- Taschenbuch: 448 Seiten
- Verlag: Knaur TB (1. März 2016)
- ISBN-10: 3426514850
- ISBN-13: 978-3426514856
- Genre: Historischer Roman, historischer Krimi
Droemer Knaur Kurzbeschreibung:
Hamburg im Jahr 1713, während des Nordischen Krieges: Flüchtlingselend, Hungersnot und schwarzer Tod brechen über die Menschen herein. Unter dem Vorwand, das Umland vor der Seuche zu schützen, haben die Kriegsparteien die Stadt vollkommen abgeriegelt. Handel ist kaum noch möglich, die Versorgung bricht zusammen. Religiöser Fanatismus und Weltuntergangsängste prägen das Klima und verhelfen einem Mann zu Macht und Ansehen, der den Oberen der Stadt ein ganz besonderes Mittel gegen die Pest verschafft: die sogenannten »Engelskinder«.
Meine Bewertung: * * * * undeinhalb
Buch zur Knaur Challenge
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Der Einsteig in diesen historischen Roman von Claudia Weiss fiel mir anfangs ein bisschen schwer. Die vielen Namen und politischen Begebenheiten rund um Hamburg, Altona, den Dänen und den Schweden, verwirrten mich etwas. Doch bald hatte ich einen Überblick und fand sehr gut in die Geschichte hinein. Gleich zu Beginn möchte ich sagen, dass dieser historische Roman mit Krimielemeneten umso besser und spannender wird, umso länger man darin liest.
Mit Ruth Wrangel und ihrem Mann, dem Advokaten Hinrich, lernt der Leser ein sehr sympathisches Paar kennen. Die beiden sind bereits das dritte Mal Hauptprotagonisten in einem historischen Roman der Autorin. Für mich war es allerdings das erste Mal, dass ich Bekanntschaft mit ihnen machen durfte.
Ruth hat das Herz auf dem rechten Fleck und hilft den Bewohnern von Altona nach der Brandschatzung durch die Schweden. Dabei lernt sie die hochschwangere Eva Brachfeld kennen, die früher unter den Namen Eva von Buttlar angeklagt und mit Hilfe ihres Ehemannes Leander die Flucht aus dem Gefängnis gelungen ist. Während sie sich nun als Witwe ausgibt, ist Leander unterwegs, um neue Anhänger für ihre Glaubensgemeinschaft der radikalen Pietisten zu finden. Als Eva Hilfe bei der Geburt benötigt, bittet sie um die Hilfe der heilkundigen Ruth. Seitdem verbindet die beiden eine gute Bekanntschaft.
Doch schon bald wendet sich das Blatt und während Altona wieder etwas erstärkt, hält der schwarze Tod in Hamburg Einzug. Die Pestilenz macht keinen Unterschied zwischen Arm und Reich und bald verlassen die reichen Bürger die Stadt. In den Wirren des Ausbruches der Pest verschwinden immer wieder Kinder, doch durch die besorgniserregenden Umstände in der Stadt, fällt dies erst relativ spät auf. Erst als die zehnjährige Grete, die Tochter des Pastors und Ruth's bester Freundin Hanne ebenfalls verschwindet, werden die verbliebenen Gesetzeshüter auf die hohe Anzahl der bereits abgängigen Kinder aufmerksam. Ruth lässt dies keine Ruhe und sie beginnt nachzuforschen. Doch dann beginnen die Kriegsparteien die Stadt abzuriegeln und Hinrich schickt seine Familie zum Schutz vor der Krankheit auf ihren Landsitz. Das hindert Ruth aber nicht daran ihre Nachforschungen fortzusetzen.....
Das Leben zur damaligen Zeit wird sehr bildhaft beschrieben und man erhält jede Menge Informationen über die Stadt Hamburg und seine Einwohner. Auch die Charaktere sind tiefgründig und authentisch.
Ruth ist für die damalige Zeit eine sehr selbstbewusste Frau, die ihren Mann aus Liebe geheiratet hat und der sie wirklich in allen Belangen unterstützt. Sie ist mutig und selbstlos, hilft den Armen und Kranken und steckt auch mal ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen.
Auch Hinrich ist ein herzensguter Mann, der seinen Beruf liebt und der große Stücke auf die Wahrheit hält.
Neben Ruth, Hinrich und ihren Kindern lernen wir auch Ruths Freundin Hanne, ihren Ehemann Pastor Claussen, sowie deren Kinder, Eva von Buttlar und Louis Abensur besser kennen. Einige dieser Charaktere sind dabei genauer und lebendiger beschrieben, als andere..... doch durch die Vielzahl an Personen ist natürlich eine detailierte Beschreibung jedes Charakteres unmöglich.
Neben den historischen Begebenheiten und dem Kampf gegen die Pest fesselte mich besonders der Krimianteil. Die Spannung steigt hier wirklich von Seite zu Seite an und ich konnte das Buch nach anfänglichen Schwierigkeiten später kaum mehr aus der Hand legen.
Lange Zeit war mir der Titel ein Rätsel, doch in Anlehnung an die Sage vom Rattenfänger von Hameln, der mit seiner Flöte Kinder anlockte und mit ihnen verschwand, passt dieser hervorragend.
Schreibstil:
Claudia Weiss ist promovierte Historikerin und das merkt man einfach. Ihr gelingt es großartig, die teilweise recht komplizierten politischen Hintergründe der damaligen Zeit, dem Leser näher zu bringen. Der Schreibstil ist sehr detailliert, eher nüchtern und bietet viel historischem Hintergrund, der hervorragend recherchiert wurde. Die Autorin verwendet die typische Sprache der Zeit, was ich bei historischen Romanen sehr wichtig finde. Wahre Fakten und Fiktion wurden geschickt verknüpft und der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an....
Im Anschluss an den Roman gibt es noch historische Fakten und Hintergründe zur Zeit der Handlung. Ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen.
Fazit:
Ein erstklassig geschriebener, gut recherchierter historischer Roman mit Krimielementen, der anfänglich einen etwas schwierigen Einstieg hat und danach mit steigenden Spannungsbogen glänzt. Keine "leichte Kost", aber eine Empfehlung für wahre Historienfans!
Vielen Dank an Droemer Knaur, der Autorin Claudia Weiss und Lovelybooks für das Leserunden-Rezensionsexemplar!
















Vielen Dank für diese schöne Rezi, Martina - jetzt werde ich ganz sicher zu dem Buch greifen. So wie du es beschreist, klingt es ganz nach meinem Geschmack! :-)
AntwortenLöschenLG Sabine