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Der andere Arthur - Liz Moore

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 377 Seiten
    • Verlag: ‎ C.H.Beck, 1. Auflage ( 22. Januar 2026)
    • Übersetzer: Cornelius Hartz
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406843336
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406843334
    • Originaltitel: ‎ Heft
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur



C.H. Beck Kurzbeschreibung:
Arthur Opp, einst Literaturprofessor, hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen und wiegt mittlerweile 250 Kilo. Die wenigen Schritte zur Haustür, um Lieferungen entgegenzunehmen, sind seine tägliche Herausforderung. Nur 30 Kilometer entfernt kämpft der 17-jährige Kel um seinen Schulabschluss und die Chance auf ein besseres Leben: ein Sportstipendium. Doch während er um seine Zukunft ringt, hält ihn die Sorge um seine kranke Mutter in Atem. Arthur und Kel sind zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise erfahren haben, wie sich Einsamkeit in ein Leben einschreiben kann. Als sich Kels Mutter, einst Arthurs Studentin, nach Jahren der Funkstille mit einem verzweifelten Hilferuf an Arthur wendet, nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die alte Wunden aufreißt, aber auch neue Wege freilegt und eindrücklich zeigt, wie in der Fürsorge für andere die eigene Rettung liegen kann.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Letztes Jahr ist man um Liz Moores Roman "Der Gott des Waldes" nicht herumgekommen und auch bei mir landete er unter den besten Büchern 2025.
Nun wurde das Debüt der Autorin ebenfalls auf Deutsch übersetzt und ich durfte den Roman als Rezensionsexemplar vom C.H. Beck Verlag lesen.

Ich habe sowohl "Long Bright River" als auch "Der Gott des Waldes" gelesen und beide Geschichten sind völlig verschieden. Mit "Der andere Arthur" haben wir erneut eine ganz andere Geschichte vor uns, die aber ebenso fesselt.
Der titelgebende Arthur ist ein ehemaliger Literaturprofessor, der sein Haus seit einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen hat. Der Grund ist seine Fettleibigkeit. Selbst im Haus bewegt er sich nur mehr im Erdgeschoß und lässt sich von Lieferdiensten alles was er benötigt, zustellen.
Eines Tages erhält er einen Brief von Charlene Turner, mit der er eine rege Brieffreundschaft unterhält. Sie war einst Studentin an der Universität, wo er unterrichtet hat. In ihr erkannte er die eigene Einsamkeit wieder. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und kleine Verliebtheit. Als Charlene die Uni nach einem Semester verlässt, geht auch Arthur nicht mehr zurück und verschanzt sich in seinem Elternhaus in Brooklyn. Er flüchtet sich in die Fresssucht und auch Charlene bekommt ihr Leben nicht auf die Reihe. Als er nun nach einiger Zeit wieder Post von Charlene bekommt, ist er überrascht. Sie bittet Arthur ihrem Sohn Kel zu helfen und ihn zu unterrichten. Charlene und Kel möchten Arthur besuchen, was ihn leicht in Panik versetzt, denn er hat in seinem Briefen nicht immer die Wahrheit erzählt. Aber auch Charlene hat sich so einige Unwahhrheiten erlaubt....
Als er die blutjunge Yolanda engagiert, die sein Haus für den Besuch auf Vordermann bringen soll, erkennt sie schnell, wie einsam Arthur ist. Ihr fröhliches und optimistisches Naturell holt Arthur nach und nach aus seinem Schneckenhaus. Aber auch Yolandas Leben ist nicht einfach und so helfen sie sich gegenseitig.

Hier wechselt die Perspektive zu Kel als zweiten Ich-Erzähler. Für den nur mittelmäßigen Schüler steht Baseball an erster Stelle. Er möchte unbedingt Profispieler werden und schämt sich seiner alkoholkranken Mutter, die das Leben nicht meistert. Es gelingt ihr nicht, sich so um ihren Sohn zu kümmern, wie sie es gerne möchte. Das Leben hat sie desillusioniert.
Als ein Schicksalsschlag Kel völlig aus der Bahn wirft, erkennt er sehr schnell, wer wirklich seine wahren Freunde sind. Die Unsicherheiten und Ängste, die den jungen Mann begleiten, spürt man durch jede Zeile.

Liz Moore beschreibt die Charaktere sehr einfühlsam und ohne zu urteilen. Obwohl es sich um gesellschaftliche Randfiguren handelt, kann man sich in alle von ihnen einfühlen. Man leidet mit ihnen mit und möchte sie oftmals nur schütteln. Vor allem Arthur möchte man aus seiner Lethargie herausreißen. 
Alle Figuren in diesem Roman sind in ihrer tiefen Einsamkeit gefangen. Am ehesten öffnet sich Kel gegenüber anderen Menschen und mit Dee und Lindsey hat er auch zwei Freunde gefunden, die ihm beistehen.
Beide Erzählstränge bleiben bis zum Ende hin isoliert. Deshalb fand ich es etwas schade, dass Arthur und Kel bis zum Ende der Geschichte nicht aufeinander treffen. Eigentlich hätte ich mir durch den Klappentext dies erwartet. Trotzdem kann man sich ein sehr schlüssiges Bild von beiden Figuren machen und das leicht offene Ende lässt Spielraum für den Leser und seiner Fantasie.

Cover:


Fazit:
Liz Moore hat einen Roman über Vereinsamung, verpasste Chancen, Isolation, Trauer und unerfüllte Hoffnungen geschrieben, der unter die Haut geht. Dabei urteilt sie nicht, sondern bringt uns die Figuren sehr nahe. Ein ruhiger, aber intensiver Roman, der trotz des melancholischen Inhaltes Hoffnung versprüht.

Vielen Dank an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar!

Der Gott des Waldes - Liz Moore

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 590 Seiten
    • Verlag: ‎ C.H.Beck; 1. Edition (20. Februar 2025)
    • Übersetzer: Cornelius Hartz
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406829775
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406829772
    • Originaltitel: ‎The God of the Woods
    • Genre: Roman, Spannungsroman


C.H. Beck Kurzbeschreibung:
Es ist August 1975, ein Sommer, der das Leben vieler Menschen in den Adirondack Mountains für immer verändern wird. Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje im Sommercamp liegt, beginnt eine panische und groß angelegte Suche nach der 13-Jährigen. Das Verschwinden einer Jugendlichen im Naturreservat ist unter allen Umständen eine Katastrophe, aber Barbara ist keine gewöhnliche Camperin: Sie ist die Tochter der reichen Familie Van Laar, der das Camp und das umliegende Land in den Wäldern gehören. Und sie ist die Schwester von Bear, dem Jungen, der seit 14 Jahren vermisst wird. Kann das Zufall sein? Was wissen die anderen Kinder im Camp über Barbaras Verschwinden, und was verheimlichen die Angestellten, die im Schatten der Van Laars ihr Dasein fristen? Was hat der aus dem Gefängnis entflohene «Schlitzer» mit all dem zu tun und welche Geheimnisse hütet die Familie selbst?

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Music meets Book Challenge

Meine Meinung:
Von Liz Moore habe ich bereits "Long Bright River" gelesen, welches mir damals sehr gut gefallen und mich überrascht hat. Nun hat die Autorin mit "Der Gott des Waldes" eine Mischung aus einem Gesellschafts- und Spannungsroman geschrieben, der es in sich hat. Die Erwartungen waren hoch, denn das Buch wurde in der englischen Buchbubble bereits hochgelobt.

Die komplexe Geschichte ist so aufgebaut, dass man beim Lesen dabei bleiben oder kein weiteres Buch parallel lesen sollte. Und falls man es trotzdem macht, wird man bald das andere Buch liegen lassen, denn man möchte hier einfach nur weiterlesen und herausfinden, was passiert ist.
Es gibt viele Handlungsstränge und Zeitebenen zwischen 1961 und 1975, die sich mit beiden Fällen beschäftigen, nämlich dem Verschwinden von Barbara van Laar und ihrem Bruder "Bear", der 14 Jahre zuvor ebenfalls spurlos in den Wäldern der Adirondack Mountains verschwunden ist. Zusätzlich gibt es auch Rückblicke in das Jahr 1950, als Alice Peter Laar III. kennenlernt.

Das Naturreservoir gehört seit einigen Generationen der Familie Van Laar, die ein Sommercamp darauf eingerichtet haben. Jedes Jahr werden Kinder aus wohlhabenden Familien eingeladen, um die Ferien im Camp Emerson zu verbringen und zu lernen, wie man in der Wildnis überlebt.
Peter Laar III. und seine Frau Alice, die sich seit dem Verschwinden ihres Sohnes "Bear" mit Tabletten und Alkohol auf den Füßen hält, leben oberhalb des Feriencamps in ihrem Haus "Self Reliance". Ihre Tochter Barbara ist ein schwieriges Kind, die von ihren Eltern jedoch kaum wahrgenommen wird. Als sie den Wunsch äußert am Feriencamp teilnehmen zu wollen, stimmen diese zu, bevor es nach den Ferien in ein strenges Internat für schwererziehbare Kinder gehen soll. Der Wunsch kommt ihrem Vater sehr gelegen, denn bei der alljährlichen großen "Blackfly Goodbye Party" mit Geschäftspartnern, Künstlern und Möchtegern Stars würde Barbara nur stören. 
Doch dann ist Barbara plötzlich verschwunden - wie vor 14 Jahren ihr Bruder. Bear wurde nie gefunden, ein "Schuldiger" jedoch verurteilt.  

Neben den Van Laars spielen auch die Betreuer:innen des Camps und Tracy, ein Mädchen aus demselben Haus, in dem Barbara untergebracht und zu ihrer Freundin wurde, eine wichtige Rolle.

Durch den Wechsel der Zeiten und Sichtweisen der einzelnen Figuren, die aus ihrer Perspektive erzählen, wird Spannung aufgebaut. Über jeden Kapitel sieht man einen Zeitstrang und den Namen der erzählenden Person. Diese wechseln zwischen 1961 und 1975 und den Tagen und Monaten vor dem Verschwinden der beiden Kinder hin und her. Das verlangt Konzentration, bringt aber auch Spannung in den Roman. 
Liz Moore lässt uns aber auch hinter die Fassade der oberen Schicht schauen, die Dekadenz der Gäste auf "Self Reliance" und der Familie Van Laar, dem sein Ruf und guter Name wichtiger sind, als seine Familienangehörigen. Mit welcher Arroganz er seine Frau klein hält, die Suche nach "Bear" in die falsche Richtung treibt und seine Tochter am besten aus seiner Familie entfernen würde, lässt einem den Atem stocken.

"Ein seltenes Juwel, ....über Familien der allerbesten - und allerschlimmsten Art" 
(Paula Hawkins)

Eine weitere sehr interessante Figur ist Judyta Luptack, eine Ermittlerin aus dem New Yorker Bureau of Criminal Investigation, die erst kürzlich im Rang aufgestiegen ist und von ihren männlichen Kollegen trotzdem nicht ernst genommen wird. Ihre gute Kombinationsgabe, ihr Spürsinn und ihre Intelligenz fallen auch ihrem Vorgesetzten beim BCI, Denny Hayes auf, der sie unterstützt.

Durch den Genre-Twist, der bereits bei "Long Bright River" von der Autorin angewandt wurde, lässt sich das Buch sehr schwer einordnen. Es ist ein gesellschaftskritischer Roman, hat Krimi- und Thrillervibes und lässt sich trotzdem nicht in eine Kategorie eingliedern. Für mich sind diese Art Geschichten meistens Spannungsromane, die knapp an einem Thriller oder Krimi vorbeischrammen und zusätzliche wichtige Themen beinhalten.

Das Setting in den Wäldern der Adirondacks ist perfekt gewählt und wird gut dargestellt. Es gibt auch einen Plan des Camp Emerson und des Van-Laar Naturreservates auf der Innenseite zu Beginn und am Ende des Buches.
Vermisst habe ich hingegen ein Personenverzeichnis bei der Anzahl an Figuren.

Die Zeit rund um die Sechziger und Siebziger Jahre mag ich generell sehr und hier merkt man diesen Zeitraum vor allem bei der Suche nach den Kindern und den Ermittlungen der Polizei.
Beeindruckend ist die facettenreiche und bildhafte Darstellung der verschiedenen Charaktere, bei denen man das Gefühl hat, sie alle persönlich zu kennen. Besonders die weiblichen Figuren sind sehr interessant und faszinierend dargestellt. Sie treiben die Geschichte voran und werden doch von einer von Männer dominierenden Welt klein gehalten.

Cover:

von links nach rechts:
das englischsprachige Originalcover, das spanische, das italienische, das französische und das portugiesische Cover

Fazit:
Ein vielschichtiger Genre-Mix aus Gesellschaftsroman und Thriller, sehr komplex, aber auch sehr einnehmend und spannend. Ein Roman, dem man nicht so schnell wieder vergisst. Großes Kino!


Vielen Dank an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mercy Seat - Elizabeth H. Winthrop



    • Gebundene Ausgabe: 251 Seiten
    • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 2 (1. März 2018)
    • Übersetzer: Hansjörg Schertenleib
    • ISBN-10: 340671904X
    • ISBN-13: 978-3406719042
    • Originaltitel: The Mercy Seat
    • Genre: Historischer Roman



H.C. Beck Verlag Kurzbeschreibung:
Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gemeinsam mit der lieben Nicole von "Zeit für neue Genres" habe ich wieder ein Buch von meinem langjährigen SuB befreit. Gemeinsam haben wir "Mercy Seat" in einer kleinen, aber feinen Leserunde gelesen.

Wir sind in den Südstaaten in den 1940iger Jahren. Eine Gleichstellung zwischen Schwarz und Weiß ist Zukunftsmusik. Noch immer verbergen sich weiße Männer hinter spitzen weißen Kapuzen um gegen Schwarze oder "Niggerfreunde" vorzugehen. Der Klu-Klux-Clan ist allgegenwärtig. Zu dieser Zeit wird ein junger schwarzer Mann wegen Vergwaltigung einer jungen weißen Frau zum Tode verurteilt. Die Beiden sind ein Liebespaar, doch der Vater des Mädchens ist Mitglied im Clan. Während Will festgenommen wird, erschießt sich Claire und kann somit nicht für ihn aussagen...was aber egal ist, denn dass er zum Tode verurteilt wird ist zu dieser Zeit in den USA einfach nur klar...

Die Geschichte erzählt die letzten 24 Stunden vor Wills Hinrichtung aus der Sicht mehrerer Personen. Die kurzen Kapitel und der rasche Perspektivwechsel hat mich zu Beginn etwas verwirrt. Ich konnte nicht alle Figuren sofort zuordnen und die vielen Namen taten ihr Übriges. Doch nach und nach waren diese Probleme vergessen und ich war tief in die Geschichte eingetaucht.

Zuerst begegnen wir Lane und den Captain, die den elektrischen Stuhl nach St. Martinsville kutschieren. Lane ist selbst Häftling und hat seinen ersten Tag Freigang, um den Captain zu begleiten. Als sie an einer Tankstelle kurz halten, lernen wir auch den Tankstellenbesitzer Dale und seine Frau Ora kennen. Ihr gemeinsamer Sohn Tobias ist einberufen worden und kämpft in Japan. Dale und Ora spielen auch in der fortlaufenden Handlung eine Rolle.
Eine weitere Perspektive erhalten wir von Polly, dem Staatsanwalt, der das Strafmaß von Will festgesetzt hat. Seine Frau Nell, die im Norden geboren wurde, findet keinen Gefallen an der Rechtssprechung im Süden. Gabe, ihr gemeinsamer Sohn, erkennt die Zweifel seines Vaters. Frank, der Vater von Will, ist ebenfalls auf dem Weg nach St. Martinsville. Mit seinem altersschwachen Maultier Bess transportiert er den Grabstein für seinen Sohn, den er noch kurz vor der Hinrichtng sehen möchte. Und zu guter Letzt lernen wir noch Hannigan, einen Priester kennen, der Will die letzten Monate begleitet hat und ihm auch kurz vor seinem Tod beizustehen versucht. Er zweifelt am Glauben und an der Gerechtigkeit. Und natürlich Will selbst, der sich dem Urteil ergeben hat und nun seiner Hinrichtung um Mitternacht entgegensieht.

Feinfühlig erzählt Elizabeth H. Winthorp wie die oben genannten Personen mit dem Urteil umgehen und welche Gedanken, Emotionen oder auch Schuldgefühle sie spüren. Dabei gibt uns die Autorin einen schonugslosen Einblick in das letzten Jahrhundert in die Südstaaten der USA. Leider muss man sagen, dass sich in manchen Dingen - trotz der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den 1960igern - noch immer viel zu wenig geändert hat. Schwarze werden noch immer benachteiligt, sowie oftmals willkürlich und ungerecht angegriffen oder sogar getötet.

Die intensive Erzählung hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Man spürt die Emotionen der einzelnen Figuren, die drückende Hitze und das langsame Aufkommen von Zweifel und im Gegenzug den Mob, der der Hinrichtung entgegenfiebert. Manche Antworten überlässt Winthorp dem Leser. Dabei hätte ich bei einem Strang gerne noch etwas mehr erfahren.
Die Autorin hat sich an einem wahren Fall orientiert, die sie zu dieser Geschichte inspiriert hat. Ein Roman, der einem nicht so schnell loslässt und niemand kalt lässt.

Schreibstil:
Die Autorin hat einen wahnsinnig eindringlichen und intensiven Schreibstil. Man spürt die beklemmende Stimmung mit jeder Faser beim Lesen, ebenso wie die sengende Hitze und die Emotionen der einzelnen Charaktere. Die kurzen Kapitel mit wechselnden Perspektiven verleiten zum "Ich muss unbedingt noch ein bissche weiterlesen", denn man hat den Wunsch mehr von dieser Figur zu lesen, die wir gerade begleiten, obwohl bereits aus der Sicht der Nächsten erzählt wird. Und so ergeht es einem bei jedem Perspektivwechsel.

Cover:
 von links nach rechts:
die beiden englischen Originalcover, das niederländische, das italienische, ein weiteres sehr schönes englisches, das wunderschöne lithauische Cover und das schwedische

Fazit:
Eine beklemmende Geschichte über Rassismus und der Willkür der Menschen, die Menschleben unterschiedlich werten. Eindringlich und schonungslos - eine echte Leseempfehlung!


Long Bright River - Liz Moore

    Die Bildrechthe liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 414 Seiten
    • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (27. Januar 2020)
    • Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
    • ISBN-10: 3406748848
    • ISBN-13: 978-3406748844
    • Originaltitel: Long Bright River
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Spannungsroman


C.H. Beck Kurzbeschreibung: 
Einst waren sie unzertrennlich, seit fünf Jahren sprechen sie nicht mehr miteinander, doch die eine wacht insgeheim über die andere. Jetzt aber ist die Lage bedrohlich geworden: Mickey, Streifenpolizistin in Philadelphia, findet ihre drogenabhängige Schwester Kacey nicht mehr auf den Straßen der Blocks, die sie kontrolliert und auf denen Kacey für ihren Konsum anschaffen geht. Gleichzeitig erschüttert eine Reihe von Morden an jungen Prostituierten die von Perspektivlosigkeit und Drogenmissbrauch geplagte Stadt.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die beiden Hauptprotaginisten in diesem Roman sind die Schwestern Mickey und Kacey. Nach dem Drogentod der Mutter wachsen die beiden kleinen Mädchen bei ihrer Großmutter Gee auf. Diese kommt über den Tod ihrer Tochter nicht wirklich hinweg und sorgt zwar für die Mädchen, aber schenkt ihnen keinerlei Liebe und Geborgenheit. So kümmert sich die Ältere der beiden Schwestern, Mickey, von klein auf um Kacey.  Die Beiden sind unzertrennlich bis Kacey auf die schiefe Bahn gerät, wie ihre Mutter drogenabhängig und schlussendlich Prostituierte wird. Die eher verschlossene Mickey ist eher eine Einzelgängerin und wird Straßenpolizistin in Kensington, dem berüchtigsten Viertel von Philadelphia. Dort kann sie ein Auge auf Kacey werfen, auch wenn sie seit 5 Jahren nicht mehr miteinander sprechen.

Die Alleinerzieherin eines fünfjährigen Sohnes schlägt sich in ihrem Job durch, der großtelis noch immer den Männern vorbehalten ist. Ihr langjähriger Partner Truman wurde bei einem Einsatz schwer verletzt. Ihr neuer zugewiesener Partner Eddie nervt sie jedoch immer mehr und sie bittet ihren Vorgesetzten alleine patroullieren zu dürfen. Im Hinterkopf  hat sie die Absicht ein Auge auf Kacey zu haben. Als sich die Morde an Protituierten häufen und Mickey Kacey seit einger Zeit nicht mehr auf der Straße gesehen hat, befürchtet sie ihre Schwester täglich tot aufzufinden.

Obwohl unsere Hauptprotagonistin Mickey ein Cop ist und es sich um Serienmorde handelt, ist "Long Bright River" kein Krimi oder Thriller. Ich würde den Roman als Familiendrama oder Spannungsroman einordnen.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Mickey. Dazu gibt es auch zwei Zeitstränge, die in "Damals" und "Jetzt" eingeteilt, verschieden lang sind und sich abwechseln. Als Leser bekommt man die Geschichte eigentlich nur aus Mickeys Sicht erzählt.
Die Charaktere sind sehr authentisch und facettenreich.

Neben der Schwesternbeziehung steht das Drogenproblem im Vordergrund. Mickey arbeitet als Streifenpolizistin in Kensington, einer der übelsten Bezirke von Philadelphia. Neben den Morden an jungen drogenabhängigen Frauen, wird aber auch die Umgebung sehr gut und bildhaft beschrieben.
Liz Moore versteht es meisterhaft den größten Drogenmarkt der Ostküste in den USA darzustellen. Die Schilderungen der Verhältnisse in Kensington sind schonungslos. Drogen, Krimininalität und Prostitution prägen das Straßenbild. Besonders traurig machte mich die Erkenntnis, dass bereits Neugeborene süchtig sind und schwere Entzugserscheinungen haben. Welche Qual für so kleine Menschenkinder - einfach unvorstellbar!
 
"Long Bright River" ist ein facettenreicher und tiefgründiger Spannungsroman, der vorallem durch die düstere Ortsbeschreibung und hinter die Fassaden der Menschen blickt.

Cover:

Das englischsprachige Cover gefällt mir nicht wirklich. Da spricht mich das deutschsprachige Cover viel mehr an, obwohl ich zu beim ersten Anblick dachte, dass es sich hier um eine Young Adult Geschichte handelt, weil diese in letzter Zeit sehr ähnlich gestaltet werden.

Fazit:
Ein schonungsloser Blick auf die größte Drogenhölle der amerikanischen Ostküste, verbunden mit einem Familiendrama und Serienmorden an jungen Prostituierten. Ein tiefgründiger Spannungsroman, der trotz der Morde eher ruhig daherkommt und mehr eine Milieustudie ist, als ein Krimi. Macht nachdenklich...

Vielen Dank an Lovelybooks und den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar!


Der Wintersoldat - Daniel Mason



    • Gebundene Ausgabe: 430 Seiten
    • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 3 (24. September 2019)
    • Übersetzer: Sky Nonhoff, Judith Schwaab
    • ISBN-10: 340673961X
    • ISBN-13: 978-3406739613
    • Originaltitel: The Winter Soldier
    • Genre: Historischer Roman


C.H. Beck Kurzbeschreibung:
Der hochbegabte Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig und landet im eisigen Winter 1914 in einem Behelfslazarett in den Karpaten, wo ihm die junge Nonne Margarete erst alles beibringen muss. Als ein schwer traumatisierter, aber äußerlich unverletzter Soldat eingeliefert wird, begeht Lucius einen gravierenden Fehler. Daniel Masons aufwühlender Roman erzählt eine Geschichte von Krieg und Heilung, von unverhoffter Liebe, von verhängnisvollen Irrtümern und von Sehnsucht und Sühne.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bereits in der Vorschau hat mich der Roman von Daniel Mason "Der Wintersoldat" angesprochen. Wie die meisten von euch wissen, liebe ich Literatur rund um die beiden Weltkriege - egal ob eher Frauenroman oder Belletristik, biografische Romane oder Sachbücher. Geschichten über den ersten Weltkrieg sind im Vergleich zum Zweiten allerdings noch eher selten, was sich nun langsam zu ändern beginnt.

Im Wintersoldaten lernen wie den hochbegabten Medizinstudenten Lucius Krzelewki kennen. Er kommt aus gutem Haus und lebt mit seinen Eltern in Wien. Sein Interesse beim Studium gilt vorallem dem menschlichen Gehirn und den psychischen Störungen, die damals noch ziemlich unerforscht sind. Sein Gebiet ist die Neurologie. Als der erste Weltkrieg ausbricht, meldet sich Lucius freiwillig. Als Medizinstudent, der noch zwei Semester bis zum Studiumsabschluss benötigt, darf er wie ein vollwertiger Arzt als Sanitäzsoffizier an die Front. Er hofft auf ein gut ausgestattetes Lazarett, wo er den behandelten Ärzten zur Hand geht, doch die Wahrheit sieht anders aus. Doch der 22jährige wird an die damalige österreich-ungarische Ostfront in Galizien, nahe dem Uschok Pass, in die Karpaten gebracht. Er landet in einem provisorischen Lazarett in einer Kirche, wo er sich plötzlich als einziger Arzt wiederfindet. Sein Vorgänger ist eines Nachts vor den katastrophalen hygienischen Zuständen geflohen, während die zupackende Ordensschwester Margarete die Verwundeten versorgt und Amputationen am Fließband vornimmt. Typhus und eine schreckliche Läuseplage tun ihr Übriges, um die Soldaten noch schneller in den Tod zu treiben. Es mangelt an allem. Margarete merkt schnell, dass Lucius kaum Ahnung hat und wird von ihr in die Kriegsmedizin eingeführt, sprich Menschen so gut wie möglich wieder zusammenzuflicken. Sehr schnell erkennt er, wie weit Theorie und Praxis auseinander liegen.

Bildgewaltig und ohne Sentimentalität beschreibt Mason die Monate im profisorischen Lazarett und den Kampf gegen den Tod. Die bildhafte Beschreibung der Läuseplage ließ mich nicht nur einmal kratzen und panisch herumblicken. Sprachlos macht die Rekrutierung von "frontfähigen" Soldaten, sprich alle im Lazarett anwesenden Männer, die nicht bereits im Dilirium liegen.
Als "der Wintersoldat" als Schwerstverwundeter zu Margarete und Lucius gebracht wird, ändert sich vieles. Lucius kann endlich sein Studium anwenden bzw. diverse Forschungen betreiben, denn der unbekannte Soldat hat das Kriegszittern und Panikattacken. Er spricht nicht und scheint völlig abwesend. Die Beiden versuchen alles, um ihn von den Soldaten, die immer wieder ins Lazarett kommen, um die Männer wieder an die Front zu holen, zu schützen, denn körperliche Verletzungen weißt er nicht auf.

"Im Krieg bedeutet Krankheit etwas anderes, als im Frieden" - Seite 176 

In diesem Chaos nähern sich Lucius und Margarete an, doch das Grollen der Kanonen kommt immer näher und eines Tages ist Lucius auf sich alleine gestellt....

Während es zu Beginn noch eher ruhig zugeht und man vorallem verstört über dem Zustand in der umfunktionierten Kirche ist, nimmt die Geschichte immer mehr an Fahrt auf. Zum Ende hin konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen.
Der junge Student Lucius, den wir zu Beginn kennenlernen, ist zum Schluss des Romans ein ganz anderer. Seine Suche nach seinem Platz in der Familie und der Wiener Gesellschaft erscheint nicht mehr so wichtig. Seiner eigenen Identität und Heimat kommt er am Ende des Krieges endlich näher, doch die Suche nach Margarete wird zur Odyssee. Ob er sie wiederfindet müsst ihr selbst lesen...

Schreibstil:
Daniel Mason schreibt bildlastig und teilweise nüchtern, aber auch fast poetisch. Kälte, Hunger und Schmerzen sind durch die Zeilen spürbar. Ich war mit Lucius in der Kirche und habe vor Angst geschlottert. Die Landschaft rund um das kleine ruthenische Dorf wird sehr bildhaft dargestellt.
Die Charaktere sind detailreich und haben Tiefe.
 
Cover:



von links nach rechts haben wir das rumänische, ein englischsprachiges,das serbische, wieder zwei englischsprachige Cover, das niederländische und das polnische Cover


Fazit:
Ein beeindruckender Roman, der sehr realistisch und ohne Sentimalitäten erzählt wird und noch lange nach dem Lesen nachhallt. Zu Beginn eher ruhig, konnte ich zum Ende hin das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!



 

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