert, während ihr Vater und ihre Schwester Katja ihr Leben weitergelebt haben.
Immer wieder fragt sich Nina, was Irma so beschäftigt hat, dass sie in eine schwere Depression verfiel? Und warum findet sich auch Nina nicht wirklich in ihrem Leben als Schauspielerin zurecht? Weshalb kann sie keine Nähe zulassen?

In Rückblenden erfahren wir von Irmas Kindheit am Ende des Zweiten Weltkrieges in Arnau, dem heutigen Hostinné, im böhmischen Riesengebirge. Das einst behütete Leben endet jäh, als die deutschsprachigen Einwohner, die Sudetendeutschen, brutal vertrieben und getötet werden. Ein weiterer Handlungsstrang führt ins Jahr 1987, als Nina, Katja und ihre Eltern ein letztes Mal gemeinsam Urlaub in Irmas böhmischen Heimat verbringen. Danach zerfällt die Familie, genauso wie zwei Jahre später die DDR und im Laufe der Jahre Ninas Leben in der Gegenwart. Im Verlauf der Geschichte wird zunehmend klar, wie die einzelnen Ereignisse miteinander zusammenhängen und wie stark die Vergangenheit bis heute nachwirkt.

Um ihre Mutter und auch sich selbst besser zu verstehen, reist Nina schließlich in deren frühere Heimat nach Böhmen und geht den Spuren der Vergangenheit nach. Denn Irma hat nie darüber gesprochen, was damals passiert ist. Ihr Verstummen hat auch die nachfolgende Generation beeinflusst. Die Reise ebnet den Weg zur Versöhnung – auch mit ihrer Schwester Katja, die sie stets als das bevorzugte Kind empfunden hatte und die nach 1987 ihre eigenen Wege ging. Erst durch die Auseinandersetzung mit Katja erkennt Nina, dass auch diese dem System ausgeliefert und darin gefangen war.

Claudia Rikl zeigt eindrucksvoll, was Schweigen in Familien auslösen kann. Wie es eine Generation prägt und sich auf die nächste überträgt. Wie sehr unausgesprochene Wahrheiten das Leben beeinflussen können. Nach und nach erschließt sich ein klares Bild und Nina findet zu sich selbst.

Die Figuren wirken authentisch, auch wenn mir an einigen Stellen die emotionale Verbundenheit gefehlt hat. Die Sprache ist eindringlich und poetisch, etwas melancholisch. Die Geschichte entwickelt sich langsam. Manche Dinge werden nur angedeutet, wobei die Autorin den Leserinnen ihre Fantasie überläasst.

Am Anfang des Buches sieht man ein schwarz-weiß Foto eines jungen Mädchens. Ich nehme an, dass es sich dabei um Helene, die Großmutter der Autorin handelt.

Fazit:
Eine generationenübergreifender Roman über das Verstummen einer Generation und deren Folgen auf die Nachkommen. Ergreifend erzählt.


Vielen Dank an den Ullstein Verlag und an vorablesen für das Rezensionsexemplar!

Wilder Honig - Caryl Lewis

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
    • Verlag: ‎ Klett-Cotta, 2. Auflage, (13. September 2025)
    • Übersetzer: Monika Köpfer
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3608966897
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3608966893
    • Originaltitel: ‎ Bitter Honey
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur

Klett-Cotta Kurzbeschreibung:
Hannah hat ihr ganzes Leben in Berllan Deg, einem kleinen Ort in Wales, verbracht. Anders als ihre Schwester Sadie, ist sie nie aus ihrem Elternhaus ausgezogen, nicht einmal nach ihrer Hochzeit mit John. Sie ist in diesem Haus und dem dazugehörigen Obstgarten verwurzelt, behandelt die Bäume, als gehören sie zur Familie. Als ihr Mann stirbt, ist Hannah das erste Mal allein. John, einst Schriftsteller und Imker, der die Welt durch die Sprache der Bienen zu verstehen lernte, hat ihr elf Liebesbriefe hinterlassen. Aber er hatte auch ein großes Geheimnis. Megan, Hannah und Sadie werden damit konfrontiert und begeben sich auf eine Reise durch die Erinnerung. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser sehr ruhige, aber sehr atmosphärische Roman, hat in der Lovelybooks Leserunde sehr gemischte Meinungen hervorgerufen. Mir hat die Aussage der Geschichte und die bildhafte Erzählung im Jahreskreis gut gefallen, wenn sie auch manchmal etwas mehr Tempo vertragen hätte.

Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah und ihr Ehemann John bis zu deren Tod unter ihrer Herrschaft litten. 
Im Winter ihres Lebens ist Hannah nun nach dem Tod ihres Mannes alleine in ihrem Elternhaus angekommen. Zur Trauerfeier reist ihre Schwester Sadie an, die Hannah die nächste Zeit unterstützen möchte. Doch lange sind die beiden Frauen nicht alleine, denn sie bekommen Besuch von Megan, einer jungen Frau, die in einem besonderen Verhältnis zu Hannah und Sadie steht. Mehr möchte ich dazu nicht erzählen....

Alle drei Frauen fühlen sich in ihrem Leben verloren und sind nach der Suche nach sich selbst. Während sich Hannah, Sadie und Megan im dunklen und schneereichen Winter zurückziehen, nähern sie sich im kommenden Frühling an. Während John vor allem seine wissenschaftlichen Bücher und die Imkerei am Herzen lag, widmet sich Hannah nun dem verwilderten Obstgarten ihres Vaters, den sie endlich nach ihren eigenen Plänen anlegen kann. Mit Jack, der John bei den Bienen geholfen hat und im Frühling und Sommer in einem Wohnwagen im Garten wohnt, kommt eine weitere interessante Figur hinzu. Er befasst sich vor allem mit den Bienenvölkern und bringt Megan und dem Leser das Bienenvolk näher. Hier habe ich mit Neugier gelesen, denn mein Mann ist seit letztem Jahr ebenfalls Imker und ich muss zugeben, dass ich vieles noch nicht richtig verstehe.

Dazwischen lesen wir aus den Briefen, die John seiner Frau hinterlassen hat. Anhand seiner Erzählungen aus dem Leben der Bienen, versucht er Hannah mitzuteilen, warum ihr Leben und ihre Ehe so verlaufen ist. Vor allem aber möchte er ihr erklären, warum er sein Geheimnis erst nach seinem Tode offenbart und ihr nicht früher davon erzählt hat. Dieses Geheimnis reißt jedoch alte Wunden auf, die Hannah fast zerstören....
Die Briefe, die John an Hannah geschrieben hat, haben mich nicht wirklich überzeugt. Mir fehlten hier die Emotionen im Bezug zu ihrer Ehe und Liebe. 

Die bildhafte und poetische Sprache der Autorin habe ich genossen, obwohl sich die Geschichte eher unaufgeregt und leise präsentiert. Die Charaktere sind facettenreich und haben eine emotionale Tiefe, die sich jedoch erst langsam entwickelt. Es werden wesentliche Themen angesprochen und beleuchtet.

Vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur und der Landschaft habe ich genossen. Dabei wird die Geschichte auf anderer Seite sehr unaufgeregt erzählt, wobei es auch zu kleinen Längen kommen kann. Ich denke, man muss sich in die Geschichte hineinfühlen und auch in der richtigen Stimmung sein.

Am Ende schließt sich der Jahreskreis und gibt der Geschichte um Hannah, John, Sadie, Megan und Jack den perfekten Rahmen. Diese Verbindung habe ich als sehr harmonisch empfunden. Der graue und kalte Winter mit Johns Tod und Hannahs Trauer und Wut, danach der Frühling und Megans Ankunft bzw. ihre kleine Annäherung an die Schwestern, Hannahs Pflege des Obstgartens und dann die in Blüte stehenden Bäume, die neue Hoffnung geben bis es zur Ernte kommt. 

Cover:

Diesmal habe ich nur das britische Originalcover gefunden. Die Geschichte scheint bisher nur ins Deutsche übersetzt worden zu sein.
Von den Farben erinnert es mich ein bisschen an "Wildhonig" von Jodie Picoult, welches dieselbe Farbgebung auf dem englischsprachigen Cover hat.


Fazit:
Ein sehr leiser und tiefgründiger Roman, bei dem mir vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur gefallen hat und die langsame Entwicklung der drei Frauen, die schlussendlich zu sich selbst finden.


Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Ja, nein, vielleicht - Doris Knecht

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    • Verlag: ‎Hanser Berlin, 4. Auflage ( 22. Juli 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446282882
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446282889
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Hanser Kurzbeschreibung:
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlt sie sich wieder frei: Die Kinder sind ausgezogen, in ihrem Dasein zwischen Großstadt und Landleben breitet sich Ruhe aus. Doch dann wird ihre Wohnung von ihrer Schwester besetzt, es droht ihr ein Zahn auszufallen und sie wird mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Während sich das eher marginale gesundheitliche Dilemma zu einer kleinen existenziellen Krise auswächst, trifft sie im Supermarkt einen Mann von früher wieder: Friedrich. Eine Begegnung, die sie vor eine Frage stellt, mit der sie sich eigentlich nicht mehr beschäftigen wollte: Ist sie bereit für eine weitere Liebesbeziehung? Oder besser gesagt: Ist sie bereit, ihr gutes Leben zu teilen, ihre innere Zufriedenheit zu riskieren, schon wieder?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
"Ja, nein, vielleicht" ist mein zweites Buch der Autorin, die mir von meiner Nichte empfohlen wurde, die jedes Buch von Doris Knecht verschlingt.
Nach "Die Nachricht" konnte mich aber auch ihr neuester Roman nicht komplett abholen, obwohl sich das Thema um das Älter werden und Vergänglichkeit dreht, welches (leider) in meinem Alter nun doch immer präsenter wird.
Auch die Hauptprotagonistin fühlt sich durch den baldigen Verlustes eines Zahnes plötzlich daran erinnert, dass sie in der zweiten Lebenshälfte angekommen ist. Die Kinder sind ausgezogen und leben ihr eigenes Leben, während sie zwischen der Wohnung in der Stadt und ihrem Häuschen im Waldviertel hin- und herpendelt. Der Vater der Kinder hat sich schon lange verabschiedet und nun ist endlich Ruhe in ihrem Leben eingekehrt. Mit ihrem Hund lebt sie zurückgezogen in ihrem Haus am Land und sinniert über die kommenden Jahre. Was kann sie sich noch von der Zukunft erwarten?
Als sie nach 25 Jahren ihre Jugendaffäre Friedrich in einem Supermarkt wieder trifft, fängt sie an darüber nachzudenken, ob sie nochmals eine Partnerschaft eingehen würde? Friedrich, der mit ihr gemeinsam die Milleniumsnacht in New York im Bett verbrachte, geht ihr nur mehr schwer aus dem Kopf. Doch möchte sie tatsächlich ihr geruhsames Leben am Land teilen und sich den Wünschen eines Mannes richten? Ja, nein oder doch vielleicht?
Die Gedanken sind da, doch als sich ihre Schwester Paula in der Stadtwohnung einnistet und auf ihre Anrufe nicht reagiert und die Zahnarztbesuche zunehmen, tritt Friedrich erstmal in den Hintergrund.

Im Großen und Ganzen begleiten wir die namenslose Ich-Erzählerin bei ihrer täglichen Routine, was einem das Gefühl gibt, aus einem Tagebuch zu lesen. Es passiert nicht wirklich viel. Weite Teile des Romans folgen wir einfach den Gedanken der Erzählerin. Es sind Reflexionen über die Mitte des Lebens und was wir noch erwarten können. Die Freundschaft zwischen Friedrich, die im Klappentext eine viel größerer Rolle einnimmt, spielt sich eher im Hintergrund ab. Auch die Zahnarztbesuche, die zu Beginn noch ein interessantes Metapher waren, nutzen sich durch viele Wiederholungen ab.
Das Männerbild ist durchgehend schlecht und eindimensional. Es wimmelt nur so von Narzissten, Depressiven oder Alkoholikern. Dass ihre beste Freundin Therese plötzlich wieder heiraten möchte, kann sie nicht verstehen und gibt ihr ebenfalls viel Stoff nachzudenken.

Im letzten Viertel wurde ich dann auch noch richtig getriggert, denn die Autorin nimmt das Hochwasser des letzten Jahres, welches genau meine Region betroffen hat, in ihrem Romans auf! Ihr Haus steht an einem Bach, der überflutet werden soll, wenn man den Wetterberichten Glauben schenkt. Ich war wieder im September 2024 angekommen und war beim Lesen alles andere als entspannt. Immer wieder hatte ich die Bilder vor Augen, wie vor meinem Haus die Straße zum Fluss wurde....

Am Ende erkennt die Ich-Erzählerin, was und wer wirklich wichtig ist und dass es davon in ihrem Leben doch so einiges gibt, was sich positiv anfühlt.

Fazit:
Es ist ein leiser, nachdenklicher Roman über Vergänglichkeit, dem begraben von Jugendträumen und setzen neuer Ziele. Für mich war die Geschichte teilweise leider zu belanglos, denn es passiert recht wenig. Die Gedankengänge der Protagonistin konnte ich jedoch oftmals sehr gut nachvollziehen, da ich selbst in diese Altersgruppe falle. Eine Geschichte vor allem für Frauen in der Mitte des Lebens geeignet.


 

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