Die Salbenmacherin - Silvia Stolzenburg



    • Broschiert: 505 Seiten
    • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 1., 2015 (5. August 2015)
    • ISBN-10: 3839217318
    • ISBN-13: 978-3839217313
    • Genre: Historischer Roman 



Gmeiner Kurzbeschreibung: 
Als die sechzehnjährige Olivera aus Konstantinopel ihren Vater mit einer List dazu bringt, sie mit einem seiner Handelspartner zu verheiraten, ahnt sie nicht, welche lebensverändernden Folgen dies haben wird. Schon bald nimmt sie Abschied von der Heimat und bricht mit ihrem Gemahl auf zu einer langen Reise ins ferne Tübingen. Dort angekommen stößt sie nicht nur auf das Misstrauen der Einheimischen, auch ihr Liebster scheint sich mehr und mehr zu verändern. Es dauert nicht lange, bis Olivera herausfindet, dass er ein furchtbares Geheimnis hütet. Ihre Entdeckung bringt nicht nur sie in höchste Lebensgefahr …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Darum geht's: 
Das Jahr 1408: Die blutjunge Olivera lebt in Konstantinopel und ihr größter Wunsch ist es, endlich verheiratet zu werden. Sie hat ein Auge auf Laurenz aus dem fernen Tübingen geworfen, einen Geschäftspartner ihres Vaters, der mit Reliquien handelt. Als die Hochzeit zustande kommt, bricht Olivera auf ins ferne und düstere Deutschland. Statt dem gewünschten aufregenden Leben als Salbenmacherin, erfährt sie Anfeindungen wegen ihres fremdländischen Aussehens und ihrer Andersartigkeit. Auch ihr Ehemann scheint plötzlich Geheimnisse vor ihr zu haben und seine Launen werden immer schlimmer. Zur selben Zeit erlebt die Stadt eine Mordserie, die den Einwohnern das Fürchten lehrt......

Meine Meinung:
Mit Olivera haben wir eine sehr junge und naive Hauptprotagonistin, deren sehnlichster Wunsch, einen Ehemann zu finden, ist. Auf der anderen Seite ist sie aber gebildet, kann lesen und ist eine selbstbewusste junge Frau, die sich für Medizin interessiert. Im fernen Konstantinopel hilft sie ihrer geliebten Großmutter bei der Salbenherstellung. Diese verfügt über ein sehr großes Wissen über Kräuter und deren Wirkung. Geblendet von der vermeintlichen Liebe zum Reliquienhändler Laurenz will sie Konstantinopel verlassen und mit ihm nach Deutschland ziehen. Ihr Vater erkennt den Vorteil der Verehelichung seiner Tochter mit seinem Handelspartner und stimmt der Ehe zu.

Der Weg von Konstantinopel nach Tübingen wird so bildhaft und lebendig beschrieben, dass man denkt, man sucht gerade selbst eine Unterkunft in einer heruntergekommenen Wirtschaft oder steht auf einem schlingernden Handelsschiff. Die Schilderungen der Lebensumstände zur damaligen Zeit sind sehr gut beschrieben. Auch die Gegenüberstellung des hellen und sonnigen Konstantinopels, seinen Gerüchen nach Gewürzen und dem Hafen zum dunklen, gerade winterlichen kalten Tübingen mit seinen finsteren Häusern und dem Aberglauben der Menschen gegenüber jeder Fremdartigkeit, wirkt leider auch heute noch sehr realitätsnah. Besonders die Anfeindungen gegen Olivera wegen ihrer Andersartigkeit könnte genausogut in einem zeitgenössischen Roman enthalten sein.

Neben dem Fremdenhass steht vorallem die medizinische Lehre und der Reliquienhandel im Vordergrund. Welches Ausmaß dieser mit sich bringt, sowie die Gier nach immer mehr und mehr Geld und Macht, zeigen die brutalen Auswirkungen auf Laurenz Leben. Er begibt sich auf einen Weg, auf dem es kein Zurück mehr gibt und bringt nicht nur sich, sondern auch Olivera in Lebensgefahr.
Der historische Roman von Silvia Stolzenburg ist vielmehr ein blutiger historischer Krimi, der manchen Thriller in den Schatten stellt! Bei einigen Stellen braucht der "nicht geübte Krimileser" einen guten Magen! Die Macht der Kirche, ein Strudel aus Lügen und Geheimnissen und ein Mann, der über sämtliche Leichen geht, bringen teilweise ehr hohe Spannung in diesem historischen Roman.

Schreibstil und Charaktere:
Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar lebendig, detailliert, sowie anschaulich. Gleichzeitig hat sie sehr gut  recherchiert und bringt den Leser mit einigen medizinischen "Kenntnissen" aus dem Mittelalter wie der "Hysterike pnixaus" oder gutgemeinten Empfängnis- und Verhütungstipps zum Schmunzeln.

Unter den jeweiligen Kapitelnummern wird angegeben, ob wir uns in Konstantinopel oder in Tübingen (oder anderswo) befinden.
Auch die Charaktere sind wunderbar gezeichnet. Die Wandlung von Olivera vom naiven jungen Mädchens zu einer selbstbewussten Frau ist sehr eindringlich geschildert. Genauso wie die Ängste, die Laurenz quälen. Er blieb mir allerdings unsympathisch, während Oliveras Großmutter ein mir liebgewonnener Charakter wurde.

Fazit:
Ein spannender und ziemlich blutiger historischer (Kriminal-)Roman, der sich einem mir noch gänzlich unbekannten Thema widmet: dem Reliquienhandel. Wunderbare bildhafte Beschreibungen der damaligen Lebensumstände und der Gegend, sowie den Charakteren. Die Spannung bleibt größtenteils im Verlauf der ganzen Geschichte vorhanden. Für Historienfans, die es etwas blutiger mögen ;)


Vielen Dank an den
 
Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mit Nutzung der Kommentarfunktion akzeptierst du die Speicherung deiner Daten. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung dieses Blogs.

 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos