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Wildhonig - Jodie Picoult/Jennifer Finney Boylan

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Borschiert: 560 Seiten
    • Verlag: ‎ C.Bertelsmann Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (30. Mai 2024)
    • Übersetzer: ‎ Elfriede Peschel
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3570104206
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3570104200
    • Originaltitel: ‎ Mad Honey


Bertelsmann Kurzbeschreibung:
Olivia McAfee hätte nie gedacht, je wieder in ihre verschlafenen Heimatstadt in New Hampshire zurückzukehren, in das Haus ihrer Kindheit. Doch als ihr Mann, ein brillanter Chirurg, seine dunkle Seite offenbarte, war die Flucht dorthin für sie und ihren Sohn Asher die einzige Wahl. Sie fassen schnell Fuß, Olivia übernimmt den Imkereibetrieb ihres Vaters, und Asher verliebt sich in Lily, die wie er neu an der Schule ist. Lily erwidert seine Liebe, allerdings trägt sie ein Geheimnis mit sich herum, und sie ist sich nicht sicher, ob sie Ash wirklich alles anvertrauen kann. Doch dann geschieht das Unvorstellbare: Lily ist tot, und Asher wird von der Polizei verhört. Olivia ist von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt. Aber in Ash schlummern auch Anteile seines Vaters. Als sich der Verdacht gegen ihn verhärtet, merkt sie, dass er etwas verbirgt ...

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Jodie Picoult war jahrelang meine Lieblingsautorin, bis mich einige ihrer Bücher nicht mehr wirklich überzeugen konnten. Ihre letzten Romane habe ich dann nicht mehr gelesen, aber mit "Wildhonig" hat sie eine Geschichte geschrieben, die mich wieder interessierte und welche im englischsprachigen Raum auch sehr gut bewertet wurde.
Außerdem ist mein Mann nun bald seit einem Jahr Imker und so hat mich auch das Thema Bienen interessiert, welches zu Beginn doch sehr ausufernd erklärt wird. Das könnte einige Leser etwas abschrecken.... Ich fand es hingegen bewundernswert, wie viel die Autorin hier recherchiert hat und sich mit der Imkerei auseinandergesetzt haben muss.

Olivia McAfee hat mit ihrem Sohn Asher ihren gewalttätigen Ex-Mann verlassen und kehrt in ihre Heimat in New Hampshire zurück. Dort kümmert sie sich schon seit dem Tod ihrer Eltern um deren Bienenstöcke. Die Imkerei war schon immer ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens, den sie sich nun hauptberuflich widmet. Asher findet schnell Anschluss, ist beliebt und gehört zu den Besten im Eishockey-Team. Als er sich auch noch in Lily verliebt, ist die Welt in Ordnung. Doch dann findet Asher Lily tot in ihrem Zuhause und wird bald darauf des Mordes verdächtigt. Olivia ist von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt, jedoch schlummern in Ash auch die Gene seines gewalttätigen Vaters.
Der Ort und seine Schulkameraden wenden sich von Asher ab, der Ex-Mann von Olivia taucht wieder auf und Asher wird verhaftet. Mutter und Sohn sind verzweifelt, denn Asher liebte seine Lily sehr. Doch kurz vor ihrem Tod hat sie ihm ein ganz besonderes Geheimnis anvertraut, welches ihm als mögliches Motiv angelastet wird...

Der Roman wird aus verschiedenen Sichtweisen und mit Rückblenden erzählt. Jodie Picoult und Jennifer Finney Boylan überraschen in "Wildhonig" mit einem Plott-Twist der mich kurz umgehauen hat. Dadurch war für mich aber auch die Aufteilung der Geschichte und ihre Themen logisch. Ich erkannte in den Gerichtsszenen die "alte" Jodie Picoult wieder, deren Art zu erzählen ich vor allem in "19 Minuten" und "Beim Leben meiner Schwester" geliebt habe. Die Gerichtsszenen nahmen viel Raum ein, waren aber spannend erzählt. Man lernt immer wieder Neues über das amerikanische Gerichtssystem...Gutes und Schlechtes.

Warum dann "nur" 3 1/2 Sterne?
Der Roman hat zu viele Längen! Vieles hätte gekürzt werden können und die Geschichte wäre trotzdem verständlich und genauso interessant gewesen.
Vor allem auf den ersten Seiten wurde sehr intensiv über die Imkerei gesprochen und sehr detaillierte Angaben gemacht. Mich hat es interessiert, weil ich erst vor kurzem durch meinen Mann mehr über Bienen weiß, aber ich denke, dass es für viele andere Leser zu langatmig war. Es waren einfach zu viele Informationen!
Auch in der Mitte gab es so einige Längen, die nicht notwendig gewesen wären, weil die Geschichte trotz allem sehr intensiv und komplex ist. Dabei haben die beiden Autorinnen sehr tiefgründige Themen gewählt, die nachhallen und extrem wichtig sind.
Mit "Wildhonig" konnte mich Jodie Picoult nicht ganz überzeugen und als Fan ihrer Bücher "zurückholen", aber sie ist wieder auf dem besten Weg....

Cover:
von links nach rechts:
das amerikanische Cover, drei Paperbacks dazu, wobei eines das britische und eines das australische Cover ist, das litauische und das ungarische Cover

Fazit:
Ein Roman mit sehr wichtigen Themen, der leider etwas zu viele Längen hat. Trotzdem blitzt hier die Jodie Picoult von früher wieder durch, die sich den gesellschaftskritischen und "unangenehmen" Themen widmet. Die Geschichte hallt nach und regt zum Nachdenken an.



Was von Dora blieb - Anja Hirsch

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Originalausgabe Edition (15. März 2021)
    • ISBN-10 : 357010396X
    • ISBN-13 : 978-3570103968
    • Genre: Familiensaga


Bertelsmann Kurzbeschreibung:
Isa steckt in einer Ehekrise. Tief verletzt flüchtet sie an den Bodensee. Im Gepäck alte Briefe und Tagebücher ihrer rätselhaften Großmutter Dora. Um den Schmerz zu verdrängen, befasst sie sich mit deren Geschichte: Dora studierte in den 1920er Jahren zusammen mit dem Bergarbeitersohn Frantek und der extravaganten Maritz am Bauhaus des Ruhrgebiets, der heutigen Folkwangschule. Aus einer intensiven Freundschaft entsteht ein Liebesdreieck. Später heiratet Dora einen Verwaltungsdirektor der I.G. Farben. Gesprochen wurde darüber in Isas Familie kaum. Welche Rolle spielte Isas Großvater im Zweiten Weltkrieg? Und warum besuchte ihr Vater eine der berüchtigten Napola-Schulen? Je tiefer Isa in ihre Familiengeschichte vordringt, umso klarer wird ihr Blick auf Dora ― und auf sich selbst.

Meine Bewertung: * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser Roman, der sich unter anderen mit der Geschichte der Kriegsenkel beschäftigt, war mir bereits in der Vorschau aufgefallen und ist sofort auf meine Wunschliste gewandert. Bei Lovelybooks hatte ich Glück und durfte den Roman in einer Leserunde lesen.
Leider fand ich schon zu Beginn kaum in die Geschichte, was ich sehr bedaure, weil das Buch eigentlich genau in mein Genre passt.

Überhaupt nicht identifizieren konnte ich mich mit Isa, der Enkelin, die sich auf Spurensuche macht. Isa erzählt aus ihrer Sicht in der Ich-Form. Sie hat sich vor kurzem von ihrem Mann getrennt und steckt in einer Sinnkrise. Bei einem Besuch bei ihrer Mutter am Bodensee händigt ihr diese einen Koffer mit alten Briefen und Tagebüchern ihrer Großmutter aus. Dabei ist ihr Gustav, ein etwas dubioser Mann, den sie kennenlernt, eine Hilfe. Warum diese Figur in die Geschichte eingeführt wurde und was er bezweckte, ist mir noch immer nicht klar, außer dass er Isa einige Tipps betreffend der Nachforschungen gab.
Der Gegenwartsstrang konnte mich so überhaupt nicht überzeugen. Isa blieb mir völlig fremd und die Erzählung ihrer Suche war unglaublich langweilig.

Der Vergangenheitsstrang, der in der dritten Person erzählt wird, gefiel mir wesentlich besser, konnte mich aber auch nicht überzeugen. Besonders hervorgehoben wurde die Kinder- und Jugendzeit von Dora, als sie die extravagante Maritz kennenlernt. Gemeinsm mit Frantek, Doras Freund aus Kindertagen, beginnen die drei ein Kunststudium am Bauhaus des Ruhrgebietes in den 1920iger Jahren. Die Zeitsprünge sind groß, denn die nächsten Szenen aus Doras Leben befassen sich mit dem Kennenlernen mit dem wesentlich älteren Max, den sie nach einer unglüchlichen Liebe heiratet. Er ist Verwaltungsdirektor der I.G. Farben. In den folgenden Szenen erfahren wir mehr über Doras Sohne Rudolf und Gottfried, Isas Vater, der später an einer der berüchtigten Napola Schulen unterrichtet wird. Aus Gottfrieds Zeit bei der Napola und danach erzählt der dritte Abschnitt des Romans, den ich am spannendsten fand.
Während man diese Fragmente aus Doras Leben erfährt, bleibt der Bezug zum Naziregime komplett unklar. Als Leser erhält man nur Bruchteile. Dabei verliert sich die Autorin oftmals in Kleinigkeiten, erzählt bis ins Detail von Nichtigkeiten, lässt jedoch das Wichtigste außen vor. Man erhält keinerlei Einblicke in Doras Denken und Fühlen während des Kriegens. Dabei schickten Max und Dora ihren Sohn in eine Napola Schule und die I.G. Farben hatte ebenfalls einiges mit den Nazis zu tun. Gerade der Bezug zum Zweiten Weltkrieg und die Folgen für die Kinder und Enkelkinder wären für mich das Interessanteste am Roman gewesen. Oder wollte die Autorin damit die Sprachlosigkeit dieser Generation aufzeigen? Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht.

Beide Frauen entwickeln sich im Laufe der Geschichte kaum weiter und verharren in ihrem konventionellen Rollenbild, auch wenn Dora kurz versucht aus dieser Rolle zu schlüpfen.
Meine Gedanken schweiften beim Lesen immer wieder ab und ich begann teilweise Seiten zu überfliegen und hatte trotzdem nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Die Sprache der Autorin ist sehr detailverliebt, die Formulieren sind oftmals sehr poetisch. Das hat mir gut gefallen - allerdings beschreibt sie Szenen, die total unwichtig sind, wie einen Waldspaziergang bis ins kleinste Detail, aber über die Gedanken und Gefühle von Dora während des Zweiten Weltkrieges erfährt man kaum etwas. Dora erschien mir als eine kalte Frau, die ihre Söhne ziemlich lieblos erzog. Genaueres kann ich aber zur Geschichte nicht wirklich sagen, denn die bleibt derartig an der Oberfläche, dass ich mich am Ende selbst frage, was eigentlich von Dora blieb? Mir fällt dazu nicht wirklich etwas ein...

Fazit:
Das war leider gar nicht meins! Sprachlich zwar teilweise sehr anspruchsvoll, aber inhaltlich bewegt sich dieser Roman nur an der Oberfläche. Man weiß am Ende nicht sehr viel mehr, als zu Beginn. Die Bilder von Dora ergeben kein Ganzes und bleiben Blitzlichter in einer doch so ereignisreichen Zeit. Die Story hätte so viel mehr Potenzial gehabt. Schade!

Vielen Dank an den C.Bertelsmann Verlag und an Lovelybooks für das Leseexemplar!

Der Funke des Lebens - Jodie Picoult

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (27. April 2020)
    • Übersetzer: Elfriede Peschel
    • ISBN-10: 3570104001
    • ISBN-13: 978-3570104002
    • Originaltitel: A Spark of Light
    • Genre: Gegenwartsliteratur; Belletristik



C. Bertelsmann Kurzbeschreibung:
An einem warmen Herbsttag wird der Polizeiunterhändler Hugh McElroy zu einer Frauenklinik in Jackson, Mississippi, gerufen. Ein verzweifelter Schütze war in die Klinik eingedrungen, hatte das Feuer eröffnet und die Anwesenden als Geiseln genommen. Als McElroy im Begriff ist, mit dem Geiselnehmer zu verhandeln, kommt auf seinem Handy eine schockierende Nachricht an: Seine 15-jährige Tochter Wren befindet sich in der Klinik. McElroy setzt alles daran, Wren und die anderen Geiseln zu befreien - Frauen in Not, engagierte Ärzte und Krankenschwestern, bedroht von einem fanatischen Abtreibungsgegner, selbst Vater einer Tochter im Teenageralter, der Amok läuft, um sich Gehör zu verschaffen ...

Meine Bewertung: schwache * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gemeinsam mit der lieben Andrea von Leseblick habe ich den neuen Roman von Jodie Picoult, einer meiner Lieblingsautorinnen, gelesen. Leider muss ich sagen, dass ich ihre Bücher früher lieber mochte.
Bei "Der Funke des Lebens" ist der Funke leider nicht übergesprungen, dabei ist der Plot wirklich sehr interessant und wie von der Autorin bekannt, ein Thema, das für Diskussionen sorgt.
Das Problem beginnt eigentlich gleich zu Beginn. Jodie Picoult konfrontiert den Leser mit jeder Menge an Protagonisten, die man anfangs sehr schwer zuordnen und auseinanderhalten kann. Man kennt diese noch nicht richtig und hat noch keinen richtigen Zugang zu ihnen. Das zweite Problem ist, dass der Roman eigentlich mit dem Ende beginnt, da er rückwärts erzählt wird.

Die Problematik an der Geschichte liegt meiner Meinung nach aber nicht nur an der Art der Erzählung, sondern der Umsetzung. Ich habe erst vor kurzem einen Roman von Julie Cohen gelesen (leider gibt es noch keine Rezi dazu...wird folgen), der sich ebenfalls dieser Erzählart bedient und ich muss sagen Julie Cohen ist es absolut gelungen mich zu überraschen. Jodie Picoult gelang dies allerdings nicht. Bei ihr nimmt die Rückwärtserzählung für mich die komplette Spanung raus. Doch worum geht es eigentlich?

Wir starten mit einer Schießerei und Geiselnahme in einer Frauenklinik in Mississippi, den Südstaaten der USA. Die Klinik ist die einzige im Staat, die Abtreibungen vornimmt. Eine der Geiseln ist Wran, eine fünfzehnjährige Schülerin, deren Vater Hugh als Polizeiunterhändler vor der Klinik steht und versucht mit dem Amokläufer zu kommunizieren und seine Tochter zu retten.
Ein Wahnsinnsplot, der mich sofort gefangen genommen hat, als ich den Klappentext gelesen habe. Außerdem gehört Picoults Buch "19 Minuten" über einen Amoklauf in einer Schule zu meinen Lieblingsbüchern von ihr.
Doch zu Beginn ist sowohl die Stürmung der Klinik, als auch die Geiselnahme bereits passiert und der Leser hat die aufregendesten Sekunden versäumt. Mit der Rückwärtserzählung erfahren wir zwar dann weitere Geschehnisse, die bereits im Vorfeld passiert sind, aber das Hauptaugenmerk liegt beim Kennenlernen der Figuren, die involviert sind oder waren. Neben Wran wäre da noch ihre Tante Bex, die das Mädchen in die Klinik begleitet hat; Joy, die eine Abtreibung hinter sich hat; Janine, die sich als Abtreibungsgegner in die Klinik geschmuggelt hat; Olive, die einen Befund besprechen möchte; die schwangere Krankenschwester Izzy; Doktor Louie Ward, der die Abtreibungen vornimmt und Vonita, die Inhaberin der Klinik, sowie die Krankenschwestern Harriet und Rachel und die Sozialarbeiterin Graciela. Und natürlich der Geiselnehmer George......also wirklich jede Menge Protagonisten!
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir noch Beth kennen, die im Gefängnis sitzt und der ein Prozess wegen Abtreibung ihres Kindes bevorsteht.
Mit dem langsamen Kennenlernen gelingt die Zuordnung all dieser Charaktere zwar mit der Zeit besser, aber man ist zu Beginnn definitiv überfordert.

Was mich aber am meisten gestört hat ist, dass es keine plötzlichen Wendungen und Überraschungen (bis auf ein kleines Aha-Erlebnis, welches aber mit einem Sachverhalt abseits der Geiselnahme zu tun hat), mehr gibt. Der große Knall bleibt völlig aus! Der Cut mit Cliffhanger nach dem ersten Abschnitt wurde am Ende des Buches in 2-3 Sätzen abgehandelt. Ich musste diese Zeilen nochmals lesen, um es wirklich glauben zu können, dass es damit abgetan war.
Zusätzlich habe ich einige Mängel in der Übersetzung gefunden, die sprachlich nicht wirklich gebräuchlich sind - also im Alltag verwendet werden.

Positiv ist, dass sich Picoult wieder einem Thema gewidmet hat, welches polarisiert und zu Diskussionen anregt. Fassungslos habe ich gelesen, dass man Minderjährige für 20 Jahre wegen Mordes ins Gefängnis steckt, weil sie Medikamente (die man per Internet bestellen kann!) genommen haben, damit es zu einem Abort kommt. Immer wieder musste ich den Kopf schütteln über Menschen, die jede Frau bedrohen, die in diese Klinik geht....dabei ist das keine Abtreibungsklinik, sondern ein Gebäude mit einer normalen Frauenarztpraxis, die man auch zu (halb)jährlichen Untersuchungen besucht. Menschen campen vor der Klinik und werden gegenüber aller Patienten oftmals handgreiflich. Der Weg wird für die Frauen zu einem Spießrutenlauf. Einfach unbegreiflich für uns Europäer! Man stelle sich vor bei seinem nächsten Frauenarztbesuch muss man durch eine Ansammlung von Menschen, die einem mit Tomanten und Eiern bewerfen und beschimpfen, weil man eine Routineuntersuchung hat!!

Den Leser nachdenklich zu stimmen ohne dabei selbst zu werten - das beherrscht die Autorin und deswegen greife ich auch immer wieder zu ihren Romanen mit kontroversen Themen. Doch in Europa kommt sie meiner Meinung mit dieser Geschichte, der leider völlig die Spannung fehlt und wohl eher auf das Thema Abtreibung und nicht auf die Geiselnahme aufgebaut ist, nicht wirklich an. Zu unterschiedlich sind die Systeme...
Auch der Rassismus wird angesprochen, denn mit rund 38% der Bundesstaat mit dem größten Anteil Schwarzer und Afroamerikaner.

Tolle Recherche, facettenreiche Charaktere, kontroverses und komplexes Thema, guter Plot mit interessanten Denkanstößen für die Leser, kein erhobener Zeigefinger....all das sind wir von der Autorin gewohnt und sind Pluspunkte. Doch diesmal ist die Umsetzung in meinen Augen leider schief gegangen.
Die drei Sterne bekommt der Roman aufgrund der oben angegebenen Punkte, sonst hätte ich eher noch abgerundet...

Cover:
von links nach rechts:
ein englischsprachiges Cover, das französische, das polnische, wieder zwei englischsprachige, das tschechische und das Cover aus Lithauen

Fazit:
Der Funke ist bei mir diesmal leider nicht übergesprungen. Mit der Erzählweise hat die Autorin für mich die Spannung gekillt. Das Thema ist wieder eines, das zu Diskussionen einlädt, jedoch in Europa und den USA sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Weil die Bewertungen sehr differenzieren, empfehle ich jeden sich selbst ein Bild zu machen und empfehle das Buch eingeschränkt weiter.
 
Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar
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Weitere Rezensionen zum Buch
Andrea vom Leseblick  *Rezi*

Die Hoffnung zwischen den Zeilen - Elin Olofsson



    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (14. Oktober 2019)
    • Übersetzer: Nina Hoyer
    • ISBN-10: 3570103641
    • ISBN-13: 978-3570103647
    • Originaltitel: Krokas
    • Genre: Historischer Roman

Bertelsmann Kurzbeschreibung:
Hamburg 1949: Als Ulrike Hartmann erfährt, dass ihr Verlobter Hans im Krieg gefallen ist, verlässt sie verzweifelt ihre zerstörte Heimat und wandert nach Schweden aus. In ihrem Koffer hat sie ein Bündel Briefe, die Hans im Krieg jahrelang von einer Schwedin namens Elsa Petterson erhalten hat. Ulrike reist zu Pettersons Wohnort in die Provinz, versucht herauszufinden, in welchem Verhältnis sie zu Hans stand. Beide Frauen entwickeln eine Freundschaft, und Ulrike erfährt etwas schier Unglaubliches über Hans, das ihrer aller Leben für immer verändern wird ...

Meine Bewertung: * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im September 1949 kommt die Deutsche Ulrike Hartmann am Bahnhof von Krokom in Schweden an. Sie trägt einen Mantel, den sie von ihrer ehemaligen Arbeitgeberin Frau Cederstam gestohlen hat und in dem sie ein Bündel Briefe hat. Diese stammen von einer gewissen Elsa Pettersson, die laut Adresse in Krokom wohnen soll. Uli will Elsa finden, um herauszufinden, was wirklich zwischen ihr und Ulis Geliebtem Hansi passiert ist, der während des Krieges in Norwegen desertiert und gestorben ist.
Elsa, die im örtlichen Gemischwarenladen arbeitet, hört von ihren Kunden, dass eine junge Deutsche nach ihr sucht. Verzweifelt überlegt sie, wie sie ihr große Geheimnis, das ihre gesamte Existenz bedrohen könnte, verheimlichen kann....

Puh, nun habe ich die letzten Seiten dieses Romans gelesen und das Buch zugeklappt und überlege nun, was ich hier schreibn könnte. Dass ich froh bin es beendet zu haben? Dass ich mir soo viel von dieser Geschichte erwartet hatte und der Klappentext und das Titelbild eine ganz andere Art von Roman vermittelt? All das trifft leider zu, denn der in der schwedischen Presse so hochgelobte "historische" Roman hat bei mir nur Langeweile hinterlassen.

Warum ich das Wort Historisch in Anführungszeichen gesetzt habe? Für mich war "Die Hoffnung zwischen den Zeilen" nicht wirklich ein Roman, dem ich dieses Genre zugeteilt hätte, würde nicht die Jahreszahl 1949 irgendwann einmal aufscheinen. Die Geschichte könnte genauso in der heutigen Zeit irgendwo in einem abgelegenen Dorf spielen. Geschichtlicher Hintergrund? Nope! Lokalkolorit? Ebenfalls nicht vorhanden.

Zitat Skånska Dagbladet »Elin Olofsson erzählt mit großer Wärme und Empathie und beweist erneut, dass sie eine unglaublich gute Romanautorin ist

Wärme und Empathie? Für mich war der Erzählstil der Autorin sachlich und nüchtern gehalten. Dabei wurden Nebensächlichkeiten lange und breit beschrieben, während man wichtige Fakten kaum erfuhr. Die Briefe, die im Klappentext angekündigt sind, die Uli als Grund nimmt, um nach Schweden zu fahren, werden nur kurz erwähnt und sollten doch eigentlich der Schlüssel für diesen Roman sein. Man erfährt kaum etwas darüber, genauso wenig wie über Hans Vergangenheit oder seine Kriegsjahre.

Auch die beiden Hauptprotagonistinnen blieben mir fern. Die Autorin beschreibt die Charaktere sehr distanziert und emotionslos. Zusätzlich fand ich Uli unsympathisch. Ohne jeglichen Skrupel stiehlt sie oder wirft sich den Männern an den Hals. Sie ist ruppig, fordernd und egoistisch. Ela ist das komplette Gegenteil und wirkt oftmals sehr steif. Trotzdem ist sie hilfsbereit und fleißig und zu gutmütig. Die ebenso im Klappentext beschriebene Freundschaft zwischen den beiden Frauen ist in meinen Augen keine richtige, denn es ist nur Elsa, die gibt und Uli, die nimmt und die dreistesten Forderungen stellt. Für Uli ist es selbstverständlich, dass sie Hilfe von Elsa erhält, die jedoch für die Schwedin schwerwiegende Folgen haben können.
Auch die angesprochenen galoppierenden Pferde in Ulis Inneren sind zwar eine Art Metapher, aber als Leser rätselt man bis zum Schluss, was eigentlich damit gemeint sein könnte. Man hat zwar eine kleine Ahnung, aber aufgelöst wird diese immer wiederkehrende Aussage nicht. Auch Hansis großes Geheimnis wird am Schluss in wenigen Sätzen abgehandelt.
Während sich die ersten hundert Seiten noch ganz in Ordnung fand, wurde der Roman mit zunehmender Seitanzahl langweiliger und zum Ende hin sehr unlogisch und grotesk. Alleine die Geschichte mit den Pässen lässt mich nur unglaublich den Kopf schütteln.
ACHTUNG SPOILER: (Text markieren, um zu lesen)
Elsa nimmt sich zwei Pässe von Bekannten und ändert diese so um, dass diese für zwei andere Menschen verwendet werden können. Als Kind hat sie das Zeugnis ihrs Bruders gefälscht, deswegen gelingt ihr das natürlich auch sofort überzeugend....na klar doch!
SPOILER AUS

Ich muss leider sagen, dass ich froh war, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Sehr schade!

Cover:
Das wunderschöne Originalcover wurde vom Verlag für die deutsche Ausgabe übernommen.
Andere Übersetzungen habe ich diesmal leider keine gefunden.


Fazit:
Es tut mir leid, aber für diesen Roman kann ich keine Empfehlung aussprechen. Trotzdem möchte ich mich herzlich beim C. Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken!

Blutroter Sonntag - Nicci French



    • Broschiert: 448 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: 1. Auflage (30. Oktober 2017)
    • Übersetzer: Birgit Moosmüller
    • ISBN-10: 3570103161
    • ISBN-13: 978-3570103166
    • Originaltitel: Sunday Morning Coming Down
    • Genre: Krimi, Thriller
    • Reihe: ja - Band 7 rund um Frieda Klein



Bertelsmann Kurzbeschreibung:
In dem gemütlichen Heim von Psychoanalytikerin Frieda Klein wird die Leiche eines Privatdetektivs gefunden ... War Friedas Erzfeind und obskurer Beschützer Dean Reeve der Mörder? Dann überschlagen sich die Ereignisse: Jemand trachtet Frieda nach dem Leben, doch zuvor versucht er sie einzuschüchtern. Ihre Nichte Chloe, Freund Jack, der schwer krebskranke Reuben und Josefs kleiner Sohn – sie alle werden Opfer von Anschlägen. Die Polizei tappt im Dunkeln, aber Frieda ist bald klar, dass die Verbrechen nicht Reeves Handschrift tragen. Doch wer ist der Unbekannte, der ihm nacheifert?

Meine Bewertung:  * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

 ****TIPP: Ich würde die Einhaltung der Reihenfolge empfehlen!****

Meine Meinung:
Band 7 rund um Psychotherapeutin Frieda Klein startet fulminant. Unter den Dielen von Friedas Wohnzimmer wird eine männliche Leiche gefunden. Der Tote ist ein Privatdetektiv, den Frieda auf ihren alten Erzfeind Dean Reeve angesetzt hatte. Kurze Zeit später wird ihre Nichte Chloe entführt und unter Drogen gesetzt. Als noch weitere Freunde überfallen und verletzt werden, ist sich Frieda sicher, dass hinter diesen Anschlägen eine andere Person stecken muss. Doch wer kommt auf die verrückte Idee Dean Reeves nachzuahmen, den viele in Friedas Umkreis nur als Hirngespinst der Psychotherapeutin halten?

Im Gegensatz zu den letzten Büchern der Reihe haben Nicci Gerard und Sean French, die unter dem Pseudonym Nicci French schreiben, den Spannungsbogen wieder etwas angehoben. Mit dem grausamen Fund der Leiche in Friedas Haus beginnt die Story sofort rasant. Bald folgen weitere Überfälle und Frieda ist sich bald klar, dass hier jemand versucht Dean Reeves nachzuahmen. Doch dieser Unbekannte scheint andere Motive zu haben und ist vorallem eine große Gefahr für ihre Freunde. Er erscheint blutrünstiger und vorallem immer mehr Gefallen am Morden zu finden...
Wie üblich begleiten wir die kauzige Frieda bei ihren Nachforschungen durch die vorwiegend nächtlichen Spaziergänge durch London. Eine größere Rolle spielen diesmal die Journalisten, die wieder eine interessante Story wittern. Frieda ist ja bereits bei ihnen bekannt wie ein bunter Hund. Bei den Ermittlungen der Polizei kommt es diesmal zu einigen Änderungen, die Leser, die die Reihe seit Anbeginn verfolgen, gefallen wird. Frieda`s Freunde Josef, Reuben, Jack und Chloe sind mir nach sechs Bänden ans Herz gewachsen und man freut sich alte Bekannte wiederzutreffen. Die einzelnen Charaktere sind hervorragend skizziert und sie entwickeln sich auch diesmal weiter. Neu hinzu kommt Josefs jüngster Sohn

Diesmal weiß der Leser allerdings etwas zu früh, wer der Täter ist, was dem Krimi (obwohl hier Thriller außen drauf steht, ist die Reihe eher mehr englischer Krimi als eine Thrillerreihe) etwas die Spannung nimmt. Es kommt zwar danach zu einem spannenden Finale, bei dem man dem Katz-und-Maus-Spiel des Täters gebannt folgt, trotzdem ist leider die Frage wer dahinter steckt bereits geklärt. Auch diesmal endet die Geschichte mit einem fiesen Cliffhanger, der bereits einen Ausblick auf den kommenden letzten Band gewährt.

Obwohl mich dieser Band wieder gut unterhalten hat, bin ich nun froh, dass die Reihe zu Ende geht und wir mit Band 8 definitiv das letzte Buch in den Händen halten werden. Eigentlich dachte ich ja mit "Blutroter Sonntag" wäre sie bereits abgeschlossen, da wir alle Wochentage durch haben. Doch ich habe mich getäuscht! Das Katz und Maus Spiel von Reeves wird langsam etwas nervtötend und ein würdiger Abschluss würde der Reihe nun gut tun.

Schreibstil:
Wie schon in den anderen Bänden sind die Kapitel eher kurz gehalten. Dafür schreibt das Autorenehepaar sehr detailliert und legt den Fokus auf ihre Charaktere. Diese sind alle sehr individuell und sind dem Leser mittlerweile ans Herz gewachsen. Die Atmosphäre des nebelvergangenen und regnerischen Londons ist wieder wunderbar eingefangen.


Cover:

Die zwei ersten Cover sind englischsprachig, danach ein griechisches, das den deutschen Cover sehr ähnlich sieht, und zum Schluss das niederländische Cover.

Fazit:
Im bereits siebenten Band der Reihe rund um die kauzige Psychotherapeutin Frieda Klein geht es diesmal um einen Nachahmungstäter von Dean Reeve. Für Frieda ein sehr persönlicher Fall, da ihre Freunde in große Gefahr geraten. Wieder ein interessanter Fall, der ins düstere London führt. Trotzdem finde ich, dass Nicci French die Reihe bereits genug ausgereizt hat und bin gespannt auf den finalen achten Band.
 

Die Reihe rund um Psychologin Frieda Klein:

  1. Blauer Montag  *Rezi*
  2. Eisiger Dienstag  *Rezi*
  3. Schwarzer Mittwoch   *Rezi*
  4. Dunkler Donnerstag   *Rezi*
  5. Mörderischer Freitag   *Rezi*
  6. Böser Samstag  *Rezi*

Kleine große Schritte - Jodie Picoult



    • Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag (2. Oktober 2017)
    • Übersetzer: Elfriede Peschel
    • ISBN-10: 3570102378
    • ISBN-13: 978-3570102374
    • Originaltitel: Small Great Things
    • Genre: Gegenwartsliteratur


C. Bertelsmann Kurzbeschreibung:
Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Jodie Picoult gehört bereits seit Jahrzehnten zu meinen Lieblingsautorinnen. Ihre letzten Romane konnten mich allerdings nicht mehr ganz so überzeugen, wie etwa meine Lieblingsromane "19 Minuten" und "Beim Leben meiner Schwester".
Mit "Kleine große Schritte" hat fast zu ihrer alten Form zurückgefunden, auch wenn ich dafür keine 5, sondern 4 Sterne vergeben kann. Dafür hat mir doch noch einiges gefehlt...
Bei ihrem neuen Roman hat Picoult teilweise wieder zu altbewährtem gegriffen: Ein kontroverses Thema, das selten von anderen Autoren aufgegriffen wird. Teilweise deshalb, weil es hier um Rassismus in kleinen und großen Dosen geht und dieser doch immer wieder in Büchern verwendet wird. So haben wir diesmal also keine Thematik wie Organspende, Glasknochenkrankheit oder Amoklauf, sondern ein seit Ewigkeiten andauerndes Problem: Rassismus. Zu diesem Thema hatte ich dieses Jahr schon das Jugendbuch "The Hate U Give" gelesen, das aber nicht vergleichbar ist, weil es ein anderes Zielpublikum anspricht und auch die Sprache dementsprechend angepasst ist. Wer Jodie Picoult kennt, der weiß, dass sie sich gerne schwierigen Themen annimmt und diese aus verschiedenen Blickwinkel beschreibt. Auch diesmal legt die Autorin sehr viel Wert auf ihre Charakterbeschreibungen und lässt uns in die Köpfe ihrer sehr unterschiedlichen Figuren blicken.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Ruth, Kennedy und Turk in der Ich-Form erzählt. Zuerst begegnen wir Ruth Jefferson. Sie ist Mitte Vierzig, Witwe, Mutter eines 16-jährigen Sohnes und arbeitet als Hebamme und Säuglingsschwester. Sie liebt ihren Beruf, in dem sie auch sehr gut ist. Nicht umsonst ist sie die einzige farbige Schwester im Mercy West Haven Hospital. Bis zu ihrem Aufeinandertreffen mit dem Ehepaar Bauer hatte sie keine offensichtlichen Probleme wegen ihrer Hautfarbe. Doch die Bauers untersagen ihr deswegen jeglichen Kontakt zu ihrem Baby. Als der kleine Davis nach einem harmlosen Eingriff plötzlich Atemnot bekommt, ist Ruth die Einzige auf der Station, da ihre Kolleginnen zu einer Not-OP gerufen wurden. Soll sie sich der Anweisung beugen und sich wirklich von Davis fernhalten oder soll sie eingreifen? Ruth gerät in einen Gewissenskonflikt. Als das Baby stirbt, schiebt das Krankenhaus die alleinige Verantwortung auf Ruth, die des Mordes angeklagt wird.
 

Mir tat Ruth leid, aber ich konnte nicht immer ihre Gedanken nachvollziehen und auch keine wirkliche Nähe zu ihr aufbauen. Es blieb eine Distanz, dessen Ursprung ich nicht genau benennen kann. Ähnlich erging es mir bei Kennedy, ihre Pflichtverteidigerin. Diese ist eine priviligierte weiße Frau, die sich selbst nicht als rassistisch beschreibt. Durch diesen Fall erfährt sie allerdings einen Wandel, der auch bei ihr Umdenken hervorbringt. Doch auch bei ihr spürte ich eine Distanz beim Lesen. Einzig bei Turk konnte Picoult Emotionen bei mir hervorrufen. Normaler Weise versteht es die Autorin beide Seiten so darzustellen, dass man sich schwer auf nur eine Seite schlagen kann und sich in einer Zwickmühle befindet, da man beide Ansichten mehr oder weniger verstehen kann. Hier war das für mich kaum durchführbar. Den Schmerz, den Turk durch den Tod seines Sohnes erfährt, kann man irgednwie nachvollziehen, aber nicht wie er damit umging. Von seinen radikalen Ansichten war ich geschockt. Bei Turk konnte ich die meisten Emotionen freilassen, auch wenn es fast nur negative waren. Hier konnte mich die Autorin wirklich packen und die Darstellung des jungen Rechtsradikalen ist ihr sehr gut gelungen. Es gab auch interessante Einblicke in die rechtsradikale Szene. Interessant fand ich noch, dass Turk Bauer eine farbige Staatsanwältin zugesprochen bekam, was noch etwas mehr Pfeffer in die Geschichte bringt.

Mit viel Fingerspitzengefühl wird der Gerichtsprozess erzählt, der erst im letzten Drittel zu tragen kommt. Wie gewohnt steckt hier sehr viel Enthusiasmus drinnen und man verfolgt gebannt die verschiedenen Zeugenaussagen. Dieser Teil ist mit Abstand der Beste des Romans.

Auch wenn es für die Autorin laut ihrem Nachwort ihr wichtigstes Buch war, konnte es mich nicht gänzlich überzeugen. Picoult schreibt aus ihrer eigenen Sicht, wie sie im letzten Teil des Romans erklärt. In der Figur der Verteidierin Kennedy beschreibt sie eine weiße priviligierte Frau, wie sich selbst und erklärt, dass Rassismus in verschiedenen Bereichen gelebt werden kann. Manche davon sind uns Weißen gar nicht bewusst  und dieser bereits in kleinen alltäglichen Dingen beginnt. Die Welt ist noch immer für Weiße "aufgebaut". Picoult versucht den Leser mit für uns unwesentlichen Dingen auf die Diskriminerung hinzuweisen: Wie viele Bilderbücher gibt es mit farbigen Kindern? Wo sind die Werbespots mit farbigen Frauen? Hier könnte man allerdings auch gleich hinzufügen, wo eigentlich die weiblichen Wesen mit normalen Körpermaßen sind.... Das ist zwar eine andere Geschichte - jedoch genauso eine Diskriminierung, finde ich.
Man sieht, man begegnet Ausgrenzung und Rassismus eigentlich jeden Tag auf unterschiedlichste Weise. Genau darauf geht die Autorin ein und nicht nur auf die rechtsradikalen Werte eines Turk Bauer, der einer farbigen Säuglingsschwester verbietet sein Baby anzufassen.
Das Ende hat mich ebenfalls nicht ganz zufrieden gestellt. Dazu kann ich aber nicht mehr sagen, da ich sonst spoilern würde...
Das hört sich jetzt alles eigentlich viel negativer an, als ich es empfunden habe, denn Picoult gehört weiterhin zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Vielleicht bin ich deswegen umso kritischer...?
Insgesamt hat mir der Roman nämlich sehr gut gefallen und Picoult hat es wieder geschafft, dass man sich auch nach dem Beenden des Buches noch weiter mit der Geschichte auseinandersetzt und diese einem nicht so schnell loslässt...

Cover :

Puh....was für eine Menge! Hier sieht man natürlich auch, dass Jodie Picoult eine internationale Bestsellerautorin ist.
Von links nach rechts könnt ihr die Cover aus folgenden Ländern sehen: Polen, Italien, drei englischsprachige Cover, aus Portugal, Tschechien und Griecheland. Sehr interessant finde ich, dass die Tschechen wieder mal den Namen der Autorin "eintschechen"! =) Sie heißt hier Jodi Picoultová

Fazit:
"Kleine große Schritte" ist ein weiterer Roman von Jodi Picoult, der unter die Haut geht und der sich mit unangenehmen Themen auseinandersetzt. Diesmal gelang es mir aber nicht ganz, ihren Figuren näher zu kommen. Ich hatte immer ein Gefühl von Distanz. Trotzdem bleibt der Roman auch noch Tage nach dem Beenden im Gedächtnis und regt zum Nachdenken an. Für Picoult Fans wie mich, aber auf jeden Fall ein Must-Read.
Mein Dank gilt dem C. Bertelsmann Verlag und dem Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Böser Samstag - Nicci French




    • Broschiert: 480 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag (31. Oktober 2016)
    • ISBN-10: 3570102289
    • ISBN-13: 978-3570102282
    • Originaltitel: Saturday Requiem 
    • Genre: Krimi, Thriller
    • Reihe: ja - Band 6 um Frieda Klein



C. Bertelsmann Kurzbeschreibung:
Frieda Klein kann nach den Aufregungen der Vergangenheit endlich aufatmen, glaubt sie, und sich Patienten, Freunden und Hobbys zuwenden. Doch schon bald holt eine offene Schuld sie ein – und wider Willen wird sie in den Fall Hannah Docherty verwickelt. Diese soll im Mai 2001 ihre Familie ermordet haben. Seitdem fristet sie ihr Leben, Medikamenten und Misshandlungen ausgesetzt, in einer psychiatrischen Klinik. Schon bald ist Frieda von Hannahs Unschuld überzeugt und setzt alles daran, den Fall neu aufzurollen ... Doch sie hat noch andere Sorgen – Dean Reeve, ihr Feind, aber gleichzeitig auch obskurer Beschützer, ist anscheinend wieder aufgetaucht. Ein packender Thriller um die langen Schatten der Vergangenheit.

Meine Bewertung: gute * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

 ****TIPP: Dieses Buch würde ich ohne Vorwissen zu den Vorgängerbänden NICHT lesen!****


Meine Meinung:
Nachdem diese Reihe von Nicci French einige Höhen und Tiefen hatte, ist der sechste Band wieder absolut gelungen. In "Böser Samstag" dreht sich alles um einen alten Fall. Eigentlich will sich Frieda ja aus der Polizeiarbeit raushalten, aber ein alter Bekannter fordert von ihr einen Gefallen ein. Dabei geht es um einen Mord an der eigenen Familie, den vor 13 Jahren die damals 18jährige Hannah Doherty, begannen haben soll. Als Frieda die Frau in der Psychatrie besucht, ist sie entsetzt über den Zustand der Patientin. Sie wird misshandelt, mit Medikamente ruhig gestellt und wie ein Tier gehalten. Doch die Ärzte der Klinik und die Polizei sind sich einig: Die junge Frau sei psychisch gestört, gewalttätig und sicher die Täterin von damals. Frieda möchte den Fall neu aufrollen, doch die Polizei weigert sich und so handelt Frieda mal wieder auf eigene Faust. Karlsson kann ihr diesmal nicht dabei helfen, denn er liegt mit einem gebrochenem Fuß zuhause. Deshalb stellt er Frieda seine Kollegin Yvette zur Seite, die alles andere als erfreut ist. Frieda betritt bei ihrer Recherche gefährliches Terrain. Auch ihre alten Gegner, Polizeipräsident Crawford und Friedas größter Widersacher, Professor Hal Bradshow, sind nicht erfreut über ihre Schnüffeleien.

Gewohnt ruhig, wie die Bücher des Autorenpaares Nicci Gerard und Sean French sind, bleibt die Spannung im sechsten Band auf einem höheren Level als zuletzt. Die Doherty's erscheinen anfangs nach außen hin wie eine normale Familie, doch hinter der Fassade verbergen alle Familienmitglieder etwas - mit Ausnahme des kleinen Bruders von Hannah.
Der Leser macht sich gemeinsam mit Frieda Klein auf die Suche nach alten Beweismitteln und Unstimmigkeiten. Dabei helfen ihr ihre Nichte Chloe, Josef und auch Chloe's Exfreund Jack, der zurzeit in einer Sinnkrise steckt....

Wie auch schon in den Vorgängerromanen bemerkt, wirkt diese Reihe nicht wie ein Thriller, sondern wie ein klassischer englischer Krimi auf mich. Das stört keineswegs, denn auch die Protagonistin ist eine eher unkonventionelle Hobbydetektivin, die mit ihrem Bauchgefühl meistens richtig liegt. Mir ist Dr. Frieda Klein mittlerweile ans Herz gewachsen. Auch die atmosphärischen Beschreibungen von London finde ich immer wieder großartig. Wenn Frieda nachts durch die Straßen Londons wandert, hat das einen mystischen Touch. Trotzdem folgt der Leser gerne ihren Schritten und lernt die Stadt an der Themse einmal aus anderen Blickwinkeln kennen.
Auch unser alter bekannter Dean Reeve spielt wieder eine Rolle und Nicci French wartet am Ende des Buches mit einem echten Schockmoment auf!

Die Auflösung des Kriminalfalles finde ich nicht hundertprozentig gelungen, deswegen vergebe ich vier Sterne, obwohl "Böser Samstag" diesmal mit viel mehr Spannung aufwarten kann, als die letzten Bücher der Reihe.

Schreibstil:
Das Autorenpaar hat einen sehr ruhigen und detaillierten Schreibstil, mit dem sie eine besondere Atmosphäre in ihren Büchern aufbauen. Sicherlich trägt auch die wunderbare Beschreibung Londons dazu bei, ebenso wie die gut gezeichneten Charaktere, die ich mittlerweile alle liebgewonnen habe.

Cover:
Das englische Cover wirkt auf mich dunkler und mystischer, als das deutsche Cover, das sich aber perfekt in die Reihe der Vorgängerbücher einreiht. Bei den deutschsprachigen Covern sind immer wieder Motive aus London zu sehen, während hier meiner Fantasie nach Frieda vor dem Haus der Doherty's steht.

Fazit:
Der sechste Fall der Reihe wartet mit einer spannenden Geschichte und einem Schockmoment ganz am Ende auf. Für mich neben dem ersten Band das beste Buch der Reihe. Ich freue mich schon auf Band sieben und hoffe auf ein spannendes Finale.
 

Die Reihe rund um Psychologin Frieda Klein:

  1. Blauer Montag  *Rezi*
  2. Eisiger Dienstag  *Rezi*
  3. Schwarzer Mittwoch   *Rezi*
  4. Dunkler Donnerstag   *Rezi*
  5. Mörderischer Freitag   *Rezi*
  6. Böser Samstag

[Abgebrochen] Die Spuren meiner Mutter - Jodie Picoult





    • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag (29. August 2016)
    • ISBN-10: 357010236X
    • ISBN-13: 978-3570102367
    • Originaltitel: Leaving Time
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Bertelsmann Kurzbeschreibung:
Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter. Alice Metcalf verschwand zehn Jahre zuvor spurlos nach einem tragischen Vorfall im Elefantenreservat von New Hampshire, bei dem eine Tierpflegerin ums Leben kam. Nachdem Jenna schon alle Vermisstenportale im Internet durchsucht hat, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an die Wahrsagerin Serenity. Diese hat als Medium der Polizei beim Aufspüren von vermissten Personen geholfen, bis sie glaubte, ihre Gabe verloren zu haben. Zusammen machen sie den abgehalfterten Privatdetektiv Virgil ausfindig, der damals als Ermittler mit dem Fall der verschwundenen Elefantenforscherin Alice befasst war. Mit Hilfe von Alices Tagebuch, den damaligen Polizeiakten und Serenitys übersinnlichen Fähigkeiten begibt sich das kuriose Trio auf eine spannende und tief bewegende Spurensuche – mit verblüffender Auflösung.

*** abgebrochen ***

Meine Meinung:
Schon bevor ich das Buch in der Bücherei vorbestellt habe, habe ich bereits befürchtet, dass dieser Picoult Roman nicht wirklich meiner sein wird. Fast 200 Seiten habe ich gelesen, doch dann habe ich aufgegeben.

Jodie Picoult gehört zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen und fast immer bin ich begeistert von ihren ganz besonderen Geschichten. Bereits einmal habe ich ein Buch von ihr abgebrochen (Zeit der Gespenster) und auch da war das Übersinnliche ein Teil des Romans. Doch hier hat es mich nicht gestört, denn gerade der Abschnitt übere Serenity, ein Medium, war sehr interessant und konnte mich kurzzeitig fesseln. Leider war das Alles, denn auf den fast 200 Seiten erfuhr ich nicht wirklich viel mehr, als im Klappentext angegeben.

Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter Alice. Nach einem Unfall im Elefantengehege, wo Alice Kollegin umgekommen ist, wurde Jennas Mutter schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Doch von dort verschwand sie damals spurlos. Jenna möchte nach 13 Jahren endlich Gewissheit haben und sucht den damals ermittelnden Polizeibeamten, sowie ein Medium auf, die ihr bei der Suche helfen sollen.
Tja, und sehr viel mehr Inhalt hatten auch die 200 Seiten nicht, außer jede Menge Geschichten über Elefanten. Diese waren eigentlich nicht uninteressant, aber der Rest der Erzählung plätscherte einfach ohne Höhen und Tiefen nur so dahin. Ich konnte weder eine Beziehung zu den Charakteren aufbauen, noch fand ich in die Geschichte.
Deshalb beschloss ich mit wehem Herzen den neuersten Roman einer meiner Lieblingsautorinnnen abzubrechen.
 

 

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