Ein Leben mehr - Jocelyne Saucier



    • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
    • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 4 (8. August 2015)
    • ISBN-10: 3458176527
    • ISBN-13: 978-3458176527
    • Originaltitel: Il pleuvait des oiseaux
    • Genre: Gegenwartslisteratur


Insel Verlag Kurzbeschreibung: 
Dies ist die Geschichte von drei alten Männern, die sich in die nordkanadischen Wälder zurückgezogen haben. Von drei Männern, die die Freiheit lieben. Eines Tages aber ist es mit ihrer Einsiedelei vorbei. Zuerst stößt eine Fotografin zu ihnen, sie sucht nach einem der letzten Überlebenden der Großen Brände, einem gewissen Boychuck. Kurze Zeit später taucht Marie-Desneiges auf, eine eigensinnige, zierliche Dame von achtzig Jahren. Die Frauen bleiben. Und während sie dem Rätsel um Boychucks Überleben nachgehen, entsteht etwas unter diesen Menschen, das niemand für möglich gehalten hätte.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge 2016

Meine Meinung:
Fernab der Zivilisation, in den tiefen Wäldern Kanadas, beschließen drei alte Männer ihren Lebensabend zu verbringen. Charlie, Ted oder Ed oder wie auch immer er in Wirklichkeit heißen möge, genannt Boychuck, und Tom haben sich, jeder für sich alleine, eine Hütte auf einer Lichtung unweit eines Sees gebaut. Hier wollen sie ihren Lebensabend in Ruhe und Einsamkeit verbringen. Die einzigen Gefährten sind die drei Hunde der Männer.
Doch eines Tages stört eine unbekannte Frau die Idylle der Einsiedler. Es ist eine Fotografin, die auf der Suche nach Boychuck ist, der einer der letzten Überlebenden der Großen Brände anno 1916 ist. Sie arbeitet an einer Fotostrecke der noch lebenden Menschen, die damals Zeitzeugen des Unglückes waren. Doch Boychuck ist kurz vor ihrem Eintreffen verstorben. Charlie und Tom sind nicht besonders erfreut über den unerwarteten Besuch. Doch die Fotografin kommt wieder, denn Charlie und Tom faszinieren sie und nach einiger Zeit entsteht so etwas wie Freundschaft zwischen ihr und den Männern.
Außer der Fotografin wissen auch noch Steve, der ein Hotel in der Nähe betreibt und die notwendigsten Dinge für die alten Männer besorgt, sowie Bruno, der sie ihnen liefert, von den gut versteckten Hütten der Einsiedler. Und die Beiden nutzen den abgelegenen Ort auch auf ihre Weise....
Als Bruno eines Tages seine einundachzig jährige Tante mitbringt, die jahrzehntelang gefangen in einer Psychiatrie war, steht die Welt von Charlie und Tom plötzlich auf dem Kopf. Nun sind zwei Frauen in ihre "heile Welt" eingedrungen. Vorallem die einundachzig jährige Marie-Desneiges erweckt Charlies Beschützerinstinkt, der sie ein zerbrechliches Vögelchen nennt. Von nun an beginnt sich alles um Marie-Designes zu drehen.....

Die Geschichte ist sehr ruhig, hat aber jede Menge Atmosphäre. Boychuck und die großen Brände sind der rote Faden des knapp 200 Seiten dünnen Buches, das auf diesen wenigen Seiten sehr viel Inhalt und Lebensweisheit in sich birgt. Seite um Seite dringt der Leser, genauso wie die Fotografin, in das Leben der drei Männer ein. Puzzlestückchen um Puzzlestückchen erschließt sich uns die Vergangenheit rund um Boychuck, ebenso wie die Gedankenwelt der beiden verblieben Männer. Diese lieben ihre Einsiedelei und wollen einzig und allein ein selbstbestimmtes Leben führen. Selbst im Ernstfall möchten sie selbst über ihren Tod entscheiden. Denn mit über Achzig oder Neunzig ist der Tod ihr Kumpel, der sie täglich begrüßt und der sie dann mitnimmt, wenn es der richtige Moment für Charlie oder Tom sein wird. Und auch diesen Zeitpunkt wollen sie selbst bestimmen....

Obwohl dieses Buch ein wunderbares Thema beinhaltet, nämlich das Recht auf Selbstbestimmung und ich mich zwischen den Seiten sehr wohl fühlte, blieb bei mir nach all den überschwänglichen Meinungen der Wow-Effekt aus. Es wird sicherlich in meiner Erinnerung bleiben, aber für volle 5 Sterne reicht es bei mir leider nicht.....dafür drang es nicht ganz bis zu meinem Herzen durch.

Charaktere:
Während Charlie, eher stur, kauzig und eigenbrötlerisch, plötzlich sein Mitgefühl und so etwas wie Liebe verspührt, bleibt Tom nach einem eher ausschweifenden Leben eher distanzierter.
Die Fotografin ist eine Frau, die verbissen an der Darstellung der Einzelschicksale der Menschen während der großen Brände arbeitet. Diese Geschichte lässt sie einfach nicht los. Nicht umsonst bemängeln die Männer, dass sie nicht ihr eigenes Leben lebt, sondern sich nur mit fremden Menschen und deren Schicksale auseinandersetzt. Auch als Marie-Designes erscheint, widmet sie sich der lebensfremden älteren Dame. Diese lernt nach Jahrzehnte langem Aufenthalt in der Psychatrie sehr schnell sich mit dem Leben zu versöhnen und alles aufzuholen, was sie vermisst hat. Sie beginnt sich in der Abgeschiedenheit wohlzufühlen und genießt die Aufmerksamkeit rund um ihre Person.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Jocelyn Saucier ist poetisch, bildhaft und atmosphärisch dicht. Die Naturbeschreibungen sind sehr stimmungsvoll und anschaulich. 
Die Namen der erzählenden Personen sind zu Beginn jedes Kapitels als eine Art Überschrift angeführt. Diese erzählen aus der Ich-Perspektive. Außerdem gibt es noch einen Erzähler, der vor jedem Abschnitt den Leser in die jeweilige Lebensituation einführt und neue Personen vorstellt.  
  
Cover:
Das Titelbild finde ich äußerst gelungen. Das zerfurchte Charaktergesicht erzählt seine eigene Geschichte.

Fazit:
Ein sehr stimmungsvolles und atmosphärisches Buch, das auf wenigen Seiten mit viel Lebensfreude, die man auch im hohen Alter verspühren kann, glänzt. Sicherlich ein kleines Juwel, das mich jedoch nach all den euphorischen Rezensionen nicht auf voller Länge überzeugen konnte. Der letzte Funke sprang nicht über....aber vielleicht hatte ich einfach zu viel erwartet.



Mein Dank gilt dem Suhrkamp Verlag für die Bereitstsellung des Rezensionsexemplares!


4 Kommentare:

  1. Hallo Martina,

    schön, dass dir das Buch insgesamt gefallen hat, denn es steht recht weit oben auf meiner Wunschliste und ich werde die Erwartungen mal eine Spur runterschrauben.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  2. Hallo Martina! :)
    Ich habe das Buch vor kurzem ja auch gelesen und fand es ganz gut, der Wow-Effekt blieb bei mir aber ebenfalls aus. 4 Sterne konnte ich im Gesamten dann aber doch vergeben.
    Alles Liebe ♥,
    Janine

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  3. Hallo liebe Martina,

    Deine ist die erste Rezension, die ich zu diesem Buch lese, bin also noch völlig unvoreingenommen bei Dir gelandet :) aber was Du schreibst klingt wirklich nicht schlecht. Könnte mir gut vorstellen, dass dies auch ein Buch nach meinem Geschmack wäre.

    Liebe Grüße,
    Tanja ♥

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  4. Liebe Martina,

    da ich das Buch gerade gelesen habe, war ich neugierig auf deine Rezension. :) Mir hat auch besonders der Schreibstil sehr gefallen. Du beschreibst hier sehr schön, was das Buch auf seinen 192 Seiten alles zu bieten hat. :)

    Liebe Grüße
    Nicole

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