GEORGE - Alex Gino




    • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
    • Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (25. August 2016)
    • ISBN-10: 3737340323
    • ISBN-13: 978-3737340328
    • Genre: Jugenbuch



Fischer Kurzbeschreibung:
George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Das Thema Transgender wird nicht sehr oft in Büchern angesprochen, vorallem nicht in Kinder- oder Jugendbüchern. Doch gerade in diesem Alter finde ich Romane zu Themen, die sich nicht mit der "Normalität" eines Menschen beschäftigen, sehr wichtig. Denn was ist "normal"?

Alex Gino hat in "George" dieses Thema aufgegriffen und für seine Figur ausschließlich weibliche Pronomen verwendet, denn George selbst spricht von sich als Mädchen, als welches er sich fühlt. Er nennt sich selbst Melissa und das verwirrt ganz zu Beginn etwas. Doch sehr schnell wird ersichtlich, dass es sich um einen Jungen von zehn Jahren handelt, der sich im falschen Körper fühlt. George liebt nun mal Mädchenkram und hortet heimlich im Kleiderschrank Mädchenzeitschriften. Ihr größter Wunsch ist jedoch bei der Schulaufführung die Hauptrolle der Spinne Charlotte zu spielen, für die jedoch nur Mädchen vorsprechen dürfen. George vertraut sich ihrer Freundin Kelley an, die ihr Mut zuspricht und sie unterstützt.

Alex Gino versucht das Thema unvoreingenommen anzugehen und  Georges Wunsch ein Mädchen zu sein als völlig normal hinzustellen. Das ist völlig okay und man spürt auch, dass George ganz einfach ein Mädchen sein möchte. Was mir allerdings fehlte, waren die Reaktionen der Umgebung, die entweder gar nicht darauf reagierten oder es ebenfalls als "normal" ansahen. So ist es im richtigen Leben nicht und auch das sollte die Autorin meiner Meinung nach aufzeigen. Ich bin mir sicher, dass ihr Outing nicht so ganz reibungslos vonstatten ging, wie es hier beschrieben wird. Natürlich will man auch kein zehnjähriges Kind zu sehr verunsichern und Alex Gino möchte hier ja Hilfestellung geben, trotzdem sollte man auch die beginnenden Probleme ansprechenn vor denen George unweigerlich stehen wird oder wenn man von Lösungen spricht, diese auch erklären.
So wirklich angekommen ist bei mir die Gefühlswelt von George nicht. Einzig bei der Schulaufführung spürt man das Herzblut und den Wunsch unbedingt die weibliche Hauptrolle spielen zu wollen. Ständig werden die typischen Mädchenklischees hervorgehoben, wie die Farbe rosa oder Prinzessinen. Weder meine Tochter noch ich selbst, mochten rosa, Puppen oder Prinzessinnen. Während man versucht auf der einen Seite das Schema "Was ist normal?" zu druchbrechen, werden auf der anderen Seite diese typischen Klischees hervorgekramt! Das Widerspricht sich meiner Meinung nach komplett!

Ich bin auch etwas im Zwiespalt, ab welchen Alter man dieses Buch lesen sollte. Es vermittelt zwar, dass es eben sein kann, dass man im falschen Körper steckt und dies nicht so schlimm ist. Die Autorin spricht auch die Möglichkeit einer Geschlechtsumwandlungen an und dass es diese Möglichkeit gibt, aber genauer darauf eingegangen wird nicht. Sicherlich ist es ein Kinder- oder Jugendbuch, aber wenn man diese Worte schon erwähnt, dann würde ich mir auch eine Erklärung dazu wünschen. Die Zielgruppe, die die Autorin ansprechen will, hat sicherlich keinerlei Hintergrundwissen zur Geschlechtsumwandlung und weiß nicht, was hinter einer Hormontherapien steckt. Das Problem wird meiner Meinung nach nur angerissen, aber Lösungen oder Hilfestellungen werden nicht geboten. Das Ende des Buches fand ich ebenfalls etwas abrupt und irgendwie fühlte ich mich plötzlich wie im Regen stehen gelassen....

Die Botschaft, dass man zu sich selbst stehen soll, kommt an. Doch die Gefühle, die Emotionen und die Zweifel der Betroffenen fehlten mir. Vieles fand ich zu oberflächlich. Es gelang mir nicht in die Geschichte einzutauchen.

Schreibstil:
Man merkt, dass die Autorin nicht wirklich das Handwerk "gelernt" hat und es an der Art der Umsetzung hapert. Auf der anderen Seite ist es sicherlich auch besser, einen eher einfachen Schreibstil für ein Kinderbuch und Jugendbuch zu verwenden.
Viele Bücher, in denen von Problemen oder speziellen Themen gesprochen wird, werden sehr oft von der betreffenden Person und einem Autor gemeinsam geschrieben. Vielleicht hätte dies geholfen, auch wenn der Roman mit den Lambda Literary Award und dem Stonewall Book Award ausgezeichnet wurde.

Fazit:
Ein Thema, das sicherlich angesprochen gehört und das in der Literatur bis jetzt kaum Beachtung gefunden hat. So finde ich es wirklich gut, dass Alex Gino sich dem Thema Transgender gewidmet hat. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es schon für Zehnjährige geeignet ist. Auch wenn die Botschaft ankommt, fand ich die Umsetzung nicht immer gelungen. Mir fehlten die Emotionen und der Tiefgang.


3 Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    ein Buch zu einem sicherlich schwierigen Thema. Aber höchstwahrscheinlich bringt es den Betroffenen mehr, sich Eltern oder Psychologen gegenüber zu öffnen, als dieses Buch zu lesen.

    Liebe Grüße und ein schönes WE noch für dich!
    PS: Bei uns gibt es heute Hackbratenreste und Kürbissuppe, die wärmt so richtig gut durch!

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  2. Steht auf meiner Wunschliste, wenn ich mich nicht irre. :) Mit dem Thema möchte ich mich wirklich gern mehr beschäftigen!

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  3. Ich fand ebenfalls vieles zu oberflächlich und vor allem einfach in den Raum rein geworfen.

    "Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es schon für Zehnjährige geeignet ist."

    Auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht und finde, dass es in dieser Form einfach zu viele Fragen offen lässt. Ein Kind in diesem Alter hat sich über dieses Thema sicher noch nicht im Internet schlau gemacht, sondern wird hier vielleicht zum ersten Mal damit konfrontiert. Umso wichtiger hätte ich es gefunden, wenn die Autorin dann auch Erklärungen zu gewissen Dingen mitliefert.

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