- Taschenbuch: 288 Seiten
- Verlag: Knaur TB (1. September 2016)
- ISBN-10: 3426519739
- ISBN-13: 978-3426519738
- Genre: Gegenwartsliteratur
Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer. Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.
Meine Bewertung: * * * *
Buch zur Knaur Challenge
Meine Meinung:
Sich mit dem Thema Alzheimer in einem Roman auseinanderzusetzen ist nie einfach. Die Krankheit ist eine sehr ernst zunehmende Sache, die sich leider immer mehr verbreitet und trotzdem igrendwie ein Tabuthema bleibt. Carin Müller zeigt in ihrem Roman, wie eine Familie fast daran zerbrechen kann und trotzdem wieder zu sich findet.
Mit viel Gefühl erzählt sie die Geschichte der Familie Kaufmann, die nicht erst seit der Krankheit von Vater Felix eine problembeladene ist. Als seine Tochter Judith ihm eine Mittelmeerkreuzfahrt schenkt, will sie damit ihre Mutter entlasten und ihrem Vater seinen langersehnten Wunsch erfüllen, bevor die Krankheit schlimmer wird. Doch die pedante Ellen möchte ihren Mann nicht alleine lassen und bucht kurzerhand ebenfalls eine Passage, obwohl sie Schiffe hasst. Kurz vor der Abreise stößt auch noch Felix 17-jährige Enkelin Fabienne dazu, die von zuhause abgehauen ist und bei ihrer Tante Judith Unterschlupf gesucht hat. So wird sie gezwungerner Maßen das vierte Familienmitglied auf der "Flying Cloud".
Die knapp 280 Seiten des Romans sind schnell inhaliert. Die Kreuzfahrt durch das Mittelmeer dient lediglich als Rahmenhandlung, denn im Vordergrund stehen die familiären Konflikte, Streitereien und sehr viel Unverständnis. Man erfährt wie jede der drei Frauen mit Felix und der Krankheit umgehen. Die einzelnen Charaktere kommen dabei sehr lebendig rüber und zeigen nicht nur ihre guten Seiten.
Ellen, die sich am Rand der Erschöpfung befindet, steckt sich ihre eigenen Ziele viel zu hoch. Sie tritt nach außen hin immer souverän auf und versucht in jeder Lage Haltung zu bewahren. Judith, ein Workaholic, möchte die noch verbleibende Zeit mit ihrem geliebten Vater verbringen, jedoch sie unterschätzt die Situation, wie ein 24-Stunden-Alltag mit einem Alzheimerkranken aussieht, total. Doch vorallem stellen die täglichen Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Tochter die beide Frauen auf eine harte Probe. Nur Fabienne nimmt die Sache eher gelassen und nimmt ihren Opa einfach so wie er ist. Bis alle zu sich selbst finden, dauert es einige Zeit.....
Carin Müller versteht es sehr gut die Tücken der Krankheit darzustellen. Sie beschönigt weder das Unverständnis der Umwelt gegenüber einem an Alzheimer erkrankten Menschen, noch die Hilflosigkeit der eigenen Familie, sowie die der betreffenden Person. Felix vergleicht seine Krankheit selbst mit Wellen in seinem Kopf, die er nicht festhalten kann. Man spürt seine Traurigkeit, wenn ihm die richtigen Worte fehlen, aber auch die Wut, die er empfindet.
Die Autorin schreibt aus Erfahrung, denn auch ihr Vater hat Morbus Alzheimer und so kennt sie die Probleme, die durch die Erkrankung eines Familienmitgliedes enstehen können. Obwohl Carin Müller versucht den Roman mit einer Prise Humor zu würzen, lässt sie den Leser mit vielen Emotionen und einigen zum Nachdenken anregenden Themen zurück. Es ist ihr perfekt gelungen das Thema so wiederzugeben, dass man sich nach dem zuklappen des Buches noch lange damit beschäftigt.
Schreibstil:
Carin Müller hat einen leichten und flüssigen Schreibstil, der sich sehr gut lesen lässt. Trotz des ernsten Themas kommt auch der Humor nicht zu kurz und ist teilweise auch etwas überspitzt. Das nimmt den Konflikten, die sich besonders zwischen Mutter und Tochter sehr oft zuspitzen, ein bisschen die Schärfe.
Der Roman wird aus der Sicht der jeweils erzählenden Person beschrieben. So hat man Einblicke in die Gefühlswelt aller Familienmitglieder. Ganz hinten am Ende des Buches findet man noch eine Karte der Route des Kreuzfahrtschiffes.
Fazit :
Ein Roman mit einem ernsten Thema, das die Autorin hervorragend umgesetzt und zusätzlich mit einer Prise Humor gewürzt hat. So entstand eine emotionale Geschichte, die sich leicht lesen lässt und trotzdem viel zum Nachdenken anregt.
Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar, an Lovelybooks für die Leserunde und an die Autorin, die uns so nett durch die Runde begleitet hat.
















Ich finde das immer sehr gruselig, wenn Personen in Büchern meinen Namen haben. :D Da habe ich bisher erst eins gelesen. Dieses hier wäre dann also auch eine Option. :D
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