 |
| Die Bildrechte liegen beim Verlag |
- Gebundene Ausgabe: 590 Seiten
- Verlag: C.H.Beck; 1. Edition (20. Februar 2025)
- Übersetzer: Cornelius Hartz
- ISBN-10 : 3406829775
- ISBN-13 : 978-3406829772
- Originaltitel: The God of the Woods
- Genre: Roman, Spannungsroman
C.H. Beck Kurzbeschreibung:Es ist August 1975, ein Sommer, der das Leben vieler Menschen in den Adirondack Mountains für immer verändern wird. Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje im Sommercamp liegt, beginnt eine panische und groß angelegte Suche nach der 13-Jährigen. Das Verschwinden einer Jugendlichen im Naturreservat ist unter allen Umständen eine Katastrophe, aber Barbara ist keine gewöhnliche Camperin: Sie ist die Tochter der reichen Familie Van Laar, der das Camp und das umliegende Land in den Wäldern gehören. Und sie ist die Schwester von Bear, dem Jungen, der seit 14 Jahren vermisst wird. Kann das Zufall sein? Was wissen die anderen Kinder im Camp über Barbaras Verschwinden, und was verheimlichen die Angestellten, die im Schatten der Van Laars ihr Dasein fristen? Was hat der aus dem Gefängnis entflohene «Schlitzer» mit all dem zu tun und welche Geheimnisse hütet die Familie selbst?
Meine Bewertung: * * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Buch zur Music meets Book Challenge
Meine Meinung:Von Liz Moore habe ich bereits "
Long Bright River" gelesen, welches mir damals sehr gut gefallen und mich überrascht hat. Nun hat die Autorin mit "Der Gott des Waldes" eine Mischung aus einem Gesellschafts- und Spannungsroman geschrieben, der es in sich hat. Die Erwartungen waren hoch, denn das Buch wurde in der englischen Buchbubble bereits hochgelobt.
Die komplexe Geschichte ist so aufgebaut, dass man beim Lesen dabei bleiben oder kein weiteres Buch parallel lesen sollte. Und falls man es trotzdem macht, wird man bald das andere Buch liegen lassen, denn man möchte hier einfach nur weiterlesen und herausfinden, was passiert ist.
Es gibt viele Handlungsstränge und Zeitebenen zwischen 1961 und 1975, die sich mit beiden Fällen beschäftigen, nämlich dem Verschwinden von Barbara van Laar und ihrem Bruder "Bear", der 14 Jahre zuvor ebenfalls spurlos in den Wäldern der Adirondack Mountains verschwunden ist. Zusätzlich gibt es auch Rückblicke in das Jahr 1950, als Alice Peter Laar III. kennenlernt.
Das Naturreservoir gehört seit einigen Generationen der Familie Van Laar, die ein Sommercamp darauf eingerichtet haben. Jedes Jahr werden Kinder aus wohlhabenden Familien eingeladen, um die Ferien im Camp Emerson zu verbringen und zu lernen, wie man in der Wildnis überlebt.
Peter Laar III. und seine Frau Alice, die sich seit dem Verschwinden ihres Sohnes "Bear" mit Tabletten und Alkohol auf den Füßen hält, leben oberhalb des Feriencamps in ihrem Haus "Self Reliance". Ihre Tochter Barbara ist ein schwieriges Kind, die von ihren Eltern jedoch kaum wahrgenommen wird. Als sie den Wunsch äußert am Feriencamp teilnehmen zu wollen, stimmen diese zu, bevor es nach den Ferien in ein strenges Internat für schwererziehbare Kinder gehen soll. Der Wunsch kommt ihrem Vater sehr gelegen, denn bei der alljährlichen großen "Blackfly Goodbye Party" mit Geschäftspartnern, Künstlern und Möchtegern Stars würde Barbara nur stören.
Doch dann ist Barbara plötzlich verschwunden - wie vor 14 Jahren ihr Bruder. Bear wurde nie gefunden, ein "Schuldiger" jedoch verurteilt.
Neben den Van Laars spielen auch die Betreuer:innen des Camps und Tracy, ein Mädchen aus demselben Haus, in dem Barbara untergebracht und zu ihrer Freundin wurde, eine wichtige Rolle.
Durch den Wechsel der Zeiten und Sichtweisen der einzelnen Figuren, die aus ihrer Perspektive erzählen, wird Spannung aufgebaut. Über jeden Kapitel sieht man einen Zeitstrang und den Namen der erzählenden Person. Diese wechseln zwischen 1961 und 1975 und den Tagen und Monaten vor dem Verschwinden der beiden Kinder hin und her. Das verlangt Konzentration, bringt aber auch Spannung in den Roman.
Liz Moore lässt uns aber auch hinter die Fassade der oberen Schicht schauen, die Dekadenz der Gäste auf "Self Reliance" und der Familie Van Laar, dem sein Ruf und guter Name wichtiger sind, als seine Familienangehörigen. Mit welcher Arroganz er seine Frau klein hält, die Suche nach "Bear" in die falsche Richtung treibt und seine Tochter am besten aus seiner Familie entfernen würde, lässt einem den Atem stocken.
"Ein seltenes Juwel, ....über Familien der allerbesten - und allerschlimmsten Art"
(Paula Hawkins)
Eine weitere sehr interessante Figur ist Judyta Luptack, eine Ermittlerin aus dem New Yorker Bureau of Criminal Investigation, die erst kürzlich im Rang aufgestiegen ist und von ihren männlichen Kollegen trotzdem nicht ernst genommen wird. Ihre gute Kombinationsgabe, ihr Spürsinn und ihre Intelligenz fallen auch ihrem Vorgesetzten beim BCI, Denny Hayes auf, der sie unterstützt.
Durch den Genre-Twist, der bereits bei "Long Bright River" von der Autorin angewandt wurde, lässt sich das Buch sehr schwer einordnen. Es ist ein gesellschaftskritischer Roman, hat Krimi- und Thrillervibes und lässt sich trotzdem nicht in eine Kategorie eingliedern. Für mich sind diese Art Geschichten meistens Spannungsromane, die knapp an einem Thriller oder Krimi vorbeischrammen und zusätzliche wichtige Themen beinhalten.
Das Setting in den Wäldern der Adirondacks ist perfekt gewählt und wird gut dargestellt. Es gibt auch einen Plan des Camp Emerson und des Van-Laar Naturreservates auf der Innenseite zu Beginn und am Ende des Buches.
Vermisst habe ich hingegen ein Personenverzeichnis bei der Anzahl an Figuren.
Die Zeit rund um die Sechziger und Siebziger Jahre mag ich generell sehr und hier merkt man diesen Zeitraum vor allem bei der Suche nach den Kindern und den Ermittlungen der Polizei.
Beeindruckend ist die facettenreiche und bildhafte Darstellung der verschiedenen Charaktere, bei denen man das Gefühl hat, sie alle persönlich zu kennen. Besonders die weiblichen Figuren sind sehr interessant und faszinierend dargestellt. Sie treiben die Geschichte voran und werden doch von einer von Männer dominierenden Welt klein gehalten.
Cover:
von links nach rechts:
das englischsprachige Originalcover, das spanische, das italienische, das französische und das portugiesische Cover
Fazit:
Ein vielschichtiger Genre-Mix aus Gesellschaftsroman und Thriller, sehr komplex, aber auch sehr einnehmend und spannend. Ein Roman, dem man nicht so schnell wieder vergisst. Großes Kino!
Vielen Dank an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar!