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Wir nannten es Freiheit - Silke Schütze

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (1. März 2019)
    • ISBN-10: 3426520834
    • ISBN-13: 978-3426520833
    • Genre: Historischer Roman


Knaur Kurzbeschreibung:
Berlin, 1916: Die herzliche, resolute Lene hat soeben ihr Lehrerinnen-Seminar bestanden. Als sie sich in den verschlossenen Paul verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Dass Paul wegen einer Kriegsverletzung nicht arbeiten kann, ist für Lene kein Hindernis: Sie liebt ihre Arbeit als »Fräulein« und kann genug Geld nach Hause bringen. Doch einer Hochzeit steht der sogenannte Lehrerinnen-Zölibat im Wege, ein Erlass, der verheiratete Frauen vom Schuldienst ausschließt. Entweder ihr Paul oder die Freiheit, den geliebten Beruf auszuüben? Eine unmögliche Wahl. Zu stark, um aufzugeben, kämpft Lene für die Freiheit, Liebe und Beruf zu vereinen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Knaur Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gemeinsam mit der lieben Dörte von booksandfamily, der lieben Daniela von Stempelbavaria und Anke vom Blog Svanvithe haben wir diesen Roman in einer Leserunde für die Knaur Challenge gelesen.
Die Autorin ist mir nicht unbekannt, jedoch kenne ich sie von Romanen, die in der Gegenwart spielen. "Sie nannten es Freiheit" ist ihr erster historischer Roman. Als historischer Vielleser bemerkte ich das leider schon im ersten Leseabschnitt. Ich kann es aber nur gefühlsmäßig wiedergeben, dass ich dies so empfunden habe und mit den weiteren Seiten, die ich las, änderte sich dieses Gefühl zum Positiven.

Lene kommt aus einfachen Verhältnissen, ist jedoch eine wissbegierig und fleißige Schülerin. Nach ihrem Pflichtschulabschluss bekommt sie von den adeligen Arbeitgebern ihrer Mutter die Chance ein Lehrerinnenseminar zu besuchen. Dies war schon immer ihr Traum. Nach Abschluss ihrer Ausbildung erhält sie an einer Mädchenschule in Schöneberg, Berlin, die Stelle einer Vertretungslehrerin. Es ist 1916 und wir befinden uns mitten im ersten Weltkrieg. Immer mehr Lehrer werden eingezogen oder kommen nicht mehr aus dem Krieg zurück. Auch Paul, Lenes Verlobter, erhält die Einberufung für den Frontdienst. Lene, die überglücklich ist, als Lehrerin arbeiten zu dürfen, denkt jedoch mit gemischten Gefühlen an ihre Zukunft. Nach ihrer Heirat mit Paul dürfte sie nach dem Lehrerinnen-Zölibat nicht mehr unterrichten. Muss sie sich zwischen Paul und ihrem Beruf entscheiden, wenn der Krieg vorüber ist?
Das Schicksal schlägt zu und Paul kehrt verwundet aus Frankreich zurück. Ihm quält nicht nur sein steifes Bein, sondern auch Alpträume. Jede Nacht wecken ihn die Erinnerungen an die Zeit in den Schützengräben. Die Beziehung wird zu einer großen Belastungsprobe und die beiden entfernen sich immer mehr voneinander....

Die Autorin zeigt in ihrem Roman, wie schwer es die einfache Bevölkerung während des Krieges hat. Der Schwarzmarkt blüht. Auch Lene versucht auf diese Weise Medikamente für ihre kranke Mutter einzutauschen, zu der sie eine liebevolle Beziehung hat. Die Wäscherin und Alleinerzieherin kann trotz zwei Arbeitsstellen und dem Lohn von Lene kaum die kleine Mietwohnung bezahlen. Gleichzeitig zeigt sie aber durch Ferdinand von dem Hofe, dem Sohn des adeligen Arbeitgebers ihrer Mutter, der seit Kindesbeinen mit Lene befreundet ist, das Leben der wohlhabenden Adeligen auf, die sich in Clubs amüsieren und kaum Hunger leiden müssen. Doch auch Ferdinand quälen Ängste...

Silke Schütze hat sich in ihrem ersten historischen Roman vorallem dem Thema des Lehrerinnenzölibats gewidmet. Vor nur wenig mehr als 100 Jahren sind Frauen von den Entscheidungen ihrer Ehemänner oder Väter abhängig. Ihnen wurde keinerlei Recht zugesprochen. 1916 gibt es für Frauen nur zwei Möglichkeiten: Heirat, Ehe und Kinder oder alleinstehend und berufstätig. Der engstirnige und selbstgefällige Schulleiter Frambosius macht es den Lehrerinnen an seiner Schule alles andere als leicht. Für ihn sind Frauen Menschen zweiter Klasse und er ist ein typischer Vertreter seiner Generation. Lene und ihre Kolleginnen fragen sich, wer all die im Krieg gefallenen Lehrer ersetzen soll, wenn verheirate Lehrerinnen vom Schuldienst ausgeschlossen werden? Sie starten eine gemeinsame Petition an den Oberbürgermeister...

Die Charaktere sind detailiert und lebendig ausgearbeitet. Sie sind individuell, haben Ecken und Kanten. Lene ist eine selbstbewusste junge Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Sie kümmert sich liebevoll um ihre kranke Mutter und wünscht sich für die Mädchen an ihrer Schule mehr Freiheit und Schulbildung. Sie wehrt sich gegen Ungerechtigkeit. Paul ist ein netter junger Mann, der jedoch nach seiner Kriegsverletzung in schwere Depressionen fällt. Lenes Lehrerkolleginnen sind großteils patente Frauen, die ihren Beruf mit genauso großer Liebe und Hingabe ausführen, wie Lene.
Einige Wendungen sind leider etwas vorhersehbar und ein Handlungsstrang verlief gänzlich im Sand und wurde nicht beantwortet.

Dass Lehrerinnen früher nicht heiraten durften, war mir bekannt. Ich muss aber gestehen, dass ich es zeitlich viel früher angesiedelt hätte. Es ist nämlich erschreckend zu lesen, dass zum Beispiel in Deutschland erst 1950 das Lehrerinnnenzölibat gänzlich abgeschafft wurde! Da waren wir in Österreich ausnahmsweise einmal fortschrittlicher. In meinem Bundesland wurde es bereits 1923 abgeschafft, jedoch dauerte es auch bis 1949 bis in allen neun Bundesländern Lehrerinnen heiraten und unterrichten durften. 

Fazit:
Eine interessante Geschichte über die Stellung der Frau vor hundert Jahren und dem Lehrerinnenzölibat. Silke Schütze hat in ihrem ersten historischen Roman ein sehr interessantes Thema aufgegriffen und ein Stück Zeitgeschichte eingefangen. Einige Handlungen waren mir zu vorhersehbar und anfangs fehlte es mir noch an der richtigen Atmosphäre zu dieser Zeit. Insgesamt aber eine liebevoller und informativer Roman, der mir schöne Lesestunden bescherte.
 

Erdbeerkönigin - Silke Schütze



    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (1. März 2012)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3426508346
    • ISBN-13: 978-3426508343
    • Genre: Roman

Amazon Kurzbeschreibung: 
Vor 20 Jahren wurde Eva in ihrem Heimatdorf zur Erdbeerkönigin gekürt und traf in Hamburg für ein paar Stunden den attraktiven Daniel. Sie hat ihn nie vergessen – und erfährt nun, dass er gestorben ist und sie zu seiner Grabrednerin bestimmt hat. Aber warum? Für Eva beginnt eine Spurensuche voller unerwarteter Entdeckungen …


Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Deutschsprachigen Autoren Challenge 2013

Buch zur Sommerchallenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Schon mit dem Prolog der Geschichte konnte mich die Autorin überzeugen. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst im Alter der Protagonistin bin und eine mir zeitweise "fremde" Tochter im Haus habe ;) Die müffelnden Antworten bzw. völlige Ignoranz der Mutter ist auch für mich leider keine fremde Welt.
Trotzdem habe ich mich köstlich über die Enge des Dorfes Bienenholz amüsiert, als unsere Hauptprotagonistin Eva ein kreisrundes Erdbeerbeet in ihrem Vorgarten anlegt und es deswegen zum großen Streit mit ihrem Ehemann Nick kommt. Denn in der Straße der Siedlung haben alle Häuser den gleichen Vorgarten und es ist einfach undenkbar seinen einfach anders zu gestalten. Auch für Nick ist die Idee seiner Frau einfach unverständlich....doch nicht nur das Thema Erdbeerbeet entzweit die Beiden die letzten Jahre. Was ist aus der einstigen großen Liebe geworden? Außerdem trauert Eva noch ganz frisch um ihre verstorbene Mutter und sehnt sich nach ihrer besten Freundin Alissa, die ihr in den letzten Jahren irgendwie abhanden gekommen ist....
Genau an einem dieser besonderen frustigen Tage, erreicht Eva ein eingeschriebener Brief eines Hamburger Anwalts. Geschockt liest sie vom Tod Daniel Eisenthuers, ihrer ersten großen Liebe, und seinem letzten Wunsch: Eva soll seine Grabrede halten.
Dieses Schreiben ist auschlaggebend, dass Eva ohne lange zu überlegen nach Hamburg aufbricht und sich fragt, warum Daniel gerade sie als Grabrednerin haben will. Verbrachten die Beiden doch nur einen Tag und eine Nacht zusammen und so ist ihr auch der erwachsene Daniel zuerst nur fremd. Doch dieser eine Tag blieb Eva in Erinnerung und hat ihr Leben lang mehr oder weniger begleitet. Und wie es aussieht, hat dieser Tag auch Daniel sehr viel bedeutet.  Die Idee, dass Erinnerungen immer erhalten bleiben, auch wenn sie uns gerade nicht wichtig erscheinen, fand ich wunderschön.

In Hamburg angekommen lernt sie zuerst Daniels besten Freund, den Anwalt Hubertus kennen, der ihr die leerstehende Wohnung Daniels zur Verfügung stellt. Dort versucht Eva Eindrücke aus seinem Leben in der letzten zwanzig Jahre zu erfahren. Sie trifft Daniels Exfrau Alexandra und seine 12-jährige Tochter Mia und den französischen Charmeur "Filou", der Daniels Teilhaber in der gemeinsamen Galerie war. Für sie beginnt eine Reise in die Vergangenheit, beginnend vor zwanzig Jahren als sie in ihrem Dorf als Erdbeerkönigin gefeiert wurde und als sie bei der Geburtstagsfeier ihrer Tante Daniel kennenlernte.
Der Leser begleitet Eva auf der Suche nach dem Daniel, den sie nicht kannte. Dabei trifft sie auf verschiedene Meinungen über den Verstorbenen. Freunde, Nachbarn und seine Tochter erwecken in Eva ein ganz neues Bild mit vielen Facetten von Daniel. Zwischendurch erfährt der Leser in Rückblenden, was damals, vor über 20 Jahren, passiert ist. 

Während Eva durch Hamburg streift und auch ihr eigenes Leben überdenkt, brechen alte Sehnsüchte auf und bekommen längst vergessen geglaubte Freuden wieder eine Bedeutung. Es werden neue Freundschaften geschlossen und Eva wird sich auch ihren Gefühlen immer klarer.

Die Beschreibung von Hamburg fand ich wirklich toll. Schon seit längerer Zeit steht diese Stadt ganz oben auf meiner Wunsch-Reiseliste und diese Geschichte hat mich sehnsüchtig Reiseprospekte wälzen lassen.....Ich bin mir sicher: mein nächster Städtetrip geht in die Hansestadt!!

Cover:
Das Cover des Buches ist wirklich sehr passend und wurde perfekt ausgewählt. Jedoch könnte es auch den Eindruck einer leichten lockere Geschichte vermitteln. Doch hinter diesem Roman steckt viel mehr. Es geht um Liebe, Freundschaft, Bewältigung der Trauer, Enttäuschung, verpasste Chancen, Träume und Hoffnung. Man fragt sich unwillkürlich: Was ist Liebe? Was ist mir wichtig im Leben? Bin ich mit meinem Leben zufrieden oder möchte ich etwas daran ändern?

Schreibstil:
Der Autorin gelingt es mit ihrem locker leichten Schreibstil den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und zu berühren. Die einzelnen Charaktere sind teilweise etwas skuril, aber facettenreich und sehr warmherzig beschrieben. Manche aber etwas zu übertrieben, meiner Meinung nach.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Frage aus dem mir bis dato unbekannten Spiel Gesprächstoff: Original, das Eva immer mit ihrer Freudin Alissa gespielt hat. Es beinhaltet  110 Karten mit lustigen, verrückten, interessanten und unerwarteten Fragen.

Fazit: Ein lebendig geschriebener Roman, der einem an verpasste Chancen, Hoffnungen und Träume erinnert, aber auch an das Glück und die Liebe glauben lässt. Eine Geschichte, die unterhält, aber auch nachdenklich macht. Mein nächstes Buch der Autorin ist schon gekauft! 




 

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