Heul doch nicht, du lebst ja noch - Kirsten Boie

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
    • Verlag: ‎ Oetinger, 1. Edition (8. Januar 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3751201637
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3751201636
    • Genre: Jugendbuch, zweiter Weltkrieg



Oetinger Kurzbeschreibung:
Hamburg, Juni 1945: Die Stadt liegt in Trümmern. Mittendrin leben Traute, Hermann und Jakob. Der nennt sich allerdings Friedrich, denn niemand soll erfahren, dass er Jude ist. Als Hermann ihm dennoch auf die Spur kommt, will er nichts mehr mit Jakob zu tun haben. Schuld, Wahrheit, Angst und Wut sind die zentralen Themen dieses Buchs, dessen jugendliche Hauptfiguren durch die Schrecken des Krieges und der Naziherrschaft miteinander verbunden sind. Und für die es doch immer wieder Lichtblicke gibt. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge 

Meine Meinung:
Letztes Jahr war "Dunkelnacht" von Kirsten Boie eines meiner Jahres Highlights. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass ich "Heul doch nicht, du lebst ja noch" von der Autorin via Lovelybooks lesen durfte.

Auch der neue Jugendroman befasst sich mit dem Thema Zweiter Weltkrieg bzw. spielt kurz nach dessen Ende. Als Leser begleiten wir eine Woche lang die drei Jugendlichen Jakob, Traute und Hermann. Sie treffen im völlig ausgebombten Hamburg aufeinander und kommen aus sehr unterschiedlichen Familienverhältnissen.

Zuerst lernen wir Jakob kennen, der sich in einer ausgebombten Wohnruine im dritten Stock versteckt. Das Versteck hat ihm ein ehemaliger Nachbar, Herr Hoffmann, gezeigt, wo er ihn mit Lebensmittel versorgt. Doch eines Tages kommt Herr Hoffmann nicht mehr und Jakob muss versuchen irgendwie an Essen zu kommen. Jakob ist Halbjude und weiß nicht, dass der Krieg bereits zu Ende ist. Sein Schicksal steht stellvertretend für die Verfolgung jüdischer Familien.

Traute ist die Tochter einer Bäckerfamilie. Seit kurzem sind in ihrem Elternhaus Flüchtlinge aus dem Osten einquartiert, denn die Bäckerei ist eines der wenigen Häuser im Umkreis, das nicht zerstört wurde und wo wieder Brot gebacken wird. Traute geht es dadurch verhältnismäßig gut, doch sie vermisst die Schule und ihre Freundinnen.

Hermann ist der Ideologie der Nazis noch immer anhängig und kann mit der Niederlage schwer umgehen. Er trauert seiner Zeit als HJ-Führer nach. Noch schlimmer ist aber die Verwundung seines Vaters, der beide Beine im Krieg verloren hat. Während die Mutter für den Lebensunterhalt sorgt, muss sich Hermann um seinen Vater kümmern, der völlig bewegungsunfähig ist. Hermann fehlt es an Perspektive, denn die Engländer, die Hamburg besetzen sind seine Feinde. Zusätzlich erleidet er einen Schicksalsschlag, der weitreichende Folgen hat.

Während einige mit Kirsten Boies sehr knackigen Schreibstil mit kurzen Sätzen nicht gut zurechtkommen, habe ich damit überhaupt keine Probleme. Die Geschichte wird in Präsens und abwechselnd aus den Perspektiven von Traute, Jakob und Hermann erzählt, wobei jeder auf seine eigene Art und Weise unter den Folgen des Krieges leidet. Insbesondere Jakob und Hermann sorgen für ein intensives Bild dieser Zeit und stehen eigentlich auf verschiedenen Seiten. Nur Traute war mir etwas zu blass. Sie wirkt eher wie ein Bindeglied zwischen den beiden Jungen. Die wenigen Nebenfiguren sind kurz angerissen und tragen trotzdem zur Entwicklung bei. Besonders der kleine Max hat dabei mein Herz berührt. Er ist es auch, der den anderen die Augen öffnet und ihnen vieles näher bringt, was sich in den letzten Kriegsjahren abgespielt hat.

Kirsten Boie versteht es ihre drei Hauptfiguren bewertungsfrei darzustellen. Keiner von ihnen ist schwarz-weiß gemalt, sondern jeder hat seine guten und schlechten Seiten.
Diese Geschichte, die nur eine Woche umfasst, ist intensiv und hat als zentrale Themen Schuld, Wahrheit, Angst und Wut. Das Ende kommt fast etwas zu schnell...

Fazit:
Ein bewegendes und gut recherchiertes Jugendbuch, das nicht an die Intensität  von "Dunkelnacht" heranreicht. Trotzdem ist die Geschichte, die kurz nach dem Kriegsende spielt, auch diesmal wieder intensiv erzählt. Ein Einblick in drei sehr unterschiedliche jugendliche Seelen, die an Perspektivlosigkeit durch den Krieg leiden. Nicht nur für Jugendliche, sondern für alle Altersgruppen geeignet! #gegendasvergessen

Vielen Dank an den Oetinger Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

6 Kommentare:

  1. Hallo liebe Martina,

    das Buch hatte ich bislang noch gar nicht im Blick.

    Das, was du über "Heul doch nicht, du lebst ja noch" schreibst, klingt spannend und sehr bewegend. Ich finde ja alleine der Titel klingt schon sehr provokativ und macht somit natürlich auch neugierig auf die Geschichte, die sich dahinter verbirgt.

    Besonders gefallen hat mir, was du über die Charaktere schreibst, dass diese eben nicht schwarz-weiß gezeichnet sind, sondern dass ihre Entscheidungen nachvollziehbar daherkommen.

    Das klingt richtig gut.

    Vielen Dank für diese interessante Buchvorstellung.

    Liebe Grüße
    Tanja :o)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Martina,

    und wieder ein Buch, das mir bisher unbekannt war. Es klingt wirklich gut und der Titel geht schon unter die Haut. Ich werde es im Blick behalten.

    Liebe Grüße und schönen Sonntag
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auf jeden Fall zuerst reinlesen, ob man den Schreibstil mag!
      Liebe Grüße
      Martina

      Löschen
  3. Liebe Martina

    Oh wow, zu diesem Buch hätte ich (wohl aufgrund des Titels) wirklich nie gegriffen. Aber das klingt super spannend, auch wenn du schreibst, dass es nicht ganz so intensiv ist, wie "Dunkelnacht", das ich mir auch schon vorgemerkt habe.

    Aber das klingt immer noch sehr gut und ich finde es auch super, dass du viel zum Schreibstil geschrieben hast, so kann man sich noch besser ein Bild machen.

    Alles Liebe an dich und mach dir einen schönen Sonntagabend
    Livia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Livia,
      auch hier: auf jeden Fall zuerst reinlesen, ob man den Schreibstil mag!
      Liebe Grüße
      Martina

      Löschen

Mit Nutzung der Kommentarfunktion akzeptierst du die Speicherung deiner Daten. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung dieses Blogs.

 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos