- Taschenbuch: 272 Seiten
- Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1 (14. Juli 2015)
- ISBN-10: 3709978343
- ISBN-13: 978-3709978344
- Genre: Krimi, Regionalkrimi
Haymon Kurzbeschreibung:
Ein schauerlicher Knochenfund reißt die friedliche Wachauer Gemeinde Klein Dürnspitz aus dem besinnlichen Advent. Schon bald ist klar, dass es sich bei dem Skelett um die Überreste des ehemaligen Ortspfarrers handelt. Der ist nämlich vor mehr als einem Jahrzehnt auf mysteriöse Weise verschwunden. Was wurde dem umtriebigen und weltoffenen Pfarrer zum Verhängnis? Major Paul Eigner soll als erfahrener Kriminalist Licht in die Angelegenheit bringen. Keine leichte Aufgabe, stößt er doch bei seinen Ermittlungen auf eine eisige Mauer des Schweigens. Als diese langsam zu bröckeln beginnt, bekommt die ländliche Idylle tiefe Risse...
Meine Bewertung: knappe * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Darum geht's:
Als spielende Kinder menschliche Knochenreste entdecken, ist es vorbei mit der Ruhe in Klein Dürnspitz. Zu wem gehören die Überreste? Major Paul Eigner, ein geborener Klein Dürnspitzer übernimmt den Fall. Er ist gerade erst aus Wien in seine Heimatgemeinde zurückgekehrt und hat um Versetzung angesucht. Da kommt der Knochenfund gerade recht. Gemeinsam mit den hiesigen Kollegen Stierschneider und Dürr beginnt Eigner zu ermitteln, doch auch das LKA mit Chefermittler Kummer und die Wiener Kollegen wollen beim Fall mitmischen.....
Meine Meinung:
Als ich bei Lovelybooks sah, dass es eine Leserunde zu einem Krimi aus meiner Heimat geht, musste ich mich sofort bewerben! Die Wachau, UNESCO Weltkulturerbe und neben Burgen und Schlössern auch DAS Marillenland Österreichs ist hier der Mittelpunkt dieser Geschichte. Und dies ist wirklich so, denn Lisa Lercher entwirft hier eine Milieustudie vom Feinsten ;) Die Menschen in dieser Gegend, das Dorfleben und der Glaube stehen im Mittelpunkt. Außerdem gibt es bildhafte Landschaftsbeschreibungen und der Dialekt kommt auch nicht zu kurz. Aber keine Angst, wenn ihr den niederösterreichischen Dialekt nicht intus habt - am Ende gibt es ein Glossar mit Übersetzung ;)
Die Krimihandlung verschwindet leider ein bisschen im Hintergrund, obwohl auf den ganzen 272 Seiten laufend ermittelt wird und es sehr viele Tatverdächtige gibt. Doch da der Knochenfund auf eine Tat, die vor mehr als zehn Jahren passiert ist, zurückzuführen ist, gibt es keine neuen brauchbaren Spuren. Die Wiener und Kremser Kollegen machen es Major Eigner auch alles andere als leicht, denn die Unterlagen zur damaligen polizeilichen Untersuchung sind nicht aufzutreiben und die Untersuchung der Knochen dauert ewig. Die Kirche hat ebenso ihre Finger im Spiel und so greift Paul abends sehr oft zu Hochprozentigen, weil die Ermittlungen mehr oder weniger im Sand verlaufen.
Leider gibt es im Klappentext bereits eine Information, die erst im Laufe des Buches aufgedeckt wird. Das ist sehr schade und schmälert etwas die Spannung.
Der Krimi lebt von seinen vielfältigen Charakteren und deren Eigenschaften. Die Einwohner von Klein Dürnspitz sind sehr bildhaft und lebendig beschrieben. Man erlebt das Dorfleben, die einzelnen Gesellschaftsschichten und auch die typischen Vorurteile. Eigner selbst ist ein Mann in den Fünfzigern, der noch immer am Tod seiner Frau zu knabbern hat. Seine resolute Schwester Hanni pflegt nicht nur den alten und dementen Vater, schupft nebenbei den Haushalt, sondern verkauft auch noch einheimische Produkte am Markt, die vorallem erst geerntet und verarbeitet werden müssen. Nebenbei passt sie noch auf Simon, den Enkel von Paul auf, während ihr Mann den Großteil seiner Zeit im Wirtshaus und im Gemeindehaus verbringt.
Auch Kollege Stierschneider ist ein Macho ersten Grades und macht Kollegin Dorothea Dürr das Leben am Polizeiposten schwer.
Aber nicht nur typische Charakterstudien, sondern auch die Machtverhältnisse zwischen Politik, der Kirche und der Polizei werden immer wieder in der Handlung angesprochen. So lebt eine dubiose christliche Gemeinde in Klein Dürnspitz, die statt der geplanten Drogenanlaufstelle für Jugendliche, ein leerstehendes Kloster bezieht. Themen wie häusliche Gewalt, Bestechung, Unterschlagung und Korruption werden ebenfalls angesprochen.
Immer wieder gibt es unvorsehbare Wendungen, die Tatverdächtigen werden immer mehr....;) Und man tappt als Leser bis zum Schluss im Dunkeln, wer tatsächlich hinter dem Mord steckt. Trotzdem fehlt es dem Krimi etwas an Spannung....
Schreibstil:
Der Kriminalroman erzählt aus der Sicht von Major Paul Eigner in der 3. Person. Leider gibt es keine Kapitel, doch werden einzelne Abschnitte mit Sternchen abgegrenzt.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig, gut zu lesen und wunderbar lebendig. Die bildhaften Beschreibungen der Landschaft und der Charaktere sind das große Plus an diesem Krimi.
Fazit:
Für Liebhaber unblutiger Krimis. Leider ein bisschen spannungsarm, aber mit sehr viel Lokalkorit und tollen Charakteren. Eine Fortsetzung mit Hauptermittler Major Paul Eigner würde ich mir nicht entgehen lassen.....
Vielen Dank an Lovelybooks, den Haymon Verlag und der netten Autorin für die tolle Leserunde!
















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