Marie - Anja Lehmann



    • Taschenbuch: 386 Seiten
    • Verlag: Anja Lehmann (Nova MD); Auflage: 1. Auflage 2018 (6. Juli 2018)
    • ISBN-10: 396111756X
    • ISBN-13: 978-3961117567
    • Genre: Historischer Roman



Amazon Kurzbeschreibung:
Marie ist siebzehn Jahre, als sich ihr bisheriges Dasein drastisch verändert. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sarah wird sie im Frühjahr 1941 als Ostarbeiterin nach Berlin gebracht. In Nazideutschland muss sie erfahren, dass sie als Halbjüdin keine Rechte mehr hat, weshalb sie alles dafür tut, ihre wahre Identität zu verschleiern. Ihr Leben wird zu einem Kampf, an dessen Ende ihr der Tod bereits zulächelt. Wagemutig stellt sich das Mädchen ihrem Schicksal und eine atemberaubende Flucht beginnt.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der Roman "Marie" von Anja Lehmann handelt von zwei halbjüdischen Schwestern, der titelgebenden Marie und ihrer jüngeren Schwester Sarah. 1941 werden die beiden Mädchen, die alles verloren haben, auf einen Gutshof in der Nähe von Berlin als Ostarbeiterinnen eingestellt und dort zur Zwangsarbeit angehalten. Ihre halbjüdische Vergangenheit können die gebürtigen Polinnen, durch bestimmte Umstände, geheim halten. Während Sarah, noch halb Kind, sich den Umständen anpasst und sich am Gutshof einlebt, bereitet Marie die Flucht vor. Doch das Schicksal schlägt erbarmungslos zu....

Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass dieser Roman keine leichte Kost sein wird. Marie und Sarah sind plötzlich auf sich alleine gestellt, nachdem die Mutter bei der Geburt des jüngsten Kindes stirbt. Ihr Vater und der Bruder wurden deportiert und in ein Arbeitslager gebracht. Zuerst kommen die beiden Schwestern bei einer nicht-jüdischen Nachbarin unter, bis sie selbst als Ostarbeiterinnen zu einem Gutshof in der Nähe von Berlin gebracht werden. Dort werden die Mädchen getrennt und Marie erfährt ein Martyrium sondergleichen, während Sarah später ins Konzentrationslager gebracht wird, als ihre richtige Identität aufgedeckt wird.

Schonunglos erzählt Anja Lehmann das Schicksal der beiden Schwestern, ähnlich wie es auch vielen Menschen in dieser Zeit ergangen ist. In wechselnden Perspektiven lesen wir einmal aus Maries und dann wieder aus Sarahs Sicht, aber auch andere Figuren kommen zu Wort, wie Liam oder Heinrich. Während ich zu Beginn Marie's Stärke bewunderte, die die noch kindliche und naive Sarah beschützte, wechselten im Laufe des Romans meine Sympathien zu Sarah. Die Erlebnisse im Konzentrationslager wurden von der Autorin sehr bewegend geschildert. Ich habe schon einige Bücher gelesen, sowohl Biografien, als auch Romane, die Schicksale in verschiedenen Konzentrationslager schildern. Anja Lehmanns Roman steht hier in keiner Weise nach.
Auf anderen Plattformen gab es einige Kriktiker, die manche historische Begebenheiten als nicht authentisch anerkennen. Der Autorin war es wichtig, die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Charakteren festzuhalten, das Kriegsgeschehen dient als dramtischer Hintergrund, in der die Figuren agieren (O-Ton Anja Lehmann). Sie erzählt über das Leben von zwei jungen Frauen und deren Schicksal, allerdings nicht in einer Art Biografie, sondern als fiktiven Roman. Wichtige historische Ereignisse, wie die Bombardierung Hamburgs oder der Gewaltmarsch der KZ-Häftlinge am Ende des Krieges, sind sehr wohl belegbar. Und dass Juden als U-Boote den Krieg überlebt haben, ist ebenfalls nicht an den Haaren herbeigezogen. (Ich erwähne nur den Film "Die Unsichtbaren", der mit Interviews von jüdischen Zeitzeugen untermalt wird). Falls die Anzahl der Besatzung eines U-Bootes fälschlicher Weise nicht ganz stimmt, sehe ich nicht ein dem Roman deswegen nur einem Stern zu geben. Einzig die Liebesbeziehung, die Marie im Laufe des zweiten Teiles eingeht, konnte ich weniger nachvollziehen, besonders nach den furchtbaren Geschehnisse, die sie zuvor durchmachen musste und durch wen.

Die Charaktere sind wunderbar lebendig dargestellt. Ich fühlte die Emotionen, die Schmerzen und die Hoffnung der Figuren durch die Seiten. Und ich hasste den einzigen, wirklich durch und durch bösen Charakter, dessen Handlungen ich kaum aushielt zu lesen.
Das Buch hinterlässt ein Wechselbad der Gefühle. Das Ende ist ein bisschen offen gehalten, aber der Großteil des Romans wurde abgeschlossen. Ein Spielraum für eine Fortsetzung wäre allerdings gegeben, die ich auf jeden Fall lesen würde. 

Schreibstil:
Anja Lehmann schreibt emotional, bewegend und abwechslungsreich. Ich konnte den Roman schwer aus der Hand legen und bangte mit den beiden Schwestern bis zum Ende mit, ob sie den Krieg überleben. Man fühlte sich beim Lesen, als würde man Marie und Sarah begleiten und mit ihnen mitleiden.

Fazit:
Ein bewegender Roman, der besonders zu Beginn alles andere als Leicht Kost ist. Das Schicksal zweier halbjüdischen jungen Frauen im Zweiten Weltkrieg, der mich in der ersten Hälfte begeistern konnte, der aber danach etwas abfällt. Ich fand die Geschichte trotzdem sehr lesenswert und empfehle sie gerne weiter!
Mein Dank gilt der Autorin für das Rezensionsexemplar und die Begleitung der Leserunde bei Lovelybooks, welches jedoch nicht meine Meinung zum Buch beeinflusst!

5 Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    das klingt nach einem interessanten und berührenden Buch. Irgendwie häufen sich im Moment die Romane mit dieser Kriegs- und Nachkriegs-Thematik. Deine Rezi liest sich schlüssig, ich werde das Buch aber eher nicht lesen.

    Ich habe gerade "Winterwundertage" von Karen Swan erhalten und freue mich auf ein wenig weihnachtliche leichte Kost.

    Liebe Grüße und einen guten Wochenstart,
    Barbara

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  2. Vielen Dank, Martina, du hast ja wirklich eine sehr schöne Blog-Seite. Ich folge Dir dann mal;) ...

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  3. Danke für deine aussagekräftige Rezension, dieses Buch ist ein "must have" für mich und landet sofort auf meiner Wunschliste, nachdem ich mir nun auch noch die Leseprobe angesehen habe.

    Schön, dass du deine Leseerfahrungen in dieser Form mit anderen teilst :-)

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    1. Gern geschehen Lexi! Ich kann dir auch "Überleben - Der Gürtel des Walter fantl" sehr ans Herz legen!!! Besonders auch als Österreicherin..
      Liebe Grüße
      Martina

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