Offener Brief gegen Bücher als "Luxusversand"

Gestern im Büro kam ein Newsletter des "Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels", indem es  um die horrende Preiserhöhung der Österreichischen Post seit 1. Mai geht.

Hier der Newsletter:
Mit Mai 2011 hat die Österreichische Post ihre Tarife umgestellt. Der Preis wird jetzt nicht mehr, wie bisher, nach Gewicht, sondern nach Gewicht und Größe berechnet. Dies hat zur Folge, dass das Verschicken von Büchern um ein Vielfaches teurer geworden ist, in manchen Fällen genauso teuer wie das Buch selbst.

Gegen diese "geistesfeindliche und geistlose Gebührenpolitik" richtet sich ein offener Brief an Ministerin Doris Bures, den Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, verfasst hat. Es sei nicht hinzunehmen, dass das Buch solcherart zu einem Luxusversandartikel geworden ist, heißt es darin.


Hier der Brief im Wortlaut:

An das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Bures!

Am vergangenen Freitag haben wir durch unsere Kollegin Doris Knecht in ihrer Kolumne von den Auswirkungen der Umstellung der Posttarife nach Gewicht auf Posttarife nach Gewicht und Format auf Bücher Kenntnis bekommen:

"Die Post hat die Tarife erhöht. (...) Und das macht sie mit Verve. Leser Mag. Rolf S. wollte, wie schon oft, ein kleines Buch nach Deutschland schicken, 340 Gramm schwer, 24 mal 17 mal 3 Zentimeter groß. Es sollte ein Geburtstagsgeschenk sein. So ein durchschnittlicher Roman dieser Größe kostet im Handel so um die 16 oder 17 Euro. Wie viel zahlte Mag. S. fürs Verschicken ins benachbarte Ausland? Er zahlte nicht, wie bisher 6,20 Euro, sondern: 15,30 Euro, also zirka den Gegenwert des Buches. Plus 147 Prozent (...)." (Doris Knecht, Kurier, 13.5.2011)

Die Post hat also die Postgebühr für den Versand eines einzelnen Buches auf die Höhe des Buchpreises angehoben, sie hat das Buch damit innerhalb weniger Jahre vom begünstigten Versandartikel mit dem Drucksache-Buch-50%-Tarif zum Luxusversandartikel gemacht. Es ist uns vollkommen unverständlich, wie es zu einer solchen geistesfeindlichen und geistlosen Gebührenpolitik kommen kann, die zudem den öffentlichen Mehrheitseigentümer der Post, die Republik Österreich, nicht im geringsten zu stören oder zu interessieren scheint.

Geht es denn im politischen Leben Österreichs nur noch um den Rückzug aus den allgemeinen öffentlichen Aufgabenstellungen? Sind Bücher, die noch vor wenigen Jahren als besonders förderungswürdiges Transportgut gegolten haben, zu einem besonders die Post belastenden Versandartikel geworden? Was empfehlen Sie den Einzelbesteller/inne/n von Büchern oder Einzelversender/inne/n auf dem Weg des Postversands? Die durch den Postversand schlagartige Verdopplung des Buchpreises hinzunehmen? Oder am besten die Dienste der Post beim Buchversand erst gar nicht mehr zu beanspruchen? Welche Antworten haben Sie für Verlage, die bei ihnen direkt bestellte Bücher versenden? Bzw. wieso glaubt überhaupt irgend jemand, ein Buch ist etwas, das ruhig so teuer sein kann, wie es will?

Ich nehme an, daß Ihnen nicht bekannt ist, daß die Preise im Buchhandel in den letzten Jahren weit hinter der allgemeinen Teuerungsentwicklung zurückgeblieben sind. Man kann also ruhig davon ausgehen, daß im Verlagswesen und Buchhandel ein hohes Maß an Verantwortung existiert, was man Buchkäufer/inne/n zumuten will und was nicht. Will die Post jetzt von dieser Maßhaltepolitik im Verlagswesen und Buchhandel profitieren und den Rahm abschöpfen?

Es ist ganz und gar nicht hinzunehmen, daß Bücher, die auf dem Wege des Postversands zu ihren Leser/inne/n kommen, auf diese Weise zu einem Luxusgut umgewandelt werden sollen, bei dem sich jeder drei Mal überlegt, ob er es noch wem zuschicken will, ob als einzeln bestelltes Exemplar, als Geschenk, als Rezensionsexemplar, als Belegexemplar oder als kostenlos abzuliefernde Pflichtexemplare an die österreichischen Universitäts- und Landesbibliotheken und an die Österreichische Nationalbibliothek.

Wir erwarten uns eine umgehende Reparatur dieser für uns völlig unannehmbaren Tarife der Post für den Einzelbuchversand.

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Ruiss



Ich dachte ich zeig Euch einmal, dass es anscheinend doch mehr Menschen gibt, die sich gegen diese Unverschämtheit wehren!!


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5 Kommentare:

  1. Wow! Den Brief würde ich sofort unterschreiben. Ich finde es wirklich eine Frechheit, das "Bildung" so teuer geworden ist. Kein Buch kann mehr günstig verschickt werden.
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das nun bei Amazon & Co gehen soll. Die können sich die Gratislieferungen wohl auch bald nicht mehr leisten!!
    Echt eine Frechheit was sich die Post erlaubt. Ich hoffe und bete, dass die Tarife sich ändern oder es eine andere Lösung gibt.
    lg und Danke, dass Du uns das gezeigt hast.
    Sandra

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  2. Das ist ein interessantes Schreiben. Ich hoffe, es hilft auch und bewegt irgendetwas.
    Ich hab ja schon bei mir am Blog geschrieben, dass ich durch die Tariferhöhung gezwungen bin, mein Hobby, den Büchertausch mit anderen Leseratten, aufzugeben, was ich ziemlich traurig finde, aber bei den Preisen bleibt mir nichts anderes übrig.

    Wenn ich den Text richtig deute, dann hat es also auch bei uns einmal eine begünstigte Versandvariante für Bücher gegeben? Ist aber wohl schon länger her, ich hab auf jeden Fall in den letzten drei Jahren immer "normales" Briefporto bezahlt. Den Versand ins Ausland konnte ich durch die "Economy"-Variante günstiger halten (hat zwar länger gedauert, war aber billiger), auch das ist jetzt weggefallen.

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  3. Evi: Ja, ich habe mich auch gewundert wegen der billigeren Büchervariante...das dürfte schon ziemlich lange her sein, denn ich verschicke schon sehr lange Pakete und bin immer auf Economy ausgewichen...was ja nun auch nicht mehr geht :/
    Naja, man kann nur hoffen, dass sich was ändert...aber ehrlich...ich denke nicht, dass es was bewirkt! Dass du deinen Büchertausch aufgeben musstet habe ich gelesen und finde das sehr schade!!
    PokSa: Ja, den Brief würde ich auch unterschreiben!!! Über die diversen Erhöhungen haben wir ja shcon "geplaudert" ;) Du hast Recht....ich hoffe nur Weltbild und Amazon führen nicht auch wieder Porto für Bücher ein!!!
    Lg
    Martina

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  4. Hallo zusammen,

    ich kann mich nur anschließen. Mich ärgern schon die sieben Euro genug, die ich zahlen müsste, um ein Buch an meine Kollegen in DE zu schicken. In Deutschland ist das ganze ja durch "Büchersendung" sehr human geregelt. Diese erneute Preiserhöhung ist eine Frechheit, aber um ehrlich zu sein: Ich glaub nicht, dass auf solche Briefe eine Reaktion folgen wird ... :(

    Liebe Grüße,
    Marie

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  5. Ich lebe in der Schweiz, und bei uns wird das schon immer so berechnet, daher ist für mich der Versand von Büchern ins Ausland nicht rentabel. Daher auch nur wenige Gewinnspiele, denn wenn ich nur 2 Bücher versende, dann kostet das mich mindestens 14 Euro, das sind dann aber wirklich nur grade "normal" grosse TB's alles andere wird gelich sehr viel teuerer, geschweige denn wenn ich HC's verschicke.

    Auch bringt es nichts, zu tauschen oder von Privatpersonen im Ausland zu beziehen, dann kann ich mir das Buch auch gleich neu kaufen.

    Ich bin neugierig wie es sich in der Schweiz weiter geht, denn auch unsere Post hat wieder mal Tarifveränderungen angekündigt.

    Liebe Grüsse
    Alexandra

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