Und mittendrin der Birnbaum - Ute Mank

     


    • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
    • Verlag: ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 1. Auflage (17. September 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423284927
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423284929
    • Genre: Roman


dtv Kurzbeschreibung:
Es ist ein milder Frühsommer, als Dora nach vielen Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Stundenlang wandert sie durch die fremd-vertrauten Straßen – zu ihrem Elternhaus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem einst ihre beste Freundin wohnte. Als sie entdeckt, dass vor diesem Haus Stolpersteine verlegt wurden, ist Dora fassungslos. Denn dort liegen nur vier Steine, sie weiß aber genau, dass es fünf sein müssten. Einer fehlt, nämlich der ihrer ehemals besten Freundin Fanny. Was ist damals mit ihr geschehen?  Vom Wissen und Wegschauen: Ein berührender Roman über Zerbrechlichkeit und Hoffnung in dunklen Zeiten. 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Über vorablesen habe ich diesen Roman von Ute Mank erhalten. Eigentlich will ich schon länger ein Buch der Autorin lesen, weil ihr Nachname wie mein Geburtsort lautet. Zuvor hat mich aber noch kein Buch so richtig angesprochen, was bei "Und mittendrin der Birnbaum" von Beginn an anders war. Auch die Leseprobe (noch vor meiner Augen-OP) hat mich sofort gefangen genommen.

Die Geschichte wird in der Gegenwart mit vielen Rückblicken in die Vergangenheit vor und während des Zweiten Weltkrieges erzählt.
Dora ist bereits Mitte achtzig, als sie in ihrem Heimatort Hausen zurückkehrt. Nachdem ihr Mann verstorben ist und sie sich nicht mehr alleine in ihrem Haus in der Stadt versorgen kann, entscheidet sie sich ins Seniorenheim zu gehen. In dem kleinen Ort, in den sie eigentlich nie wieder zurückkehren wollte, lebt noch ihr Bruder Heini und ihre Schwägerin Gretel, die sie gerne besucht. Auf ihren Streifzügen durch den Ort steht sie plötzlich vor dem Haus, in dem ihre jüdische Freundin Fanny lebte. Sie entdeckt davor vier Stolpersteine und ist verwirrt. Es müssten doch eigentlich fünf sein, denn Fanny lebte dort mit ihren Eltern und den beiden Geschwistern. Was ist geschehen? Und warum weiß niemand, was mit Fanny geschehen ist?

Dora erinnert sich und fühlt eine tiefe Schuld in sich. Warum hat sie sich mehr für ihre eigene Zukunft interessiert, als für die jüdischen Familien in Hausen, die später abtransportiert wurden? Und natürlich ganz besonders für Fanny, ihre beste Freundin.
Vor dem Fachwerkhaus trifft sie erstmal auf Pina, die mehr über die Stolpersteine wissen möchte. Ihre Urgroßeltern haben damals das Haus der Jokops "für einen Apfel und ein Ei" gekauft, als Fannys Familie abtransportiert wurde. Sie möchte mehr wissen und Dora muss sich mehr und mehr ihrer Vergangenheit stellen. Insgeheim möchte sie ebenfalls wissen, ob Fanny noch lebt. Zwischen Pina und Dora entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die im Dorf eher missbilligt wird. Die Vergangenheit soll auch heute noch ruhen.

Als Dora schließlich beginnt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, tauchen wir tief in ihre Erinnerungen ein und erleben diese mit viel Empathie mit.
Dora und Fanny sind während der Schulzeit beste Freundinnen. Mit dem beginnenden Judenhass wird es jedoch für die beiden Mädchen immer schwieriger, denn Fanny ist Jüdin und Dora hat dem Nationalsozialismus nicht wirklich etwas entgegen zu setzen. Während sich für Dora neue Zukunftspläne eröffnen, erfährt Fanny immer mehr Schikanen - bis sie nicht mehr am Unterricht teilnehmen darf. Dora beginnt sich daraufhin immer mehr zurückzuziehen und verlässt schlussendlich das Dorf, um eine Lehrerausbildung zu machen. Während des Studiums verliert sie immer mehr den Bezug zu ihrem Heimatort und konzentriert sich auf ihre Ausbildung und ihre eigene Zukunft. 
Als das Naziregime zusammenbricht, ist auch Doras Studienzeit vorbei. Sie versucht sich in der Stadt über Wasser zu halten, bis sie ihr Studium erst Jahre später beendet. Nach Hausen kommt sie nie wieder - bis sie ins Seniorenheim einzieht.

Nach und nach erfährt man einiges über das damalige Leben im Dorf und den Menschen in Zeiten der Judenverfolgungen. Als Leser erfahren wir erst nach und nach was mit Fanny passiert ist.
Ute Mank erzählt sehr warmherzig und sehr authentisch, wie Doras Vergangenheit sie immer mehr aufwühlt und von ihren Schuldgefühlen beinahe erdrückt wird und dennoch nicht den Mut findet reinen Tisch zu machen. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als dass alles damals anders gekommen wäre - wohl wissend, dass sie die Vergangenheit nicht mehr ändern kann.
Die Charaktere sind sehr authentisch gezeichnet und der Schreibstil angenehm. Gegenwart und Vergangenheit werden gekonnt verbunden.

Die Autorin stellt uns Leser:innen die Frage, wie man selbst zu dieser Zeit gehandelt hätte? Wo beginnt Schuld? Jahrzehnte später lässt sich leicht sagen, dass man sich gegen alles aufgelehnt hätte, doch was wäre die Wahrheit? 

Der Birnbaum, der im Titel erwähnt wird, hat seine eigene Geschichte im Buch.

Fazit:
Eine sehr berührende und tiefgründige Geschichte über Freundschaft, Schuldgefühle, Ausgrenzung, den Mut sich der Vergangenheit zu stellen und um Vergebung. Mich hat dieser Roman sehr berührt, den ich auf jeden Fall weiter empfehle!
 
Vielen Dank an vorablesen und den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar!

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