- Taschenbuch: 400 Seiten
- Verlag: Ullstein Taschenbuch (9. Oktober 2015)
- ISBN-10: 354828714X
- ISBN-13: 978-3548287140
- Genre: historischer Roman
Ullstein Kurzbeschreibung:
Österreich-Ungarn im 15. Jahrhundert. Sie ist die letzte Hoffnung für die ungarische Krone: Helene, die Kammerfrau der Königin Elisabeth. Als der König stirbt und die hochschwangere Königin vor dem aufständischen Adel fliehen muss, nimmt Helene die heilige Stephanskrone - die kostbare Insignie der ungarischen Könige - an sich. Eine gefährliche Reise durch das Land beginnt. Helenes Ziel: Die Donaustadt Komorn, in der Elisabeth sie erwartet, um ihren neugeborenen Sohn zum neuen Herrscher zu krönen. Kann Helene die Hoffnungen ihrer Königin erfüllen und ihr die Krone bringen?
Meine Bewertung: * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Darum geht's:
Die junge ungarische Witwe Helene Szekeles soll nach Ablauf des Trauerjahres wieder verheiratet werden. Ihr Vater hat mit dem Domprobst in Wien ein Abkommen geschlossen, dass die Heirat mit seinem Kammerherrn Johann Kottaner, sobald wie möglich stattfinden soll. So reist Helene mit ihrem Sohn Matthias nach Wien. Kaum in der Hauptstadt des Habsburger Reiches angekommen, erfährt sie, dass sie nicht nur einen ihr fremden Mann das Ja-Wort geben, sondern auch bei Herzogin Elisabeth von Luxemburg als Kinderfrau für ihre Tochter arbeiten soll. Elisabeth braucht unbedingt eine Vertraute und stellt Helene zusätzlich als Kammerfrau ein, wenn sie ihr darüberhinaus noch einen Treue-Eid leistet. Helene bleibt keine Wahl und besiegelt damit ihr Schicksal......
Meine Meinung:
Leider deckt sich der Klappentext bzw. die oben angegebene Inhaltsangabe/Kurzbeschreibung nicht ganz mit dem Inhalt des Buches. Dieser beschreibt eher die letzten 50 Seiten des Buches. Doch das störte mich nicht wirklich, denn die Geschichte der beiden Hauptprotagonistinnen ist auch vor dem spannenden Abschluss hervorragend erzählt. Man erfährt dadurch sehr viel über diese beiden sehr unterschiedlichen Charaktere, bis es zum finalen Showdown kommt, dem im Klappentext angekündigten Raub der Stephanskrone.
Die Leben der beiden Hauptprotagonistinnen kreuzt sich bereits kurz als Kinder. Bei einem geheimen Ausflug, der damals noch jungen Herzogin auf den Markt, verliert Elisabeth die Brosche ihrer Mutter, die sie heimlich genommen und aufgesteckt hat. Ein Mädchen mit wunderschönen blauen Augen übergibt ihr kurz nach ihrer Heimkehr das verlorene Schmuckstück. Elisabeth vergisst sich bei ihr zu bedanken, doch der Vorfall geht ihr nie mehr aus dem Kopf.
Als Helene als junge Witwe in die Hofburg geschickt wird, bemerkt Herzogin Elisabeth, dass die ihr zugeteilte Kinderfrau für ihre Tochter Elisabeth, jenes Mädchen von früher ist, das ihr ihre verlorene Brosche zurückgegeben hat. Sie erkennt, dass sie Helene vertrauen kann und stellt sie zusäzlich als ihre Kammerfrau und engste Vertraute ein, wobei sie Helene einen Treueeid schwören lässt.
Im Laufe der Handlung erfahren wir nun mehr aus dem Leben der beiden Frauen. Helene, deren erster Mann gewalttätig war und sie und Matthias schlug, hat ihr Selbstvertrauen zerstört. Sie fürchtet sich vor der neuen Ehe, doch Johann Kottaner ist ein herzensguter Mensch. Er verliebt sich in Helene und nimmt sich besonders Matthias an, da er erkennt, dass ihm seine Mutter nicht genug Liebe geben kann.
Elisabeths Ziel ist die Krone. Sie ist machthungrig und will Königin werden und endlich den männlichen Nachfolger gebären. Dazu sind ihr alle Mittel recht. Der Hass auf ihre Mutter, Barbara von Cilli, eine Okkultistin und Alchemistin, aber auch politisch sehr engagierte Frau, wird hier immer wieder hervorgehoben. Ging es doch in dieser Zeit um die Vorherrschaft im pannonischen Raum. Albert, Elisabeths Ehemann, wurde vorallem in Prag bekämpft. Im Roman erfahren wir nun von all diesen Macht- und politischen Ränkespielen um den Thron. Die Verwicklungen und Machenschaften sind zwar Teil der Geschichte, nehmen aber nicht den ganzen Raum ein. Die Autorin versteht es sehr gut, neben den beiden Frauenschicksalen, den politischen Aspekt nur soweit einzubringen, wie es notwendig ist. Beate Maly hat hier gekonnt Wahrheit und Fiktion miteinander verknüpft. In diesem Roman kommt der historische Hintergrund mehr zum Tragen, als in den Büchern der Autorin, die ich bisher gelesen habe.
Da ich vom Raub bisher noch nichts gehört hatte, (ja, ich gebe es zu) war dieser Aspekt für mich zuerst fast zu weit hergeholt. Mit Erstaunen las ich, dass diese Geschichte wirklich passiert ist. Tja, oft schreibt das Leben unwahrscheinlichere Geschichten, als man sich ausdenken kann!
Schreibstil:
Ich mag den flüssigen Schreibstil der Autorin sehr und den Bezug zu unserer Bundeshauptstadt Wien. Auch in diesem Buch wurden wieder Straßen und Ecken von Wiens erstem Bezirk so bildhaft beschrieben, dass man glaubt, selbst durch die historischen Gassen zu laufen.
Charaktere:
Helene ist anfangs eine noch verschüchterte Frau, deren Selbstvertrauen stark unter der Brutalität ihres ersten Mannes gelitten hat. Sie ist loyal und ein Eid ist für sie zwingend bindend. Helene war mir nicht immer sympathisch, aber sie hat das Herz auf dem rechten Fleck und entwickelt sich in der Geschichte weiter.
Elisabeth ist die Machtbesessene. Für sie zählt niemand, außer sie selbst und die Krone. Sie ist herzlos und nimmt sich, was sie bekommt, ohne mit der Wimper zu zucken. Eine äußerst unsympathische Frau, mit der ich überhaupt nicht warm wurde. Zwei sehr unterschiedliche, aber starke Persönlichkeiten, was für diese Zeit nicht selbstverständlich war.
Fazit:
Ein historischer Roman, der von der starken Lebensgeschichte zweier Frauen und Schicksale lebt. Der wahre politische und geschichtliche Hintergrund wurde mit fantasievollen Ideen der Autorin ausgeschmückt. Für Historienfans zu empfehlen!
Ich danke der Autorin Beate Maly und den Ullstein Verlag für das Reziexemplar!
















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