- Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
- Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (6. März 2017)
- ISBN-10: 3518425870
- ISBN-13: 978-3518425879
- Genre: Gegenwartsliteratur
Suhrkamp Kurzbeschreibung:
Sommer 1972. Benjamin ist vor einigen Wochen elf geworden. Im nächsten Schuljahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Ben hat mit dem Leben zu tun, er muss für das Fußballtor wachsen, sein bester Freund erklärt ihm die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm. Mit seiner neuen Armbanduhr berechnet er die Zeit.
Meine Bewertung: * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Als der achtjährige Jonas nach einem Wettschwimmen und einem darauffolgenden unerklärlichen Anfall ins Krankenhaus eingeliefert wird, denkt noch niemand daran, dass er bald sterben wird. Doch nach etwas mehr als einer Woche ist er tot. Eine eindeutige Diagnose von den Ärzten gibt es nicht. Alleine diese Vorstellung finde ich absolut furchtbar. Da ich selbst Mutter bin, kann ich nur sagen, dass der Tod eines Kindes wohl das Allerschlimmste überhaupt sein muss. Gefangen in ihrer Trauer und Fassungslosigkeit bleiben Ben, der elfjährige Bruder, und Ruth, die Mutter, zurück....jeder für sich und restlos mit der Situation überfordert.
Der Grundtenor dieses Romans ist der Verlust, Einsamkeit und die Trauerbewältigung. Kein einfaches Thema und trotzdem wurde es in einer Geschichte verpackt, die aus der Sicht des elfjährigen Bens erzählt wird. So erhält es einen leichteren Ton. Zu Beginn war ich wirklich sehr angetan von der Schreibweise, die besonders die Gefühlwelt von Ben und Ruth beschreibt. Beide trauern auf ihre Weise, wobei ich mich als Mutter zuerst mehr in Ruth hineinfühlen konnte. Sie tat mit unsagbar leid, denn Ruth hat wirklich niemanden.....keine Freundinnen, der Mann hat sie verlassen und gründet bereits mit seiner momentanen Freundin eine neue Familie, die Schwiegermutter dement und die eigenen Eltern in der DDR lebend, die nicht einmal zur Trauerfeier des Enkelkindes anreisen durften. In den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war ich, wie Ben in dieser Geschichte, ebenfalls ein Kind und so erkannte ich viele Dinge aus dieser Zeit wieder - Dinge, die so typisch für diese Zeit waren und die viele Kindheiten geprägt haben. Und so hatte ich anfangs das Gefühlt ein kleines Buchjuwel in den Händen zu halten.
Leider ließ meine Euphorie aber nach dem ersten Drittel rasch nach. Der Lesefluss stoppte und es gab einige Handlungsstränge, die ins Leere führten und bei denen ich mich am Ende fragte, warum der Autor diese überhaupt in die Erzählung miteinbrachte. Diese zusammenhanglosen Ereignisse füllten zwar die Seiten, brachten die Geschichte aber nicht wirklich weiter. Außerdem begann sich beim Lesen eine Distanz zu den Figuren aufzubauen, der ich mich nicht entziehen konnte. So hatte ich das Gefühl an der Oberfläche der Geschichte zu kratzen und das Lesen wurde immer anstrengender. Durch einzelne Rückblenden, die sehr sprunghaft und abschweifend waren, erhielt der Roman einige Längen, die den Lesefluss stoppten.
Während Ruth mit ihrer Trauer auf der Stelle tritt, immer depressiver wird und mit der Situation vollkommen überfordert ist, hat Ben Freunde und erlebt gerade den Sprung vom Kind zum Teenager. Eine aufregende Zeit, die er sich aber manchmal nicht zu leben traut, wie etwa der Besuch des Schwimmbades mit seinen Freunden. In seinem Nachbarn, Herrn Gäbler, findet er endlich einen Erwachsenen, mit dem er über den Verlust reden kann, denn zwischen Ben und seiner Mutter steht eine tiefe Sprachlosigkeit. Langsam findet Ben wieder den Weg zurück in ein "normales Leben" und hat trotzdem immer noch das Gefühl mitschuldig am Tod seines Bruders zu sein.
Ich denke der Autor wollte im Großen und Ganzen ausdrücken, dass zwar die Trauer bleibt, aber das Leben weitergeht. Trotz der Thematik blieb diese Geschichte für mich zu sehr an der Oberfläche. Kein einfaches Buch...leider überzeugte es mich nur teilweise.
Schreibstil:
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal aus der Sicht von Ben in eher kindlicheren Worten und einige Teile aus der Sicht von Ruth. Stephan Lohse schreibt einerseits sehr poetisch, aber auch einfach. Es finden sich tolle Zitate auf den etwas mehr als 300 Seiten. Die Sätze sind eher kurz gehalten, die Kapitel sind lang und in weitere Unterteilungen gegliedert.
Fazit:
Eine nicht einfacher Roman, der mich zu Beginn sehr berühte, jedoch durch zusammenhanglose Ereignisse und etliche Längen viel Substanz verliert. Leider konnte mich die Geschichte nicht wirklich packen und überzeugte mich nur bedingt.
Vielen Dank an den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar!
















Hallo Martina,
AntwortenLöschenso, jetzt bin ich beruhigt, dass ich doch die Finger davon gelassen habe. Ich wollte es mir schon fast zulegen. Es hört sich doch recht mühsam an!
Liebe Grüße,
Nicole
Ja, leider! Im Moment hadere ich überhaupt mit meinen Büchern...entweder komme ich nicht vom Fleck oder man wird depressiv dabei....aber vielleicht bin ich auch gerade in einer komischen Lesestimmung.
LöschenLiebe Grüße
Martina
Hallo Martina,
AntwortenLöschenSchade, was du am Anfang geschrieben hast klang so gut und in Gedanken hatte ich das Buch schon auf die Wunschliste gesetzt.
Doch das deine Euphorie dann recht schnell nachgelassen hat, ist deinen Worten gut zu entnehmen.
Jetzt bin ich ganz hin und her gerissen. Soll ich dem Buch trotzdem eine Chance geben, oder lieber die Finger davon lassen? hm...
Liebe Grüße und Danke für diene Einschätzung. Irgendwie hast du mich jetzt aber neugierig gemacht...
Julia
Liebe Julia,
Löschenich kann dir leider nicht wirklich helfen ;)...jeder hat einen anderen Geschmack. Ich hatte das Buch vom Verlag und habe es dann zeitgleich in einer Lovelybooks LR mitgelesen. Auch da waren die Meinungen sehr unterschiedlich!! Am Besten ausprobieren....;)
Liebe Grüße
Martina
Ja, das ist ja generell immer eine gute Taktik. ;) Aber es gibt ja auch immer so viele tolle Bücher, da will man seine kostbare Lesezeit ja auch nicht mit einem "blöden" Buch vergeuden. Schwierige Abwägung. Mal sehen, was ich mache...
LöschenLiebe Grüße