Leicht wie meine Seele - Annette Oppenlander



    • Taschenbuch: 137 Seiten
    • Verlag: Annette Oppenlander (8. Februar 2021)
    • ISBN-10 : 3948100233
    • ISBN-13 : 978-3948100230
    • Genre: Historischer Roman, #gegendasvergessen



Amazon Kurzbeschreibung:
Herten, Oktober 2019: Im Warteraum einer Autowerkstatt sitzt ein älterer Herr neben einer Frau. Sie kommen ins Gespräch … über den Zweiten Weltkrieg, als er ein Jugendlicher war. Er erzählt ihr eine Geschichte, die er noch nie erzählt hat – seine eigene. Bayern, April 1945: Der fünfzehnjährige Artur und seine Klassenkameraden leben seit zwei Jahren in einem KLV-Lager. Weit fort von zu Hause und alliierten Bomben verbringen sie ihre Tage mit Unterricht, Wanderungen und Kriegsspielen. Jeden Moment wird der Krieg vorbei sein – so erzählt man es ihnen – und sie werden endlich heimkehren können, in ein siegreiches Deutschland. Stattdessen marschiert am 30. April 1945 die US-Armee ins Lager. Artur und seine Kameraden werden verhaftet und in das gerade befreite Vernichtungslager Dachau transportiert. Alles, woran sie geglaubt haben, stellt sich als falsch heraus. Sie wurden belogen – nicht nur hat Deutschland den Krieg verloren, Hitler und seine Helfer haben unmenschliche Verbrechen begangen. Aber Gefangene zu sein ist nur der Anfang ihrer Tortur …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
KLV Kinderlandsverschickung...ein Thema, das ich zuerst nur in der Form kannte, dass Stadtkinder zu Familien aufs Land geschickt wurden. Auch meine Großmutter bekam ein Mädchen aus dem deutschen Ruhrgebiet zu uns nach Österreich zugeteilt. In Annette Oppenheimers Roman "Erzwungene Wege" las ich das erste Mal von ganzen Klassen, die in Lager geschickt und für den Krieg vorbereitet wurden. Auch das nannte sich Kinderlandsverschickung.

So ergeht es auch den 13jährigen Artur, der während des Zweiten Weltkrieges mit seinen Klassenkameraden in ein ehemaliges Waisenhaus nach Bayern geschickt wird. Zwei Jahre werden die Burschen sportlich gedrillt und auf den Krieg vorbereitet. Von Zuhause gab es nur selten Briefe und jeder der Burschen litt an Heimweh. Ein Verlassen des Lagers war nicht möglich und die Verköstigung mit der Zeit immer schlechter. Was sich währenddessen in der Welt abspielte, wurde ihnen vorenthalten. Umso überraschter sind sie, als plötzlich die Amerikaner vor der Tür stehen und sie verhaften. Der Krieg ist vorbei, Deutschland hat verloren und die Burschen werden ins KZ Dachau gebracht. Dort werden sie wie Erwachsene und Kriegsverbrecher behandelt. Was er und seine Schulkameraden im Konzentrationslager erleben, als der Krieg eigentlich schon zu Ende ist, erfährt ihr in dieser Novelle.

Die Autorin erzählt diese Geschichte auf Grundlage eines Gesprächs, das ihre Freundin mit einem alten Mann geführt hat. Oppenlander nennt den namenslosen Mann in ihrer Geschichte Artur und reichert diese mit historischen Fakten an. Ich habe die Novelle in einem Rutsch durchgelesen. und unwillkürlich stellt man sich die Frage: Inwieweit rechtfertigt ein Leid das andere? Doch man sollte auch nicht verallgemeinern, denn es gab auf den Seiten der Kriegsverlierer und der Kriegsgewinner gute, wie böse Menschen....wie es generell der Fall ist. Trotzdem lies mich diese Geschichte sprachlos und erschüttert zurück.

Annette Oppenheimer schreibt sehr kurz, sachlich und prägnant, aber intensiv. Es ist schade, dass einige kleine Fragen offen bleiben. Dadurch, dass ihr diese Geschichte erzählt wurde, hat sie die Möglichkeit fiktive Handlungen hinzuzufügen unterlassen.
Mit dieser kurzen Novelle möchte sie die Erinnerungen und den Erzählungen des Mannes, den sie im Roman Artur genannt hat, als ein Stück wahre Zeitgeschichte #gegendasvergessen an die Nachwelt vermitteln. Das ist ihr hiermit wieder sehr intensiv und eindringlich gelungen.
Von mir gibt es vier von fünf Sternen, da ich mir noch etwas mehr zu dieser Geschichte gewünscht hätte: mehr über Gero, Jani oder Otto oder auch mehr über die zwei Jahre, die die Jungs im Lager in Bayern verbracht haben. Wahrscheinlich war es der Autorin nicht möglich sich diese Informationen zu besorgen, trotzdem wäre mir ein Roman statt einer Novelle lieber gewesen. Allerdings ist das auch Jammern auf hohem Niveau. Empfehlen kann ich dieses Büchlein auf jeden Fall für jeden Leser oder jede Leserin, die immer wieder Neues über die Weltkriege durch Lektüren wie diese erfahren wollen. Keine leichte Kost - trotz der nur 137 Seiten!

Fazit:
Ein Stück Zeitgeschichte #gegendasvergessen. Annette Oppenlander hat auch diesmal wieder eine intesive und berührende Geschichte, basierend auf einen Zeitzeugenbericht, erzählt, die trotz der Kürze unter die Haut geht

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar und die Begleitung bei der Lovelybooks Leserunde!

3 Kommentare:

  1. Hallo Martina,

    ich habe erst gestern eine Rezension zu dem Buch gelesen. Ich finde es schön, dass dadurch die Geschichte dieses Mannes weitererzählt und nicht vergessen wird. Jedes Buch dazu ist wichtig!

    Liebe Grüße & schönen Sonntag,
    Nicole

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    1. Ganz genau und ich bin auch immer wieder erstaunt, dass ich nach Jahren immer wieder etwas Neues erfahre, was die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges betrifft. Hier die Verhaftung und zur Zwangsarbeit verdonnerten jungen Burschen aus der Kinderlandverschickung durch die Alliierten.
      Liebe Grüße
      Martina

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  2. Liebe Martina

    Ich schliesse mich Nicole und dir an: jedes Buch, jede Geschichte, jede Erinnerung ist wichtig. Schön, dass die Umsetzung - einiger kleiner Kritikpunkte zum Trotz - gelungen ist. Es ist sicher nicht einfach, Erzählungen respektvoll und realistisch zu verarbeiten. Gerade, wenn es um so intensive Themen geht.

    Die Autorin merke ich mir auf jeden Fall vor.
    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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