[Gedankensplitter] Lesen bildet.....


....oder wie grausam ist der Mensch eigentlich wirklich?

Guten Morgen meine Bücherwürmer!

Heute morgen bin ich im Bett gelegen und meine Gedanken sind gewandert..... Sie waren bei meinen letzten beiden gelesenen Büchern "Das Haus der verlorenen Kinder" von Linda Winterberg und "Kirschblüten und rote Bohnen" von Durian Sukegawa.
In beiden Romanen geht es um Grausamkeiten, die Menchen anderen zufügen. Sicherlich wissen wir alle, was der Zweite Weltkrieg angerichtet hat und welche Gräueltaten sich dahinter verstecken. Ich habe schon viele Bücher zu diesem Thema gelesen, aber immer wieder gelingt es, dass ich trotzdem wieder etwas Neues erfahre....wie eben in "Das Haus der verlorenen Kinder" über die Lebensborn-Einrichtungen. Kanntet ihr diese bereits? Ich nicht!

Was sind Lebensborn Einrichtungen?
Dies sind Heime für ledige Mütter und deren Kinder.
Hört sich ja nicht schlecht an, jedoch...
Foto: Wikipädia, Bild rechts aus SS-Leitheft 9/3 S. 33 f., 1943.
Wenn Heime für uneheliche Mütter eingerichtet wurden, dann nicht aus Fürsorge, sondern weil der "Führer" Kinder als Nachschub für die Wehrmacht brauchte. Diese mussten selbstverständlich "rein arisch" sein. Aber nicht nur deutsche Frauen, egal ob verheiratet oder ledig, hatten für Nachwuchs zu sorgen. Auch in anderen Ländern, die von den deutscher Wehrmacht besetzt wurden und wo Frauen in das gewünschte "blond und blauäugige" Erscheinungsbild fielen, wie zum Beispiel in Polen, Norwegen, Tschechien, Slowenien....., wurden ganze Dörfer überfallen, Frauen geschwängert oder auch Kinder, die dem gewünschten Erscheinungsbild entsprachen, mitgenommen. Diese wurden dann an deutsche Familien vermittelt und adopiert, natürlich vorwiegend an SS-Leute. Um im Krieg die unehelichen Kinder deutscher Soldaten zu arisieren, eröffnete der „Lebensborn e. V.” in Belgien, Frankreich, Luxemburg und Norwegen insgesamt zwölf Entbindungs- und Kinderheime, davon neun alleine in Norwegen.
Kinder, die aus "rassischen und biologischen Gesichtspunkten total unbrauchbar" waren, wurden zwangssterilisiert oder in Kinderheime abgeschoben. Frauen, die Babies geboren hatten, wurden diese einfach weggenommen, Namen und Geburtsdaten verändert.....

Aufgrund der veränderten Identität und der gezielten Vernichtung von Akten, konnten die betroffenen Kinder nach dem Krieg nicht alle identifiziert werden. Die Zahl derer, die ohne Kenntnisse ihrer Identität, ihren richtigen Eltern oder ihrer wahren Nationalität lebten, ist nicht bekannt.

*************************************************************************************
In meinen zweiten Buch geht es um Lepra....und es spielt NICHT in der Vergangenheit!
Lepra? Ja....eine Krankheit, die wir vorallem mit längst vergangenen Zeiten gleichsetzen. Lepra oder Aussatz oder auch die Hansen Krankheit wurde im Mittelalter als Geißel Gottes angesehen, als Bestrafung für Sünder. Heute denken die meisten die Krankheit wäre ausgerottet - stimmt nicht! Sie ist jedoch bei frühzeitiger Diagnose heute durch eine dreifache Antibiotika-Kombination vollständig heilbar.

Unkenntnis und Vorurteile reichen noch bis in die heutige Zeit. In Japan wurden Infizierte bis 1996 aufgrund eines Gesetzes von 1931 lebenslang in geschlossenen Anstalten, den Leprosorien, mit Zwangssterilisation und Zwangsarbeit inhaftiert, selbst dann noch, als schon Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen.
Und genau darum geht es in "Kirschblüten und rote Bohnen".
Hier erfuhr ich zum ersten Mal, dass im letzten Jahrhundert Menschen, egal welchen Alters, die an Lepra erkrankt waren, einfach weggesperrt wurden. Sie mussten meist in Quarantäne, in sogenannten Leprakolonien dahinsiechen. Sie Auch sie wurden zwangssterilisiert und durften nicht mit der Außenwelt verkehren.  

Auch als 1996 (vor 20 Jahren!!!) in Japan das Gesetz der Zwangsquarantäne aus dem Jahre 1907 aufgelöst wurde, gab es für diese Menschen keine Zukunft. Man stelle sich vor, man wird als Kind in ein geschlossenes Heim gesperrt und dann plötzlich mit 60 Jahren oder später durfte man es dann endlich verlassen. Wohin sollte man gehen? Auch diese Gedanken spielen im Buch und der Verfilmung eine Rolle....

**************************************************************************************
Diese beiden Bücher haben mich wieder sehr betroffen gemacht und mich gefragt, zu welchen Grausamkeiten der Mensch eigentlich NICHT fähig ist? Ich denke, es gibt keine....



2 Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    danke für diesen Beitrag und die Buchvorstellung. Ich hatte weder von Heim gewusst noch davon, dass es immer noch Lepra gibt. Mir ist es beim Lesen kalt den Rücken runter gelaufen... Es ist wirklich erschreckend, was sich der Mensch alles an Grausamkeiten ausgedacht hat. Ich muss in dem Zusammenhang immer an den Spruch denken: "Keine Maus würde je eine Mausefalle erfinden." Der Satz ist auf den Bau der Atombombe bezogen, doch er pass noch zu so vielem mehr...

    Die Bücher sind auf meiner Wunschliste gelandet. Ich muss mal schauen, ob ich sie in der Bibliothek finde.

    Liebste Grüße
    Jacy

    AntwortenLöschen
  2. Ja ... der Mensch ist in der Tat grausam. Meistens ist es ihm noch nicht mal bewusst, dass bspw. irgendwelche Gesetze (wie bei dem Buch über Lepra) völliger Unsinn sind. Oft wird doch nur noch daran festgehalten, weil es eben bequem ist und "weil man es ja immer schon so getan hat". Von den Eigenartigkeiten (ich nenne das jetzt einfach mal so) des 2. Weltkriegs will ich gar nicht erst anfangen: da hat ein einziger Mann Abartigkeiten im Kopf, kommt zu einem machtvollen Posten, spricht etwas und alle anderen machen es im nach. Wenn den Menschen doch nur bewusst wäre, dass sie selbst es sind, die die Macht eigentlich haben. Es müsste nur jeder einzelne "Nein, ich mache bei diesem kranken Wahnsinn nicht mit." sagen, dann hat dieser eine Mann (in dem Fall Hitler) absolut gar keine Macht, dann hätte Hitler Millionen Menschen eigenständig töten müssen ... Ich glaube, dass das Problem ist, dass die Menschen nicht selbstständig denken können oder wollen. Es fällt ihnen leichter etwas zu glauben und für sich anzunehmen, wenn es einer vorsagt oder vormacht und sie es einfach nur mehr nachmachen und nachsagen müssen. Ist eben bequemer, als aufzuwachen und selbstständig zu denken.

    In der heutigen Zeit sehe ich die Problematik im Nachrichtenkonsum: Zeitung, Radio, Fernseher. Dort wird einem auch immer vorgesagt, was man glauben soll, was man am besten kaufen, essen, trinken, konsumieren soll, damit man reicher, schlanker, schlauer, jünger, faltenfreier, fitter, glücklicher usw. wird. Viele Menschen glauben das alles einfach blind ohne zu hinterfragen und kaufen und konsumieren. Aber ich schweife hier ab ... Ich könnte mich wirklich in Rage reden. Das ist auch ein Thema, das mich wahnsinnig wütend macht: die Bequemlichkeit der Menschen.

    Und Lesen? Das bildet!! Du hast so recht! Beim Lesen hinterfragt man, Lesen klärt auf. Das ist auch der Grund, weshalb ich ein Buch dem Fernseher 1000 mal vorziehen würde.

    Alles Liebe,
    Janine

    AntwortenLöschen

Mit Nutzung der Kommentarfunktion akzeptierst du die Speicherung deiner Daten. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung dieses Blogs.

 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos