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Gebundene Ausgabe: 621 Seiten
- Verlag: Insel Verlag; 2. Edition (23. Oktober 2017)
- Übersetzer: Elke Schönfeld
- ISBN-10 : 3458177205
- ISBN-13 : 978-3458177203
- Originaltitel : A Tree Grows in Brooklyn
- Genre: Belletristik
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| Die Bildrechte liegen beim Verlag |
Insel Kurzbeschreibung:
Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin, eine Süßigkeiten-Connaisseuse, eine genaue Beobachterin der menschlichen Natur – und sie hat einen Traum: Sie möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der in dem bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten, jeden Tag wird von dem hart verdienten Geld das Essen zusammengeklaubt, Kinder strömen samstags durch die Straßen, um für ihren gesammelten Trödel einige Pennies für Süßes zu ergattern. Doch wenn Francie auf der Feuertreppe in der Sonne sitzt und liest, kann sie sich keinen schöneren Ort vorstellen. Und wenn sie auch gegen so manche Widrigkeit anschreiben muss, trägt sie doch eines in sich: dass es sich immer lohnt, nach dem puren Leben zu streben.
Meine Bewertung: * * * undeinhalb
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine
Meinung:
Dieses Buch hatte ich lange auf meiner Wunschliste und dann ebenso lange auf meinem SuB. Nun wurde es endlich befreit. In einer gemeinsamen Leserunde mit Livia und Jamie (die wohl nach dem ersten Leseabschnitt ausgestiegen ist) konnte ich diese Geschichte endlich lesen.
Ich war mir sicher ein 5 Sterne Buch vor mir zu haben, doch schon nach dem ersten Leseabschnitt war die Ernüchterung da. Dabei wollte ich dieses Buch unbedingt mögen....
Der Einstieg fiel mir sehr schwer. Hätte ich nicht gemeinsam mit Livia gelesen, hätte ich das Buch wieder zur Seite gelegt, so wie Jamie. Ich hatte das Gefühl auf der Stelle zu treten, denn Betty Smith schreibt sehr detailverliebt und ausschweifend. Doch so schnell gab ich nicht auf und das war gut so!
Wir lernen die elfjährige Francie kennen, die in ärmlichen Verhältnissen in Brooklyn aufwächst. Nach diesen ersten 72 Seiten hatte ich trotzdem das Gefühl nicht wirklich mehr über das Mädchen erfahren zu haben.
Im zweiten Abschnitt fand ich dann endlich in die Geschichte. In einem
Rückblick erfahren wir mehr über Katies deutschstämmige
Einwandererfamilie und wie sich Francies Eltern Katie Rommely und Johnny
Nolan kennenlernen. Die bildhaft erzählten Hintergründe und die sehr gute Beschreibung der
beiden Charaktere haben mich in ihre Geschichte abtauchen lassen und ich hatte ein perfektes Bild
der Figuren vor meinen Augen. Das Leben holt die beiden Turteltäubchen nach der Hochzeit sehr rasch ein. Katie wird schwanger und Johnny arbeitet als singender Kellner. Als Francie zur Welt kommt, ist Johnny nicht aufzufinden. Sein unregelmäßiges Einkommen und sein eher unruhiger Geist helfen nicht dazu bei regelmäßig Essen auf den Tisch zu bekommen. Johnny ist einen Tag himmelhoch jauchzend und am nächsten zu Tode betrübt. Die fehlende Perspektive und die
unterschiedlichen Charaktere lassen schnell erkennen, dass sich die große Liebe bald abnützen wird. Katie
weiß, dass sie zwar einen hübschen und liebenswerten Mann geheiratet hat, der aber charakterschwach ist und zum Trinker wird. Knapp ein Jahr nach Francie kommt Cornelius, genannt Neeley, zur Welt und es bleibt an Katie für die Beiden zu sorgen....
Betty Smith wurde 1944 mit diesem Roman für den Pulitzer Preis nominiert. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es der Autorin gelungen ist, ein hervorragendes Zeitbild der damaligen Lebensumstände
zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Brooklyn darzustellen. Dazu hilft sicher auch, dass sie selbst zu dieser Zeit in diesem Teil New Yorks aufgewachsen ist. Sie versteht es aber auch hervorragend die Träume und Wünsche, Gedanken und Gefühle der Nolans wiederzugeben. Aus Francie wird ein Bücherwurm, der es an Freunden fehlt. Sie ist eine Außenseiterin, die bald die fixe Idee hat, einmal eine große Schriftstellerin zu werden. Neeley ähnelt äußerlich seinem Vater und hat keinerlei Schwierigkeiten Anschluss zu finden. Er hat den Charme von Johnny geerbt und ihm fliegt auch das Herz seiner Mutter zu. Katie ist streng und oftmals auch etwas unfair ihrer Erstgeborenen gegenüber. Sie will aus ihren Kindern anständige Menschen machen und legt dabei sehr viel Wert auf Bildung. Sie erkennt, dass diese der Schlüssel für ein besseres Leben ist. Doch Bildung kostet Geld.
Während Francie eine sehr gute Schülerin ist, erledigt Neeley nur das Notwendigste. Francie erfährt jedoch keinerlei Rückhalt und oftmals hatte ich das Gefühl sie aufmuntern und in die Arme nehmen zu müssen. Von ihr wird erwartet, dass sie auf viele Dinge verzichtet, denn sie sei stark genug. Die Stimmung des Buches fand ich häufig als erdrückend und wehmütig. Dann aber gab es auch wieder einge skurille Situationen, bei denen ich den Kopf schütteln, aber auch lauthals auflachen musste. Besonders Sissy, die Tante von
Francie, die nie Lesen und Schreiben gelernt hat, und dennoch die
Emanzipierteste von allen Rommelys ist, sorgt für Lacher. Trotzdem versucht auch sie für Francie und Neeley die Wichtigkeit von Büchern und Bildung zu vermitteln.
Die Charaktere sind sehr lebendig und äußert gelungen dargestellt. Ich finde, dass diese sehr anschauliche Darstellung der Figuren genau den Charme des Romanes ausmachen. Man fühlt sich inmitten der Nolans und erlebt alle guten und schlechten Zeiten hautnah mit.
Doch dann kam der letzte Abschnitt und dieser hat mich, genauso wie der Anfang, enttäuscht. Das Ende ist ein klein bisschen offen gelassen und das bei über 600 Seiten. Einiges wird nicht auserzählt, was ich sehr schade fand. Und wer mich kennt, der weiß auch, dass ein halb offenes Ende mich rasend macht und deshalb auch meine Bewertung herabschraubt. Sorry!
Cover:
zwei englischsprachige Cover, das italienische, das spanische, ein weiteres englisches und das russische Cover
Ich finde es immer wieder erstaunlich und faszinierend, wie sich die Geschmäcker ändern bzw. wie unterschiedlich dasselbe Buch oft in anderen Ländern aussieht und welche Cover die Leute in in diesen Ländern gerade anspricht. Das neue Cover aus dem Insel Verlag finde ich hingegen sehr ansprechend.
Ein Roman, den ich unbedingt lieben wollte, der mich aber etwas zwiespältig zurück lässt. Die Geschichte wird mir sicherlich in Erinnerung bleiben, denn die Autorin hat das Leben der Nolans sehr eindringlich und lebendig erzählt. Vorallem der Anfang war mir aber zu ausschweifend und das Ende hat michetwas enttäuscht zurück gelassen. Dazwischen fand ich eine oftmals zu Herzen gehende Geschichte, die mir trotzallem gut gefallen hat.

















Hallo Martina,
AntwortenLöschendas wollte ich auch immer noch lesen, denn es war ja ein hochgelobtes Buch. Doch deine Besprechung liest sich leider ziemlich ernüchternd und offene Enden mag ich auch nicht. Dann streiche ich mal das Buch von meiner Wunschliste.
Liebe Grüße
Barbara
Liebe barbara,
LöschenLivia war begeiert vom Buch. Sie hat eine richtig euphorische Rezension geschrieben. Und es hat eben jeder einen anderen Geschmack. Manchmal spielt auch der Zeitpunkt eine Rolle...das Buch ist sicher nicht schlecht und ich habe zwischen 4 und 3 1/2 Sterne hin- und her überlegt, aber da ich wiklrich zu Beginn große Schwierigkeiten hatte in die Geschichte zu kommen und es noch ein paar Punkte gab, die mir nicht so gefielen, wurden es eben 3 1/2 Sterne.
Liebe Grüße
Martina
Liebe Martina,
AntwortenLöschendas Buchcover ist mir schon mehrfach positiv aufgefallen - wie schade, dass es dir nicht gefallen hat. Halboffene oder auch offene Enden mag ich auch nur sehr selten. Aber dass du bei diesem dicken Buch durchgehalten hast - alle Achtung!
LG Sabine
LIebe Sabine,
Löschen3 1/2 Sterne ist bei mir kein schlechtes Buch, sondern etwas über dem Durchschnitt. Mir hat die Geschichte gefallen und bin auch teilweise sehr gut eingetaucht. Nur der beginn hat mich zuerst wiklirch verzweifeln lassen und am Ende war ich unzufrieden..aber ganz offen bleibt es nicht! Man hat einfach das Gefühl..oh, schon aus? Aber ich wollte doch noch das wissen und das und was passiert nun mit...?
Es war für mich eben nicht das erwartete 5 Sternebuch, wobei es für Livia genau das war!
Liebe Grüße
Martina
Oh nein, Martina
AntwortenLöschenWie kann es sein, dass ich nicht einmal zu diesem Post einen Kommentar geschrieben habe, das tut mir sooo leid...
Ich habe die Leserunde mit dir wirklich geniessen können, vor allem, weil wir nicht immer einer Meinung waren und uns intensiv austauschen konnten.
Obwohl ich das Buch wirklich geliebt habe, was sicher auch an der Lebenssituation lag, in der ich es gelesen habe, kann ich deine Kritik nachvollziehen und ich finde, dass du trotzdem wunderbar geschrieben hast, wie berührend die Geschichte manchmal ist.
Und die Cover...wooow....schrecklich. Ich bin froh, dass der Inselverlag so eine schöne Ausgabe gezaubert hat, das Buch hätte ich sonst sicher nie gelesen ;-)
Alles Liebe an dich
Livia