Der Funke des Lebens - Jodie Picoult

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (27. April 2020)
    • Übersetzer: Elfriede Peschel
    • ISBN-10: 3570104001
    • ISBN-13: 978-3570104002
    • Originaltitel: A Spark of Light
    • Genre: Gegenwartsliteratur; Belletristik



C. Bertelsmann Kurzbeschreibung:
An einem warmen Herbsttag wird der Polizeiunterhändler Hugh McElroy zu einer Frauenklinik in Jackson, Mississippi, gerufen. Ein verzweifelter Schütze war in die Klinik eingedrungen, hatte das Feuer eröffnet und die Anwesenden als Geiseln genommen. Als McElroy im Begriff ist, mit dem Geiselnehmer zu verhandeln, kommt auf seinem Handy eine schockierende Nachricht an: Seine 15-jährige Tochter Wren befindet sich in der Klinik. McElroy setzt alles daran, Wren und die anderen Geiseln zu befreien - Frauen in Not, engagierte Ärzte und Krankenschwestern, bedroht von einem fanatischen Abtreibungsgegner, selbst Vater einer Tochter im Teenageralter, der Amok läuft, um sich Gehör zu verschaffen ...

Meine Bewertung: schwache * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gemeinsam mit der lieben Andrea von Leseblick habe ich den neuen Roman von Jodie Picoult, einer meiner Lieblingsautorinnen, gelesen. Leider muss ich sagen, dass ich ihre Bücher früher lieber mochte.
Bei "Der Funke des Lebens" ist der Funke leider nicht übergesprungen, dabei ist der Plot wirklich sehr interessant und wie von der Autorin bekannt, ein Thema, das für Diskussionen sorgt.
Das Problem beginnt eigentlich gleich zu Beginn. Jodie Picoult konfrontiert den Leser mit jeder Menge an Protagonisten, die man anfangs sehr schwer zuordnen und auseinanderhalten kann. Man kennt diese noch nicht richtig und hat noch keinen richtigen Zugang zu ihnen. Das zweite Problem ist, dass der Roman eigentlich mit dem Ende beginnt, da er rückwärts erzählt wird.

Die Problematik an der Geschichte liegt meiner Meinung nach aber nicht nur an der Art der Erzählung, sondern der Umsetzung. Ich habe erst vor kurzem einen Roman von Julie Cohen gelesen (leider gibt es noch keine Rezi dazu...wird folgen), der sich ebenfalls dieser Erzählart bedient und ich muss sagen Julie Cohen ist es absolut gelungen mich zu überraschen. Jodie Picoult gelang dies allerdings nicht. Bei ihr nimmt die Rückwärtserzählung für mich die komplette Spanung raus. Doch worum geht es eigentlich?

Wir starten mit einer Schießerei und Geiselnahme in einer Frauenklinik in Mississippi, den Südstaaten der USA. Die Klinik ist die einzige im Staat, die Abtreibungen vornimmt. Eine der Geiseln ist Wran, eine fünfzehnjährige Schülerin, deren Vater Hugh als Polizeiunterhändler vor der Klinik steht und versucht mit dem Amokläufer zu kommunizieren und seine Tochter zu retten.
Ein Wahnsinnsplot, der mich sofort gefangen genommen hat, als ich den Klappentext gelesen habe. Außerdem gehört Picoults Buch "19 Minuten" über einen Amoklauf in einer Schule zu meinen Lieblingsbüchern von ihr.
Doch zu Beginn ist sowohl die Stürmung der Klinik, als auch die Geiselnahme bereits passiert und der Leser hat die aufregendesten Sekunden versäumt. Mit der Rückwärtserzählung erfahren wir zwar dann weitere Geschehnisse, die bereits im Vorfeld passiert sind, aber das Hauptaugenmerk liegt beim Kennenlernen der Figuren, die involviert sind oder waren. Neben Wran wäre da noch ihre Tante Bex, die das Mädchen in die Klinik begleitet hat; Joy, die eine Abtreibung hinter sich hat; Janine, die sich als Abtreibungsgegner in die Klinik geschmuggelt hat; Olive, die einen Befund besprechen möchte; die schwangere Krankenschwester Izzy; Doktor Louie Ward, der die Abtreibungen vornimmt und Vonita, die Inhaberin der Klinik, sowie die Krankenschwestern Harriet und Rachel und die Sozialarbeiterin Graciela. Und natürlich der Geiselnehmer George......also wirklich jede Menge Protagonisten!
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir noch Beth kennen, die im Gefängnis sitzt und der ein Prozess wegen Abtreibung ihres Kindes bevorsteht.
Mit dem langsamen Kennenlernen gelingt die Zuordnung all dieser Charaktere zwar mit der Zeit besser, aber man ist zu Beginnn definitiv überfordert.

Was mich aber am meisten gestört hat ist, dass es keine plötzlichen Wendungen und Überraschungen (bis auf ein kleines Aha-Erlebnis, welches aber mit einem Sachverhalt abseits der Geiselnahme zu tun hat), mehr gibt. Der große Knall bleibt völlig aus! Der Cut mit Cliffhanger nach dem ersten Abschnitt wurde am Ende des Buches in 2-3 Sätzen abgehandelt. Ich musste diese Zeilen nochmals lesen, um es wirklich glauben zu können, dass es damit abgetan war.
Zusätzlich habe ich einige Mängel in der Übersetzung gefunden, die sprachlich nicht wirklich gebräuchlich sind - also im Alltag verwendet werden.

Positiv ist, dass sich Picoult wieder einem Thema gewidmet hat, welches polarisiert und zu Diskussionen anregt. Fassungslos habe ich gelesen, dass man Minderjährige für 20 Jahre wegen Mordes ins Gefängnis steckt, weil sie Medikamente (die man per Internet bestellen kann!) genommen haben, damit es zu einem Abort kommt. Immer wieder musste ich den Kopf schütteln über Menschen, die jede Frau bedrohen, die in diese Klinik geht....dabei ist das keine Abtreibungsklinik, sondern ein Gebäude mit einer normalen Frauenarztpraxis, die man auch zu (halb)jährlichen Untersuchungen besucht. Menschen campen vor der Klinik und werden gegenüber aller Patienten oftmals handgreiflich. Der Weg wird für die Frauen zu einem Spießrutenlauf. Einfach unbegreiflich für uns Europäer! Man stelle sich vor bei seinem nächsten Frauenarztbesuch muss man durch eine Ansammlung von Menschen, die einem mit Tomanten und Eiern bewerfen und beschimpfen, weil man eine Routineuntersuchung hat!!

Den Leser nachdenklich zu stimmen ohne dabei selbst zu werten - das beherrscht die Autorin und deswegen greife ich auch immer wieder zu ihren Romanen mit kontroversen Themen. Doch in Europa kommt sie meiner Meinung mit dieser Geschichte, der leider völlig die Spannung fehlt und wohl eher auf das Thema Abtreibung und nicht auf die Geiselnahme aufgebaut ist, nicht wirklich an. Zu unterschiedlich sind die Systeme...
Auch der Rassismus wird angesprochen, denn mit rund 38% der Bundesstaat mit dem größten Anteil Schwarzer und Afroamerikaner.

Tolle Recherche, facettenreiche Charaktere, kontroverses und komplexes Thema, guter Plot mit interessanten Denkanstößen für die Leser, kein erhobener Zeigefinger....all das sind wir von der Autorin gewohnt und sind Pluspunkte. Doch diesmal ist die Umsetzung in meinen Augen leider schief gegangen.
Die drei Sterne bekommt der Roman aufgrund der oben angegebenen Punkte, sonst hätte ich eher noch abgerundet...

Cover:
von links nach rechts:
ein englischsprachiges Cover, das französische, das polnische, wieder zwei englischsprachige, das tschechische und das Cover aus Lithauen

Fazit:
Der Funke ist bei mir diesmal leider nicht übergesprungen. Mit der Erzählweise hat die Autorin für mich die Spannung gekillt. Das Thema ist wieder eines, das zu Diskussionen einlädt, jedoch in Europa und den USA sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Weil die Bewertungen sehr differenzieren, empfehle ich jeden sich selbst ein Bild zu machen und empfehle das Buch eingeschränkt weiter.
 
Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar
______________________________________

Weitere Rezensionen zum Buch
Andrea vom Leseblick  *Rezi*

7 Kommentare:

  1. Hallo Martina

    Oh, ein neues Buch von Jodi Picoult? Das ist bisher völlig an mir vorbei gegangen. Da musste ich natürlich gleich mal deine Rezension dazu lesen, um zu erfahren, worum es geht :)

    Ich muss gestehen: Bei dem verträumten Cover (hinter dem ich eher einen Liebesroman erwartet hätte), war ich überrascht über die Thematik, die in diesem Buch behandelt wird. Aber Picoult hat ein Händchen dafür, ernste Themen in ihre Geschichten zu verpacken. Ich habe "Kleine grosse Schritte" von ihr gelesen und war begeistert davon! Von der Thematik hätte mich dieses neue Buch von ihr also auf jeden Fall angesprochen, denn es klingt so, als würde die Geschichte wieder unter die Haut gehen.

    Schade also zu lesen, dass die Umsetzung leider nicht gelungen ist. :/ Ich finde es aber sehr toll, dass du deine Kritikpunkte so offen und nachvollziehbar darlegst. Die Sache mit den vielen Protagonisten würde mich auch stören, denn ich verliere schnell mal den Überblick, wenn es haufenweise Namen hagelt, die man irgendwie zuordnen müsste. Und der fehlende Spannungsbogen ist für mich wohl das Todschlagargument, das Buch nicht zu lesen. Ich werde bei sowas schnell einmal ungeduldig und fange dann an, Geschichten querzulesen, wenn sich mich nicht fesseln können.

    Ich bin aber sehr dankbar für deine ehrliche Rezension! Und ein gutes hat es: Wenn du so positiv von "19 Minuten" sprichst, schaue ich mir besser mal dieses Buch genauer an. Denn es scheint ja eine ähnliche Thematik zu beinhalten, die besser umgesetzt wurde?

    Liebe Grüsse
    Mel

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Mel,
      ich habe "19 Minuten" schon vor einer Ewigkeit gelesen und hoffe, dass es mir heute noch genauso gut gefallen würde =) Denke aber schon.
      Jodie Picoult hat immer tolle Themen, an die sich selten eine andere Autorin oder Autor ran traut.

      Ihr neues Buch hat auch viele 5 Sterne Bewertungen, aber auch viele 2-3 Sterne. Ich denke es ist sehr individuell....andere fanden es spannend, ich nicht wirklich. Protas sind auf jeden Fall sehr viele...daran kommt man nicht vorbei. Falls du es mal wo ausleihen kannst, würde ich es mal damit versuchen, aber sonst bleiben meine Lieblingsbücher von ihr "19 Minuten" und "Beim Leben meiner Schwester". "Große kleine Schritte" fand ich auch gut. "Die Spuren meiner Mutter" habe ich hingegen abgebrochen.

      Liebe Grüße
      Martina

      Löschen
    2. Ok, danke für die Erläuterung. "Beim Leben meiner Schwester" habe ich als Film vor Jahren gesehen, das Buch ist bestimmt noch herzzreissender.

      Löschen
    3. Das Buch hat ein anderes Ende!!! Ich war damals ganz überrascht, als ich den Film gesehen habe....

      Löschen
    4. Ah, echt? Ich kann mich aber ehrlich gesagt gar nicht mehr an das Ende aus dem Film erinnern. Falls ich das Buch jemals lesen und dann den Film nochmal schauen sollte, werde ich mich darauf achten.

      Löschen
  2. Liebe Martina

    Solche und ähnliche Rezensionen zu diesem Buch habe ich nun schon einige Male gelesen. Der Stoff ist wirklich heftig und ich kann mir vorstellen, dass da handlungsmässig auch einiges geht. Dass es dann insgesamt doch sehr an der Spannung fehlt, ist total schade.

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Martina,

    deine Rezension könnte von mir geschrieben sein :D Ich stimme dir in allen Punkten zu. Das Thema ist gut ausgewählt und recherchiert. Es wird differenziert betrachtet. Wie man es von Jodi Picoult erwartet.
    Nur die Erzählweise im Rückwärtsgang hat der Geschichte jegliche Spannung genommen. Es gibt keine Überraschungen oder etwas, was den Drang auslöst, weiterzulesen. Auch die vielen Charaktere waren für mich am Anfang schwierig.

    Witzigerweise war ich gerade bei Andrea von LeseBlick zu Besuch und hatte ihre Rezension gelesen. Ganz unabhängig bin ich jetzt durch die Verlagsseite auch bei dir gelandet :D Ich habe deine Rezension als weiteres Meinungsbeispiel bei mir verlinkt. Wenn das nicht okay für dich ist, meld dich bitte :)

    Liebe Grüße
    Jacki von Liebe dein Buch

    AntwortenLöschen

Mit Nutzung der Kommentarfunktion akzeptierst du die Speicherung deiner Daten. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung dieses Blogs.

 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos