Mehr als die Erinnerung - Melanie Metzenthin



    • Taschenbuch: 379 Seiten
    • Verlag: Tinte & Feder (14. Mai 2019)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 2919804316
    • ISBN-13: 978-2919804313
    • Genre: Historischer Roman, Familienroman


Amazon Kurzbeschreibung:
Gut Mohlenberg, 1920: In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen kümmert die junge Medizinerin Friederike von Aalen sich liebevoll um die Patienten. Einer von ihnen ist Friederikes Mann Bernhard, der nach einer Hirnverletzung im Krieg ihre besondere Zuwendung braucht. Der schneidige Leutnant von einst erinnert sich an vieles nicht, aber mit seiner Frau verbindet ihn noch immer eine tiefe Liebe. Da geschehen in der Gegend kurz hintereinander zwei grausame Morde. Man ist schnell bei der Hand mit den Verdächtigungen: Es muss einer der »Geisteskranken von Mohlenberg« gewesen sein! Doch Friederike würde für ihre Patienten die Hand ins Feuer legen und stellt heimlich eigene Nachforschungen an. Was weiß Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen, den sie vor Kurzem erst eingestellt haben? Und welche Rolle spielt der hochintelligente, aber kühle Dr. Weiß? Zu spät begreift Friederike, dass sie mit ihren Fragen sich selbst und die Menschen in ihrer Nähe in große Gefahr gebracht hat …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mein erster Roman der Autorin, obwohl ich noch ihre Romane "Die Stimmlosen" und "Im Lautlosen" auf meinem SuB habe. Lange werden sie dort nicht mehr verweilen, denn "Mehr als die Erinnerung" konnte mich von der ersten Seite an begeistern.

1920. Der Große Krieg ist vorüber und hat viel Leid über die Menschen gebracht. Auf Gut Molenberg leitet Doktor Meinhardt eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen. Seine Tochter Friederike von Aaalen unterstützt ihn, wo sie nur kann. Seit ihr Mann Bernhard im Krieg eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, ist er selbst Patient und steht laut Dr. Weiß, einem Kollegen aus der Pflegeanstalt, auf dem Level eines etwa fünfjährigen Kindes. Seinetwegen hat Friederike ihr Medizinstudium kurz vor Abschluss abgebrochen, denn Bernhard ist trotz seines Handycaps noch immer ihre große Liebe. Für sie und ihren Vater stehen Menschlichkeit, Achtung und Respekt in ihrer Einrichtung an erster Stelle. Die Patienten versuchen sich nach Möglichkeit selbst zu versorgen und werden als vollständige Menschen anerkannt. Eines Tages steht ein junger Kriegsversehrter mit schlimmen Verbrennungen im Gesicht vor der Tür und bittet um Arbeit auf Gut Molenberg. Seine Papiere sind zweifelhaft, doch Bernhard freundet sich sofort mit dem Mann an. Da geschehen im Umkreis des Gutes zwei Morde und der Verdacht fällt automatisch zuerst auf die Patienten des "Irrenhauses", wie die Bewohner des naheliegendes Ortes die Insassen von Gut Molenberg nennen. Friederike ist fassunglos. Wer könnte von den beiden Morden profitieren? Und wer ist eigentlich Walter Pietsch, den sie erst vor kurzem auf Gut Molenhof eingestellt hat? Welche Rolle spielt Dr. Weiß, der seine eigene Theorie über Menschen mit Beeinträchtigung hat? Friederike ist entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen...

Die Aufklärung der Morde werden - wie auch noch heute - durch Vorurteile erschwert. Friederike ist eine toughe junge Frau, die sich für ihre Patienten einsetzt und das Herz auf den rechten Fleck hat. Sie möchte sich von Bernhard nicht scheiden lassen und für ihn da sein, denn die gegenseitige Liebe ist noch immer vorhanden und spürbar. Trotz seiner Beeinträchtigung möchte Bernhard Friedrike seit den Morden beschützen. Doch was versucht er ihr schon die ganze Zeit über zu sagen?
 
Melanie Mentzenthin schreibt in diesem aufwühlenden Roman über Menschen mit Beeinträchtigung und den Therapieansätzen der damaligen Zeit. Sie ist selbst Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Einblick in die damals üblichen Therapiemethoden lassen einem teilweise sprachlos zurück. Einige Methoden kannte ich schon aus anderen Romanen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Der Mensch schreckt jedoch vor Nichts zurück und somit gibt es an Grausamkeiten immer wieder Neues zu entdecken....leider! Einer dieser Menschen ist Doktor Weiß. Er möchte in einer Studie aufzeigen, dass jeder Mensch aufgrund von Schlüsselreizen zum Mörder werden kann. Für ihn sind alle Behinderten Subjekte ohne Seelen und Gefühle. Er ist sicherlich einer jener "Menschen", der noch vor der Erstarkung des Nationalsozialismus perfekt in die SS Maschinerie passt.
Ebenso werden zu dieser Zeit auch gerne Frauen der "Hysterie" bezichtigt, die von ihren Familien aus irgendeinem Grund abgeschoben werden sollen, wie auch Juliane Brunner, die der Familie "Schande bereitet hat".

Wer entscheidet was "normal" ist und was nicht? Dieses sensible Thema hat die Autorin in beeindruckender Weise beschrieben. Sehr interessan fand ich auch die Gegenüberstellung der verschiedenen Denkansätze der damaligen Medizin und ihrer Vertreter, als auch ihre Anwendungen.

Die leichte Kriminote liefert dem historischen Roman noch zusätzliche Spannung. In kleinen Rückblenden erfahren wir, wie es zu der schweren Kopfverletzung von Bernhard gekommen ist, die am Ende des Rätsels Lösung zu sein scheint. Packend und berührend.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin lässt sich wunderbar lesen und ich war von Beginn an von der Geschichte gefesselt. Die Figuren sind autenthisch und facettenreich. Das Thema Behinderung wird feinfühlig erzählt. Man erkennt, dass melanie Metzenthin vom Fach ist.
Im Nachwort findet man weitere Erklärungen der Autorin über die damaligen Kliniken und Behandlungsmethoden.

Fazit:
Ein fesselnder Roman, der die unterschiedlichen Behandlungsmethoden von Menschen mit Beeinträchtigung nach dem Großen Krieg beschreibt und für einen menschlichen Umgang plädiert. Das fundierte Wissen der Autorin zu diesem Thema, die grandiose Umsetzung und die leichte Kriminote machen diesen Roman für mich zu einem richtigen Highlight und zu einer Leseempfehlung!

Vielen Dank an ehrlich & anders und der lieben Irmi Keis für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

3 Kommentare:

  1. Ich tu mich immer ein wenig schwer in Geschichten die rund um den Krieg statt finde. Aber bei so einer guten Beurteilung schreibe ich das Buch gerne auf meine Wunschliste :))
    LG heidi

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  2. Liebe Martina,
    danke für deine interessante Rezi. Das Buch würde ich auch gerne lesen und wahrscheinlich meine Büchereileserinnen auch.
    Schönen Abend und ganz liebe Grüße
    Daniela

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  3. Liebe Martina,
    ich habe das Buch nun auch ausgelesen und rezensiert und es hat mich ebenso begeistern können, wie dich! Der Autorin ist ein grandioser historischer Roman gelungen, der zudem spannend und informativ ist.

    Habe deine Rezi bei mir verlinkt, weil sie so toll ist. Ich hoffe, dass noch viele Leser dieses Buch verschlingen werden.

    Magst du deine Rezi in meiner neuen Aktion Linkparty eintragen? Damit könntest du für deine Rezi und das Buch Werbung machen. Ich würde mich sehr freuen. :-)

    GlG, monerl

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