- Gebundene Ausgabe: 420 Seiten
- Verlag: Braumüller Verlag (9. März 2015)
- ISBN-10: 3992001296
- ISBN-13: 978-3992001293
- Genre: Krimi, historischer Krimi
Braumüller Kurzbeschreibung:
Wien, im Jahre 1888. Die Zeitungen berichten über die Toiletten der adeligen Damen und den Gesundheitszustand des Kaisers. Eine Prostituierte wird brutal ermordet, dann ein bekannter Arzt. Dessen Kollege Dr. Richard Rollet beteuert seine Unschuld. Und wird doch zum Tod durch den Strang verurteilt. Nur Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht an die Schuld des angesehenen Mediziners und ermittelt gegen den Willen seiner Vorgesetzten in jenen Kreisen der Wiener Gesellschaft, die der Bezeichnung "die Besten" nicht immer gerecht werden. Gut drei Jahrzehnte später finden wir uns in London wieder. Ein rätselhaftes Paket mit indischem Poststempel birgt die Tagebuchaufzeichnungen des mutmaßlichen Doppelmörders. Der Adressat, Georg, der in ziellosem Müßiggang die Schrecken des Großen Krieges zu vergessen sucht, taucht in das verworrene und bruchstückhafte Manuskript ein, um es zu einem Buch zu formen, um dem Leben und den Erlebnissen des Autors nachzuspüren und den grauenhaften Geschehnissen auf den Grund zu gehen....
Meine Bewertung: * * * undeinhalb
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
In einer Leserunde bei Lovelybooks durften wir gemeinsam mit dem Autor Thomas Beckstedt seinen Roman lesen und mitdiskutieren. Es war eine sehr lebhafte Leserunde und es gab viel zu besprechen...denn für diese Lektüre sollte man sich wirklich Zeit nehmen....
Dieses Werk ist außerdem sehr schwer in ein Genre einzuordnen. Ich erwartete mir einen historischen Thriller, wie am Buchcover angezeigt, doch ich finde die Geschichte entspricht eher einer düsteren Erzählung oder eines historischen Krimis, da richtige Thrillerspannung erst kurz zum Schluss aufkommt.
Das Buch ist in zwei Zeitebenen gegliedert, wobei eine im titelgebenden Jahr 1888 spielt. In diesem Teil wird ein gewissser Dr. Richard Rollet des Mordes an seinem Arztkollegen Dr. Lafitte und einer Prostitutierten angeklagt. Er wird verurteilt, doch Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht wirklich an seine Schuld und ermittelt auf eigene Faust.
Der zweite Teil spielt ungefähr 35 Jahre später in den Jahren 1922/23. Unser Protagonist Georg erhält mysteriöse Post aus Indien von eben diesen, damals angeklagten Freund Richard Rollet, der ihn bittet, seine Aufzeichungen, die er im Gefängnis geschrieben hat, zu sortieren und zusammenzufassen. Georg hat den ersten Weltkrieg hinter sich und trägt seitdem einge körperliche und seelische Makel mit sich herum. Das Geschäft seiner Eltern hat er nicht übernommen und nach deren Tod alles verkauft. So lässt es sich mit all dem Geld aus dem Verkauf ganz gut leben....aber nicht zuhause in Deutschland, sondern in London. Dort ist es allerdings nach dem Krieg deutlich besser sich als Schweizer und nicht als Deutscher auszugeben. Als er das Manuskript seine Freundes Rollet erhält, vertieft er sich mit großem Interesse in die Tagebuchaufzeichnungen. Doch dem Skriptum fehlen einige Seiten, was wiederum Georg keine Ruhe lässt. Deshalb verlässt er London und reist nach Wien, dem damaligen Tatort. Die Zeit hat viele, jedoch nicht alle, Spuren ausgelöscht. Und so sucht auch georg nach Antworten auf seine Fragen. Je länger sich Georg mit den Aufzeichnungen beschäftigt, umso mehr verliert er seinen Bezug zur Realität.....
Die Abschnitte aus dem Jahre 1888 in Wien und die Ermittlungsarbeit von Johann de Vries fand ich spannend und gelungen. Man erfährt sehr viel über das Wien der damaligen Zeit, aber auch in der zweiten Zeitebene Anfang der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Beckstedt versteht es sehr gut mit seinem außergwöhnlichen Schreibstil die Seele Wiens in der Zeit zwischen den zwei Kriegen einzufangen.
Mit den Abschnitten rund um Georg konnte ich mit der Zeit leider immer weniger anfangen. Georg war mir nicht wirklich sympathisch. Ein Lebemann, der sich nur mit Prostituierten abgibt; ein Mensch, der sich mit Tabak, Alkohol und anderen Rauschsubstanzen immer mehr in eine Art Zwischenwelt katapultiert. Die Grenze zwischen seinem eigenen Leben und die des angeblichen Doppelmörders verblassen immer mehr und irgendwie scheinen diese immer mehr ineinander zu verschmelzen...Realität oder Wahnsinn ist hier immer mehr die Frage? Leider kam ich damit immer weniger klar. Gestört hat mich leider auch, dass nicht alles aufgeklärt wird und man sich am Ende doch noch einige Fragen stellt. Der Autor hat zwar durch eine Handlung Georgs gleich zu Beginn des Romans eine passende Erklärung dafür, die auch hervorragend passt, aber besonders bei Krimis und Thriller mag ich es nicht wirklich, wenn zu viele Fragen offen bleiben. Ein sehr anspruchsvoller Kriminalroman, der mich allerdings, wie unseren Protagonisten Georg, des Öfteren an meine Grenzen brachte.
Schreibstil:
Der Kriminalroman lebt und besticht durch den besonderen Schreibstil des Autors. Thomas Beckstedt schreibt einfach genial...das muss ich ihm lassen! Besonders durch die eingeschobenen Gedanken des Erzählers, die der Autor in kursiver Schrift und in Klammer gesetzt hat, entspricht dieser Roman keinem gängigen Werk. Hier liegt einiges an Humor verborgen und hat mich den Personen näher gebracht. Man nimmt deshalb auch die Gefühle und Gedankengänge des Erzählers besser wahr.
Auch der Perspektivenwechsel zwischen der dritten Person und der erzählenden ersten Person ist gelungen, wenn auch fast ineinader fließend.... Man merkt auch die sehr gute Recherchearbeit des Autors.
Cover:
Das Cover ist düster, wie die gesamte Werk und gefällt mir sehr gut.
Fazit:
Ein etwas anderer Kriminalroman, düster und grenzenlos. Die Geschichte besticht durch den besonderen und großartigen Schreibstil des Autors. Leider wurde ich aber mit dem Protagionisten in der zweiten Zeitebene nicht warm und konnte sein Handeln überhaupt nicht nachvollziehen. Die Ermittlungsarbeit in der ersten Zeitebene gefiel mir allerdings sehr gut.
Vielen Dank an den Braumüller Verlag für das Rezensionsexemplar und an den Autor Thomas Beckstedt für die sehr innovative und interessante Leserunde!
















Hallo Martina,
AntwortenLöschendas scheint dann doch eine eher anspruchsvolle Lektüre zu sein bzw. braucht man wohl Zeit dafür. Eigentlich hätte ich mir hier auch einen historischen Krimi erwartet. Trotzdem macht mich deine Rezi jetzt noch neugieriger auf das Buch, Zeit wird's dass es hier einzieht.
Liebe Grüße,
Nicole
Ja, es ist anspruchsvoll und ich habe den Fehler gemacht ein Buch dazwischen zu schieben, weil ich die Letzte bei der LR war, die das Buch erhalten hat und fast alle schon fertig waren.....so musste ich das andere Buch eben kurz dazwischenlesen. Aber es hat mich auch nicht so gefesselt, wie erwartet. Egal, der Schreibstil des Autors ist auf jeden Fall das lesen ert! Grandios!
LöschenLiebe Grüße
Martina
Das Cover finde ich ja total toll - deshalb steht das Buch schon länger auf meiner Wunschliste - jetzt bin ich ein bisschen skeptisch.... Aber ich glaube, ich werde mal in eine Leseprobe reinlesen. Schade, dass es dich nciht in allen Zeitebenen fesseln und packen konnte.
AntwortenLöschenLG Sabine