- Gebunden mit Schutzumschlag: 544 Seiten
- Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (6. Oktober 2014)
- ISBN-10: 3351034180
- ISBN-13: 978-3351034153
- Genre: Roman, Exilliteratur
Aufbau Verlag Kurzbeschreibung:
Poetisch und berührend erzählt Anna Gmeyner die Geschichte von fünf Kindern, die in derselben Nacht im Frühjahr 1920 gezeugt werden, aber in ganz unterschiedlichen Milieus aufwachsen. Eigentlich trennen sie Welten, und dennoch sind sie Freunde geworden, verbunden durch eine innige Zuneigung zu Manja – dem Mädchen aus armen ostjüdischen Verhältnissen. Für diese Freundschaft müssen sie immer wieder kämpfen: zu Hause, in der Schule und in ihrer Freizeit. Doch letztlich bleiben sie Gefangene ihrer Zeit, an der Manja zerbricht und mit ihr die Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft.
Meine Bewertung: * * * * undeinhalb
Buch zur Deutsche Autoren Challenge
Buch zur Weltenbummler Challenge
Buch zur Einmal um die Welt Challenge
Buch zur Chaos Challenge
Meine Meinung:
Der Aufbau Verlag hat diesen Roman der österreichischen Autorin Anna Gmeyner neu verlegt und über Lovelybooks gab es diese besondere Buch für eine Leserunde zu gewinnen.
Die Autorin erzählt hier eine Geschichte aus dem Leben zwischen den beiden Weltkriegen. Die fünf Kinder, die bereits am Buchcover erwähnt werden, wurden alle in derselben Nacht im Jahre 1920 gezeugt. Die Idee diese Nacht als Ausgangspunkt zu nehmen, fand ich einfach großartig. So erkennt man als Leser auch sehr schnell, in welches soziales Gefüge die Kinder hineingeboren und wie unterschiedlich sie wahrscheinlich aufwachsen werden.
Zu Beginn hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten mit der wunderschönen poetischen Sprache, die so gar nicht zum Inhalt passt. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und fand den Stil der Autorin wunderbar.
Was mir mehr Schwierigkeiten machte, waren die Namen und die Zuordnung zu den Paaren. Ich habe mir dann extra Notizen gemacht, wer zu wem gehört und welches Kind welchem Paar geboren wurde, da man von Kapiptel zu Kapitel bei einer anderen Familie verweilte. Die Geschichte selbst wurde aber chronolgisch von Beginn der 20 Jahre an bis in die Mitte der 30er Jahre erzählt.
Die fünf Kinder Manja, Karli, Heini, Harry und Franz kommen alle aus verschiedenen Milieus. Während Manja aus armen jüdischen Verhältnissen stammt und ihr richtiger Vater Selbstmord begangen hat, kann sich ihre Mutter mehr recht als schlecht über Wasser halten. Sehr früh beginnen auch schon die Anfeindungen gegen die Juden und vorallem gegen arme Juden. Manja ist jedoch ein Mädchen, das die vier Jungen mit ihrem Charme und ihrer Weisheit verzaubert. Sie hält mit ihrer Art die Gruppe zusammen, selbst als die Jungen beginnen sich immer mehr zu entfremden. Manja, die nur das Gute im Menschen sieht, ist ihr aller Halt.
Karli kommt ebenfalls aus einer armen, aber sozialistischen Familie, wobei seine Mutter Anna eine herzensgute Frau ist, die versucht die Familie zu ernähren. Ihr Mann verliert immer wieder seine Arbeit und eckt mit seinen Ansichten an.
Heini ist der Sohn von Hanna und Ernst, einer jüdischen Arzfamilie, die dem Jungen vorallem viel Liebe geben und der ohne Vorurteile aufwächst, seine Meinung kundtut und leider oft dafür bestraft wird.
Harry ist ein armer Junge, der zwar aus reichem Haus kommt, dessen Mutter aber nicht ganz bei Verstand ist und dessen Vater sich nicht um ihn kümmert und ihn auch nicht liebt.
Die Eltern von Franz sind Nazis und man sieht hier richtig an Franz Vater wie er aus dem Nichts aufsteigt. Einst ein geduldeter Angestellter, wird er mit der aufkommenden Macht zu dieser Zeit immer stärker, nützt diese maßlos aus und geht rigoros gegen Andersdenkende vor.
Durch den anbahnenden Nationalsozialismus beginnen sich die Jungen zu entfremden. Bedingt durch die Vorgabe ihrer Eltern, die alle ihre eigene Ideologien leben, verändern sie sich immer mehr. Auch die Gesellschaft wandelt sich und als Leser kann man genau mitverfolgen, wie der Nationalsozialismus beginnt jeden Aspekt im Tagesablauf zu durchdringen.
Die Charaktere sind etwas schwarz-weiß gemalt, was jedoch die Geschichte nicht wirklichbeeinträchtigt.
Die Freundschaft der Kinder ist der Kern dieser Geschichte, aber auch die Wege der Eltern werden immer wieder geschickt miteinander verknüpft.
Die Stimmung im Buch wird immer bedrückender und für mich war es erstaunlich, wie die Autorin bereits 1933 erahnen konnte, wie der Nationalsozialismus die Welt verändern wird. Sie hat die Stimmung dieser Zeit einfach großartig eingefangen.
Das Buch fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers. Ich musste es immer wieder aus der Hand legen, um einige Kapitel zu verarbeiten. Die sehr poetische Sprache lässt einem trotz der bedrückenden Grundstimmung länger bei einzelnen Zitaten verweilen und man greift bald wieder zu diesem Roman, um weiterzulesen.
Anna Gmeyner wurde 1902 in Wien geboren und starb 1991 in York, Großbritannien. Während der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 hielt sich Gmeyner in Paris auf, wo sie im Exil „Manja“ schrieb. In Deutschland wurde dieser Roman erstmals 1984 vom persona verlag in Mannheim verlegt. Der Aufbau Verlag hat hier ein wahres Schätzchen neu aufgelegt und ich habe mein erstes Buch von einer österreichischen Autorin gelesen, die im Exil eine anerkannte Schriftstellergröße wurde.
Fazit:
Ein Buch aus der Exilliteratur, das nicht so einfach zu lesen war, aber wunderschön und poetisch geschrieben wurde von einer Schriftstellerin, die bereits 1933 ahnte, was auf die Welt zukommen wird!
Mein Dank geht an Lovelybooks und dem Aufbau Verlag für dieses interessante und beeindruckende Buch.
















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Mit Nutzung der Kommentarfunktion akzeptierst du die Speicherung deiner Daten. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung dieses Blogs.