Der Flug des Raben - Richard Wagamese

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: ‎ Karl Blessing Verlag (18. Oktober 2021)
    • Übersetzer: Ingo Hertzke
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3896677187
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3896677181
    • Originaltitel‏ : ‎ Keeper'n Me
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Blessing Kurzbeschreibung:
Garnet Raven ist drei Jahre alt, als er seinem Zuhause in einem Ojibway-Reservat entrissen und von den Behörden in Obhut genommen wird. Er wächst in verschiedenen Pflegefamilien auf, bis er als Teenager die erstbeste Möglichkeit nutzt, um sich aus dem Staub zu machen. Er flieht in die Großstadt, gerät auf die schiefe Bahn und landet schließlich im Gefängnis. Zu seiner großen Überraschung erhält er dort einen Brief seiner längst vergessenen Ursprungsfamilie. Als er nach seiner Entlassung ins Reservat seiner frühesten Kindheit zurückkehrt und beschließt, dort zu bleiben, bis er neue Pläne für seine Zukunft entwickelt hat, ändert sich sein Leben von Grund auf: Keeper, ein Freund seines Großvaters und der letzte Hüter der Weisheit der Ojibway, macht ihn mit den Traditionen und Riten seines Stammes vertraut. Garnet entdeckt nach und nach die Bedeutung des Ortes, seine Herkunft und sich selbst.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Der Flug des Raben" ist der Debütroman von Richard Wagamese, jedoch bereits das dritte Buch, das auf deutsch übersetzt wurde. Leider ist der Autor, der selbst indigene Wurzeln hatte, bereits 2017 verstorben.

Der erst 3-jährige Garnet Raven wird gemeinsam mit seinen Geschwistern von den Behörden seiner Familie im Ojibway Reservat entrissen. Während die älteren Kinder zusammenbleiben dürfen und nach wenigen Jahren wieder ins Reservat zurückkehren, wird Garnet immer wieder weitergereicht. Er kommt von einer Pflegefamilie in die nächste und wächst fern der indianischen Kultur in der Großstadt auf. Als er volljährig ist, verlässt er seine Pflegefamilie und versucht seine Identität zu finden. Er selbst fühlt sich nicht wirklich als Indianer. Am meisten zugehörig fühlt er sich bei seinem schwarzen Freund Lonnie und seiner Familie. Garnet beginnt den R&B und den Blues zu lieben und lässt sich einen Afro-Look machen. Schließlich landet er als Kleinkrimineller im Gefängnis, wo we zwei Jahre bleiben muss. Zwanzig Jahre nach seiner Entführung kann seine Familie ihn endlich ausfindig machen und holt ihn zu sich ins Reservat.

Als richtiger Exot mit Plateauschuhen, grüner Schlaghose und einem Afro am Kopf steigt er aus dem Bus und wird im Dorf zum Gesprächsthema schlechthin. Garnet spricht weder die Sprache seines Stammes, noch weiß er etwas über seine Familie und die Lebensweise der Indianer. Während seine Mutter und seine Geschwister froh sind, Garnet wieder bei sich zu haben, ist für ihn alles fremd - bis
ihn Keeper, ein älterer Mann seines Stammes und Freund seines Großvaters, unter seine Fittiche nimmt. Schon bald stellen die Beiden fest, dass sie jede Menge von einander zu lernen haben und sich eine ganz besondere Freundschaft entwickelt..

Richard Wagamese nimmt sich dem Thema der jungen Indianer an, die von den damaligen Behörden in Heime und zu Pflegefamilien gesteckt wurden, um sie zu "missionieren". Man beraubte sie ihrer wahren Identität, ihrem Glauben und Ritualen und versuchte sie "weiß" zu erziehen. Die jungen Menschen fühlten sich verloren und wussten kaum mehr etwas über ihre Abstammung oder der Lebensweise ihres Stammes. Viele landeten früher oder später im Gefängnis oder verfielen dem Alkohol.
 
In seinem Debütroman "Der Flug des Raben" steckt sicherlich sehr viel persönliches vom Autor. Er selbst wurde ebenfalls in Pflegefamilien groß und litt, wie unser Hauptprotagonist, an Identitätsverlust. Auch Wagamese fand erst mit 23 Jahren seine Familie wieder und war lange zeit auf der Suche nach sich selbst..

Im Roman wird Keeper zum spirituellen Vorbild von Garnet. Langsam führt er ihn an die eigene Kultur heran, bis er das Gefühl hat. langsam angekommen zu sein. Die Verbindung zur Natur und den Tieren ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Aber auch die Gemeinschaft, Liebe und Respekt sind wichtige Themen. Wir könnten uns so einige Scheiben davon abschneiden, wie man mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen umzugehen hat.
Wagamese nimmt uns mit auf eine philosophische Reise und bringt dem Leser die Kultur der Indianer näher. Dabei erzählt er ein einfacher und flüssiger Sprache. Er wird zum Geschichtenerzähler, wie Keeper es Garnet ebenso ans Herz legt. Es gibt ernste und philosophische Passagen, aber auch viele humorvolle.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir die Schlagzeilen über einen grausamen Fund in Kanada lesen mussten, wo man Skelette von unzähligen Kindern und Jugendlichen indigener Abstammung unweit eines Pflegeheimes gefunden hat. Ein grausames Verbrechen der weißen Bevölkerung und der damaligen Behörden, das mich unheimlich wütend macht.

Cover:

von links anch rechts:
alles englischsprachige ausgaben. Leider habe ich sonst keine finden können. Und das deutsche Cover ist mit Abstand das schönste und passt auch hervorragend zu den anderen beiden bereits in deutsch veröffentlichten Ausgaben.

Fazit:
Ein ruhiger und stimmungsvoller Roman, der uns die Lebensweise und die Weiheiten der indigenen Bevölkerung näher bringt. Es ist an der Zeit die Stimme der First Nations zu hören und ich freue mich schon auf die anderen beiden Romane des Autors, die bereits bei mir eingezogen sind.

Vielen Dank an den Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar!

3 Kommentare:

  1. Ich lasse mal gleich hier einen Kommentar da und nicht unter dem Lesemonat. Diese Geschichte spricht mich an.
    Sowohl das Cover, als auch die Inhaltsangabe.
    Ich bin zu dem ja ein riesen Rabenfan. Zwar aufgrund der nordischen Mythologie, aber auf meinem Rücken hat es ein großes Exemplar als Tattoo geschafft und ich liebe es sehr <3

    Und wie du schon sagst, es gibt Themen, vor allem geschichtlich, der zu wenig Augenmerk geschenkt werden. Daher toll, dass du dieses hier zeigst und empfiehlst. Landen also gleich 2 Bücher auf meiner Merkliste dank dir.

    Hab einen schönen Tag und viel Spaß mit den anderen beiden Werken vom Autor, ich werde es weiter verfolgen.

    Liebe Grüße,
    Andrea

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    1. Ich liebe Bücher über die First Nations und gerade der Autor hier ist selbst indianische Abstammung. Es geht besonders darum, dass die Jungen, die von den Stämmen in Heime gebracht werden große Identitätsprobleme haben. Super insteressant!

      Liebe Grüße
      Martina

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  2. Liebe Martina

    Das Buch ist mir noch gar nicht begegnet und was du schreibst, erinnert ein wenig an "Die Unbezwingbare" von Katja Kettu, das 2021 zu meinen Highlights gehört hat. Das Buch empfehle ich dir sehr, sehr, sehr. Es könnte dir gefallen.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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