Dunkelnacht - Kirsten Boie

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    • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
    • Verlag: Verlagsgruppe Oetinger Service GmbH - First Order; 2. Edition (6. Februar 2021)
    • ISBN-10 : 3751200533
    • ISBN-13 : 978-3751200530
    • Genre: Novelle, #gegendasvergessen, Jugendbuch



Oetinger Kurzbeschreibung:
„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“ April, 1945. Alle spüren, dass der Krieg und die fürchterliche Ideologie der Nationalsozialisten kurz vor dem Ende stehen. Doch in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, ereignet sich das dunkelste Kapitel der damals noch jungen Stadt Penzberg in Bayern. Denn während der einst von den Nazis abgesetzte Bürgermeister zurück ins Rathaus zieht, erlässt die Wehrmacht den Befehl, alle Widerständler sofort hinzurichten. Und zwischen allen Fronten stehen die Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Diese Novelle von Kerstin Boie hat mich ziemlich sprachlos zurückgelassen. Ich lese eigentlich sehr viel zum Thema Erster und Zweiter Weltkrieg und war gespannt, wie das Thema in diesem Jugendbuch umgesetzt wurde. Es ist auch nicht mein erstes Jugendbuch #gegendasvergessen, aber außer meinem Highlight von Anja May "Am Ende dieses Jahres" (große Leseempfehlung!) aus dem Jahre 2016 hat mich selten ein Buch für Jugendliche so intensiv beschäftigt - und das trotz der nur 122 Seiten.

Die Autorin erzählt über eine wahre Begebenheit, vermischt mit teilweise fiktiven Figuren, die sich am Ende des zweiten Weltkrieges in Penzberg, einer Kleinstadt in Bayern, zugetragen hat. Dies macht die Geschichte umso schrecklicher und lässt einem am Ende fassunglos zurück.

Die Penzberger Mordnacht ereignet sich vom 28. auf den 29. April 1945 - zwei Tage vor Hitlers Selbstmord und wurde großteils von der Organisation Werwolf durchgeführt. Diese Untergrundbewegung hat nach der Niederlage Nazi-Deutschlands Sabotage-Akte, Anschläge und Attentate begangen. In Penzberg wütete die Einheit "Werwolf Oberbayern" aber ganz besonders schlimm..

Kirsten Boie erzählt im Präsens aus der Sicht von Marie, Schorsch und Gustl, aber auch durch die Augen andere Bürger des Ortes. Nur kurz musste ich mich an den Schreibstil gewöhnen, doch danach wurde ich richtig in die Geschichte gezogen. Trotz der Nüchternheit, die die Autorin als Ausdruck gewählt hat, erlebt man diese furchtbaren Taten hautnah mit. Man fühlt sich als Beobachter, der sich mitten im Geschehen befindet und sprachlos dem Morden zusieht. Die eher sachliche Erzählung nimmt einem trotzdem richtig mit, den Kirsten Boie hat darin so viele Gefühle gepackt, dass mir ein zu emotionaler Schreibstil zu viel gewesen wäre. Ich fand es bereits in dieser gewählten Schriftform grausam genug. Kirsten Boie versetzt den Leser vielmehr in eine brutale Realität, die damals stattgefunden hat und von der kaum jemand etwas weiß. Im Nachwort geht die Autorin auf die Folgen dieser Mordnacht ein und hat mich erschütternd und wütend zurückgelassen.

Die Novelle ist in zwei Abschnitte geteilt. Im ersten Teil sind wir tagsüber in Penzberg, im zweiten Abschnitt befinden wir uns in der berüchtigten Mordnacht. Die Kapitel sind sehr kurz und wechseln zwischen verschiedenen Perspektiven. Durch die Personenangabe und den Zeitpunkt darüber, kommt es zu keinen Verwirrungen. Es finden viele Dialoge statt, die der Geschichte noch mehr Authentizität gibt.

Keine leichte Kost! Ich würde die Altersangabe von ab 15 Jahren auf jeden Fall einhalten. Es ist ein anspruchsvolles Jugendbuch, das auch für Erwachsene gut lesbar und ein Playdoyer #gegendasvergessen ist. Ein dünnes Buch mit sehr viel Intensität, das einem fassunglos zurücklässt. Schockierend und lehrreich! Ich würde "Dunkelnacht" als Schullektüre für die Oberstufe sehr empfehlen!

Fazit:
Geballtes Grauen auf wenig Seiten! Eine wahre Begebenheit, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges in einer kleinen bayrschen Stadt passiert ist. Ein Jugendbuch, das ich in der Oberstufe als Schullektüre empfehlen würde. Großartig erzählt und sehr intensiv! Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Oetinger Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

3 Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    dieses Buch von Kirsten Boie kannte ich noch gar nicht. Meine Tochter hat in ihrer Kindheit die Bücher der Autorin geliebt, und auch ich habe sie gerne gelesen. Darum werde ich mir auch dieses Buch näher ansehen. Hier wagt sich Kirsten Boie ja an ein ziemlich ernstes Thema, und da ich weiß, dass die Autorin eine großartige Erzählerin ist, hat mich deine Rezension auch gleich gepackt.
    Liebe Grüße
    Susanne

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  2. Liebe Martina,
    ich hab jetzt allein schon von deiner Beschreibung eine Gänsehaut. Was am Ende dieses fürchterlichen Krieges noch alles an Gräueltaten passiert ist... es nimmt mich einerseits sehr her (u.a. auc, weil meine Tante im April 45 beim letzten Luftangriff über Wien mit 16 Jahren ums Leben kam), andererseits finde ich es wie du sehr wichtig, dass es den folgenden Generationen weitergegeben wird. Denn inzwischen ist der WK II für viele fast schon zu einem "Märchen von früher" geworden. Und wenn sich keiner mehr daran erinnert oder davor warnt, besteht umso mehr die Gefahr, dass sich die Ereignisse wiederholen...
    Schönes Frühlings-Wochenende und alles Liebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/03/ausflug-nach-loretto-und.html
    PS: Ich glaube, beim aktuellen Wetter kannst du dir schon viel eher vorstellen, wie es im Dirndltal blüht, gell? Die Marillenblüte in der Wachau verpasse ich übrigens auch immer...

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  3. Liebe Martina

    Das klingt nach einem Buch, das ich sehr gerne als Schullektüre gelesen hätte und das ich mir definitiv vormerken werde. Das klingt nämlich spannend und auch sehr grausam, aber um so wichtiger.

    Alles Liebe an dich und danke für den Tipp
    Livia

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