Rabenjahre - Anne Stern



    • Taschenbuch: 233 Seiten
    • Verlag: Independently published (17. August 2018)
    • ISBN-10: 1983296791
    • ISBN-13: 978-1983296796
    • Genre: historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Familie Pauly Saga

Amazon Kurzbeschreibung:
Norddeutschland, 1939. Die junge Waise Johanna geht auf einem Bauernhof bei Hamburg in Stellung. Niemand ahnt etwas von ihrer jüdischen Herkunft. Doch bald gerät Johanna in Gefahr und muss Hals über Kopf fliehen. Ihre Flucht führt sie mitten im Krieg durch Deutschland. Als Kindermädchen auf Gut Delow in Vorpommern scheint sie endlich einen Platz im Leben gefunden zu haben. Doch dann kommt Johanna die Liebe dazwischen. Als sie ein Kind erwartet, überschlagen sich die Ereignisse. Die russische Armee steht vor dem Gutshof und mit ihr das Kriegsende 1945. Doch Johanna kämpft für ihre Freiheit und für die Liebe zu ihrer Tochter. Und sie fasst einen mutigen Entschluss, um für Brigitta und sich endlich ein Zuhause zu finden.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im zweiten Band der Familie Pauly Saga, den man auch ohne Vorkenntnisse lesen kann, ist Johanna unsere Hauptprotagonistin.
Als 16jährige verlässt sie endlich das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen ist. Nur mit ihren Kleidern am Leib und einem Notenblatt, das einst ihrer jüdischen Mutter gehörte, tritt sie eine Stellung als Magd auf einem Bauernhof im Umland von Hamburg an. Dort erwartet sie schwere harte Arbeit, aber endlich genug zu essen. Doch die eifersüchtige Magd Freya und der anfangs sympathische Knecht Tobias lassen Johanna bald erkennen, dass sie nicht erwünscht ist. Tobias unsittliche Anmache und ihr jüdiches Aussehen bringt sie in Gefahr und nach einem Zwischenfall muss Johanna flüchten. Nach Wochen auf der Flucht findet sie bei Familie Westphal auf Gut Delow in Vorpommern eine neue Anstellung als Kindermädchen. Doch auch der Gutsherr hat ein Auge auf die schöne junge Frau geworfen. Johanna erwidert seine Gefühle, die sie bald in Schwierigkeiten bringen.
Als 1945 die Russen im Gebiet einfallen, Flüchtlingsströme das Gut erreichen und sich Soldaten im Herrenhaus einquartieren, wird die Not und die Gefahr für Johanna noch größer. Doch sie kämpft weiter...wie sie es seit ihrer Geburt kennt...

Die Entbehrungen der Kriegsjahre sind sehr eindrucksvoll und lebendig beschrieben. Auch die immer schwelende Gefahr in der sich Johanna befindet, obwohl sie als Deutsche im Kinderheim aufgezogen wurde, ist immer greifbar. Als der Krieg verloren und die Russen an Territorium gewinnen, wird auch die Not der Bevölkerung sehr plastisch dargestellt. Übergriffe, Plünderungen und Angst sind an der Tagesordnung und die Menschen müssen sich so gut es geht mit der Situation arrangieren.

Die Charaktere sind sehr authentisch dargestellt und sind mitten aus dem Leben gegriffen. Ich konnte mir jeden Einzelnen davon bildhaft vorstellen.
Johanna ist eine starke junge Frau, die von klein auf kämpfen muss. Sie ist sich ihrer Schönheit nicht bewusst, sondern hat eher wenig Selbstbewusstsein und möchte vorallem nicht auffallen. Sie ist durch die harten Jahre im Waisenhaus harte Arbeit gewöhnt, mutig und gibt nicht schnell auf. Ihr Wunsch herauszufinden, warum ihre Mutter sie weggeben hat und wer diese Frau war, geben ihr ein Ziel vor Augen.
Carl von Westphal ist ein schwacher Mann und steht unter dem Pantoffeln seiner Frau Gudrun, welche eine glühende Anhängerin Hitlers ist. Seit der Geburt ihrer Töchter leidet sie unter Depressionen und ist eine sehr kühle und arrogante Person. Ihr jüngster Sohn Friedrich leidet besonders unter der Nichtbeachtung seiner Eltern und findet in Johanna eine gute Freundin. Friedrich ist mir sehr ans Herz gewachsen und ein sehr warmherziger und neugieriger Junge, der sich um alles Mögliche Gedanken macht.
Hans, ein Junge, den Johanna auf ihrer Flucht kennenlernt, ist mir ebenfalls ans Herz gewachsen. Der jüdische Junge musste mitansehen, wie seine Mutter ermordet wurde und ist seitdem auf der Flucht. Einzig seinen Namen hat er von David auf Hans geändert. Er vertraut niemanden und schlägt sich alleine durch.

Einen kleinen Blick in die Vergangenheit werfen wir mit kurzen berührenden Briefen von Johannas Mutter an ihre Tochter, die in kursiver Schrift eingefügt sind.

Das Ende war mir dann leider etwas zu schnell und viel dem Zufall gewidmet. Es überschlugen sich die Ereignisse und mir waren auf den noch verbleibenden Seiten zu viel an Information verpackt.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist sehr bildhaft, detailiert und ausgeschmückt. Gefühlvoll beschreibt die Autorin die Gedanken und die Ängste von Johanna. Die Figuren sind lebendig und haben Ecken und Kanten. Auch die Gegend rund um Hamburg konnte ich mir bildlich sehr gut vorstellen.
Der Titel ist gut gewählt, denn Raben kommen in verschiedenen Variationen immer wieder im Roman vor.

Fazit:
Eine bewegende Fortsetzung der Familie Pauly Saga, die auch alleinstehend gut zu lesen ist. Ein Stück Zeitgeschichte, das bewegt und mit dem Schicksal der Waise Johanna dem Leser diese Zeit nahe bringt. Ich freue mich schon auf den dritten Teil der Reihe.

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

Die Familie Pauly Reihe:
  1. Das Glück ist ein flüchtiger Vogel *Rezi*
  2. Rabenjahre
  3. Die Asche des Flieders

1 Kommentar:

  1. Liebe Martina,

    deine Reise scheint vorbei zu sein, ich hoffe, du hattest eine tolle Zeit mit deiner Tochter.

    Diese Rezi liest sich wieder super, ich mag ja solche historisch unterlegten Romane sehr. Leider wieder eine Buchreihe und um die mache ich immer gern einen Bogen. Zu sehr fühle ich mich dann immer verpflichtet, alle Bücher der Reihe zu lesen.
    Danke für die Vorstellung.

    Liebe Grüße und eine gute Woche,
    Barbara

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