Das Mädchen mit dem Drachen - Laetitia Colombani

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ S. FISCHER; 1. Edition (23. Februar 2022)
    • Übersetzer: ‎ Claudia Marquart
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3103974906
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3103974904
    • Originaltitel : ‎ Le cerf-volant
    • Genre: Roman



Fischer Kurzbeschreibung:
Am Golf von Bengalen will Léna ihr Leben in Frankreich vergessen. Jeden Morgen beobachtet sie das indische Mädchen Lalita, das seinen Drachen fliegen lässt. Als Léna von einer Ozeanwelle fortgerissen wird, holt Lalita Hilfe bei Preeti, der furchtlosen Anführerin einer Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen. Léna überlebt und zusammen mit Preeti schmiedet sie einen Plan, der nicht nur Lalitas Leben grundlegend verändern wird. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Laetitias Colombanis Roman "Der Zopf" hat mich vor Jahren wirklich sehr beeindruckt und noch heute wirkt er bei mir nach. Nun hat die Autorin ihren neuen, und sicher nicht nur von mir heiß ersehnten Roman "Das Mädchen mit dem Drachen" veröffentlicht und kehrt damit nach Indien zurück. 
Léna hat einen schweren Verlust erlitten und steht an einer Wegkreuzung in ihrem Leben. Sie möchte abschalten und über ihre weitere Zukunft nachdenken. Sie reist spontan nach Indien, wo sie die Bekanntschaft mit einem kleinen Mädchen macht, welches jeden Tag ihren Drachen am Strand steigen lässt. Als Léna eines Tages in Not gerät, holt das kleine Mädchen Hilfe bei Preeti, der Anführerin der örtlichen Roten Brigade, die Frauen Selbstverteidigung beibringt. Sie schließt Freundschaft mit den beiden, die der Kaste der Dalit, der Unberührbaren, angehören.
Léna erfährt, dass den Dalit und vorallem generell Mädchen keine Bildung ermöglicht wird. Sie ist seit zwanzig Jahren Lehrerin und beschließt daraufhin ihrer Retterin Lalita die Bildung schenken, die dem lernfreudigen Mädchen aktuell verwehrt bleibt. Ihr Plan, eine Schule in Bengalen zu errichten, stellt sich jedoch als schwieriger heraus, als gedacht.

Als Leser begleiten wir Léna zwei Jahre lang und man bemerkt sehr schnell: Hier treffen zwei Welten aufeinander: Das Leben einer idealistischen westeuropäischen Frau und das von jungen indischen Mädchen und Frauen, die der niedrigsten Kaste angehören und keinerlei Zukunft vor sich haben. Sie gelten als unrein und dürfen nur die niedrigsten Arbeiten verrichten.
Léna denkt natürlich wie wir Europäer und ist entsetzt über die Armut, die Kinderarbeit, Zwangsehen oder sexuelle Übergriffe. Sie sieht für sich eine neue Aufgabe und beginnt alles für die Gründung einer Schule vorzubereiten. Trotz ihres Engagements stößt sie bei den meisten der Dörfler auf Widerstand. Alte Traditionen und der Glaube, dass Mädchen keinen Wert haben, lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen auslöschen. Léna gibt aber nicht so schnell auf und findet bei Preeti Unterstützung. Diese setzt sich schon seit einigen Jahren für junge Mädchen und Frauen ein und übt mit ihnen Kampfsporttechniken, um sich vor Übergriffen und Vergewaltigungen zu schützen.

Als Leser begleiten wir Léna zwei Jahre lang bei ihrem Projekt. Der Schreibstil von Laetitia Colombani ist dabei eher einfach, aber auch poetisch. Dies ergibt genau den Widerspruch, die auch die beiden Kulturen mit sich bringen. Die Autorin schafft mit wenigen Worten intensive Schilderungen. Es gibt kaum Dialoge, aber viel indirekte Rede.
Die Charaktere sind  trotz des schmalen Büchleins sehr gut dargestellt und ich hatte die Figuren sehr eindringlich vor meinen Augen.

Besonders der letzte Abschnitt des Buches hat mich tief ergriffen. Der Roman lebt vorallem durch die starken Kontraste im Leben der Dalit und der Kastenstruktur, die eigentlich schon seit Jahrzehnten verboten ist, aber noch immer ausgeführt wird. Ich hätte es für gut befunden, wenn die Geschichte noch ein bisschen länger oder  ausführlicher gewesen wäre.

Cover:

Die beiden Cover aus Frankreich und Spanien sind fast ident und haben ebenfalls eine grelle Hintergrundfarbe, wie das deutsche Cover.


Fazit:
Ein eindrucksvoller und realitätsnaher Roman, der die noch immer fest verankerten Strukturen und Traditionen des Kastensystems in Indien aufzeigt. Für alle, die bereits "Der Zopf" gelesen haben, kann ich diese kleine weiterführende Geschichte um Lalita empfehlen. Aber auch allen anderen Lesern, die sich für die Lebensumstände der Frauen in Indien interessieren. Auch wenn die Geschichte für mich nicht ganz an den Zopf heranreicht, gebe ich eine Empfehlung ab.

Vielen Dank an den S.Fischerverlag und an Lovelybooks für die Möglichkeit diesen Roman voran lesen zu dürfen.

3 Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    bei mir sind es auch 4 Sterne geworden - ich mag den Schreibstil von Laetitia Colombani total gerne und ich fand auch den Plot sehr gut - aber manche Themen hätte ich mir auch ausführlicher erzählt gewünscht.

    Mich hat gestört, dass mir zu oft der erhobene Zeigefinger durchgeschienen ist. Aber trotzdem ist es ein wichtiges Buch, das ich durchaus empfehle.

    LG Sabne

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    1. Liebe Sabine,
      an den Zopf kam es für mich nicht ran, obwohl ich das Setting Indien super fand und auch die Geschichte selbst, auch wenn ich mir einige Themen ausführlicher erzählt gewünscht hätte - wie du es auch kritisierst.
      "Das Haus der Frauen" hat mir hingegen nicht so gut gefallen.

      Liebe Grüße
      Martina

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  2. Liebe Martina

    "Der Zopf" steht auch noch bei mir auf der Wunschliste...ob ich die irgendwann mal abarbeite? Ach, ach...und nun habe ich mir "Das Mädchen mit dem Drachen" auch gleich auf die Liste gepackt, das klingt nämlich super. Vor allem, was du über den Schluss schreibst hat mich gleich mitberührt.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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