- Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
- Verlag: C. Bertelsmann Verlag (31. August 2015)
- ISBN-10: 3570102173
- ISBN-13: 978-3570102176
- Originaltitel: The Storyteller
- Genre: Roman
Bertelsmann Kurzbeschreibung:
Sage Singer ist eine junge Bäckerin. Sie hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und fühlt sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Um den Verlust zu verarbeiten, nimmt sie an einer Trauergruppe teil. Dort lernt sie den 90jährigen Josef Weber kennen. Trotz des großen Altersunterschieds haben Sage und Josef ein Gespür für die verdeckten Wunden des anderen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Josef ihr eines Tages ein lang verschwiegenes, entsetzliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem moralischen Dilemma: Denn wo befindet sich die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?
Meine Bewertung: schwache * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Darum geht's:
Die junge Sage ist seit dem Tod ihrer Mutter traumatisiert, denn sie lenkte damals den Unglückswagen und gibt sich die Schuld an deren Tod. Die Narbe im Gesicht verdeckt sie durch einen langen Pony, die im Herzen versucht sie in einer Trauergruppe zu überwinden. Dort lernt sie den über 90jährigen Josef kennen, der ihr ein folgenschweres Geheimnis erzählt und sie um einen Gefallen bittet, der sie in große Gewissenkonflikte stürzt.
Meine Meinung:
In einer gemeinsamen Blogger Leserunde haben wir den neuen Roman einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen durchgenommen. Ich liebe die kontroversen Themen, die die Autorin immer wieder in großartige Geschichten verpackt und mich damit fesselt. Leider ist dies bei ihrem neuen Roman nur teilweise gelungen.
In "Bis ans Ende der Geschichte" erzählt im ersten Handlungsstrang in der Gegenwart von Sage, einer sehr unsicheren jungen Frau, die sich die Schuld am Tod ihrer Mutter gibt. Die Narbe, die ihr geblieben ist, versteckt sie hinter ihrer Haarflut, sich selbst in einer Bäckerei. Das Gefühl für den Tod ihrer Mutter büßen zu müssen, da sie das Auto lenkte, in dem diese unkam, ist allgegenwärtig. Selbst in der Trauergruppe, die sie besucht, hört sie lieber zu, als etwas von sich seobst preiszugeben. Bis sie den über 90jährigen Josef Weber kennenlernt, der ihr aus seinem Leben erzählt und zugibt früher bei der SS gewesen zu sein. Er bittte sie, eine Jüdin, an Stelle vieler anderer, ihm zu vergeben und beim sterben zu helfen. Doch Sage nimmt Verbindung mit der Polizei auf und wird an eine Stelle verwiesen, die Naziverbrechen verfolgt. Der zuständige Sacharbeiter Leo Stein nimmt sich ihrer Anzeige an und beginnt nachzuforschen.
Und bereits bei diesen oben erwähnten Punkten begannen meine Probleme mit der Geschichte. Ein ehemaliger Naziverbrecher sucht bei einer einzigen Person um Vergebung und einen Art Erlass seiner Sünden? Etwas, das ich nicht nachvollziehen konnte, was aber am Ende der Geschichte geklärt wird. Sage's Verhalten sofort zur Polizei zu laufen, BEVOR sie sich überhaupt seine Geschichte angehört hat, konnte ich genauso wenig verstehen. Überhaupt wurde ich mit Sage nicht so richtig warm und konnte die meisten ihrer Verhaltensweisen so überhaupt nicht nachvollziehen.
Doch dann begann Handlungsstrang Nummer 2, der aus der Sicht von Minka, Sage's Großmutter, erzählt wurde. Die Geschichte von Minka, einer außergewöhnlich guten Schülerin, die ihren Vater abgöttisch liebt, hat mich sehr berührt. Sie ist ein junges Mädchen, das von einer Karriere als Schriftstellerin träumt, als die Verfolgung der Juden beginnt und auch das Leben sich in Lodz, Polen, durch die Nazis und den Zweiten Weltkrieg zu verändern beginnt. Lange wehrt sich Minkas Vater, der eine gutgehende Bäckerei führt, das Viertel zu verlassen, doch schlussendlich landen auch sie im Ghetto. Die Beschreibungen des Lebens hinter dem Stacheldraht und schlussendlich im Konzentrationslager Ausschwitz lässt absolut nichts aus. Picoult hat hier hervorragend recherchiert und erzählt aus zwei Sichten, nämlich aus der der Jüdin Minka und ihrer Freundin Darija und den Brüdern Franz und Reiner Hartmann, die der SS angehören. Der Schreibstil ist auf diesen 200 Seiten eher emotionslos, doch die brutalen Schilderungen aus dem KZ nahmen mich trotzallem ziemlich mit. Picoult beschönigt und verurteilt hier nicht, sondern erzählt Fakten bzw. eine Lebensgeschichte. Und diese packte mich ungemein und ist auch der Grund, dass der Roman von mir gerade noch 4 Sterne erhält.
Denn die Geschichte aus der Gegenwart konnte mich nicht wirklich fesseln und war zu vorhersehbar, zu übertrieben und meiner Meinung nach überhaupt nicht der Stil von Jodie Picoult!
Es gibt auch noch eine dritte Geschichte, die wie ein kurzer eingeflochtener Handlungsstrang wirkt. Dieser ist in kursiver Schrift dargestellt und erzählt eine brutale Geschichte eines Mädchens in Polen und zwei vampirartigen Brüdern. Erst mit der Zeit entdeckt man, dass dieses Art Märchen von Minka geschrieben wurde, das ihr hilft, das Leben im KZ zu überstehen.
So verknüpft die Autorin in drei sehr unterschiedlichen Erzählsträngen einen Roman, der von Opfern und Tätern erzählt.
Jodie Picoult ist auch dafür bekannt, dass ihre Bücher immer mit einem besonderen Knalleffekt enden. Dieser war mir diesmal zu vorhersehbar und wird meiner Meinung nach auch zu wenig begründet und erklärt. Hier hätte ich es besser gefunden, wenn die Autorin eine andere Lösung gefunden oder einfach auf einige Ereignisse verzichtet hätte.
Schreibstil und Charaktere:
Die beiden Hauptstränge unterscheiden sich sprachlich sehr. Während der Teil über den Holocaust eher einfach, aber sehr aussagekräftig war und mich fesselte, war der der Beginn und das Ende des Buches, das in der Gegenwart erzählt, zu unausgegoren und eher seicht....es fehlte mir an Tiefe. Die vorhersehbare Erzählweise erinnerte mich überhaupt nicht an den tollen und mitreißenden Schreibstil der Autorin, den ich sonst gewohnt bin.
So erging es mir auch mit den Charakteren aus dem Teil des Buches, der in der Gegenwart spielte. Ich wurde weder mit Sage so richtig warm, noch konnten mich die anderen Personen aus diesem Teil des Buches überzeugen.
Ganz anders jedoch der Rückblick in die Zeit des zweiten Weltkrieges. Mit Minka litt ich mit, zitterte vor Angst oder suchte nach einem Hoffnungsschimmer. Auch ihre Freundin Darija konnte ich mir bildhaft vorstellen. Dieser Part ist fesselnd und sehr berührend.
Bewundernswert finde ich die gute Recherche der amerikanischen Autorin, die das Thema Holocaust nicht wie wir allgegenwärtig hat, ebenso wie ihre gewohnte Sicht auf zwei Seiten und Meinungen, die nicht polarisieren.
Cover:
Die beiden englischsprachigen Cover sind in der Art und Weise wie das deutschsprachige, wobei auf dem Titelbild links ein Stacheldrahtzaun abgebildet ist, der ein bisschen die Thematik ankratzt....aber nur wenn man weiß, worum es in der Geschichte geht. So richtig gut gefällt mir keines des drei Cover, auch wenn ich farblich das deutsche Titelbild am schönsten finde.
Fazit:
Ein Buch, das mich zwiegespalten hat. Die Rahmenhandlung hat mich enttäuscht. Sie war vorhersehbar und emotionslos. Der Teil aus der Vergangenheit war berührend, fesselnd und sehr gut recherchiert. Meine Bewertung hat mir Kopfzerbrechen bereitet. Durch den Lieblingsautorstatus und der intensiven Holocaustgeschichte vergebe ich gerade NOCH vier Sterne.
Vielen Dank an den C.Bertelsmann Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!







































