- Broschiert: 352 Seiten
- Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (22. Juli 2019)
- Übersetzer: Kerstin Schöps
- ISBN-10: 3442205786
- ISBN-13: 978-3442205783
- Originaltitel: Silvervägen
- Genre: Spannungsroman
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| Die Bildrechte liegen beim Verlag |
Goldmann Kurzbeschreibung:
Drei Jahre ist es her, dass Lelles Tochter in einem abgelegenen Teil Nordschwedens spurlos verschwand. Seither fährt er jeden Sommer im düsteren Licht der Mitternachtssonne die Straße ab, an der Lina zuletzt gesehen wurde. Nacht für Nacht sucht er verzweifelt nach seiner Tochter, nach sich selbst und nach Erlösung. Dann kommt eines Tages die siebzehnjährige Meja in der Hoffnung auf einen Neuanfang in Norrland an. Doch als sich die Dunkelheit des aufkommenden Herbstes über das Land legt, verschwindet ein weiteres Mädchen. Und Lelles und Mejas Leben werden durch dramatische Ereignisse miteinander verbunden, die sie nie wieder loslassen werden.
Meine Bewertung: * * * undeinhalb
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
"Dunkelsommer" wirbt mit dem Slogan "Ausgezeichnet als bester schwedischer Spannungsroman". Ich durfte das Buch vorab lesen und kann leider dem Zitat am Sticker nicht ganz zustimmen.
Der Klappentext hört sich spannend und mysteriös an, was auch bei mir sofort die Neugier auf dieses Buch geweckt hat. Oftmals sind ja Spannungsromane weitaus packender als so mancher Thriller. Ich hatte bereits einige tolle Lesestunden mit diesem "Untergenre". Nach dem Lesen der Geschichte finde ich die Bezeichnung des Verlages perfekt gewählt, auch wenn die Spannung erst im letzten Drittel des Romans deutlich ansteigt.
Düster beginnt "Dunkelsommer" - passend zum Titel. Lelle, der seit drei Jahren auf der Suche nach seiner vermissten Tochter ist, lebt am Abgrund. Er raucht und trinkt zuviel und nervt die Polizei mit seinen Beobachtungen. Durch seine verzweifelte Besessenheit ging auch seine Ehe mit Anette in die Brüche und Lelle flüchtete sich weiter in Selbstvorwürfe. Seither versucht er Lina aufzuspüren und fährt Nacht für Nacht die Umgebung ab. Dunkle Waldwege, versteckte Bauernhöfe und zerfallene Gemäuer wecken auch den einen oder anderen Sonderling, den Lelle überrascht. Doch eine Spur von Lina findet er nicht...
Auch Meja ist eine zerbrochene Seele. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, tablettensüchtig und wechselt regelmäßig ihre Wohnorte, wie ihre Männer. Von Stockholm ziehen Meja und Mutter Silja nach Nordschweden zu Torbjörn, den Silja im Internet kennengelernt hat. Dieser wohnt in einem verlassen und ziemlich heruntergekommenen Hof im Wald. Den erwünschten Aufstieg bekommt Selja durch Torbjörn nicht. Meja wünscht sich nichts sehnlicher, als eine Familie und einen festen Wohnsitz. Sobald wie möglich möchte sie sich von ihrer Mutter loslösen. Doch in der einsamen Gegend, in der sie gelandet sind, ist es noch schwieriger Gleichaltirge zu finden und Freundschaften zu schließen. Da lernt sie Carl-Johan und seine Brüder kennen. Die Familie erinnerte mich an sogenannte Prepper. Sie versorgen sich selbst, schotten sich von der Umwelt ab und sind auf einen Angriff...von wem auch immer...präzise vorbereitet. Meja ist begeistert vom Familienzusammenhalt, den sie nie kennengelernt hat. Doch dann verschwindet ein weiteres Mädchen...
Der Roman ist in zwei Teile aufgegliedert. Im ersten Teil wird auf zwei Ebenen die Geschichte von Lelle und Meja erzählt. Im zweiten Teil kommt noch eine weitere Perspektive hinzu. Es handelt sich um ein vermisstes Mädchen, das ihre Gefangenschaft schildert.
Durch den regelmäßigen Wechsel der Handlungsstränge begleiten wir zuerst beide Protagnisten. Dadurch wird langsam immer mehr Spannug aufgebaut. Trotzdem ist besonders der Mittelteil etwas langsam und schleppend. Beide Stränge bzw. Protagonisten finden erst spät zueinander. Bis dahin fragt man sich, wie diese Begegnung, die im Klappentext angekündigt wird, wohl passieren wird und wie die Geschehnisse der beiden zusammenhängen. Die sehr düstere Stimmung und vorallem die Selbstzerstörung von Lelle, wie auch Mejas trostlose Situation haben mich beim Lesen ziemlich runtergezogen. Wir haben hier zwar keinen typischen schwedischen Ermittler, der zerbrochen ist und seinen Kummer im Alkohol ertränkt, jedoch entspricht Lalle (er ist Lehrer!) diesem klischeehaften Bild eines Schweden in den sogenannten "Schwedenkrimis" vollkommen (dem ich hiermit widersprechen möchte! Die Schweden sind ein herzliches und freundliches Völkchen).
Die beklemmende Stimmung wird aber auch durch die Themen der Trauerverabeitung und der Einsamkeit dieser Menschen dargestellt. Stina Jackson bedient sich nicht nur der inneren Einsamkeit, sondern beschreibt auch die Weitläufigkeit des Landes. Dabei hatte ich immer das Gefühl in einem dunklen Wald herumzuirren, obwohl der Roman im Sommer im Norden Schwedens spielt....eine Zeit, wo es um diese Jahreszeit, an der sich Tag und Nacht angleichen, es in Skandinavien eigentlich nie richtig dunkel wird. Das hat mich etwas verwirrt....
Bis es zum finalen Countdown kommt, der wirklich spannend und gelungen ist, hat die Geschichte allerdings so einige Längen. Das liegt auch an den vielen Wiederholungen, die ich nach einiger Zeit etwas eintönig fand. Lelle fährt Nacht für Nacht durch die menschenleere Gegend, raucht und macht sich Selbstvorwürfe. Was anfangs noch begeistert und eine etwas mysteriöse Atmosphäre produziert, driftet in Langeweile ab. Gefühlt las ich diese Situation unheimlich oft, bis endlich etwas geschieht.
Leider hatte ich auch sehr bald einen Verdacht, wer der Täter sein könnte und bekam am Ende die Bestätigung, dass ich richtig getippt hatte.
Insgesamt ist der Spannungsroman nicht schlecht, aber er trat für mich zu lange an derselben Stelle und konnte mich erst zum Ende hin richtig abholen, auch wenn der Schluss etwas zu "harmonisch" wirkt.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist einfach und dialoglastig. Es gibt keine Kapiteleinteilung. Die Charaktere sind äußerst authentisch beschrieben. Die Einblicke in das Seelenleben der Figuren sind Stina Jackson wirklich gelungen. Ich fühlte mit Lelle und Meja mit und konnte ihre innere Verzweiflung auf jeder Seite spüren. Hier muss ich der Autorin ein großes Kompliment machen.
Cover:
von links nach rechts:
Das schwedische Originalcover, die Cover aus Island, Spanien, Dänemark und Großbritannien
Fazit:
Ein düsterer Spannungsroman, der doch so einige Längen aufweist, aber insgesamt eine latente Spannung aufweisen kann. Zu lesen lohnt sich dieses Debut trotzdem, wenn man sich dem typischen schwedischen Flair hingeben möchte und wegen der Vorhersehbarkeit ein Auge zudrückt.
Vielen Dank an das Bloggerportal und an den Goldmann Verlag für das Vorab-Rezensionsexemplar!

















Hallo Martina,
AntwortenLöschenau weh, recht überzeugend klingt das jetzt nicht. Da werde ich dann wohl eher verzichten. Allein wegen des schwedischen Flairs muss es dann nicht sein.
Liebe Grüße,
Nicole
Liebe Nicole,
Löschenein Must Read ist es jetzt nicht wirklich...also für mich. Ich habe auch schon begeisterte Stimmen dazu gelesen, aber du kannst ja mal abwarten...
Liebe Grüße
Martina
Hallo Martina,
AntwortenLöschenjetzt musste ich doch gleich Deine Rezension lesen, nachdem zu meiner ein Kommentar abgegeben hast *g*.
Obwohl hier unsere Meinung und unser Geschmack auseinander driften, finde ich deine Rezension toll zu lesen. Mich konnte ja diese Story absolut mitreißen und vor allem diese Melancholie und Düsternis hat es mir hierbei angetan und die atmosphärischen Naturbeschreibungen sind einfach eine Wucht.
Wenn ich zu Romanen/Thrillern von Schweden greife, rechne ich meist damit, dass in diesen eine gewisse Melancholie herrscht. Ich kenne ja auch ein paar Schweden und frage mich immer wieder, weshalb das eigentlich so ist. Das sind nämlich, wie Du schon sagst, fröhliche Menschen mit einem äußerst speziellem Humor.
Ich werde Deine Rezension gleich bei mir verlinken, denn es ist immer interessant auch gegenteilige Meinungen zu einem Buch zu lesen.
Liebe Grüße aus Wien
Conny
Liebe Conny,
Löschender Spannungsroman teilt die Leser wirklich ziemlich in zwei Sparten. Obwohl wir unterschiedlichr meinung sind ;)...sage ich mal "DANKE" für das Lob zur Rezi und zur Verlinkung.
Die Atmosphäre und die Dichte der landschaftsbeschreibung fand ich ebenfalls absolut gelungen. Den Rest dann leider nur teilweise =)
Liebe Grüße
Martina
Huhu Martina :D
AntwortenLöschenNa, so schlecht hat das Buch bei dir ja auch nicht abgeschnitten! :D
Aber ich kann dich voll und ganz verstehen, gerade am Anfang hatte es doch wirklich ein paar Längen, weil wir halt Lelle erst mal als verzweifelten Vater kennenlernen.
Ich muss aber dennoch sagen, dass ich besonders die Atmosphäre mochte. Den Täter selbst hatte ich im Blick, aber es gab auch nicht allzu viele Möglichkeiten! ;)
Liebe Grüße
Jessi