- Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
- Verlag: Eichborn; 4. Aufl. 2024 Edition (29. Februar 2024)
- Übersetzer: Yasmin Humburg
- ISBN-10 : 3847901621
- ISBN-13 : 978-3847901624
- Originaltitel : Yellowface
- Genre: Belletristik
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| Die Bildrechte liegen beim Verlag |
June Hayward und Athena Liu könnten beide aufstrebende Stars der Literaturszene sein. Doch während die chinesisch-amerikanische Autorin Athena für ihre Romane gefeiert wird, fristet June ein Dasein im Abseits. Niemand interessiert sich für Geschichten "ganz normaler" weißer Mädchen, so sieht es June zumindest. Als June Zeugin wird, wie Athena bei einem Unfall stirbt, stiehlt sie im Affekt Athenas neuestes, gerade vollendetes Manuskript, einen Roman über die Heldentaten chinesischer Arbeiter während des Ersten Weltkriegs. June überarbeitet das Werk und veröffentlicht es unter ihrem neuen Künstlernamen Juniper Song. Denn verdient es dieses Stück Geschichte nicht, erzählt zu werden, und zwar egal von wem? Aber nun muss June ihr Geheimnis hüten. Und herausfinden, wie weit sie dafür gehen will.
Meine Bewertung: * * * undeinhalb
Buch zur Weltenbummler Challenge
Buch zur ABC Challenge
Buch zur Music meets Book Challenge
Meine Meinung:
Dieses Buch von Rebecca F. Kuang war ja einige Zeit überall zu sehen und die Hype darum hat mich tatsächlich abgehalten, danach zu greifen. Trotzdem hatte ich immer wieder das Bedürfnis diese Geschichte zu lesen, denn ich fand die Inhaltsangabe interessant und einmal etwas ganz anderes. Als es das Buch tatsächlich später in meiner Bücherei gab, habe ich dann zugegriffen.
Dieses Buch von Rebecca F. Kuang war ja einige Zeit überall zu sehen und die Hype darum hat mich tatsächlich abgehalten, danach zu greifen. Trotzdem hatte ich immer wieder das Bedürfnis diese Geschichte zu lesen, denn ich fand die Inhaltsangabe interessant und einmal etwas ganz anderes. Als es das Buch tatsächlich später in meiner Bücherei gab, habe ich dann zugegriffen.
Der Roman erzählt die Geschichte zweier noch junge Autorinnen, June und Athena. Während June nach einem ersten kleinen Achtungserfolg keine weiteren Bücher mehr veröffentlichen konnte, ist Athena bereits eine gefeierte Schriftstellerin. Die chinesisch-amerikanisch stämmige junge Frau ist in den Social Medien dauerhaft präsent und hat bereits ihr nächstes Meisterwerk in der Schublade liegen. June ist extrem neidisch auf den großen Erfolg ihrer Freundin und möchte endlich selbst durchstarten. Gemeinsam feiern sie Athenas neuen Netflix Vertrag, doch im Verlauf dieses Abends stirbt Athena. Sie hinterlässt ihr neues Manuskript "Die letzte Front", welches noch niemand gesehen hat, denn Athena spricht mit ihren Agenten nie über ihre neue Idee, sondern schickt ihm erst das vollständige Manuskript zu, wenn sie es beendet hat.
June beschließt dieses Manuskript mitzunehmen, abzuändern und es als ihre eigene Geschichte zu verkaufen. Sie ändert ihren Namen in Juniper Song um, um authentischer zu wirken, denn in Athenas Roman geht es um chinesische Arbeiter im Ersten Weltkrieg und June ist eine weiße Amerikanerin. Der gewünschte Erfolg stellt sich sofort ein und der Roman geht durch die Decke. Doch so ganz lässt auch June ihr schlechtes Gewissen nicht los.....
Die Idee dieses Buches ist wirklich gelungen und zeigt uns die Verlagsbranche in einem etwas anderen Licht. Die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen. Man macht sich Gedanken, wie man selbst gehandelt hätte, wie schnell sich Erfolg ins Gegenteil wandeln kann und wie man mit kulturellem Eigentum umgehen soll. Die Charaktere sind allerdings alle nicht wirklich sympathisch und June sowieso nicht.
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von June geschrieben. Manchmal spricht sie den Leser auch direkt an, was ich etwas seltsam finde. Während Athena fast zu perfekt rüberkommt, ist June alles andere als ein Sympathieträger. Sie hat geistiges Eigentum einer anderen Person an sich genommen und geht damit nicht offen und ehrlich um. Während sie zu Beginn den Erfolg genießt, blitzt doch hin und wieder das schlechte Gewissen durch, bis sie ihr Handeln selbst verleugnet. Dabei gerät Juniper in eine Spirale, die immer abgedrehter wird und sie immer mehr nach unten zieht. Ab diesen Zeitpunkt konnte ich mit der Story immer weniger anfangen.
Rebecca F. Kuang spielt mit allen möglichen Klischees aus der Welt des Verlagswesens. Ich frage mich allerdings, ob man die amerikanische Buchbranche mit der deutschen oder europäischen vergleichen kann?
Außerdem widmet sich die Autorin Themen wie Rassismus, Geschlechterstereotypen und kulturelles Eigentum. Sie hält der heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor, die sich oftmals alleine durch die Medien ihre eigene Meinung bildet und nichts hinterfragt. Fake News und Hasskommentare sind leider keine Seltenheit, sondern findet man täglich auf allen Plattformen.
Gefallen hat mir der Blick hinter die Kulissen der Verlagswelt und wie entschieden wird, ob ein Buch zum Besteller wird. Der Druck auf Autoren und Lektoren, das ganze drumherum, wie die Präsenz in den Medien und Diskussionen um den Inhalt der Geschichte zerlegt wird, fand ich interessant. Die Frage, ob nur asiatisch stämmige Menschen über die asiatische Geschichte schreiben dürfen und ob alles andere kulturelle Aneignung ist, hat mich etwas nachdenklich zurückgelassen.
Ich muss aber gestehen, dass ich manchmal dieses Thema zu übertrieben finde, denn dann dürften sehr viele Autor:innen ihre Bücher nicht veröffentlichen. Vor allem auch im Krimi- und Thrillergenre frage ich mich, wie man das auslegen sollte/könnte... und seien wir ehrlich...was wäre die Buchwelt ohne Winnetou oder Kinder-Fantasy wie Peter Pan oder Momo? Wenn man es genau nimmt, könnte man ja auch im Fantasybereich nicht darüber schreiben, was nicht der "Wahrheit" entspricht. Bücher sind doch dazu da in andere Welten abzutauchen!
Ich muss aber gestehen, dass ich manchmal dieses Thema zu übertrieben finde, denn dann dürften sehr viele Autor:innen ihre Bücher nicht veröffentlichen. Vor allem auch im Krimi- und Thrillergenre frage ich mich, wie man das auslegen sollte/könnte... und seien wir ehrlich...was wäre die Buchwelt ohne Winnetou oder Kinder-Fantasy wie Peter Pan oder Momo? Wenn man es genau nimmt, könnte man ja auch im Fantasybereich nicht darüber schreiben, was nicht der "Wahrheit" entspricht. Bücher sind doch dazu da in andere Welten abzutauchen!
Das Ende fand ich etwas dünn und nichtssagend nach all den vielen Themen, die die Autorin aufgemacht hat. Außerdem haben wir es wieder mit einem (kleinen) offenen Ende zu tun, welches aber für mich in Ordnung ging.
Cover:
von links nach rechts:
das einzige Cover, welches nicht genauso aussieht, wie alle anderen, ist das indonesische. Es wirkt ähnlich einem Manga, aber mir gefällt es sehr gut. Sonst wurde bei allen Übersetzungen dasselbe Cover verwendet. Hier seht ihr noch das portugiesische und das englischsprachige Originalcover.
Fazit:
Wirklich überzeugt hat mich der gehypte Roman leider nicht, aber ich bin trotzdem froh, dass ich ihn jetzt gelesen habe. Die Autorin bringt viele interessante Themen zur Sprache und lässt uns hinter den Vorhang der Verlagswelt schauen.
















Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenSchade dass es dich nicht so mitnehmen konnte -mich hat die Geschichte sehr begeistern können!
Mich stört auch nicht, wenn eine Protagonistin mal nicht so sympathisch rüberkommt, ich fiebere dann trotzdem mit und ich fand es hier schon sehr spannend, wie sich alles entwickelt.
Auch die Verlagswelt - vielleicht mag es überzogen sein in dieser Geschichte, aber ich denke, da sind (leider) einige wahre Kerne dabei.
Wer was schreiben darf ist auch eine interessante Frage. Das wurde ja schon mal thematisiert (vor Jahren irgendwo, ich weiß es nicht mehr genau) und es scheint ein heikles Thema zu sein.
Fantasywelten oder Thriller ... hier muss oder sollte dann doch die Fantasy benutzt werden *lach* Aber bei Kultur und ähnlichem wird halt doch anders gedacht, auch weil es einfach schwierig ist, sich in eine andere Kultur hinein zu versetzen wenn man nicht darin aufgewachsen ist. Für mich eigentlich unmöglich. Genauso wie man sich nie in einen anderen Menschen komplett hineinversetzen kann. Man hat nie die gleichen Familien, Erfahrungen, Freunde etc., also kann man es zwar versuchen und natürlich auch mitempfinden, aber nie so richtig...
Liebste Grüße, Aleshanee
Liebe Aleshanee,
Löschenmich stört es meistens auch nicht wirklich, wenn die Protagonisten unsympathisch sind. Hier hat es mich auch nicht wirklich gestört.
Ja, da hast du recht, dass es sehr schwierig ist, sich in eine andere Kultur hineinzudenken. Für mich auch sehr schwer nachvollziehbar. Manchmal fängt es ja schon bei Kleinigkeiten an, die für die Bewohner dieses Landes selbstverständlich sind und man als Außenstehender ganz anders empfindet oder nicht kennt. Hier muss man als Autor auch gut recherchieren oder sich mit Personen aus diesem Land oder Kulturkreis auch befassen und zusammenarbeiten...sonst wird es schwierig.
Ich fand die Geschichte interessant, aber den Hype konnte ich nicht nachvollziehen.
Liebe Grüße
Martina
Hypes kann ich prinzipiell nicht so gut nachvollziehen :D Das wirkt für mich immer sehr forciert - von den Verlagen aus und von der Community, so heißen für mich klingt das alles immer nach extremer Werbung. Ich mache ja um Hype Bücher auch eher einen Bogen. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich Hypes oft gar nicht mitbekomme ;)
LöschenHallo Martina,
AntwortenLöschenich habe mir fest eingebildet, dass ich hierzu schon etwas kommentiert habe.
Bei dem Buch weiß ich auch nicht, ob ich dazu greife oder eher nicht. Denn dieser Blick in das Verlagswesen wäre schon sehr interessant. Genauso wie auch die Ausgangslage ihren Reiz hat. Aber im Endeffekt scheinen dann doch viele Punkte auf, die mir weniger zusagen. Da bin ich nach wie vor unschlüssig.
Liebe Grüße
Nicole
Genau das waren auch meine Punkte, die mich am Buch interessiert haben. Es ist einmal etwas anderes und ich finde es gut, dass dieses Thema/diese Themen auch angesprochen werden. Trotzdem hatte ich mir mehr erwartet. Aber die Geschichte hat sehr viele verschiedene Bewertungen...ich denke, man muss selbst herausfinden, ob man sie mag.
LöschenLiebe Grüße
Martina
Ich habe das Buch kürzlich beendet und bin ehrlich gesagt unschlüssig, was ich davon halten soll. Was genau möchte die Autorin damit sagen? Ich glaube, sie hat eine tolle Chance verpasst, aber darüber muss ich noch etwas nachdenken.
AntwortenLöschenAls jemand, der in der Buchbranche arbeitet, kann ich Dir sagen, dass die Autorin genau richtig liegt. In Deutschland ist es nicht so groß wie in Amerika, da hier auch die Absatzzahlen kleiner sind, aber man könnte die Geschichte genauso auch in Deutschland finden, leider auch das Verhalten in Social Media und Co oder das Konkurenzverhalten (abseits von -ismussen und damit).
Ich habe den Roman gern gelesen, da flogen die Seiten nur so vorbei. Aber dennoch verstehe ich einige Details nicht recht. Schwierig. Allen unschlüssigen Lesern sei gesagt: Einfach mal reinlesen. :)
Deinen letzten Satz kann ich unterstreichen - es sollte jeder einfach mal reinlesen und entscheiden.
LöschenLiebe Grüße
Martina
@Soleil: Ich finde dass man da doch recht gut rauslesen kann, was sie uns sagen / zeigen möchte: wie es in der Autoren- und Verlagswelt zugeht. Und das viele Entscheidungen schwierig sind und viele Verhaltensweisen heutzutage auch... Was darf man sagen, was darf man schreiben, wer darf über was schreiben ... ich hab hier viele Sachen zum Nachdenken für mich mitnehmen können - und hab auch den Einblick in die Verlagswelt interessant gefunden.
Löschen@Martina: Das ist ohnehin immer das Beste. Man merkt ja meist schnell, ob einem der Text zusagt oder nicht. :)
Löschen@Weltenwanderer: Das sind Themen, die sie anspricht - und ja, die sind klar erkennbar. Ich finde persönlich, dass die Autorin das gut getroffen hat. Aber das Thema an sich, was sie selbst als Autorin aussagen möchte (sogar was sie selbst als Autorin des Buches über die einzelnen Punkte denkt), das ist für mich nicht klar erkennbar. Und das könnte es auch sein, was manche Leser mit "hat mich nicht richtig abgeholt" und ähnlichem meinen. Und dann haben wir da noch dieses überaus reißerische Cover ... Ich brings einfach nicht richtig zusammen. Vielleicht ist ja auch das von ihr gewollt ... wer weiß. Eine Rezension zu schreiben, finde ich aber gerade nicht einfach. ;-)
Ich finde es eigentlich ganz gut, dass gerade hier die Autorin sich soweit zurückhält, dass man manchmal eben nicht genau weiß, was sie genau darüber denkt - und somit es uns beim lesen überlässt, eine Meinung zu bilden ohne von ihr hier "beeinflusst" zu werden.
LöschenEschbach macht das in seinen Büchern auch immer sehr gut. Man weiß zwar schon oft in welche Richtung es tendiert, er überlässt es aber mir, was ich mir da raus hole.
Bei Kuang hab ich da aber schon teilweise zwischen den Zeilen lesen können, was sie darüber denkt
Liebe Martina
AntwortenLöschenGerade, weil dir das Buch nicht so gut gefallen hat, hast du mich neugierig gemacht ;-) Hinter die Kulissen der Verlagswelt blicken möchte ich auf jeden Fall und das hast ja nicht nur du gelobt, das ist in einigen Rezensionen ganz positiv beschrieben worden.
Deine Kritikpunkte kann ich zwar gut nachvollziehen, ich denke aber, dass da auch vieles Geschmacksache ist, respektive, dass wir alle auch unterschiedliche Themen unterschiedlich werten und mögen. Deshalb würde mich das Buch schon sehr interessieren... Mal sehen, ob und wann es hier einziehen darf :-D
Alles Liebe für dich
Livia
Liebe Livia,
Löschenda hast du sicher recht und deshalb sind die Meinungen auch so unterschiedlich.
Ich fand das Buch nicht schlecht...wirklich nicht! Ich fand das Thema super und war einfach gespannt, wie die Autorin es umsetzen wird. Den Hype darum kann ich trotzdem nicht nachvollziehen ;)
Aber alleine die vielen Kommentare hier zum Buch lassen erkennen, dass es auf jeden Fall Thema ist und auch noch bleibt.
LG Martina