- Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
- Verlag: Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 2 (September 2011)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3551582548
- ISBN-13: 978-3551582546
- Genre: Drama
Litauen, Sommer 1941: Die fünfzehnjährige Lina trägt noch ihr Nachthemd, als man sie, ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder Jonas abholt. Sie weiß noch nicht, dass die sowjetische Geheimpolizei auch ihren Vater an der Universität verhaftet hat. Und auch nicht, dass sie - wie zehntausende andere Balten - nach Sibieren deportiert wird. Von einem Tag auf den anderen ist Lina konfrontiert mit unvorstellbarem menschlichem Leid, mit Hunger, Krankheiten und furchtbarer Gewalt. Doch Lina fängt an zu zeichnen, in den Staub, auf jedes kleinste Stück Papier, das sie finden kann. Und sie verliebt sich in Andrius. Lina kämpft um ihr Leben und um das ihrer Familie. Doch wird sie stark genug sein?
Meine Bewertung: * * * * *
Buch zur "Von Liebe, Tod und Ehre" Challenge
Buch zur "Die dunklen Tage" Challenge
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Mir fällt es schwer zu diesem Buch eine Rezi zu schreiben, erzählt es doch aus der Sicht eines 15-jährigen Mädchens, das unbarmherzig in die Kriegswirren des zweiten Weltkrieges hineingerissen wird.
Lina wird eines Tages gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jonas von den Sowjets abgeholt. Noch ahnen nur wenige in den Baltischen Staaten, dass diese bald nicht mehr existieren und unter russische Flagge und Stalin eingeliedert werden. Ich muss zugeben, dass auch ich keine Ahnung hatte, dass die Menschen in Estland, Lettland und Litauen einfach deportiert und in Gefangenenlager nach Sibirien gebracht wurden. Geschichten von Deutschen und Österreichern in sibirischen Lagern sind uns geläufig, aber dass unter Stalin auch die "eigenen" Landsleute teilweise deportierrt brutal gefoltert wurden, war mir neu.
Linas Familie ist angesehen und gehört zur "Upper Class". Ihr Vater Kostas unterrichtet an der Uni in Vilnius, ihre Mutter Elena ist ebenfalls Lehrerin. Doch gerade dies scheint der Familie Vilkas zum Verhängnis zu werden, denn die Geheimpolizei hat schon länger ein Auge auf sie und ihre Freunde. Zwanzig Minuten haben Lina, ihre Mutter und ihr Bruder Zeit ihre Sachen zu packen, danach werden sie unbarmherzig auf einen Lastwagen getrieben und zu einem Bahnhof im Nirgendwo gebracht. Niemand weiß wohin es gehen wird und was passiert. Wie Tiere werden sie mit Dutzenden anderen Menschen in Viehwaggons gepfercht. Bereits auf der tagelangen Fahrt in die Kolchose Altei in Sibirien sterben die Ersten und werden wie Müll entsorgt.Während Lina anfangs unter Schock steht, beginnt sie bald, jedes Detail ihrer Reise in Zeichnungen festzuhalten und ihrem Vater zukommen zu lassen.
In Altei angekommen werden sie in eine kleine Hütte zu einer alten Russin gebracht und müssen Schwerstarbeit auf den Feldern verrichten. Sie werden wie Schwerverbrecher behandelt und sind der Willkür der Aufseher ausgesetzt. Nur ihre Zeichnungen und ihr starker Wille halten Lina aufrecht, ebenso wie die Freundschaft zum etwa gleichaltrigen Andrius. Er ist es, der der Familie hin und wieder gestohlenes Essen zusteckt. Aber auch Linas Mutter, durch ihre Russischkenntnisse immer wieder als Dolmetsch eingesetzt und Linas Zeichenkünste helfen ihnen zu überleben.
Fast ein gesamtes Jahr verbringt sie in Sibirien, dann wird ein Teil der Lagerinsassen erneut deportiert. Lina, ihre Mutter und ihr Bruder sind unter den Deportierten, doch von Andrius muss sie sich trennen. Abermals werden sie in einen Zug gepfercht und weiter nach Norden gebracht. Als sie entdecken, dass das neue Lager kurz vor dem Polarkreis liegt und es nicht einmal Hütten für die Deportierten gibt, verlieren sie jede Hoffnung, denn der Winter steht kurz bevor ...
Der Schreibstil der Autorin ist sehr einfühlsam und poetisch. Man hat beim Lesen sehr oft einen Kloß im Hals....Ihre Charaktere sprühen vor Lebendigkeit und sind wirklich einzigartig beschrieben. Man kann sich jeden Einzelnen bildhaft vorstellen....angefangen von Linas Mutter, die wie eine Löwin um ihre Kinder kämpft, ihren kleinen Bruder, der vielzu schnell erwachsen werden muss, den unzufriedenen und immer mies gelaunten "Glatzkopf", der hinter einem harten Kern sein gutes Herz versteckt oder Nikolai Kretzky, der uns im letzten Viertel noch überraschen wird....
Ruta Sepetys versteht es gefühlvoll über eine traurige Geschichte in der Zeit des zweiten Weltkrieges zu erzählen. Uns allen sind die Greueltaten an den Juden bekannt, wissen aber oft nicht, dass es auch in anderen Teilen Europas zu ähnlichen Schicksalen gekommen ist.
Die Autorin, die selbst eine Nachfahrin eines litauischen Offiziers ist, will im Nachwort ihres Romans an das Schicksal des litauischen Volkes unter Stalin erinnern. Zahllose Menschen überlebten die Deportationen nicht oder es wurden ihnen alle ihre Besitztümer gestohlen und die Überlebenden bei ihrer Rückkehr wie Schwerverbrecher behandelt.
Fazit: Eine bewegende Geschichte, die noch lange nachwirkt und ein Buch, das man gerne in seinem Bücherregal stehen hat.
















Ich hab dir einen Award verliehen.
AntwortenLöschenLg Silke