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Ahmici - Thomas Obruca

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
    • Verlag: ‎ Bibliothek der Provinz; New Edition (1. August 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3991260786
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3991260783
    • Genre: Kriegsdrama, biografischer Roman, Sachbuch




Amazon Kurzbeschreibung:
Dies ist die Geschichte des dreizehnjährigen Adnan. In den Wirren des Krieges in Bosnien und Herzegowina wird er, selbst durch Schusswunden schwer verletzt, Zeuge der brutalen Ermordung seiner Eltern und Schwester. Mit diesem Moment beginnt für ihn der Kampf um sein eigenes Überleben. Völlig auf sich allein gestellt, kann er sich mit letzter Kraft in ein durch die gelegten Brände beschädigtes Haus retten, in der Hoffnung, den noch tobenden Kämpfen damit entrinnen, überleben und schließlich gerettet werden zu können. Doch in seinem Versteck beginnt für ihn ein Martyrium.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Meinen Blog gibt es bereits seit 2010 und trotzdem ist dies eine Premiere! Es ist das erste Mal, dass ich ein Buch eines Autoren gelesen habe und es hier rezensiere, der aus meinem Ort kommt und den ich persönlich kenne. Umso schwieriger ist es für mich, hier die richtigen Worte zu finden...

Thomas Obruca war von 2002-2007 als Sonderermittler beim Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien tätig. In seinem Roman erzählt er über den Angriff der kroatischen HVO-Truppen auf das Dorf Ahmici am 16. April 1993 in Bosnien und die Geschichte des damals 13-jährigen Adnan.
Thomas
hat das Massaker an 116 Frauen, Kindern und älteren Menschen für das Internationale Jugoslawien-Tribunal in Den Haag untersucht. Das Schicksal von Adnan, und dessen eiserner Wille zu überleben, hat ihn nie losgelassen. Nach Rücksprache mit dem nun erwachsenen Mann, erzählt er dessen Geschichte in diesem Buch.

Als das Dorf mitten in der Nacht völlig unerwartet angegriffen wird, kann sich der 13-jährige Adnan schwer verletzt retten. Er ist Zeuge der brutalen Ermordung seiner Eltern und seiner Schwester und versteckt sich im ausgebrannten Haus eines Nachbarn, während die Soldaten weiter Jagd nach Überlebenden machen. Es ist kaum vorstellbar, dass eine Woche zuvor Kroaten und Muslime
gemeinsam im Ort Ostern gefeiert haben. Es ist erschreckend, dass Menschen, die trotz unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Religionen friedlich nebeneinander lebten, innerhalb kurzer Zeit zu Feinde werden und sich gegenseitig verraten und ermorden.
Auch für Adnan und seine Familie kommt dieser Anschlag völlig unvorbereitet. Acht lange Tage versteckt er sich vor den kroatischen Soldaten, bis er von UNO-Friedenstruppen gefunden und gerettet wird.

Die Erzählung wechselt zwischen distanzierter neutraler Beschreibung der Umstände und den Gedanken und Träumen von Adnan in kursiver Schrift. Dabei denkt der 13-jährige zurück an seine Familie und erinnert sich an besondere Begebenheiten. Er träumt sich aber auch in eine heile Welt und denkt an die Zukunft, die auf ihn und seine Familie gewartet hätte. Besonders sein Vater hat Adnan geprägt. Immer wieder muss er an seine Worte denken, die ihm neue Kraft geben und ihn nicht verzagen lassen. Mit unglaublichem Lebenswillen überlebt er diese acht Tage schwer verletzt, bei dem wir ihn lesetechnisch begleiten.
Obwohl dieser biografische Roman/Sachbuch über diese schlimme Zeit nur 144 Seiten hat, musste ich immer wieder Pausen einlegen, um die begangenen Gräueltaten sacken zu lassen, bevor ich weiterlesen konnte.

Thomas Obruca, der sein Buch 2019 zu schreiben begann, sagt in einem Interview, dass er sich zu diesem Zeitpunkt nie vorstellen hätte können, dass es schon bald wieder zu einem ähnlichen Krieg in Europa kommen könnte. Leider scheint der Mensch nie aus der Vergangenheit zu lernen.
Anlässlich des 30. Gedenktages des Massakers jetzt im April 2023 wird das Buch auch in bosnischer Sprache erhältlich sein.

Fazit:
Diese Erlebnisse des erst 13-jährigen Adnan Zec, erzählt von Thomas Obruca, zeigt die ungeschminkte Realität des Krieges aus der Sicht eines Kindes. Erschütternd, beklemmend und trotz allem mit einem kleinen Funken Hoffnung. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


Tod von Oben - Jürgen Ehlers




    • Taschenbuch: 360 Seiten
    • Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (19. Oktober 2017)
    • ISBN-10: 374489102X
    • ISBN-13: 978-3744891028
    • Genre: Historischer Roman, Kriegsdrama


Amazon Kurzbeschreibung:
In einer Sommernacht des Jahres 1941 beobachtet die 19-jährige Sofieke, wie ein Fallschirmagent in den besetzten Niederlanden landet. Der Student Gerhard soll für die Engländer spionieren. Er wird jedoch sofort festgenommen. Gerhard entgeht der Hinrichtung nur, indem er sich zum Schein bereiterklärt, als Doppelagent für die deutsche Spionageabwehr zu arbeiten. Arthur Seyß-Inquart, der mächtigste Nazi in den Niederlanden, ist Gerhards Nennonkel. Seine fröhlich-naive Tochter Dorli zeigt ihm den Palast, in dem sie jetzt wohnt. Weder Gerhard noch sie ahnen, dass der Reichskommissar auch eine ganz andere, dunkle Seite hat. Durch Zufall treffen Gerhard und Sofieke wieder aufeinander. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Aber die beiden sind in größter Gefahr. Ihre Gegenspieler in der SS schrecken vor nichts zurück.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Meisten von euch wissen, dass ich gerne Literatur zum Thema Weltkrieg lese. Der Autor Jürgen Ehlers berichtet in seinem Buch "Tod von Oben" über Doppelagenten und Spionage in den Niederlanden. Als Zeitraum behandelt er allerdings nur die Zeitspanne von Juli 1941 bis Ende 1942. Dieser deckt sich mit den historischen Ereignissen und berichtet auch über reale Personen dieser Zeit, doch der Rest ist eine fiktive Geschichte.

Der deutsche Student Gerhard Prange, der in England studierte, als der Krieg ausbrach, landet eines Nachts gemeinsam mit den Niederländer Aaart Alblas mit den Fallschirm in der Nähe von Den Haag. Beide sollen für die Engländer in den Niederlanden spionieren. Gerhard wird allerdings direkt bei seiner Landung festgenommen. Sein Nennonkel Arthur Seyß-Inquart, der Reichskommissar der Niederlande, bietet ihm die Möglichkeit für Deutschland zu spionieren oder durch eine Kugel in den Kopf zu sterben. Natürlich nimmt er das Angebot an und arbeitet ab diesem Zeitpunkt als Doppelagent. Bald darauf lernt er Sofieke kennen, bei der er Unterschlupf findet, nichtsahnend, dass sich die junge Frau ebenfalls versteckt. Sie hat ihre Familie verlassen und den Kontakt komplett abgebrochen. Sofieke ist Jüdin, gibt sich aber als Niederländerin aus und hat Kontakte zum Widerstand. Zwischen den Beiden entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte.

Anfangs hatte ich kleine Probleme die vielen Personen auseinanderzuhalten und richtig zuzuordnen. Ein Personenverzeichnis gleich zu Beginn des Buches hat mir dies etwas erleichtert. Gerhard bleibt lange Zeit undurchschaubar. Erst mit der steigenden Anzahl der Seiten, erkennt man, auf welcher Seite er wirklich steht. Kopfschütteln musste ich über die unglaubliche Situation der Spione. Die sehr jungen Burschen erhielten kaum eine Ausbildung und wurden einfach ins kalte Wasser gestoßen, ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei hatten sie noch schlecht gefälschte Ausweise und altes niederländisches Geld dabei - unglaublich! Gerhard und seine Kollegen sind völlig auf sich gestellt. Die Untergrundbewegung in den Niederlanden war in den Jahren 1941 und 1942 nicht sehr ausgeprägt. Die Bevökerung steht der Besatzung zu diesem Zeitpunkt noch eher gleichgültig gegenüber und der Widerstand ist noch zu klein und unbedeutend. Die meisten Menschen hoffen auf ein baldiges Ende des Krieges und dass alles bald wieder so wird, wie es war. Sie stecken den Kopf in den Sand. Als Gerhard Gerüchte über die geplante Massenvernichtung der Juden hört, spricht er Seys-Inquart darauf an....

Für zusätzliche Komplikationen sorgen die Spannungen zwischen der SS und der Wehrmacht, die sich gegenseitig ausbooten wollen. Der Schreibstil bleibt kühl und sachlich. Die Liebesgeschichte, die der Autor eingebaut hat, blieb mir viel zu emotionslos. Leider kamen bei mir überhaupt keine Gefühlsregungen auf. Anders war es allerdings bei Gerhards gefährlichen Aktionen. Vorallem als Funker kommt er immer wieder in brenzlige Situationen. Den Kontakt zu den Engländern hält er aufrecht. Diese schicken immer mehr Munition und weitere Spione, die allerdings sofort festgenommen werden. Seine chiffrierten Funksprüche werden nicht beachtet und als Leser fragt man sich, was sowohl die Deutschen, als auch die Engländer eigentlich vorhaben. Irgend etwas läuft hier einfach schief....

Das Ende bleibt offen. Obwohl ich offene Enden überhaupt nicht mag, fand ich es passend, dass der Autor das Schicksal von Gerhard nur bis Ende 1942 erzählt hat. Wie seine Kriegserlebnisse weiter gehen, erfahren wir vielleicht in einem Nachfolgeband.

Schreibstil:
Jürgen Ehlers schreibt knapp und sachlich. Für einen Roman wie diesen, finde ich das passend. Trotzdem tat ich mir etwas schwer damit, mich in Gerhard oder in einen anderen Protagonisten hineinzuversetzen. Ich hatte oft das Gefühl irgendwie außen vor zu stehen und nicht in der Geschichte versinken zu können.

Fazit:
Ein Stück Zeitgeschichte, das mir noch unbekannt war. Jürgen Ehlers hat hervorragend recherchiert und historische Fakten mit fiktiven Personen gekonnt verknüpft. Trotz der spannenden Spionagegerschichte, fand ich nicht ganz den Zugang zur Geschichte und vergebe knappe 4 Sterne.

Vielen Dank an den Autor für das Rezensionsexemplar und die Begelitung bei der Lovelybooks Leserunde!

Am Ende dieses Jahres - Anja May


Amazon Kurzbeschreibung: 
Schlesien 1945: Uhrmacherlehrling Anton Köhler würde lieber eine Geige in der Hand halten statt eine Waffe. Doch als um Neujahr 1945 die Rote Armee seinem Heimatort immer näher rückt, wird er zusammen mit seinen Altersgenossen als Wehrmachtshelfer eingezogen und schließlich aus Breslau hinausgeführt. Für Anton und seinen besten Freund Gerhard beginnt ein langer und gefährlicher Weg, der sie mit feindlichen Luftangriffen und der Grausamkeit der eigenen Landsleute konfrontiert. Aber Anton ist entschlossen, seine Familie wiederzusehen. Als sie auch noch an die Front geschickt werden sollen, trifft er die Entscheidung, zu fliehen… Ein historischer Jugendroman über das Erwachsenwerden in einer der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte, über Verlust und Hoffnung, Freundschaft und Liebe.

Meine Bewertung: grandiose * * * * * 

 ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥ 


Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung
Was bin ich froh, dass ich diese Buchperle bei der Lovelybooks-Leserunde gewonnen habe und mitlesen durfte!!!! Die Autorin hat in ihrem Debütroman (!) Erlebnisse ihres Großvaters niedergeschrieben und veranschaulicht, der während dieser Zeit aufgewachsen ist und ihr aus dem Krieg erzählte. Dadurch erscheint der Roman auch wirklich authentisch und berührt ungemein!
 
Warum der Roman "nur als Jugendbuch" angepriesen wird, verstehe ich nicht ganz, denn er ist für wirklich alle Altersstufen von 15-99 Jahren geeignet, die sich für Geschichten aus dem 2. Weltkrieg interessieren. Ich kann vorweg sagen, dass ich außer diesem Buch, bis jetzt nur "Das Lachen und der Tod" von Pieter Webeling gelesen habe, das die Tage im Krieg so detailliert und authentisch beschreibt. Die Sichtweise ist allerdings ein bisschen anders, da es sich im Roman von Webeling um einen Juden handelt, der ins Konzentrationslager kommt und hier lesen wir die Geschichte einen jungen Burschen, noch fast ein Kind, der als Soldat für Hitlerdeutschland rekrutiert wird.
In "Am Ende dieses Jahres" erleben wir das letzte Jahr des Krieges, 1945, als Hitler bereits ahnte, dass der Krieg verloren ist und seine letzte Reserve einzog: alte Männer und Kinder. Ja, Kinder, denn 14-16 jährige Jungen sind nun mal keine Soldaten und doch wurden sie zuerst als Wehrmachtshelfer eingezogen und danach als Soldaten an die Ostfront geschickt. Die Russen und die Amerikaner sind bereits in Deutschland einmarschiert, doch der Krieg ist noch nicht zu Ende und fordert in diesen wenigen Monaten sehr viele (unnötige) Tote.
So werden auch der 15-jährige Anton und sein Freund Gerhard im Winter 1944/45 als Wehrmachtshelfer rekrutiert. Anton, der erst seine Lehre als Uhrmacherlehrling begonnen hat und sein bester Freund Gerhard, ein Waisenjunge, der großteils in Antons Familie aufgezogen wurde und der beim benachbarten Bauern arbeitet, sind wie die anderen Jungen mit der Situation total überfordert. Schon bald stoßen sie an ihre Grenzen und befürchten bald an die Front geschickt zu werden. Als Breslau bombardiert wird, bangt Anton um seine Mutter und seine Geschwister. Bevor er als Wehrmachtshelfer eingezogen wurde, musste ihm diese versprechen mit der ganzen Familie nach Leipzig zu Onkel und Tante zu fliehen, falls die Stadt angegriffen wird. Anton hat Angst seine Mutter und Geschwister nicht mehr wiederzusehen und flieht mit Gerhard während eines Bombardements der Russen und macht sich auf nach Leipzig zu Onkel und Tante. Dort trifft er auch Luise wieder, seine heimliche Liebe. Doch auch in Leipzig hat der Krieg kein Erbarmen. Kaum haben sie sich beim Meldeamt registrieren lassen, erhalten die beiden noch vor ihrem 16. Geburtstag den endgültigen Befehl als Soldaten an die Ostfront einzurücken. Zuvor erhalten sie noch eine zweiwöchige "Einschulung in den Krieg". Anton und Gerhard geben sich das gegenseitige Versprechen den Krieg zu überleben und danach ihre Träume wahr werden zu lassen.....

Der Roman, der ein Einzelschicksal aus dieser Zeit erzählt, steht stellvertretend für all die jungen Burschen, die kurz vor Kriegsende all das Furchtbare miterleben oder ihr Leben lassen mussten. Ich habe schon viele Romane um dieses dunkle Kapitel gelesen, aber dieser hier sticht aus der Masse heraus!  Die Geschichte hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht und zeigt ein galubwürdiges Bild dieser Zeit.

Charaktere:
Die Charaktere sind glaubhaft und sehr authentisch gezeichnet. Man spürt die Verwirrung und die Angst der Jugendlichen, die an der Schwelle vom Kindsein zum Erwachsen werden stehen und plötzlich aus dem gewohnten Leben gerissen wurden. Sie sind mit schrecklichen Erlebnissen und dem Tod konfrontiert und wollen doch ganz einfach ihr Leben und ihre Träume leben. Alle Personen, vom kleinen Nebencharakter bis zu unseren Hauptprotagonisten, sind äußerst lebendig und vielschichtig beschrieben.

Schreibstil:
Ich kann gar nicht glauben, dass es sich hier um einen Debütroman handelt! Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich wunderbar lesen. Die Autorin hat mit Hilfe der Geschichte ihres Großvaters und toller Recherche einen äußerst authentischen Roman geschrieben. Sie spart auch nicht mit grausamen Szenen, die natürlich bei einem Buch mit diesem Thema vorkommen (müssen). Trotzdem sind diese sehr einfühlsam erzählt.
Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Sicht von Anton erzählt, so dass man einen sehr nahen Bezug zum Geschehen hat.

Fazit:
Ein Roman, den ich wirklich JEDEN empfehlen kann! Emotional und authentisch geschrieben von einer Autorin, von der ich gerne noch mehr lesen möchte. Eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Hoffnung und Leid. Ein Buch für Jung und Alt - ich würde am liebsten zehn Sterne vergeben! Absolute Leseempfehlung!

Mein Dank gilt der Autorin Anja May für das Rezensionsexemplar und Lovelybooks für die Leserunde, die ich nicht missen hätte wollen!

Und in mir der unbesiegbare Sommer - Ruta Sepetys

    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 2 (September 2011)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3551582548
    • ISBN-13: 978-3551582546
    • Genre: Drama 
Amazon Kurzbeschreibung:
Litauen, Sommer 1941: Die fünfzehnjährige Lina trägt noch ihr Nachthemd, als man sie, ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder Jonas abholt. Sie weiß noch nicht, dass die sowjetische Geheimpolizei auch ihren Vater an der Universität verhaftet hat. Und auch nicht, dass sie - wie zehntausende andere Balten - nach Sibieren deportiert wird. Von einem Tag auf den anderen ist Lina konfrontiert mit unvorstellbarem menschlichem Leid, mit Hunger, Krankheiten und furchtbarer Gewalt. Doch Lina fängt an zu zeichnen, in den Staub, auf jedes kleinste Stück Papier, das sie finden kann. Und sie verliebt sich in Andrius. Lina kämpft um ihr Leben und um das ihrer Familie. Doch wird sie stark genug sein?

Meine Bewertung: * * * * *


Buch zur "Von Liebe, Tod und Ehre" Challenge

Buch zur "Die dunklen Tage" Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mir fällt es schwer zu diesem Buch eine Rezi zu schreiben, erzählt es doch aus der Sicht eines 15-jährigen Mädchens, das unbarmherzig in die Kriegswirren des zweiten Weltkrieges hineingerissen wird.
Lina wird eines Tages gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jonas von den Sowjets abgeholt. Noch ahnen nur wenige in den Baltischen Staaten, dass diese bald nicht mehr existieren  und unter russische Flagge und Stalin eingeliedert werden. Ich muss zugeben, dass auch ich keine Ahnung hatte, dass die Menschen in Estland, Lettland und Litauen einfach deportiert und in Gefangenenlager nach Sibirien gebracht wurden. Geschichten von Deutschen und Österreichern in sibirischen Lagern sind uns geläufig, aber dass unter Stalin auch die "eigenen"  Landsleute teilweise deportierrt brutal gefoltert wurden, war mir neu.

Linas Familie ist angesehen und gehört zur "Upper Class". Ihr Vater Kostas unterrichtet an der Uni in Vilnius, ihre Mutter Elena ist ebenfalls Lehrerin. Doch gerade dies scheint der Familie Vilkas zum Verhängnis zu werden, denn die Geheimpolizei hat schon länger ein Auge auf sie und ihre Freunde. Zwanzig Minuten haben Lina, ihre Mutter und ihr Bruder Zeit ihre Sachen zu packen, danach werden sie unbarmherzig auf einen Lastwagen getrieben und zu einem Bahnhof im Nirgendwo gebracht. Niemand weiß wohin es gehen wird und was passiert. Wie Tiere werden sie mit Dutzenden anderen Menschen in Viehwaggons gepfercht. Bereits auf der tagelangen Fahrt in die Kolchose Altei in Sibirien sterben die Ersten und werden wie Müll entsorgt.Während Lina anfangs unter Schock steht, beginnt sie bald, jedes Detail ihrer Reise in Zeichnungen festzuhalten und ihrem Vater zukommen zu lassen.
In Altei angekommen werden sie in eine kleine Hütte zu einer alten Russin gebracht und müssen Schwerstarbeit auf den Feldern verrichten. Sie werden wie Schwerverbrecher behandelt und sind der Willkür der Aufseher ausgesetzt. Nur ihre Zeichnungen und ihr starker Wille halten Lina aufrecht, ebenso wie die Freundschaft zum etwa gleichaltrigen Andrius. Er ist es, der der Familie hin und wieder gestohlenes Essen zusteckt. Aber auch Linas Mutter, durch ihre Russischkenntnisse immer wieder als Dolmetsch eingesetzt und Linas Zeichenkünste helfen ihnen zu überleben.

Fast ein gesamtes Jahr verbringt sie in Sibirien, dann wird ein Teil der Lagerinsassen erneut deportiert. Lina, ihre Mutter und ihr Bruder sind unter den Deportierten, doch von Andrius muss sie sich trennen. Abermals werden sie in einen Zug gepfercht und weiter nach Norden gebracht. Als sie entdecken, dass das neue Lager kurz vor dem Polarkreis liegt und es nicht einmal Hütten für die Deportierten gibt, verlieren sie jede Hoffnung, denn der Winter steht kurz bevor ...

Der Schreibstil der Autorin ist sehr einfühlsam und poetisch. Man hat beim Lesen sehr oft einen Kloß im Hals....Ihre Charaktere  sprühen vor Lebendigkeit und sind wirklich einzigartig beschrieben. Man kann sich jeden Einzelnen bildhaft vorstellen....angefangen von Linas Mutter, die wie eine Löwin um ihre Kinder kämpft, ihren kleinen Bruder, der vielzu schnell erwachsen werden muss, den unzufriedenen und immer mies gelaunten "Glatzkopf", der hinter einem harten Kern sein gutes Herz versteckt oder Nikolai Kretzky, der uns im letzten Viertel noch überraschen wird....
Ruta Sepetys versteht es gefühlvoll über eine traurige Geschichte in der Zeit des zweiten Weltkrieges zu erzählen. Uns allen sind die Greueltaten an den Juden bekannt, wissen aber oft nicht, dass es auch in anderen Teilen Europas zu ähnlichen Schicksalen gekommen ist.
Die Autorin, die selbst eine Nachfahrin eines litauischen Offiziers ist, will im Nachwort ihres Romans an das Schicksal des litauischen Volkes unter Stalin erinnern. Zahllose Menschen überlebten die Deportationen nicht oder es wurden ihnen alle ihre Besitztümer gestohlen und die Überlebenden  bei ihrer Rückkehr wie Schwerverbrecher behandelt.

Fazit: Eine bewegende Geschichte, die noch lange nachwirkt und ein Buch, das man gerne in seinem Bücherregal stehen hat.


Das Alphabethaus - Jussi Adler-Olsen

Dänischer Originaltitel: Alfabethuset

Amazon Kurzbeschreibung:
Der Absturz zweiter britischer Piloten hinter den feindlichen Linien… Ein Krankenhaus im Breisgau, in dem psychisch Kranke als Versuchskaninchen für Psychopharmaka dienen…
Die dramatische Suche eines Mannes nach seinem Freund, den er dreissig Jahre zuvor im Stich gelassen hat…

Meine Bewertung: * *  undeinhalb

Buch zur Liebe, Tod und Ehre Challenge
Buch zur Wälzer Challenge

Meine Meinung:
Puh...ich muss sagen, ich bin froh, dass Buch nun endlich fertig gelesen zu haben. Zwischenzeitlich war ich knapp davor abzubrechen .....
Eigentlich bin ich ein Fan von Jussi Adler-Olsen Thrillern, die sich um das Sonderdezernat Q drehen.
Dass "Das Alphabethaus" ganz was anderes sein würde, wusste ich, aber trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich mir mit diesem Buch so schwer tun würde.

Die Geschichte begann eigentlich ganz spannend. Zwei englische Piloten, Bryan und James, seit den Kindertagen die besten Freunde, werden bei einem Aufklärungsflug über Deutschland abgeschossen  und müssen vor den Feinden flüchten. Als sie in die Enge getrieben werden, springen sie auf einen Lazarettzug auf. Die einzige Chance lebend im Zug zu bleiben, ist sich unter die SS-Soldaten zu mischen und sich  als solche auszugeben. Im Waggon, den sie gewählt haben, befinden sich Geisteskranke, vom Krieg psychisch und physisch schwer verwundete und auch Simulanten.
Bei der Geschichte, wie es den Beiden gelingt, sich als Deutsche auszugeben, wobei nur einer der Beiden auch deutsch spricht, sich mit dreckigen Fingernägeln das SS Zeichen einritzt oder sich mit einer fremden Blutgruppe Blut geben lässt...naja, das fand ich schon sehr grenzwertig!!!
Die Seiten, die sie sich als Geisteskranke im Zug aufhalten, wollten einfach nicht vergehen....schlimmer wurde es dann, als sie im Alphabethaus - eine Einrichtung für geisteskranke Nazis, die behandelt werden um wieder für die Front kämpfen zu können - landen. Seite um Seite wurde nur erzählt, wie sie den Tag verbrachten: vor sich hin summend, mit dem Oberkörper schaukelnd, Tabletten und bestimmte Elektroschocks über sich ergehen lassen müssen usw.
Hier war ich soweit das Buch abzubrechen und mich einer anderen Lektüre zu widmen....warten doch so viele schöne Bücher auf mich!

Dann wurde ich doch neugierig, wie einen der beiden Engländer die Flucht gelang...las dort weiter und kam dann zum 2. Teil, wo Bryan sich in England wieder ein Leben aufgebaut hatte, aber sich über zwei Jahrzehnte lang schuldig fühlte, seinen Freund im Alphabethaus zurückgelassen zu haben.
Diese Schuld führt in wieder zurück nach Deutschland und in Freiburg trifft er auch wieder auf drei der gefürchtetsten SS-Männer aus genau den Waggon damals, die er als Simulanten enttarnte.
Ab hier wird es zwar spannender, aber unglaubwürdig finde ich die ganze Geschichte von vorn bis hinten.
Ich kann das Buch auch nicht wirklich einem Genre zuordnen. Man könnte es als Kriegsroman,
Krimi oder Roman über Schuld und Freundschaft beschreiben....

Fazit: Leider kann Jussi Adler-Olson's Debütroman, der nun nach den Erfolgen seiner Dezernat Q Thriller veröffentlicht wurde, bei weitem nicht mit dieser Reihe  mithalten. Eigentlich auch nicht verwunderlich, nachdem es sein erste Roman ist. Trotzdem fehlte es mir sehr an Spannung, aber viel mehr gestört haben mich die Ungereimtheiten und plötzlichen "Zufälle".


 

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