- Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
- Verlag: Brunnen (14. September 2017)
- ISBN-10: 3765509841
- ISBN-13: 978-3765509841
- Genre: Biografie, Erfahrungsbericht
Brunnen Verlag Kurzbeschreibung:
Max Schimke (1918 - 2001) erlebt in Berlin die Reichspogromnacht am 9. Nov. 1938. Mit 20 Jahren wird er zur Wehrmacht eingezogen. Zunächst an der Westfront eingesetzt, wird er in Frankreich bei einer Familie in der Nähe von Paris einquartiert. Er unterstützt die Familie, will nicht ihr Feind sein. Gefährlich wird es für ihn nach der Verlegung an die Ostfront: Russland, die Ukraine und der Balkan werden seine Einsatzorte. Im Nachhinein sieht Max, dass die Bewahrung in brandgefährlichen Situationen Gottes Eingreifen für ihn war. Bei seinem Tod hinterlässt Max viele handgeschriebene Seiten mit seinen Erfahrungen. In eindrücklichen Szenen schildert er darin, was Krieg und Verfolgung für Menschen bedeuten. Sein Sohn Werner Schimke hat aus diesen Aufzeichnungen ein kostbares, spannendes Buch zusammengestellt.
Meine Bewertung: * * *
Meine Meinung:
Dieser Roman basiert auf die Tagebucheinträge und Feldpostbriefe von Max Schimke, dessen Sohn Werner seine Gedanken und Informationen zusammengesammelt und in Buchform veröffentlicht hat.
Nach dem Tod meiner Mutter im Sommer haben meine Geschwiester und ich Briefe meines im Krieg verschollenen Onkels gefunden, die uns unsere Mutter nie gezeigt hat. Deshalb war ich besonders an diesem Büchlein interessiert.
Leider konnte es meine Erwartungen nicht erfüllen. Ich hatte das Gefühl hier reine Aufzählungen zu lesen, denen es noch dazu an Emotionen fehlte. Sicherlich ist es sehr schwer über die Ereignisse im Krieg zu sprechen und alle, die noch Eltern oder Großeltern haben, die im Zweiten Weltrkieg waren wissen, dass viele einfach gar nicht davon erzählen wollen. Trotzdem enthielten die wenigen Feldpostbriefe und Karten meines Onkel in den wenigen Zeilen mehr Emotionen, als dieses Buch.
Der Berliner Max Schimke wird als 20-jähriger zur Wehrmacht eingezogen. Zuvor erlebt er noch die Reichskristallnacht hautnah mit, als er auf dem Weg zu seinem jüdischen Schneider ist, den er bezahlen möchte. Dieser wird von den SA-Männer auf die Straße gezerrt, brutal zusammengeschlagen und sein Geschäft zerstört. Hilflos sieht Schimke zu und schämt sich lange Zeit, dass er nicht eingegriffen hat. Diese Erzählung und jene, als er den besagten Schneider am Bahnhof wiedertrifft, wo die jüdischen Gefangen in Viehwaggons abtransportiert werden, sind die einzigen Stellen, die mich etwas berühren konnten.
Der Schreibstil ist sehr sachlich und einfach. Oft hatte ich das Gefühl gar keinen Kriegsbericht zu lesen, denn die Schrecken des Krieges sind einfach ausgeklammert. Es sind viel mehr Aufzählungen wohin die Kompanie als nächstes unterwegs ist und welche Aufgaben ihnen zuteil wird. Ebenfalls wurde das Thema Judenverfolgung und Konzentrationslager, bis auf das kurze Zusammentreffen mit dem ehemaligen Schneider, überhaupt nie erwähnt. Etwas befremdlich fand ich die immer wiederkehrenden Hinweise, wie freundlich die Menschen die deutschen Soldaten begrüßen.
Viele Fotos sind auf diesen knappen 122 Seiten zu finden, die die Erzählung etwas persönlicher machen.
Eines kann man auf jeden Fall sagen: Max Schimke hatte unheimliches Glück! Auf den Weg nach Russsland, wo so viele Soldaten starben, wurde er abgezogen und in das ehemalige Jugoslawien versetzt. Die Kämpfe gegen die Partisanen waren sicher auch alles andere als einfach, aber der Kältetod wartete dort sicher nicht.
Mir steht es eigentlich nicht zu hier zu kritisieren, denn es ist eine wahre Geschichte und normaler Weise verteile ich bei Biografien und Erfahrungsberichte keine Sternchen, aber die sehr einfache und emotionslose Schreibweise konnte mich nicht wirklich berühren und überzeugen. Ich hatte mir von diesem Buch einfach mehr erwartet....
Fazit:
Obwohl wir hier einen Erfahrungsbericht aus dem Zweiten Weltkrieg haben, fehlten mir gänzlich die Emotionen. Die Schrecken des Krieges werden ausgeklammert, die Judenverfolgung kaum erwähnt und obwohl Max Schimke wirklich sehr viel Glück bei seinen Einsätzen hatte, hätte ich mir doch etwas mehr "Gefühle" erhofft. Ich würde diesen Erfahrungsbericht eher Einsteiger empfehlen, die noch keine Lektüre zum Zweiten Weltkrieg gelesen haben...
Vielen Dank an den Brunnen Verlag für das Rezensionsexemplar!
















Ich finde es nicht schlimm, hier Sternchen zu verteilen, denn bewertet wird ja nicht das Erlebte, das können wir "Unbeteiligten" eh niemals ganz fassen, sondern die Darstellungsweise. Ich behalte das Buch dennoch im Hinterkopf, vielleicht sehe ich es mal in der Bibliothek stehen.
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