Mostviertler - Helmut Scharner



    • Broschiert: 406 Seiten
    • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 1., 2016 (3. Februar 2016)
    • ISBN-10: 3839218500
    • ISBN-13: 978-3839218501
    • Genre: Krimi


Gmeiner Kurzbeschreibung: 
Mostviertel, Niederösterreich. Unternehmersohn Jakob Schuster träumt davon, aus dem Familienbetrieb, der sich auf die Sportschuhproduktion spezialisiert hat, einen Global Player zu machen. Dafür plant er die Übernahme einer vietnamesischen Fabrik, egal mit welchen Mitteln. Kein Wunder, dass es von Verdächtigen nur so wimmelt, als Jakob eines Morgens erstochen aufgefunden wird. Der Wiener Kommissar Brandner ermittelt gemeinsam mit dem einheimischen Polizisten Reitbauer, der einige Verdächtige besser kennt, als dem Kommissar lieb ist.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der Debütroman von Helmut Scharner spielt in meiner Heimat, dem Mostviertel, dem süd-westlichen Teil des Bundeslandes Niederösterreich. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, als ich für diese Leserunde bei Lovelybooks, die gemeinsam mit dem Autor geführt wird, ausgelost wurde.
Der Einstieg in den Krimi bereitete mit keinerlei Schwierigkeiten und ich war erfreut, bereits auf den ersten Seiten Namen bekannter Orte und Plätze zu lesen.

Wir lernen das Familienimperium der Schusters kennen. Samuel und Josef Schuster sind die Inhaber der Schuster GmbH, die hochwertige Schuhe herstellt und für sehr gute Qualität steht. Wie die meisten Unternehmer haben sie allerdings die Herstellung in den späten 90-er Jahren aus der eher kargen Industrieregion rund um Waidhofen an der Ybbs  ins benachbarte Ausland ausgelagert. Die Söhne der Firmeninhaber, Jakob und Eugen, sollen demnächst mehr ins Geschäft einsteigen und langsam die Führung übernehmen. Während Eugen der Spezialist für die Finanzen ist, hat Jakob weitreichendere Pläne. Er möchte expandieren und sein Augenmerk auf Sportschuhe legen, die er in Vietnam herstellen lassen möchte. Mit einer Fusion und der Erweitung der eigenen Produktionsstätte in Asien will er auch international durchstarten. Er hat bereits Kontakt mit einem gewissen Chan aufgenommen, der jedoch seine eigenen Interessen und Pläne hat. Da kommt Jakob die Idee seiner Mitarbeiterin Juliane gerade recht. Sie schlägt vor Fair Trade Sportschuhe herzustellen und so die bekannte Qualität der Schuster Schuhe zu halten. Jakob ist jedes Mittel recht, um seine Pläne zu verwirklichen.....

Die Charaktere der handelnden Personen sind sehr gut ausgearbeitet und bilden in der ersten Hälfte des Buches das Hauptaugenmerk. Alle haben Ecken und Kanten und lassen sich in keine Schublade stecken. Es kommt allerdings das Gefühl auf, dass es sich hier eher um eine Soap mit Wirtschaftskrimianteil handelt, als um einen richtigen Krimi. Es dreht sich auf den ersten zweihundert Seiten alles um die Protagonisten des Buches und dessen Schicksal. Macht und Intrigen stehen im Vordergrund. Auch die vielen Sexszenen  brauche ich in einem Krimi eigentlich nicht. Die typische Ermittlungsarbeit fehlt im ersten Teil des Buches noch komplett. Danach geht es allerdings Schlag auf Schlag und Puzzlesteinchen um Puzzlesteinchen fügt sich passend aneinander.

Neben Jakob und allen anderen aus dem Schuster Clan, spielen auch Hans Mayer, Jakobs rechte Hand in der Firma und dessen Freundin Juliane eine große Rolle. Rund um Hans werden auch immer wieder Rückblenden in die 90er Jahre in kursiver Schrift eingeblendet. Erst gegen Ende des Buches finden die zwei Erzählebenen aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit zueinander und ergeben ein Ganzes.
Die Kapitel sind sehr kurz gehalten und lockern die erste Hälfte des Buches somit etwas auf. Der Spannungsbogen beginnt erst relativ spät zu steigen und bleibt dann allerdings konstant.
Während also die Krimihandlung leider sehr langsam und schleppend anläuft und der erste Mord erst nach 250 von 400 Seiten passiert, wird die Einführung der Charaktere sehr akribisch aufgebaut. Dies führt manchmal zu Längen, doch spätestens im letzten Drittel sieht man den Sinn dieses eher ungewöhnlichen Aufbaus des Kriminalromanes. Danach folgt es Schlag auf Schlag und der Leser ist mitten im Geschehen. Gemeinsam mit Kommissar Brandner rätselt man nun, wer hier der Täter sein kann. Da alle beteiligten Personen in einer Almhütte festsitzen, erinnert dieser Abschnitt ein bisschen an einen Agathe Christie Krimi oder das Spiel Cluedo. Auch wenn man glaubt den Täter schon sehr bald zu kennen, erlebt man in den letzten Kapitel eine kleine Überraschung. Dies hat der Autor, meiner Meinung nach, sehr interessant gelöst. Da noch ein paar winzige Fragen offen bleiben, könnte ich mir eine Fortsetzung dieses Wirtschaftskrimis gut vorstellen.

Cover:
Auf das Cover muss ich auch unbedingt noch eingehen, da ich die Ansicht von Waidhofen an der Ybbs auf dem Titelbild wirklich gelungen finde. Der Fluss Ybbs (sprich Ibbs) glänzt türkis und spiegelt sich leicht....toll! Wer einmal in diese Gegend kommt, sollte der "Stadt der Türme" unbedingt einen Besuch abstatten.
Der Titel "Mostviertler‘ ist meiner Meinung eine kleine Anspielung auf die bei uns berühmten und qualitativ hochwertigen "Waldviertler"Schuhe.....das Waldviertel ist ebenfalls eines der vier Viertel von Niederösterreich.

Fazit:
Vom Aufbau her zuerst mehr Soap mit Wirtschaftshintergrund als Krimi, was sich nach der Hälfte allerdings ändert und der Spannunsgbogen ansteigt. Ein etwas anderer Krimi, der aber trotzdem gut unterhält und dem ich gerne 3 1/2 Sterne gebe, da es noch Luft nach oben gibt. Ich hoffe auf eine Fortsetzung....

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag, an Lovelybooks und dem Autor Helmut Scharner für interessante Einblicke in die Wirtschaftskriminalität.

1 Kommentar:

  1. Wenn bei einem Krimi so lange nichts aufregendes passiert, verliert sich die Spannung und kann auch meist nicht mehr aufholen!
    Schade!
    LG sommerlese

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