Die Mitternachtsbibliothek - Matt Haig

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    • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
    • Verlag: Droemer HC; 6. Edition (1. Februar 2021)
    • Übersetzer: Sabine Hübner
    • ISBN-10 : 3426282569
    • ISBN-13 : 978-3426282564
    • Originaltitel : The Midnight Library
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Droemer Kurzbeschreibung:
Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können. Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Matt Haig's neuer Roman hat bereits bei einigen Lesern auf You Tube und Instagram Wellen geschlagen. Die Meinungen gehen doch ganz schön auseinander. Trotzdem finde ich die Idee, die der Autor hier verwendet hat, faszinierend.
Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die sich irgendwann in ihrem Leben gefragt hat, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn ich mich zu einem bestimmten Zeitpunkt anders entschieden und einen anderen Weg eingeschlagen hätte. Matt Haig geht dieser Frage nach...

Nora leidet seit einer Ewigkeit an Depressionen und ist am Tiefpunkt hres Lebens angekommen. Sie ist einsam, der Job ist weg und ihre Katze tot. Mit ihrem Bruder ist sie zerstritten, die Mutter verstorben, der Vater neu verheiratet und der Kontakt zu ihm fast abgebrochen. So beschließt sie sich aus lauter Verzweiflung und Einsamkeit das Leben zu nehmen. Nora landet in der Mitternachtsbibliothek, wo sie Mrs. Elm, ihre ehemalige Schulbibliothekarin, bereits erwartet. Im Reich zwischen Leben und Tod kann sie zwischen viele Facetten ihres Lebens auswählen. Es sind Paralleluniversen, die sie einfach "anprobieren" kann, wie ein neues Kleid. Nun hat Nora die Möglichkeit all diese verpassten Leben auszuprobieren und sich für eines zu entscheiden. Sie lernt mit der Zeit, dass sie ihr Leben selbst gestalten und nicht die Erwartungen der anderen erfüllen muss. Bis dahin ist es aber ein langer Weg und nicht sicher, ob Nora dies erkennt und die Möglichkeit erhält, diese Chance zu nutzen.

Die Grundidee ist fantastisch. Die Figuren selbst fand ich teilweise allerdings etwas flach. Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass wir einige davon nur bruchstückenhaft in verschiedenen Leben kennenlernen oder von einem Charakter verschiedene Bilder erhalten, denn jede Figur, die öfters vorkommt, führt im Parallelleben ein anderes Leben. Nora hätte viele Möglichkeiten als Leistungsschwimmerin, Musikerin, Gletscherforscherin gehabt - keine alltäglichen Berufe. Und trotzdem hat sie immer wieder diesen Weg verlassen und findet sich am Ende ihres Lebens nutzlos und einsam.

Die verschiedenen Leben, die Nora ausprobiert, sind oftmals viel zu kurz beschrieben. Kaum hat man sich eingefunden, ist man wieder in der Bibliothek gelandet und sie muss ein anderes Leben wählen. Dadurch kommt man Nora nicht wirklich näher. Was ich ebenfalls nicht ganz verstehen kann ist, dass Nora keinerlei Kenntnisse von ihrem Beruf und ihren Freunden hat, wenn sie in dieses ausgewählte Leben kommt. Sie muss sich erst schlau machen und ist verwirrt. Wie soll sie deshalb wissen, ob dieses Leben zu ihr passt?
Hier hätte der Autor einiges besser machen können. Mir hätte es wesentlich besser gefallen, wenn Nora nur wenige Leben ausprobiert hätte, diese aber umso intensiver. So blieb mir Nora etwas fremd und ich konnte nicht wirklich mit ihr mitfühlen, was auf den ersten Seiten noch ganz anders war.

Sehr viel mehr möchte ich eigentlich auch gar nicht mehr verraten...es ist bereits verwirrend genug. Ganz überzeugen konnte mich die Geschichte nicht. Wenn man aber die Augen bei einigen Dingen zudrückt, wie zum Beispiel die eher lasche Umgangsform mit der Krankheit Depression des Autors - was sehr verwundert, da er selbst daran leidet - dann kann man die Geschichte sehr mögen. Sie regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Ich denke, man sollte den Roman nicht zu ernst nehmen, vorallem betreffend der Depression. Es ist eine Geschichte mit mystischen Touch und kein Sachbuch! Das sollte man sich vor Augen halten, dann kann man den Roman auch genießen. Ein Highlight war es trotzdem nicht, aber eine nette Story, mit der man die Möglichkeit hat zu überlegen, wie man sich selbst entschieden hätte.

Cover:

von links nach rechts
eine englischsprachige Ausgabe, die Cover aus Spanien, Italien und Finnland

Fazit:
Eine sehr interessante Grundidee. Die Umsetzung hat mir gut, aber nicht zu 100% Prozent gefallen. Die Abläufe waren nicht immer ganz rund und Nora blieb mir wegen der zu vielen Leben und der zu kurzen Zeit, die sie dort verbracht hat, zu fern. Trotzdem kann man die mystische Geschichte lieben, wenn man die Krankheit Depression hier nicht zu ernst nimmt. Es ist eine Geschichte mit fiktionalen Elementen und kein (Sach-)Buch über Depression. Das sollte man sich immer vor Augen halten!

8 Kommentare:

  1. Hi Martina!

    Ja, der Autor bleibt hier sehr an der Oberfläche, ein Punkt, der mich ja auch etwas gestört hat. Einerseits ja an sich nicht so schlimm, weil es ja ums Prinzip geht, andererseits aber eben nicht das, was ich mir erwartet hätte.

    Er hat hier ein sehr ernstes Thema mit einem positiven, locker zu lesenden Stil geschrieben, was ja auch gut ist und einem etwas gutes mitgibt. Aber es wirkt mir alles eben dennoch zu wenig in die Tiefe.
    Was er aussagen wollte hat er gemacht, aber eben auch nicht mehr.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Genauso habe ich es auch empfunden!
      Liebe Grüße
      Martina

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  2. Guten Morgen Martina,

    eigentlich trifft deine Rezension auch genau meine Meinung, nur mit etwas anderen Worten :D Ich hab zwar noch knappe 4 Sterne vergeben, aber das war wirklich ganz knapp.

    Und ja ich hätte auch lieber weniger Leben ausführlicher gehabt, als diese vielen so kurz, auch um es greifbarer zu haben und ja, fand es auch ein bisschen schade, dass nicht mehr aus den psychischen Erkrankungen gemacht wurde, aber auch nicht so schlimm.

    Für mich war die Idee toll, die Geschichte im Kern unterhaltsam, nur wurde halt nicht das volle Potential genutzt.

    Liebe Grüße,
    Steffi vom Lesezauber

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  3. Hallo liebe Martina,

    von Matt Haig habe ich schon ein Buch gelesen, das mir sehr gefallen hat. Umso neugieriger war ich auf die ersten Rezensionen zu Die Mitternachtsbibliothek. Du hast deine Kritikpunkte sehr gut dargestellt. Dadurch ist es mir gelungen das Buch besser einordnen zu können.
    Ich danke dir dafür.

    Ich wünsche dir einen schönen Start ins Wochenende. :o)

    Liebe Grüße
    Tanja

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  4. Hallo liebe Martina,

    und auch hier sind wir einer Meinung. Man darf von der Geschichte nciht zu viel erwarten - und schon mal gar nciht ein "Sachbuch" über Depressionen. Ich fand die Geshcichte sehr vorhersehbar udn auch ich wäre in manchen Leben lieber länger geblieben. Trotzdem fand ich das Buch unterhaltsam, mehr aber auch nicht.

    Liebe Grüße
    Sabine

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  5. Hallo Martina,

    genau das hatte ich schon vermutet. Irgendwie scheint's nicht so richtig zu überzeugen, auch wenn die Stimmen dazu insgesamt positiv sind. Ich werde es lassen. Man muss nicht alles gelesen haben.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  6. Liebe Martina

    Ich habe sooo viele Rezensionen zu diesem Buch gelesen und die Bilanz war nicht komplett positiv. Klar, einige komplett begeisterte Meinungen waren dabei, aber die meisten Leserinnen und Leser wirkten ein wenig gespalten.

    Deshalb habe ich mich dazu entschieden, mir das Buch vorerst nicht zu kaufen, aber die Augen beim Stöbern in offenen Bücherschränken danach offen zu halten ;-)

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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  7. Hallo Martina,
    das Buch liegt noch bei mir auf dem SuB, aber ich bin schon sehr gespannt darauf. Man liest ja wirklich sehr unterschiedliche Meinungen. Schade, dass es dich nicht komplett überzeugen konnte. Mal sehen, wie es mir damit ergehen wird.
    Liebe Grüße, Steffi

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