Der Preis des Lebens - Bernhard Kreutner





    • Broschiert: 320 Seiten
    • Verlag: Benevento; Auflage: 1 (22. August 2019)
    • ISBN-10: 3710900840
    • ISBN-13: 978-3710900846
    • Genre: Krimi


Benevento Kurzbeschreibung:
Ganz gleich ob Herz, Niere oder Leber – bei finanzkräftiger Nachfrage finden die beiden Mediziner Keller und Vekete den passenden Spender, entnehmen das Organ und implantieren es ihrem Kunden. Innerhalb kürzester Zeit und ohne Spuren zu hinterlassen – bis ein Missgeschick auf dem Wiener Zentralfriedhof passiert und Michael Lenhart die Ermittlungen aufnimmt. Wie seine Kollegin Sabine Preiss wurde er strafversetzt in eine ominöse Einheit für Sonderfälle. Während die beiden anfangs noch im Dunkeln tappen und das Morden unablässig weitergeht, fügen sich die einzelnen Puzzlestücke mit der Zeit zusammen.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Vom Benevento Verlag bekam ich die Anfrage den Debütkrimi von Bernhard Kreutner zu lesen und zu rezensieren. Das Thema illegaler Organhandel hat mich sofort gepackt und Bücher von neuen österreichischen Autoren bin ich nie abgeneigt zu lesen. Deswegen habe ich gerne zugesagt.

Man startet auch gleich rasant in die Geschichte, wobei eine junge Frau mit einem fingierten Jobangebot in ein Lokal gelockt und danach betäubt wird. Ihr wird das Herz entnommen und der Rest wird dikret entsorgt. Auf diese Weise gehen die beiden Ärzte Doktor Eva Vekete und Doktor André Keller vor, um neues "Ersatzmaterial" für ihre zahlungskräftigen Kunden zu erhalten. Dies sind vorallem sehr reiche Menschen, die sich ein neues Herz, eine Lunge oder eine Leber mit Millionen erkaufen. Wie kaltblütig und perfekt vorallem Vekete dabei vorgeht, fand ich überaus grausam und erschreckend. Doch jeder Perfektionist begeht einmal einen Fehler und so kommt es am Wiener Zentralfriedhof zu einer "Auferstehung". Als die Leichenbestatter einen Sarg fallen lassen, beinhaltet er zwei Leichen statt einer und dieser wurde fachgerecht die Leber entfernt....

Die Ermittler Michael Lenhart und Sabine Preiss, beide erst vor kurzem in eine extra geschaffene Sonderabteilung strafversetzt, bekommen statt der ihnen zuerst zugedachten Aufarbeitung alter Fälle /Carl Morx lässt grüßen!), die doppelte Leiche auf den Tisch und stellen sehr schnell fest, dass es sich um Organraub handelt.
Abwechselnd wird aus der Sicht der Ermittler und der Organmafia berichtet. Letztere lässt sich vom kleinen Zwischenfall in Wien nicht beirren. Die Organisation ist in den westlichen Ländern gut vernetzt. Sie sind europaweit die Einzigen, die in Windeseile dank BigData ein Opfer ausfindig machen können, das zu 95% zum Patienten passt.

Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und trotzdem wurde ich nicht ganz warm mit Michael und Sabine. Michael Lenhart ist studierter Philosophe und auch bei seinen Ermittlungen liebt er es Aristoteles zu zitieren. Das war zu Beginn ja ganz nett, aber mit der Zeit begann es mich tierisch zu nerven, vorallem wenn seine Zitate sich über Absätze ergossen bis er endlich zum Punkt kommt. Sabine Preiss war einst bei einer
Spezialeinheit beim Bundesheer tätig. Beide Charaktere sind den Vorgesetzten zu direkt und ehrlich, denn sie vertreten ihre Prinzipien. Deshalb ecken sie auch sehr schnell an und wurden strafversetzt. Positiv war für mich, dass Beide keine verkrachten Existenzen sind, wie man sie so oft in Krimis findet. Es gab einen Nebencharakter, den ich äußerst sympathisch fand, nämlich Frau Wolf, die Sekretärin, die das Zeug zu einer Kultfigur haben könnte.

Die Themen Datenschutz und illegaler Organhandel sind äußerst aktuell und wurden perfekt in den Krimi eingebaut. Die Location Wien war für mich als Österreicherin ein weiterer Pluspunkt. Jedoch wurde mir mit den ansteigenden Buchseiten das unterstützende Umfeld zu perfekt. Ministerin, Militär und Datenspezialisten umgeben Michael und Sabine. Ihr Büro wird zu einer Festung umgebaut, abhörsicher und auf den neuersten Stand...dabei wurden die Beiden eigentlich strafversetzt und Geld für Polizeibeamte ist sowieso Mangelware. Doch plötzlich unterstützen Politik und Militär die beiden Ermittler, wo sie nur können...das war mir einfach zu unglaubwürdig. Sicherlich ist Organraub auch ein Thema, bei dem man an höchster Stelle eingreifen muss, doch hier bekam ich das Gefühl, dass der Autor einfach zuviel wollte. Die Aufrollung des Falles war schlüssig, aber mir fehlte vor allem im Mittelteil die Spannung.
Auf den letzten Seiten wiederum fand ich die Erzählung dann zu gerafft dargestellt. Dabei wäre ich beim Showdown gerne hautnah dabei gewesen und hätte ein wenig mehr vom Einsatz selbst mitbekommen. Plot und Idee sind gelungen, an der Umsetzung hapert es noch ein bisschen...

Schreibstil:
Der Schreibstil des Autors ist sehr dialoglastig. Hinzu kommen noch die Zitate von Aristoteles und die manchmal etwas hölzerne Sprache - trotz des eingängigen Wiener Schmähs. Durch die vielen Dialoge sprechen sich die Charaktere alle laufend mit Namen an, was mir weniger gefallen hat. Die Kapitel sind eher kurz gehalten. So wird der Leser gerne dazu gebracht "schnell noch ein Kapitel" zu lesen.

Fazit:
Der Debutkrimi von Bernhard Kreutner beinhaltet ein brisantes und aktuelles Thema, das teilweise gut umgesetzt wurde. Allerdings waren mir einige Begebenheiten zu weit hergeholt und der Spannungsaufbau sackte im Mittelteil ziemlich ab. Ein interessanter Krimi, der meiner Meinung noch etwas Luft nach oben hat.
Vielen Dank an den Benevento Verlag für das Rezensionsexemplar!

Neu im Bücherregal - weitere August Bücher

Meine lieben Bücherwürmer!

Wie bereits angekündigt habe ich im August auch einige Bücher vorbestellt, die erst jetzt in der zweiten Monatshälfte erscheinen. Deswegen gibt es im August noch eine zweite Neuzugängepost von mir.
Zusätzlich hat die Post wieder wohl Büchersammeln betrieben, denn fast alle kamen an ein und demselben Tag an! Da es noch dazu am Ende meines Urlaubes passiert ist, war ich nicht sehr erfreut, dass ich zwei Bücher davon eigentlich schon vor zwei Wochen erhalten hätte sollen und diese schön gemütlich - während meiner freien Tage -  hätte lesen können....tja, hätte, wäre....

Aber vorallem freue ich mich wahnsinnig über meine neuen Schätzchen

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Micaela Jary
Das Kino am Jungfernstieg
Historischer Roman

November 1946: Die Film-Cutterin Lili Paal kehrt aus Berlin in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. In der im Krieg zerbombten Innenstadt besitzt ihre Mutter ein ehemals glamouröses, nun wenig erfolgreiches Kino, das Lilis Halbschwester Hilde und deren Mann unbedingt schließen möchten. Lili will keinesfalls aufgeben, wurde im elterlichen Lichtspielhaus doch ihre Leidenschaft für den Film geweckt. Gleichzeitig sucht sie nach den Negativen eines im Krieg verschollenen Streifens, den sie restaurieren möchte. Dabei lernt Lili sowohl den smarten britischen Offizier John Fontaine als auch den charismatischen Regisseur Leon Caspari kennen. Bringt der gesuchte Film Licht in einen mysteriösen Todesfall, der Lili mehr betrifft, als sie ahnt?

Diesen Roman, der schon auf meiner Wunschliste vermerkt war, habe ich auf der facebookseite der Autorin gewonnen! Jipee! 
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Andreas Gruber
Todesmal
Thriller
Band 5 der Todes-Reihe

Eine geheimnisvolle Nonne betritt das BKA-Gebäude in Wiesbaden und kündigt an, in den nächsten 7 Tagen 7 Morde zu begehen. Über alles Weitere will sie nur mit dem Profiler Maarten S. Sneijder sprechen. Doch der hat gerade gekündigt, und so befragt Sneijders Kollegin Sabine Nemez die Nonne. Aber die schweigt beharrlich – und der erste Mord passiert. Jetzt hat sie auch Sneijders Aufmerksamkeit. Und während die Nonne in U-Haft sitzt, werden Sneijder und Nemez Opfer eines raffinierten Plans, der gnadenlos ein Menschleben nach dem anderen fordert und dessen Ursprung in einer grausamen, dunklen Vergangenheit liegt …

Andreas Gruber...mein Lieblings-Thriller-Autor....natürlich habe ich den fünften Band um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez bereits vor einiger Zeit vorbestellt. Nun ist er endlich da!
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Kerstin Ehmer
Die schwarze Fee
historischer Krimi
Band 2

Berlin tanzt auf dem Vulkan. Glitzernde Tanzpaläste, wilde Partys, Drogen, sexuelle Freizügigkeit die deutsche Hauptstadt gilt zur Zeit der Weimarer Republik als eine der aufregendsten Städte Europas. Russische Emi­granten, darunter Schriftsteller, Gelehrte, Politiker und Anarchisten, haben nach der Revolution in Berlin Zuflucht gefunden vor dem Zugriff der sowjetischen Geheimpolizei. Mittendrin Kommissar Ariel Spiro, den zwei Giftmorde ins russische Milieu führen. Und dann ist da noch Nike, seine große Liebe, die ihn um Hilfe bei der Suche nach ihrem neuen Freund Anton bittet. Unversehens geraten beide in einen Strudel aus Politik und Gewalt.

 Band 2 für Kommissar Ariel Spiro habe ich bei Lovelybooks für eine Leserunde gewonnen
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Lucinda Riley
Das Schmetterlingszimmer
Roman

Posy Montague steht kurz vor ihrem siebzigsten Geburtstag. Sie lebt alleine in ihrem geliebten »Admiral House«, einem herrschaftlichen Anwesen im ländlichen Suffolk. Eines Tages taucht völlig unerwartet ein Gesicht aus der Vergangenheit auf: ihre erste große Liebe Freddie, der sie fünfzig Jahre zuvor ohne ein Wort verlassen hatte. Nie konnte Posy den Verlust überwinden, aber darf sie nun das Wagnis eingehen, ihm noch einmal zu vertrauen? Freddie und das »Admiral House« bewahren indes ein lange gehütetes, düsteres Geheimnis – und Freddie weiß, er muss Posys Herz noch einmal brechen, wenn er es für immer gewinnen will … 

Ebenfalls ein vorbestelltes Buch, weil ich bei der Blogger Leserunde bei der lieben Andrea mitmache
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Hazel Frost
Last Shot
Thriller

Der smarte Russe Dima war nur mal kurz für kleine Jungs. Als er zum Wagen seiner Familie zurückkommt, sind sein Vater und seine Schwestern tot – durch Kopfschüsse aus nächster Nähe eiskalt hingerichtet. Vom jüngsten Familienmitglied, der sechsjährigen Mathilda, fehlt jede Spur. Dima hat nicht die leiseste Ahnung, in was seine Familie verwickelt war. Er weiß nur, dass er Mathilda finden muss – und den Mörder.
Eine gnadenlose wie halsbrecherische Verfolgungsjagd durchs bayrische Voralpenland nach München beginnt, an deren Ende für Dima alles, was ihm noch geblieben ist, auf dem Spiel steht …

Der Thriller hat meine Neugierde geweckt und wurde bei Droemer Knaur angefragt. 
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Ursula Poznanski
Erebos 2
Jugendthriller
Band 2

EREBOS IST ZURÜCK …UND HAT DAZUGELERNT
Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn wiedergefunden …
Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können … 

Nachdem mich der erste Band erst vor kurzem restlos überzeugt hat, habe ich den zweiten band sofort vorbestellt. Und ich werde ihn ebenfalls in einer Blogger Leserunde lesen
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Fredrik Backman
Wir gegen euch
Gegenwartsliteratur
Band 2 Björnstadt


Die Menschen von Björnstadt haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzer Ort auseinanderbricht. Und sie wollen nur eines: wieder zusammenfinden. Um eine Zukunft zu schaffen für alle. Dafür braucht es etwas, an das sie glauben können. Etwas, das sie zusammenbringt. Doch der Kampf darum wird einer auf Leben und Tod.

Den Folgeband zu "Kleine Stadt der großen Träume" habe ich bei Lovelybooks gewonnen und habe mich sehr gefreut!
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War bei euch der August auch so Bücherreich?  Kennt ihr schon eins oder mehrere der Neuzugänge? Oder wartet ihr noch darauf?


Das Geheimnis der Fjordinsel - Christine Kabus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 496 Seiten
    • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: 1. Aufl. 2019 (31. Juli 2019)
    • ISBN-10: 3404178483
    • ISBN-13: 978-3404178483
    • Genre: Familienroman, zwei Zeitebenen


Bastei Lübbe Kurzbeschreibung:
Ostfriesland, 1980. Für die junge Rike bricht nach dem Tod ihres geliebten Großvaters eine Welt zusammen. Gleichzeitig erfährt sie, dass ihre Großmutter nicht vor langer Zeit gestorben ist - wie sie angenommen hatte -, sondern eines Tages plötzlich verschwand. Warum hat sie ihre Familie damals so überstürzt verlassen? Eine erste Spur führt Rike nach Norwegen, auf eine kleine Insel im Oslofjord, wo sie auf ein Geheimnis stößt, das zurückreicht in die Zwanzigerjahre - in die Zeit der Prohibition und die gefährliche Welt der Schmuggler ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Bastei Lübbe Challenge

Meine Meinung:
In ihrem neuen Norwegen Roman erzählt Christine Kabus wieder in zwei verschiedenen Handlungssträngen über zwei bzw. drei Frauenschicksale. Diesmal bewegen wir uns aber innerhalb einer Familie, die wir von den 1920-igern bis in die 1980-iger begleiten.

Zuerst lernen wir in den Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts Rike kennen, die als Frau einen Männerberuf ausübt. Sie ist Schlepperkapitän und liebt ihre Tätigkeit in ihrer Heimat Ostfriesland. Ihr Großvater Fiete, bei dem sie aufgewachsen ist, hat sie darin immer unterstützt, denn auch 1980 war es nicht einfach in einer reinen Männerdomäne zu arbeiten. Ihre Mutter Beate hat sich nie um Rike gekümmert und reist in der Weltgeschichte herum. Als Opa Fiete stirbt, hinterlässt er seiner Enkelin das Haus, wo Rike ungeöffenete Briefe von ihrer Großmutter an ihre Mutter findet. Dabei entdeckt sie, dass diese nicht gestorben ist, wie ihr immer erzählt wurde, sondern Ostfriesland verlassen hat und nach Norwegen zurückgekehrt ist. Der letzte Brief ist erst fünf Jahre alt und Rike hat die Hoffnung, dass ihre Großmutter noch lebt. Da ihre Mutter Beate den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen hat, nimmt sich Rike Urlaub und macht sich auf nach Norwegen...

Im Vergangenheitsstrang, der den Großteil des Romans einnimmt und der mir wesentlich besser gefallen hat, treffen wir auf Johanne, die 1926 in der Kleinstadt Horten lebt. Ihr Vater besitzt einen Weinkontor, ihre Mutter ist eine depressive Frau, die sich großteils in ihrem verdunkelten Schlafzimmer aufhält, ihr kleiner Bruder befindet sich in einem Internat und ihre ältere Schwester Dagny zieht demnächst mit ihrem Mann in die Hauptstadt Oslo. Noch ist Johanne's Welt in Ordnung, denn sie bereitet sich auf ihre Hochzeit mit Rolf Falkenstein vor, als ihr Vater im Weinkontor tot aufgefunden wird. Als Gerüchte aufkommen, er hätte Selbstmord begangen und der Kontor werde verkauft, verlässt Rolf Johanne und die Hochzeit wird auf unbestimmte Zeit verschoben bzw. abgeblasen. Doch Johanne gibt nicht so schnell auf. Sie glaubt nicht an Selbstmord, denn sie hat kurz vor dem Tod ihres Vaters, einen Streit mit ihm und einem zwielichtigen Typen beobachtet, der kurze Zeit später an sie herantritt und den Weinkontor einfordert. Johanne versucht alles, um das Familiengeschäft zu retten....

 „Wer die Vergangenheit nicht kennt, versteht auch die Gegenwart nicht und ist kaum in der Lage, die Zukunft zu gestalten.“

Abwechselnd wird die Geschichte von Johanne und Rieke erzählt, die sich anfangs durch den Tod eines geliebten Menschen ähneln. Beide Frauen nehmen ihr Leben in die Hand und versuchen Antworten zu finden. Vorallem Johanne hat mich begeistert, die einen gewitzten Ganoven die Stirn bietet und sogar vor Schmuggel zur Zeiten der Prohibitation nicht zurückschreckt. Vorallem diese Sequenzen sind sehr spannend beschrieben und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Christine Kabus hat mit viel geschichtlichen Wissen und historischen Eckdaten diese Zeit Norwegens bildhaft dargestellt, genauso wie die wunderschönen Beschreibungen der Natur, die mein Kopfkino richtig in Schwung gebracht haben. Norwegen war schon vor mehr als 20 Jahren ein Traumziel von mir, das ich leider noch immer nicht besucht habe. Umso lieber versinke ich in Bücher, die mir diese wunderbare Landschaft näher bringen. Manchmal verliert sich die Autorin aber noch immer etwas zu sehr in Nebenschauplätzen, die nicht unbedingt zur Handlung beitragen.

Beide Protagonistinnen sind sehr authentisch dargestellt. Man fiebert mit den Frauen mit, wobei mir allerdings im Handlungsstrang der Gegenwart das Ende etwas zu schnell ging. Hier hätte ich statt zwei Liebesgeschichten lieber mehr Informationen über das Zusammentreffen der beiden Frauen erfahren.

Im Großen und Ganzen hat mir aber der neue Norwegenroman der Autorin bis jetzt am Besten von ihren Büchern gefallen. In der Leserunde hat sie uns bereits verraten, dass ihr nächstes Buch eine neue Destination haben wird, die ich unsagbar interessant finde...nämlich Estland.

Schreibstil:
Christine Kabus schreibt teilweise sehr detailreich, aber auch wunderbar flüssig. Ganz besonders liebe ich aber ihre bildhaften Beschreibungen der Landschaft, wie auch die Einbettung politischer und historischer Begebenheiten zu dieser Zeit.
Über den jeweiligen Kapitel sind der Ort, das Datum und der Name der erzählenden Person vermerkt. So weiß man sofort, wo und bei wem man sich befindet.
Zu Beginn befindet sich eine Personenübersicht und eine Karte der Fjorde rund um Horten.

Fazit:
Für mich der bisher beste Roman der Autorin, die besonders mit ihren bildhaften Landschaftsbeschreibungen und dem historischen Anteil glänzt. Der Vergangenheitsstrang gefiel mir sehr gut, der aus der Gegenwart konnte mich nur am Anfang überzeugen. Er nimmt aber auch den kleineren Teil des Romans ein. Wieder ein gelunger Norwegen-Roman der Autorin, der mich sehr gut unterhalten hat.

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar!

Das Gemälde der Tänzerin - Christine Jaeggi

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: Forever (26. Juli 2019)
    • ISBN-10: 3958183794
    • ISBN-13: 978-3958183797
    • Genre: Familienroman, zwei Zeitebenen


Forver Kurzbeschreibung:
Helena hat alles verloren: Ihre Zukunft als talentierte Ballerina, ihre große Liebe und die Unabhängigkeit. Inzwischen ist sie arbeitslos und lebt am Existenzminimum. Als sie endlich einen Job als Zimmermädchen erhält, scheint sich das Schicksal zu wenden. Nur soll sie ausgerechnet in dem Schweizer Hotel arbeiten, dessen Besitzer vor vielen Jahren ihr Leben zerstört hat. Doch Helena hat keine Wahl, sie braucht den Job. Eines Tages erfährt sie im Hotel von dem tragischen Schicksal eines 1942 ermordeten Zimmermädchens. Der Mord scheint mit einem verschollenen Gemälde zusammenzuhängen. Helena beschließt, dem Rätsel auf den Grund zu gehen und das Gemälde zu suchen, doch auch der attraktive Krimiautor Noah ist ihm bereits auf der Spur. Als Noah Helena um einen Gefallen bittet, droht ein jahrelang gehütetes Geheimnis ans Licht zu kommen.

Meine Bewertung: * * * *
 
Buch zur Weltenbummler Challenge:

Meine Meinung:
Der neue Roman von Christine Jaeggi ist eine wunderbare Geschichte, die ein Familiengeheimnis, einen Mord und das Thema Raubkunst beinhaltet. Was für ein Mix!

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, wobei der Handlungsstrang in der Gegenwart mehr Raum einnimmt. In dieser begleiten wir Helena, die als Alleinerzieherin der Zwillinge Jolina und Jonas am Existenzminimum lebt. Die talentierte Ballerina musste damals ihre Karriere wegen ihrer ungeplanten Schwangerschaft abbrechen. Nun hat sie auch noch ihre Stelle in einem Modegeschäft verloren, weil sie durch einen Roboter ersetzt wurde.
Als ihr das Arbeitsamt eine Stelle als Zimmermädchen im Hotel Kronenberg in Zürich zuweist, ist Helena geschockt. Die Hoteliersfamilie ist genau diejenige, die vor Jahren ihre Zukunft zerstört hat. Doch Helena hat keine Wahl. Die Angst entdeckt zu werden, sitzt ihr jedoch  ständig im Nacken. Im Hotel lernt sie die Amerikanerin Jessica Dixon kennen, die auf der Suche nach einem mysteriösen Gemälde ist. Dieses soll ihrer jüdischen Familie während des zweiten Weltkrieges von den Nazis geraubt worden sein. Die Spur führt ins Hotel Kronenberg, wo angeblich Raubkunst betrieben wurde. Der vor kurzem verstorbene Michael Kronenberg hätte sie kontaktiert, aber der Rest der Familie weigert sich mit ihr zu sprechen. Als Noah Kronenberg aus Mexiko zum Begräbnis seines verstorbenen Bruders anreist, hört er ebenfalls von dem verschollenen Gemälde der Tänzerin im Regen. Das weckt den Krimiautor in ihm und er beginnt zu recherchieren. Dabei stößt er auf einen Mord an einem Zimmermädchen im Jahre 1942. Aber auch Helena lässt die Geschichte um das gestohlene Gemälde nicht mehr los...

Im zweiten Handlungsstrang sind wir in den Jahren 1937 bis 1945. Wir lernen Lydia und ihre jüngere Schwester Hedi kennen. Die beiden sind in den Schweizer Bergen aufgewachsen und lebten auf einem Bauernhof. Als ihre Eltern sterben wird dieser verkauft und die Mädchen kommen bei einer Tante unter. Diese möchte Lydia mit dem unsympathischen neuen Besitzer des Hofes verheiraten, doch Lydia denkt nicht daran und flieht nach Zürich. Dort nimmt sie die Stelle eines Zimmermädchen im Hotel Kronenberg an, wo sie Hector Löwenfeld kennenlernt.... 

Der rote Faden des Romans ist das titelgebende Gemälde der Tänzerin im Regen. Gleich im Prolog erfahren wir von dessen Entstehung. Die spätere Suche wird verknüpft mit der Vergangenheit, in der das Gemälde zuerst geraubt wird und danach verschwunden ist. Eine spannende Geschichte, die sich auch dem Thema Raubkunst durch die Nazis widmet.
Wir lernen durch Helena aber auch die Sorgen einer alleinerziehenden Frau kennen, die am Existenzminimum lebt und das in der reichen Schweiz! Nicht nur Geldsorgen, sondern auch die typischen Probleme mit ihren pubertierenden Kindern und der Wahrung ihrer Identität im Hotel, bereiten Helena Schwierigkeiten. Außerdem gibt es dieses Familiengeheimnis der Kronbergs, in das auch Helena verstrickt wurde. Zu guter Letzt darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen. Wer jetzt denkt, dass wären zu viele Themen für einen 400 Seiten Roman hat einerseits recht, doch Christiane Jaggi ist es hervorragend gelungen daraus eine tolle Geschichte zu kreieren, die man gerne liest und die einem nie langweilig wird. Im Gegenteil...man fliegt richtig durch die Seiten.
Manche Ereignisse waren zwar etwas vorhersehbar, andere wiederum konnten mich richtig überraschen und gaben dem Roman eine neue Wendung.

Die Charaktere sind sehr individuell und lebendig, manchmal etwas zu sehr schwarz-weiß gezeichnet. Die Wandlung Caramelles fand ich zu schnell und etwas unglaubwürdig. Jolande hingegen ist der typische pubertierende Teenager, der gegen die Mutter rebelliert. Jonas hingegen ist das glatte Gegenteil und Helenas Halt...für einen Jungen in diesem Alter war er mir allerdings ein bisschen zu blass und gutmütig.
Noah ist ein interessanter und vielschichtiger Charakter, dem wohl alle Leserherzen zufliegen. Der Rest der Familie Kronenberg ist allerding das komplette Gegenteil.
Lydia fand ich stark und sympathisch...ein junges Mädchen, das ihren Weg geht.

Am Ende werden alle Geheimnisse aufgedeckt und alle losen Fäden führen logisch zueinander.

Schreibstil:
Christine Jaeggis Schreibstil liest sich kurzweilig und lebendig...man verliert sich sehr schnell in der Geschichte, die Gegenwart und Vergangenheit perfekt verbindet. Über jedem Kapitel steht der Name der jeweils erzählenden Figur. In der Gegenwart sind dies Helena und Noah, in der Vergangenheit Lydia. So lernt man alle Hauptprotagonisten immer besser kennen.
Die Personenübersicht am Anfang des Romans hilft zu Beginn des Romans doch einige Male nicht den Überblick zu verlieren.

Fazit:
Ein Roman mit vielen Facetten, der auf zwei Zeitebenen spielt und einige interessante Themen beinhaltet. Etwas vorhersehbar an manchen Stellen, aber auch mit vielen Überraschungen gespickt, hat mich "Das Gemälder der Tänzerin" gut unterhalten und schöne Lesestunden beschert.

Vielen Dank an den Forever Ullstein Verlag und die Autorin für die Bereitsstellung des Rezensionsexemplares!

Zu Staub - Jane Harper




    • Broschiert: 416 Seiten
    • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (23. Juli 2019)
    • Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
    • ISBN-10: 3499000989
    • ISBN-13: 978-3499000980
    • Originaltitel: The Lost Man
    • Genre: Familiendrama, Thriller

Rowohlt Kurzbeschreibung:
Zwei Brüder treffen sich am Zaun, der ihre Farmen voneinander trennt. Tief im Outback sind sie einander die einzigen Nachbarn. Ihre Häuser liegen vier Stunden Autofahrt voneinander entfernt. Cam, der mittlere Bruder, der die Familienranch verwaltete, liegt tot zu ihren Füßen. Er ist allein in der Hitze gestorben. Die beiden Männer bringen ihren Bruder heim auf die Ranch. Aber in der tiefen Trauer wächst das Misstrauen. Was, wenn Cam keines natürlichen Todes gestorben ist? Was, wenn Isolation und Einsamkeit hier im Nirgendwo die Menschen verändern - zum Bösen?

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zuur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit habe ich den zweiten Thriller der australischen Autorin "Ins Dunkel" gelesen. Zur selben Zeit kam auch ihr Debüt "The Dry" oder "Die Hitze" als Taschenbuch (mit neuem Titel) heraus. Beide haben mir gut gefallen (war gerade erstaunt, dass ich 3 1/2 und 4 Sterne vergeben habe...hatte ich beide Thriller doch noch in ziemlich guter und positiver Erinnerung).

"Zu Staub" ist ein Stand Alone und gehört nicht zur Reihe von Ermittler Aaron Falk. Ich würde es auch nicht als Thriller, sondern eher als Familiendrama bezeichnen.
Wir befinden uns im Westen von Australien, im Outback. Einsame Farmen, der nächste Nachbar ist Stunden entfernt, die Wüste und der Sand das alltägliche Bild. Man spürt beim Lesen direkt den Staub zwischen den Zähnen. Der Titel ist im wahrsten Sinne des Worters perfekt gewählt, auch wenn der englische Originaltitel "The Lost Man" ebenso passt. Wer sich in dieser Gegend verirrt oder nicht ausreichend ausgerüstet ist, hat kaum eine Überlebenschance. So ergeht es auch Cameron Bright. Er ist jedoch kein Fremder, lebt seit seiner Geburt auf der Familienranch und war perfekt ausgerüstet. Und trotzdem wird seine Leiche unweit des legendären "Stockman Grabes" gefunden. Sein Wagen steht vollbepackt mit der kompletten Ausrüstung etwa 10 km entfernt. Weder der herbeigerufene Polizeibeamte, noch der Sanitäter können eine Gewalteinwirkung erkennen. Doch warum sollte sich der allseits beliebte zweifache Familienvater, dessen Farm gut läuft, Selbstmord begehen? Die Umstände sind rätselhaft...

Der Fokus der eher ruhigen Geschichte liegt bei den Figuren, bei denen es sich großteils um Familienangehörige oder Backpacker, die auf der Farm arbeiten, handelt. Polizeiliche Ermittlungen gibt es kaum. Das Drama spielt sich unter den Farmbewohnern ab. Nathan und Bub sind jeweils der ältere und der jüngere Bruder von Cam. Ilse ist Cams Frau und Sophie und Lo seine Töchter. Carl, der bereits verstorbene Vater und Liz, die Mutter der Jungen, haben die Ranch bereits an Cam und Ilse übergeben. Harry ist ein alteingessener Farmmitarbeiter, der schon zur Famlie gehört. Xander ist der Sohn von Nathan, der über die Weihnachtsferien aus Brisbane angereist ist, wo er zu Schulzeiten bei seiner Mutter Jacqui wohnt. Und dann sind noch die Backpacker Simon und Kathy aus Großbritannien.

Das Leben unter Extrembedingungen steht in diesem Famliendrama im Vordergrund. Die außergewöhnliche Atmosphäre hat Jane Harper großartig eingefangen. Man spürt die Weite des Landes, den Sand und die Hitze durch jede Seite.
Gemeinsam mit unserem Hauptprotagonistent Nathan, dem ältesten Sohn der Brights, erleben wir die Ereignisse der Tage nach dem Tod von Cameron. Seine eigene Farm liegt in der Nachbarschaft, wo er wegen eines Vorfalles vor zehn Jahren als Einsiedler lebt. Diese Ereignis ist der Grund, dass Nathan von den Einheimischen gemieden wird. Bis zum Begräbnis am Weihnachtstag sind alle Familienmitglieder auf der
Ranch der Brights versammelt, wo die Emotionen nach und nach zu kochen beginnen. Misstrauen und Argwohn liegen in der Luft. Die Frage, ob die Einsamkeit in den Weiten des Outbacks das Böse hervorruft, wird immer wieder aufgeworfen.

Es beginnt ein Katz- und-Maus-Spiel, das den Leser mitnimmt und immer wieder aufs Neue rätseln lässt, was passiert ist. Trotzdem entwickelt sich die Geschichte im Mittelteil ein bisschen schleppend, jedoch ist immer eine unterschwellige Spannung vorhanden. Durch Rückblenden in die Vergangenheit erfahren wir mehr über die Kindheit der Brüder und diese offenbart einige düstere Familiengeheimnisse. Dadurch erhält man neue Gedankenanreize, die die Autorin gekonnt einsetzt und den Leser öfters auf falsche Fährten führt.

Die Auflösung war eine Überraschung, hat mir aber gut gefallen.

Schreibstil:
Wie schon bereits in ihren anderen Büchern schildert die Autorin wahnsinnig atmosphärisch und verleiht auch ihren Figuren Tiefe. Sie beherrscht es einfach großartig ihre Heimat stimmig und eindrücklich zu beschreiben, egal ob Dschungel oder Wüste.


Cover:
Das erste Cover ist das niederländische, danach folgen drei englischsprachige

Fazit:
Kein Thriller, sondern ein Familiendrama, welches vorallem wegen der großartigen Atmosphäre und ihren vielschichtigen Charakten punktet. Trotz einigere Längen im Mittelteil bleibt eine unterschwellige Spannung bestehen. Trotzdem finde ich "Zu Staub" bisher als das schwächste Buch der Autorin.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

Ein Cottage für deinen Sommer - Viola Shipman

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 448 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 3. (24. April 2019)
    • Übersetzer: Anita Nirschl
    • ISBN-13: 978-3810530646
    • Originaltitel: The Summer Cottage
    • Genre: Familienroman, Gegenwartsliteratur



Fischer Kurzbeschreibung:
Adie Lou verbrachte die Sommerferien als Kind im Cottage ihrer Eltern am Michigansee. Damals waren Schwimmreifen und Angeln genug für das Glück endlos scheinender Tage am Wasser. Auf der Suche nach diesem Gefühl gibt sie nach ihrer Scheidung ihre Stelle in Chicago auf und zieht an den See. Wird es ihr gelingen, das Ferienhaus ihrer Familie in ein stylisches und gemütliches Inn umzubauen? Und wer wird ihr helfen, ihren Traum zu verwirklichen?

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der amerikanische Autor Waden Rouse schreibt unter dem Pseudonym Viola Shipman, dem Namen seiner Großmutter, nette Wohlfühlromane. Das Cover seines neuersten Buches passt nicht wirklich zu den Vorgängerromanen, bei denen man durch die ähnliche Covergestaltung sofort die Assoziation mit dem Autorennamen Viola Shipmann verbindet. Das ist schade, obwohl ich dieses neue Cover eigentlich ansprechender finde und es auch perfekt zum Sommer und dem Inhalt passt.

In jedem Buch des Autors geht es um bestimmte Familienerbstücke. Diesmal haben wir es mit einer Blockhütte zu tun.
Die Idee zur Geschichte für "Ein Cottage für deinen Sommer" kam Shipman durch Erinnerungen an seine eigene Kindheit und der Blockhütte seiner Großeltern in Missouri. Seine Hauptprotagonistin Adie Lou erlebt ähnliches: unbeschwerte Sommer in ihrer Kindheit im Sommerhäuschen am Michigansee ihrer Eltern. Als sie mit Mitte Vierzig vor der Scheidung steht, soll das Creaky Cottage, wie es ihre Eltern nannten, verkauft werden. Adie Lou entscheidet sich dagegen und beschließt ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Ihren Plan, das heruntergekommene Cottage in ein Bed & Breakfast mit Wohlfühlambiente umzuwandeln, wird mit der Zeit immer schwieriger. Adie Lou stößt auf ein Hindernis nach dem anderen.

Ich liebe Geschichten, in den Frauen einen Neuanfang wagen und ihr altes Leben auf den Kopf stellen. Das gibt mir immer wieder etwas Zuversicht, dass ich es vielleicht auch schaffen könnte, wenn es sein muss. Allerdings sollte es nicht zu "märchenhaft" ausarten, sondern realistisch bleiben. Das ist leider bei "Ein Cottage für deinen Sommer" nicht ganz passiert. Zu zuckersüß und simpel gestaltet sich Adie Lous Plan ohne wirklich viel Geld das Cottage zu einer richtigen Wellness-Oase umzugestalten. Die rosarote Brille, die der Autor bei seinen Geschichten auf hat, ist mir einfach zu viel des Guten.

Das beginnt bei den Renovierungsarbeiten, die Adie Lou in das Cottage steckt. Sie hat kein Geld und woher sie es nimmt, wird eigentlich nie richtig erwähnt. Es wird zwar einmal angedeutet, dass ihre Anwältin den Exmann "so richtig bluten lassen will", aber ob sie Erfolg hatte und wirklich Geld geflossen ist, kommt nie zur Sprache. Thema ist jedoch immer wieder, dass die Kosten immer mehr ansteigen und Adie Lou trotzdem nur das Beste von Besten in ihrer neuem Bed & Breakfast verarbeitet haben möchte. Ich renoviere momentan selbst und konnte bei den Beschreibungen einfach nur den Kopf schütteln, so blauäugig wird alles beschrieben! Man erkennt ganz genau, dass der Autor wohl noch nie selbst Hand angelegt hat. Alle Probleme und Unanehmlichkeiten lösen sich in Luft auf. Zu guter Letzt wird auch noch Adie Lou's Erzfeindin ganz plötzlich zur begeisterten Unterstützerin....pfff.

Die Charaktere sind ebenfalls etwas eindimensional. Alle sind fröhlich und helfen einander und die Probleme werden mit ein paar netten Floskeln hinweg gewischt. Wenn es doch nur so einfach wäre!! Sicherlich möchte ich mich bei einem Wohlfühlroman auch entspannen und dem realen Leben ganz gern entkommen, aber bitte mit etwas weniger Kitsch und rosaroter Brille!

Auch die Liebesgeschichte fand ich nicht wirklich plausibel bzw. brachte in mir keinerlei Gefühlsregung zustande.
Einzig mit der wundervollen Beschreibung des Häuschens und der Landschaft hat Shipman die Szenerie großartig zum Leben erweckt. Das Setting des Romans ist wirklich gelungen und erweckt Sehnsüchte. Was mich überrascht hat war allerdings, dass der Großteil des Romans nicht im Sommer, sondern im Winter spielt und Adie Lou die meiste Zeit fror. Nicht sehr passend zu Titel und Cover....

Für mich war es das zweite Buch des Autors und mein letztes. Seine Romane sind mir zu klischeehaft, zu "amerikanisch" (es werden sehr viele Beispiele von Filmen, Sitcoms usw. eingestreut, die hier in Europa kein Mensch kennt und somit auch oft die Pointen nicht verständlich sind) und zu oberflächlich.

Es tut mir leid...ich lese gerne einen Wohlfühlroman zwischendurch, aber dann sollte er wenigstens teilweise realistisch bleiben! Zugute halten kann ich dem Autor jedoch, dass er mit seinen Romanen an Erinnerungen an die Familie festhält und dem Leser immer wieder zu erklären versucht, dass man sich an kleinen Momenten erfreuen soll.

Cover:
 
Zwei englischsprachige Cover habe ich gefunden, die ich euch zeigen kann 

Fazit:
Mir war dieser Roman einfach zu klischeehaft, oberflächlich und "amerikanisch"...sorry! Die Umsetzung der netten Idee gefiel mir leider nicht wirklich, aber bitte bildet euch selbst eine eigene Meinung, denn viele Leser fanden es sehr gut....Geschmäcker sind eben verschieden! (Gott sei Dank!)

Erebos - Ursula Poznanski

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 488 Seiten
    • Verlag: Loewe; Auflage: 7 (6. Juni 2011)
    • ISBN-10: 3785573618
    • ISBN-13: 978-3785573617
    • Genre: Jugendroman, Jugendthriller


Loewe Kurzbeschreibung:
In einer Londoner Schule wird ein Computerspiel herumgereicht - Erebos. Wer es startet, kommt nicht mehr davon los. Dabei sind die Regeln äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance. Er darf mit niemandem darüber reden und muss immer allein spielen. Und wer gegen die Regeln verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann Erebos auch nicht mehr starten. Erebos lässt Fiktion und Wirklichkeit auf irritierende Weise verschwimmen: Die Aufgaben, die das Spiel stellt, müssen in der realen Welt ausgeführt werden. Auch Nick ist süchtig nach Erebos - bis es ihm befiehlt, einen Menschen umzubringen.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem Ursula Poznanskis erstes Jugendbuch schon einige Zeit auf meinem SuB schlummert, habe ich die Gelegenheit ergriffen bei der lieben Petrissa vom Blog Hundertmorgenwald bei ihrer Blogger Leserunde zum Buch mitzumachen. Wir waren ein buntes Gemisch aus Erstleser und Wiederholungstätern =) Und in zwei Wochen wird es zum zweiten Teil wieder eine Leserunde geben, an der ich ebenfalls wieder teilnehmen werde, denn ich habe mir Erebos 2 bereits vorbestellt.
Ich bin mir sicher, dass die Meisten von euch bereits die Geschichte rund um Nick und dem geheimnisvollen Computerspiel Erebos kennen werden. Ich habe nur immer wieder gehört, dass es Poznanskis bestes Buch sein soll und dem kann ich nun zustimmen. Ich habe bereits einige Jugendbücher von ihr gelesen und auch zwei Thriller aus der Kaspary & Weninger Reihe. Die neue Thrillerreihe werde ich nicht lesen...da habe ich reingelesen und irgendwie wurde ich schon vo0n der Leseprobe nicht angesprochen. Die Bewertungen zu ihrer neuen Thrillerreihe sind leider auch alles andere als gut.

Ich muss zugeben, dass ich vom Buch bald genauso gefangen genommen war, wie Nick von seinem neuen Computerspiel, das er in der Schule zugesteckt bekommen hat. Dieses wird von Hand zu Hand weitergegeben und verändert die Schüler zusehends, nachdem sie damit begonnen haben. Die strengen Regeln verbieten über das Fantasy Rollenspiel zu sprechen oder preiszugeben welcher Mitschüler sich hinter den fantasievollen Namen und Figuren verstecken. Gemeinsam mit Nick trat ich ein in eine Welt, die voller Orks, Barbaren, Elfen, Zwergen oder Magier, ähnlich World of Warcraft, war. Da ich keine Bücher aus diesem Fantasy-Genre lese und auch kein World of Warcraft spiele, war es für mich eine komplett neue Welt, die mich in Poznanskis Roman allerdings sofort mitgerissen hat. Der Roman hat eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann. Auch ich rätselte, wer hinter welchen Figuren stecken könnte und wozu die Aufgaben dienen, die die Spieler als Aufträge erhielten. Schon bald bemerkt man, wie die Schüler manipuliert werden und vollkommen übernächtigt in den Unterricht kommen, denn Erebos bestimmt selbst, wann das aktuelle Spiel zu Ende ist und man Pause machen "darf". Die Aufgaben werden immer gefinkelter und das wirkliche Leben und das Spiel verschmelzen geradezu ineinander. Als Nick jedoch einen Auftrag erhält, der in der realen Welt einem Menschenleben schadet, kommen auch ihm langsam Zweifel wohin Eerebos führt und was dahinter stecken könnte...

Der ständige Wechsel zwischen der realen und virtuellen Welt erhöhte die Spannung nur noch. Man fiebert darauf hin endlich zu erfahren, was hinter Erebos steckt. Ich muss zugeben, ich hatte Angst, dass es etwas Mystisches oder Übersinnliches sein wird, denn damit komme ich schwer zurecht und hätte mir nicht gefallen. Doch das Ende ist gut gewählt und war eine Überraschung.
Ein klein bisschen gefehlt hat mir der weitere Blick auf die Gegner von Erebos, vorrangig vertreten durch den Englischlehrer Mister Watson und einigen seiner Schüler. Diese scheinen zum Ende hin kaum mehr auf.

Mit Nick hat die Autorin eine glaubwürdige Figur erschaffen, die mitten aus dem Leben gegriffen ist. Auch die Atmosphäre des Rollenspiels und die Faszination, die Erebos auf die Spieler ausübt, wurde großartig eingefangen.
Die soziale Isolation der Spieler und die Konsequenzen daraus sind sehr gut nachvollziehbar. Dabei greift Poznanski aber nicht zum erhobenen Zeigefinger, sondern zeigt jeden Leser auf, wie schnell man sich manipulieren lassen kann oder man einer Sucht verfällt.

Ursula Poznanski hat bereits im Jahr 2011 das Thema künstliche Intelligenz aufgegriffen, während andere Autoren diesen Stoff erst seit den letzten Jahren behandeln. Oder habe ich einfach nicht die richtigen Bücher dazu gelesen?

Schreibstil:
Der Schreibstil ist fesselnd und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Mir ging es bei der Leserunde viel zu langsam, denn ich wollte lesen, lesen und nochmals lesen. Tja, mich hatte der Lesevirus gepackt, während Nick der Spielsucht verfallen ist. Dadurch konnte ich mir (selber habe ich vor Jahren mal SIMS gespielt, aber das war es schon) als Nichtspieler seine Situation wirklich gut vorstellen.

Die Autorin erzählt aus der Sicht von Nick, jedoch in der 3. Person. Man erlebt seine Gedanken- und Gefühlswelt intensiv mit. Im Gegensatz zu einigen ihrer neuen Jugendbücher, wo viele Figuren oftmals blass bleiben, sind Nick und seine Mitschüler sehr realistisch und lebendig beschrieben und sind greifbar.

Fazit:
Auch acht Jahre nach dem Erscheinen von Erebos fesselt dieser Jugendroman, der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene. Spannend und fesselnd von der ersten Seite an, konnte ich "Erebos" nicht mehr aus der Hand legen und freue mich schon auf Band 2.
Für alle, die das Buch noch nicht kennen, gibt es von mir eine Leseempfehlung!
Mit dieser Rezension habe ich an der Aktion Linkparty Miteinander statt Gegeneinander von Monerls-bunte-Welt teilgenommen. Schaut doch vorbei und entdeckt auch die anderen Beiträge dieser Aktion.
 

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