Still - Thomas Raab



    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: Droemer HC (14. Januar 2015)
    • ISBN-10: 3426199564
    • ISBN-13: 978-3426199565
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Krimi




Droemer Knaur Kurzbeschreibung: 
Nur eines verschafft Karl Heidemann Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms dieser Welt: die Stille des Todes. Blutig ist die Spur, die er in seinem Heimatdorf hinterlässt. Durch sein unfassbar sensibles Gehör hat er gelernt, sich lautlos wie ein Raubtier seinen Opfern zu nähern, nach Belieben das Geschenk des Todes zu bringen. Und doch findet er nie, wonach er sich sehnt: Liebe. Bis er auf einen Schatz stößt. Ein Schatz aus Fleisch und Blut. Ein Schatz, der alles ändert.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Still - Chronik eines Mörders" ist ein Roman, der sich äußert schwer in ein Genre einordnen lässt. Ich finde der Untertitel passt relativ gut, denn das Wort Chronik bedeutet laut Wikipädia "....eine geschichtliche Prosadarstellung, die die Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge geordnet darstellt"
Diese Erklärung passt für diese Geschichte hervorragend, denn sie beginnt mit der Geburt von Karl Heidemann und endet bei seinem Tode. (Das ist jetzt nicht gespoilert, denn bereits auf der ersten Seite wird das Ende seines Lebens angesprochen)

Aber nicht nur mit der Einordnung in ein Genre tut man sich schwer. Ebenso ergeht es mir mit einer Rezension zu diesem Buch. Wer gestern meine Blogpost zur Lesung von Thomas Raab gelesen hat, wird sich wohl schon denken können, dass mir dieses außergewöhnliche Buch gefallen hat. Kein Buch (außer vielleicht Shades of Grey) hat die Leser in zwei so unterschiedliche Lager gespalten und ich gebe zu, es ist schwer zu lesen. Man muss sich Zeit nehmen....Zeit für diesen poetischen Stil, der außergewöhnlich ist oder wie manche auch sagen "altmodisch"....und für die Geschichte selbst.
Da ich dem Autor bereits bei einer früheren Lesung begegnet bin, kannte ich seinen Schreibstil und seine Sprache bereits. Viele lieben diesen Stil in seinen Metzger-Krimis. Ich muss sagen, dass ich bei einem eher amüsanten Krimi diese Prosa und die langen Sätze nicht wirklich brauche. Deshalb werde ich auch seine bereits berühmten Metzger-Krimis nicht lesen! Doch für "Still" passen diese Worte voller Poesie perfekt.

6. Dezember 1982, Jettenbrunn, ein kleines Dorf in Österreich.
Als Karl zur Welt kommt, wird er von seinen Eltern, Charlotte und Johann Heidemann, sehnlichst erwartet. Doch ihr Kind ist nicht wie die Anderen, denn es hat einen übersensiblen Gehörsinn. Kaum ist er auf dieser grellen und lauten Welt, beginnt er zu schreien. All diese Geräusche, die ihm im Kopf dröhnen bereiten Karl Kopfschmerzen....das Singen und Summen seiner Mutter, Schritte, Fahrzeuge, sogar der Regen, der auf das Fenster klopft...einfach alles. Seine Mutter ist verzweifelt und nach Tagen und Nächten mit Geplärre verliert sie kurz die Nerven...und Karl entdeckt eine Stille, die ihn überrascht und gut tut. Nachdem die Eltern bemerken, was mit Karl los ist und wie beide Teile miteinander leben können, dauert es einige Zeit. Doch dann baut ihm der Vater einen isolierten Raum im Keller und Karl ist glücklich. Dort unten in der Isolation lernt der Junge sehr schnell, denn er ist extrem intelligent. Und eines Tages sieht er die Erlösung durch den Tod, die ihm ein einzigartiges Gefühl bereitet: Glück.

Mehr möchte ich jetzt nicht mehr zum Inhalt sagen, denn dieses Buch muss man einfach selbst lesen, um zu verstehen. Wie oben in der Kurzbeschreibung angedeutet, ist dies jedoch kein Thriller und nicht wirklich ein Krimi. Karl mordet, aber für ihn kommt der Tod als Erlöser. Er lebt nach seinen eigenen Regeln, die er sich durch seine eigene Weltanschauung zurechtgelegt hat. Karl mordet nicht, wie Jean-Baptiste Grenouille in "Das Parfum", weil er aus dem Geruch vieler Mädchen einen einzigartigen kreieren möchte, sondern Karl will helfen. Man versteht diesen außergewöhnlichen Jungen manchmal richtig (ist das nicht erschreckend?) und man hofft mit ihm, dass er endlich findet, was er sucht: die Liebe.

Eine Stelle hat mich besonders beeindruckt und sehr nachdenklich zurückgelassen. Es geht um das Leben und Sterben von Menschen und Tieren. Raab spricht hier die Erlösung des Tieres durch die Spritze beim Tierarzt an.In der Geschichte ist Karl verwirrt, denn er begnet immer wieder Menschen, die qualvoll sterben müssen und die keine Erlösung finden. Nun wurde er aber Zeuge, wie vor seinen Augen ein Tier erlöst wird, den Menschen durfte er allerdings nicht helfen. Seine Gedanken dazu: " Dem Getier ein gnadenloses Leben, dafür den gnadenlosen Tod? Dem Menschen ein gnadenvolles Leben, dafür den gnadenlosen Tod? "

Der Roman ist in drei Teile geteilt: Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten.
Den Sprachstil habe ich oben schon angesprochen: poetisch, sprachgewaltig mit langen Sätzen.
Einige Ähnlichkeiten zu "Das Parfum" lassen sich nicht abstreiten. Diese beziehen sich aber eher auf den Erzählstil, die poetische Sprache und einen Hauptprotagonisten, der ein Außenseiter ist und eine Besonderheit hat. Besonders zu Beginn hat man dieses Gefühl, doch nach dem ersten Drittel schlägt die Geschichte eine ganz andere Richtung ein.
Nicht ganz 5 Sterne, weil mich das letzte Viertel des Buches nicht mehr ganz so beeindruckt hat, wie der Rest.

Cover:
Wasser spielt in dieser Geschichte eine große Rolle und deswegen finde ich das Cover sehr gut gewählt. Es hat eine beruhigende Ausstrahlung und drückt auch irgendwie die Stille aus, die auch im Buch vorhanden ist. Nicht umsonst nimmt man auch ähnliche Bilder für Meditationen oder zum Abschalten.

Fazit:
Eine etwas andere Geschichte. Ein Roman, der sich nicht einordnen lässt, der berührt und nachdenklich macht. Ein Buch, das noch lange nachwirkt. Einfach selbst lesen!


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