Die Hafenschwester: Als wir wieder Hoffnung hatten - Melanie Metzenthin



    • Verlag: Diana Verlag; Originalausgabe Auflage (14. September 2020)
    • Broschiert : 496 Seiten
    • ISBN-10 : 3453292448
    • ISBN-13 : 978-3453292444
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Hafenschwester


Diana Kurzbeschreibung:
Hamburg, 1913: Mit ihrer großen Liebe Paul hat Krankenschwester Martha drei gesunde Kinder, eine schöne Wohnung und sogar eine Einladung nach Amerika, um ihre Freundin Milli zu besuchen. Doch die Stadt steht kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges und Marthas Träume von der Zukunft zerplatzen. Trotz seiner 41 Jahre wird Paul eingezogen und Martha muss sich in dieser schweren Zeit allein um das Überleben ihrer Familie kümmern. Als Paul nach einem Granatenangriff schwer entstellt zurückkehrt, wird ihre Ehe auf eine harte Probe gestellt. Martha tut alles für ihren Mann, Paul unterzieht sich aber nur unwillig den nötigen Operationen und scheint aufgegeben zu haben …
 
Meine Bewertung: * * * *
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Die Bände sollte man der Reihe nach lesen!
 
Meine Meinung:
Auch beim zweiten Band der Hafenschwester hat uns die Autorin Melanie Metzenthin bei der Leserunde auf meinem Blog begleitet! Vielen Dank liebe Melanie! Es war wieder toll und wir haben jede Menge Zusatzinformationen bekommen.

Band zwei setzt wenige Jahre nach dem Ende von Band eins an. Martha ist inzwischen mit Paul verheiratet und hat drei Kinder. Nachdem sie im ersten Band vom armen Mädchen aus dem Gängeviertel zu einer angesehenen Krankenschwester geworden ist, hat sie in ihrem nun gut behütenden Leben Fuß gefasst. Sie darf als verheiratete Frau zwar nicht mehr im Krankenhaus als Schwester arbeiten, setzt sich aber noch immer für die Armen ein. Als ehrenamtliche Hafenschwester behandelt sie diese unentgeltlich. Da erhält sie eine Einladung von Millie. Sie soll mit ihrer Familie nach Amerika reisen und ihre beste Freundin aus Kindertagen endlich besuchen. Millies Tochter Anna, deren Patin Martha ist, feiert demnächst Hochzeit. Die Überfahrt ist bezahlt und so steigen Martha, Paul und die Kinder Rudi, Fredi und Ella auf das größte Passagierschiff dieser Zeit, dem Imperator. Noch ahnen Martha und Paul nicht, dass diese Reise für lange Zeit die letzten glücklichen Tage sein werden....

Mit dem Besuch in Amerika dürfen wir auch wieder kurz an Millies Leben teilhaben, die mir im ersten Band besonders gut gefallen hat. Die Überfahrt auf dem Luxusdampfer und der Unterschied zwischen dem quirligen New York und dem noch etwas rückständigen Europa sind sehr bildhaft dargestellt. Einige Leserinnen fanden diesen ersten Leseabschnitt eher unspektakulär. Ich empfand dies nicht so. Er ist sicherlich ruhiger, aber nicht weniger interessant. Melanie Metzenthin hat einige sehr aufschlussreiche Details dieser Zeit eingebaut, die ich gerne gelesen habe. Millies Arrangement und wie sie ihr Leben in Amerika gestaltet, hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Sie war schon immer der Zeit voraus.
Doch kaum zurück aus den Vereingten Staaten spitzt sich die Lage in Europa nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdninand und seiner Frau Sophie zu. Als es zum Krieg kommt stürzen sich die Männer mit Euphorie in die Schlachten, um viel zu schnell wieder aufzuwachen. Mit dem ersehnten Kriegsende zu Weihnachten wird es nichts und es folgen Leid und Schmerz, Hunger und Elend für die Menschen in Deutschland. Hier hat die Autorin den Mittelpunkt auf das Leben in Hamburg gesetzt. Mehr möchte ich nicht verraten...im Klappentext steht sowieso schon viel zu viel!

Ein interessanter neuer Charakter ist Li-Ming. Die Chinesin, die Marthas Bruder Heinrich ehelicht und mit nach Deutschland bringt, ist zu Beginn schwer durchschaubar. Durch sie erfährt der Leser von chinesischen Bräuchen und Traditionen. Melanie Metzenthin hat dabei auch ein sehr schmerzliches Thema aufgegriffen, auf das ich hier nicht näher eingehen möchte. Ich habe dazu allerdings schon einen Roman gelesen, der mich damals zutiefst ergriffen hat.

Nach Pauls schwere Verletzung, die sowieso schon im Klappentext verraten wird, konnte mich die medizinische Seite rund um die plastische Chirurgie zu dieser Zeit richtih fesseln. Durch die vielen verstümmelten Soldaten musste die Medizin in kurzer Zeit viel dazulernen und steht vor neuen Herausforderungen...ähnlich wie heute durch den Coronavirus.
Die Autorin hat uns besonders in diesem Abschnitt viel an ihren Recherchen teilhaben lassen, was ich absolut spannend fand. Dabei kam mir die Spanische Grippe zwar etwas zu kurz, aber ich muss auch sagen, dass Melanie Methenthin ohnehin schon sehr viele Themen aufgegriffen hat. Noch ein Schwerpunkt wäre vielleicht zu viel gewesen...

Auch die Politik nimmt im letzten Abschnitt wieder einen größeren Teil ein, ist aber im zweiten Teil eher Nebenhandlung. Martha und Paul sind weiterhin bekennende Sozialdemokraten und kämpfen noch immer für die Rechte der Arbeiter. Am Ende des Romans stehen wir auch am Ende des Deutschen Kaiserreichs.

Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr bildhaft und man merkt in jedem Abschnitt, wie viel sie recherchiert hat. Die spannenden Themen, wie die Jungfernfahrt der Imperator, die Kriegshandlungen und politischen Hintergründe, sowie die medizinischen Eingriffe, die damals Neuland waren und bei denen es auch für die Medizinerin noch genug zu recherchieren gab, wurden sehr lebendig und gut verständlich dargestellt.
Die Charaktere haben sich alle weiterentwickelt und ich hatte sie lebhaft vor Augen. Man fühlt sich ihnen nahe und leidet und freut sich mit ihnen mit.
Im Nachwort findet man wieder Erklärungen zu Fiktion und wahren Begebenheiten. Herausheben möchte ich auch noch das historische Bildnis von Hamburg im Inneren der Klappbroschur.

Fazit:
Ein ereignisreicher zweiter Band rund um die Hafenschwester Martha und ihre Familie. Wieder hervorragend recherchiert, lebendig erzählt und mit interessanten Einsichten in das Leben von damals. Ich freue mich schon auf Band 3.
 
Die Rezensionen meiner Leserunde Kolleginnen werden hier noch verlinkt:
Sabine von Buchmomente *klick*
Andrea vom Leseblick


6 Kommentare:

  1. Oh, das klingt nach einer Reihe für mich. Habe ich gleich notiert. Vielen Dank für's Vorstellen.

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  2. Hey Martina,

    Ich gehöre auf jeden Fall auch zu denjenigen, denen das erste Drittel ein bisschen zu viel Friede, Freude, Eierkuchen war. Ich empfand es auch ein bisschen zu vollgestopft. Jedes Thema wird irgendwie angerissen und in die Geschichte gestopft. Ab dem ersten Weltkrieg hat mir alles wieder deutlich besser gefallen und gerade zum Schluss wurde es für mich spannend. Ich bin auf jeden Fall auch sehr gespannt auf Teil 3, auch wenn ich mittlerweile echt etwas übersättigt von der Zeit bin.
    Ich habe dich bei meiner Rezension zum Buch verlinkt.

    LG, Moni

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    1. Liebe Moni,
      ich glaube deine Rezension war die erste, die ich zum Buch überhaupt gelesen habe ;) Die Autorin hat uns mitgeteilt, dass sie die "Fallhöhe" der Protagonisten erhöhen wollte durch den ersten, eher "lieblichen" Teil. Aber ich fand es auch interessant über die Überfahrt und das Schiff zu lesen und wie unterschiedlich die Lebensweisen in den USA bereits vor hundert Jahren waren. Natürlich kommt mit dem Krieg mehr Schwung in die Geschichte.

      Recht muss ich dir geben, dass die letzte Zeit Romane zu den beiden Weltkriegen wie Schwammerl aus der Erde schießen. Noch lese ich sie gerne, aber sicher ist man mit der Zeit übersättigt. Ich widme mich im Oktober sowieso mehr den Thrillern und langsam auch den Weihnachtsbüchern =)
      Liebe Grüße und danke fürs verlinken!
      Martina

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    2. Hey Martina,

      Bei mir geht es in die Science-Fiction. Auch bei den Vorschauen habe ich mir fast nur Science-Fiction vorgemerkt. Will jetzt tatsächlich nur noch diese Reihe und die neue Reihe von Marie Lacrosse lesen, weitere Reihen, die im 19. oder 20. Jahrhundert spielen, müssen mich schon sehr neugierig machen, damit sie noch eine Chance bekommen.

      LG, Moni

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