- Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
- Verlag: Droemer HC (1. September 2016)
- ISBN-10: 3426281325
- ISBN-13: 978-3426281321
- Genre: Gegenwartsliteratur
Droemer Kurzbeschreibung:
Es ist eine kurze, zufällige Begegnung auf der Reise nach Italien: Max, Paul, Felix und Juliane – vier junge Leute, voller Träume für die Zukunft, treffen im Nachtzug nach Rom aufeinander. Juliane und Paul werden heiraten, Max und Felix sich auf eine Weltreise begeben. Nach zwanzig Jahren trifft Juliane Felix zufällig in einer Galerie wieder und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die er jedoch ohne jede Erklärung abbricht. Erst Monate später erfährt Juliane - ausgerechnet von ihrem Mann - den Grund. Die Wahrheit ist furchtbar und lässt das Leben aller eine dramatische Wendung nehmen.
Meine Bewertung: * * * * undeinhalb
Buch zur Droemer Knaur Challenge
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Der Roman "bleiben" von der österreichischen Autorin Judith W. Taschler ist eine Geschichte, für die man sich Zeit nehmen sollte. Ihre vier Protagonisten, die sich vor zwanzig Jahren im Zugabteil kennengelernt und wieder aus den Augen verlieren, haben mich noch tagelang nicht verlassen.
Diese Vier sind Paul, Felix, Max und Juliane, die auf den Weg von Wien nach Rom nacheinander zusteigen und sich erst im Zugabteil kennenlernen. Doch in zwanzig Jahren werden sie wieder aufeinander treffen: Paul und Juliane als Ehepaar und Felix und Max als gute Freunde, die nach dieser schicksalshaften Zugfahrt gemeinsam eine Studentenwohnung in Wien gemietet haben. Felix ist heute Fotograf und Max ein berühmter Kunstmaler. Damals in Rom, als Juliane noch am Bahnhof ihr Cello auspackt und spielt, fotografierte Felix die junge Frau und Max fertigte Skizzen der spielenden Juliane an. Zwanzig Jahre später entdeckt Julianes Tochter ein Gemälde ihrer Mutter, versunken im Cellospiel, in einer Wiener Galerie. Max Bauer stellt dort seine Werke aus und als Juliane die Ausstellung besucht, trifft sie auch auf Felix. Die Beiden beginnen eine heftige Affäre, die Felix jedoch nach einem halben Jahr ohne Erklärung beendet.....
Die besondere Weise, wie die Autorin diese Geschichte erzählt, ist außerordentlich interessant, aber auch gewöhnungsbedürftigt. Jeder Protagonist erzählt abwechselnd aus der Ich-Perspektive. Außergewöhnlich macht diese Erzählform jedoch die direkte Ansprache an den Leser. Ich hatte das Gefühl, jeder der vier Figuren führt direkt ein Gespräch mit mir und erzählt seine bewegende Geschichte. Jedoch bemerkt man schnell, dass alle vier Protagonisten einen anderen Freund haben, der ihr Ansprechpartner ist und dem sie ihre Sicht der Dinge erzählen. Diese Personen bleiben jedoch bis zum Ende hin unbekannt. Das klingt jetzt etwas verwirrend, war für mich aber eine sehr interessante neue Leseerfahrung. Ich fand diese ungewöhnliche Perspektive sehr interessant. Diese bewirkt auch, dass man sich den vier Protagonusten näher fühlte, die ihre Geheimnisse "mir dir" teilen.
Mit der Zeit erfährt man mehr und mehr über die vier Freunde und deren Geheimnisse.
Juliane hat ein schreckliches Kindheitstrauma zu verarbeiten, bei dem ihr der ruhige Paul eine große Hilfe war. Ihre Ehe basiert nicht unbedingt auf Leidenschaft und der großen Liebe, aber sowohl Paul, als auch Juliane haben nicht wirklich danach gesucht.
Felix hat früh seine Mutter verloren und kommt aus Südtirol. Hier hat mir die geschichtliche Komponente sehr gut gefallen, die das Thema "Italianisierung" aufgreift. Gehörte Südtirol vor dem ersten Weltkrieg noch zu Österreich-Ungarn, wurde es 1919 Italien zugesprochen. Danach begann die Italianisieurung, die eine vollständige Ausmerzung der deutschen Sprache und den österreichischen Charakters der Region zum Ziel hatte. Nach bzw. während des Zweiten Weltkrieges hatten die Südtiroler die Wahl auszuwandern und sich dem Dritten Reich anzuschließen oder sich italianisieren zu lassen (ohne ethnischen Minderheitenschutz in ihrer Heimat zu bleiben). Die Probleme, die Felix Eltern und Großeltern durch diese willkürlichen politischen Änderungen hatten, wird hier sehr gut beschrieben.
Auch Max, der mit drei Jahren ins Heim kam und eine Kochlehre begann, hat keine einfache Kindheit und schafft trotzdem den Sprung zum Berufskünstler.
Ich muss zugeben, dass ich nicht mit einer Geschichte gerechnet habe, die so tief unter die Haut geht. Es geht um Beziehungen, Freundschaft, Toleranz, Verrat und den Tod - Stationen eines ganz normalen Lebens, welche in "bleiben" jedoch sehr tiefgründig beschrieben werden. Ich empfehle den Roman gerne weiter und werde nun nach anderen Werken der Autorin Ausschau halten....
Schreibstil:
Judith W. Taschler schreibt eindringlich und bildgewaltig. Ihre Charaktere sind wunderbar gezeichnet und haben Tiefe. Die besondere Art und Weise, wie sie diese Geschichte erzählt, hat mich fasziniert. Diese Erzählform ist zwar anfangs gewöhnungsbedürftig, aber trifft den Kern des Romanes perfekt.
Fazit:
Der Roman ist eindringlich und bietet hohes literarisches Niveau. Die Geschichte hat mich berührt und wirkte noch Tage später nach. Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung!
















Das hast du sehr schön geschrieben, liebe Martina. Das Buch spricht mich inhaltlich komplett an, ich werde es auch jeden Fall auch lesen denn du hast mich sehr neugierig gemacht. Liebe Grüße und noch einen schönen Ostermontag wünsche ich dir :)
AntwortenLöschenAllerliebste Martina
AntwortenLöschenDeine Rezension hat mich gerade umgehauen und ich habe das Buch direkt beim Verlag angefragt :-)
Vielen Dank für den tollen Tipp und noch eine gute Woche
Livia
Liebe Livia,
Löschenich denke, dass Buch ist auch etwas für dich oder hat dich das Cello fasziniert? ;) Viel Glück für die Anfrage!
LG Martina