Die Liebe meines Vaters - Sabine Eichhorst




    • Taschenbuch: 368 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (1. Februar 2016)
    • ISBN-10: 3426516659
    • ISBN-13: 978-3426516652
    • Genre: historischer Roman


Knaur Kurzbeschreibung: 
Als Loris Schorb 1930 in Budapest aus dem Zug steigt, verliert er sein Herz: Erst an die Stadt mit ihren Kuppeln und Brücken, ihrem pulsierenden Leben, den freundlichen Menschen, dem Duft von Mokka und warmem Mohnstrudel. Dann an die eigenwillige und kluge Éva, die zu allem eine Meinung hat, auch zur Politik. Drei Jahre lang reist Loris immer wieder nach Budapest - doch auch Éva liebt ihre Heimatstadt, und über das ferne Deutschland senkt sich bereits der Schatten des Nationalsozialismus. Kann es für sie und Loris eine gemeinsame Zukunft geben?

Meine Bewertung: * * * *

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Darum geht's:
Der schwäbische Student und angehende Lehrer Loris Schorb macht sich 1930 auf, um sich seinen Traum zu erfüllen und Budapest zu erkunden. Die Hauptstadt Ungarns nimmt ihn gefangen, genauso wie seine Einwohner. Loris freundet sich mit dem Journalisten Béla und dessen Freunde an, unternimmt mit ihnen Ausflüge und beginnt die Sprache zu lernen. Und er verliebt sich in Evá, die in einem Hutladen arbeitet und wie er eine begeisterte Musikerin ist. Jeden Sommer reist Loris zurück nach Budapest, doch in Deutschland verbreitet sich der Nationalsozialismus immer mehr und auch in Ungarn halten Unruhen die Menschen in Atem......

Meine Meinung:
Dieser Roman schaffte es sofort auf meine Wunschliste, denn Bücher über die Zeit vor und während der beiden Weltkriege faszinieren mich sehr. Trotzdem hatte ich mir eine etwas andere Geschichte versprochen. Das Titelbild (das küssende Paar...er in Kriegsuniform) und der Klappentext deuten eher auf eine Kriegsliebe hin, was jedoch nicht wirklich zutrifft. Loris wird zwar einberufen und kämpft zuerst in Frankreich und später in Russland, doch während des Krieges sehen sich die beiden Verliebten nicht.

Doch zuerst begleiten wir Loris bei seinen jährlichen Besuchen von Deutschland nach Budapest. Die Beschreibungen und Charaktere seiner Freunde sind authentisch und man spürt den Übermut der jungen Menschen, der jedoch im Laufe der Jahre durch die politischen Veränderungen langsam verblasst.

Sabine Eichhorst hat um die realen Feldpostbriefe ihres Vaters eine mitreißende Geschichte gesponnen. Doch die vielen Briefe, die Loris in diesem Roman während des Krieges schreibt, gehen nicht an seine große Liebe Evá in Budapest.
Eindringlich werden die Grausamkeiten des Krieges und die dadurch entstehende Veränderung der Menschen dargestellt. Loris Zeilen sind voller Verzweiflung. Man bekommt tiefe Einblicke in seine Seele und man spürt die sich aufstauende Wut und sein Unverständnis. Nur einzig und allein die Liebe zu seiner Tochter Marie lässt ihn den Mut auf dem Schlachtfeld nicht verlieren und gibt ihm immer wieder neuen Auftrieb. Durch die Jahre hindurch sieht er sie nur selten und die kleine Marie hat kaum eine Erinnerung an ihren Vater. Sehr gut kommt dies mit einem Satz zu tragen, den Marie an ihre Mutter stellt, als ihr Vter eines Tages wieder auf einen Kurzbesuch nach Deutschland reisen darf und sie nachfragt ,wer denn der Onkel sei, der plötzlich in der Wohnung steht. Sicherlich ist es vielen Kindern in dieser schlimmer Zeit so ergangen, die ihre Väter während der Kriegsjahre nur 1-2 Mal im Jahr sehen konnten. Ein Zustand, der hier sehr herzergreifend geschildert wird. Jahrzehnte später begibt sich Loris Tochter Marie auf die Spuren ihres Vaters.....

Schreibstil und Charaktere:
Was mich an "Die Liebe meines Vaters" faszinierte, war die sehr bildhafte und detaillierte Beschreibung der Autorin. Schon auf den ersten Seiten beeindruckte mich ihr wunderbarer Erzählstil. Sie vermittelt von Beginn an brilliante Stimmungsbilder. Ich hatte die flirrende Sommerhitze, der durch die Donau in Buda und Pest geteilten Stadt, vor meinen Augen und konnte diese auch spüren. Und obwohl ich nur etwa 1 1/2 Stunden von Budapest entfernt wohne, war ich leider noch nie da. Das möchte ich sobald wie möglich ändern...
Durch Loris Begeisterung und den politischen Umbruch in Ungarn und Deutschland, lebte man mit den Protagonisten einfach mit. Die Charaktere sind wirklich wunderbar gezeichnet. Man spürt die Melancholie der jungen Menschen, die hin- und hergerissen sind zwischen Hoffnung und Enttäuschung.

Dieser Roman hat mich emotional sehr mitgerissen und lebt vorallem durch die zwischenmenschlichen Töne - vor und während des Zweiten Weltkrieges. All die Charaktere waren wunderbar dargestellt. Auch die politischen Unruhen und die Wirren des Krieges sind sehr deutlich beschrieben und trotzdem fehlte mir etwas. Neben der Enttäuschung, dass die Inhaltsangabe und das Titelbild mir eine etwas andere Geschichte angedeutet haben, fand ich diese zwar rund, aber sie erreichte nicht ganz den Weg zu meinem Herzen. 
Trotzdem konnte dieser Roman ein sehr lebendiges Bild der damaligen Zeit widerspiegeln und mir Budapest näher bringen.

Fazit: 
Ein wunderbar bildhafter und emotionaler Roman über die Grausamkeiten des Krieges. Obwohl ich mir eine etwas andere Geschichte erwartet hatte, beeindruckte mich vorallem der großartige Schreibstil der Autorin, die es ohne große Mühen schafft, mein Kopfkino so richtig anzukurbeln. 

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

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