Suche liebevollen Menschen: Mein Vater, sieben Kinder, und ihre Flucht vor dem Holocaust - Julian Borger

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    • Gebundene Ausgabe: 308 Seiten
    • Verlag: ‎ Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG; 1. Edition (20. September 2024)
    • Übersetzer: ‎Hainer Kober
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3222151318
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3222151316
    • Originaltitel: I seek a kind person
    • Genre: Sachbuch, #gegendasvergessen, 



Molden Kurzbeschreibung:
 Wien, 1938. Verzweifelt versuchen jüdische Eltern, ihre Kinder vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. In ihrer Not schalten sie Kleinanzeigen im »Manchester Guardian«, in denen sie ihre eigenen Kinder ausschreiben, um ihnen ein Überleben in der Fremde zu sichern – obwohl sie wissen, dass sie sich nie wiedersehen werden. Jahrzehnte später stößt der Journalist Julian Borger auf eine dieser Anzeigen und erkennt den Namen eines der Kinder: Robert Borger. Sein Vater. Es ist der Beginn einer Recherche, die Julian Borger mitten hinein führt in ein dunkles Familiengeheimnis. Und Anlass für ihn ist, die Spuren von sieben weiteren Kindern zu verfolgen, deren Schicksalsreise von Wien aus ins Exil nach Shanghai, in die Arme von niederländischen Schmugglern, an die Seite französischer Widerstandskämpfer – oder ins KZ Auschwitz führte.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
In diesem Buch erfahren wir mehr über eine etwas andere Art der Kinderverschickung in den 1930iger Jahren. Vielen von euch, die sich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und auch darüber lesen, wissen Bescheid über die ersten Kinderverschickungen nach Großbritannien.

Doch schon zuvor waren einige jüdische Eltern klug und haben, wie die Großeltern von Journalist Julian Borger, im "Manchester Guardian" Kleinanzeigen geschaltet. Sie suchten nach Menschen, die ihre Kinder aufnehmen, um sie vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Obwohl sie ahnten, dass sie ihre Kinder eventuell nie mehr wiedersehen würden...

Ein kleiner Teil dieser Kleinanzeigen wurde auch für den Titel des Buches ausgewählt ("Seek a kind person, who will educate my intelligent Boy, aged 11, Viennese of good family. Borger 5/12 Hintzerstrasse, Vienna 3)
Im Jahre 1938 hat sein Großvater Leo genau diesen Text für seinen Sohn Robert Borger gewählt. Nach dem Tod seines Vaters Robert 1983 hat sich Journalist Julian Borger auf die Spurensuche betreffend seiner Familiengeschichte begeben. Niemand in der Familie wusste über seine Zeit als jüdisches Kind in Wien und sein Leben nach der Ankunft in Großbritannien. Julian Borger recherchierte akribisch. Dabei erfuhr er auch über dieses Inserat seines Großvaters und beginnt nachzuforschen. Im Verlauf seiner Recherche versuchte er mehr über die Schicksale der weiteren sechs Kinder herauszufinden, die am selben Tag in den Kleininseraten im "Manchester Guardian" ausgeschrieben wurden. Dies war alles andere als einfach und hat gedauert. Borger hat nach den Nachkommen der damaligen Kinder gesucht und versucht Kontakt aufzunehmen.
Was alle damaligen Kinder ihr ganzes Leben lang "verfolgte", war die "Schuld des Überlebens". Gleichzeitig fühlten sie sich auch unwürdig gegenüber Überlebenden aus den Konzentrationslagern, weil sie relativ sicher den Holocaust überlebt haben. Diese Traumata führten auch zum Selbstmord von Borgers Vater.

Was mir doch einige Schwierigkeiten bereitet hat, waren Julian Borgers oftmalige Wechsel von Personen und Zeit. Oft schwenkt der Autor mitten in seiner Erzählung von einer Person zu einer anderen und streut Fakten aus deren Leben ein. Das verwirrt zusätzlich, nachdem die Erzählungen auch zeitlich nicht chronologisch sind. Man benötigt deshalb hohe Konzentration und trotzdem sind mir oftmals die Schicksale mancher Menschen durcheinander gekommen. Trotz der wirklich akribischen Recherche und den berührenden Schicksalen, konnte ich deswegen manches Mal keine wirkliche Beziehung zu einigen der Figuren herstellen. Diese abrupten Wechsel und sich ins uferlose Verlieren, nimmt der biografischen Erzählung etwas an Tiefe. Das hätte vermieden werden können. Trotzdem sind die Erzählungen berührend. Man möchte sich gar nicht vorstellen, dass man seine eigenen Kinder alleine auf den Weg in ein fremdes Land schickt, deren Sprache sie nicht sprechen und sich einer ungewissen Zukunft entgegen sehen. Ich möchte nicht in dieser Haut der Eltern stecken, die sich entscheiden müssen....einfach grausam und auch heute noch genauso ein Thema!

Zwischen den einzelnen Kapiteln "lockern" schwarz-weiß Bilder der beschrieben Personen, die doch oftmals sehr emotionalen Schilderungen, auf. 

Obwohl es sich bei seiner Erzählung nicht um eines der sechs Kinder handelt, die damals in den Kleinanzeigen vorkamen, hat mich die Geschichte um Borgers Großtante Marci und deren Schicksal fast am meisten berührt. 

Cover:
von links nach rechts:
Die englischen Ausgaben und das niederländische Cover

Fazit:
Dieses Buch ist sowohl eine Familienbiografie, als auch eine Art Enthüllungsstory. Auf jeden Fall aber ein wichtiger Beitrag zum Thema #gegendasvergessen - besonders in der heutigen Zeit, in der die Zeitzeugen von damals verstorben sind und der Rassismus eine neue Hochsaison erlebt.


Vielen Dank an Lovelybooks und an den Molden Verlag für das Rezensionsexemplar!

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