[Die Telefonistinnen] Stunden des Glücks - Nadine Schojer

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    • Broschiert: 320 Seiten
    • Verlag: Lübbe; 1. Aufl. 2024 Edition (26. April 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3757700333
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3757700331
    • Genre: Historischer Roman



Lübbe Kurzbeschreibung:
Köln, 1948. Der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Es sind vor allem die Frauen, die für sich und ihre Familien in der zerstörten Stadt ein neues Leben aufbauen. Als Telefonistinnen sorgen Gisela, Hannelore und Julia in einer großen Versicherung für die richtigen Verbindungen zwischen innen und außen. Jede hat ihre eigene Geschichte, für jede von ihnen ist die Arbeit lebenswichtig, jede hat Geheimnisse. Auch Charlotte, die neue Kollegin, die auftritt, als gehörte ihr das Unternehmen. Während die junge Republik entsteht und in den Bars wieder getanzt wird, gehen die Frauen gemeinsam Schritt für Schritt voran in eine neue Welt, die von Umbrüchen, Sehnsüchten und Träumen geprägt ist ...

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Trilogie von Nadine Schojer alias Nadine Fauland startet mit "Stunden des Glücks" im Jahr 1948 in Köln. Die Hungerwinter sind vorüber und die Menschen schauen wieder nach vorne. Sie wollen das Leben genießen und die neue Deutsche Mark soll endlich den Wirtschaftsaufschwung einleiten.

Im ersten Teil werden vorallem die Frauen näher eingeführt, deren Schicksale wir im Verlauf der Geschichte kennenlernen.
Gisela arbeitet als Telefonistin bei der Versicherung Pering und wartet gemeinsam mit ihrem Sohn Peter auf die Rückkehr ihres Mannes.. Die meisten Kriegsheimkehrer sind angekommen, doch Giselas Mann Heinrich gilt noch als vermisst.
Hanni, Giselas Freundin und Kollegin, ist eine junge Frau mit vielen Begabungen. Sie schneidert ihre Kleider selbst und häkelt wunderschöne Handschuhe. Gleichzeitig ist sie die Versorgerin der Familie, denn ihr trinkfreudiger und gewalttätiger Vater, der einen Zeitungskiosk betreibt, lässt den Großteil seiner Einnahmen im Wirtshaus.
Julia stößt als neue Kollegin zu den Telefonistinnen hinzu. Sie ist noch sehr jung, hat die Schule abgebrochen und ist sehr gewitzt. Man erkennt, dass sie sich während des Krieges oftmals alleine durchschlagen hat müssen. Besonders Hanni bekommt von Julia so einige Denkanstöße und Hilfe. Sie war für mich die sympathischte Figur der Freundinnen.

Empfangsdame Erna Schmitz ist die Zentralstelle für Klatsch und Tratsch in der Versicherung. Ihr entgeht kaum etwas. Wie Gisela wartet sie auf die Heimkehr eines Familienangehörigen, nämlich auf die ihres Sohnes.

Die gesellschaftlichen Strukturen und der Zeitgeist wurde gut eingefangen. Gefallen hat mir auch die Freundschaft zwischen den sehr unterschiedlichen Frauen. Gisela steht dabei im Vordergund, aber auch Hanni begleiten wir durch die 320 Seiten. Nur Julias Handlunsgsstrang ist in der zweiten Hälfte kaum mehr vorzufinden, was sehr schade ist. Sie ist nämlich ein sehr interesssanter Charakter und ich hätte gerne mehr über sie erfahren. Ebenfalls vermisst habe ich die Emotionen von Giselas Sohn Peter, der in der zweiten Hälfte des Buches einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften hat. Peter ist nämlich keineswegs eine Randfigur, sondern einer der Hauptcharaktere, während die im Klappentext angegebene neue Kollegin Charlotte erst im letzten Drittel auftaucht.

Erwartet hatte ich starke Frauen in der Nachkriegszeit, die es schaffen, unter widrigen Umständen sich alleine durchs Leben zu schlagen. Die Arbeit der titelgebenden Telefonistinnen kam mir ebenfalls viel zu kurz. Ich hätte mehr Fokus auf die Arbeitswelt und auf den Wiederaufbau nach dem Krieg erwartet. Leider stand vielmehr das Private und eine Liebesgeschichte im Vordergrund, die mich nicht abholen konnte. Was mir besonders aufgestoßen ist, sind die schwülstigen Gedanken, die Gisela in den Mund gelegt werden. Man hat dabei das Gefühl, dass man eher einer liebeshungrigen und triebgesteuerten Frau gegenübersteht, die nur Erfüllung durch einen Mann erfahren kann - also genau das Gegenteil, was ich mir von diesem Roman erhofft hatte.

Während die Figuren sehr bildhaft und individuell dargestellt werden, plätscherte mir die Handlung zu sehr dahin. Mir fehlte der rote Faden und die Tiefe. Der Schreibstil wechselt zwischen nüchtern und emotionslos, zu schwülstig und kitschig. So richtig konnte mich die Geschichte nicht packen.
Die große Schriftgröße, die für die knapp 300 Seiten gewählt wurde, erleichtert zwar das Lesen, hätte aber auch komprimiert werden bzw. hätte man daraus auch eine Dilogie statt einer Trilogie machen können. Hier scheint jedoch der wirtschaftliche Gedanke im Vordergrund gestanden zu haben.

Ich denke nicht, dass ich die Trilogie weiterlesen werde, auch wenn ich gerne mehr über Julia erfahren hätte. Schade!

Fazit:
Mich konnte der Auftaktband der Trilogie um Gisela, Hanni und Julia nicht richtig überzeugen. Mir fehlte es an Tiefe und vorallem fehlten mir die starken Frauen, die im Klappentext angekündigt wurden. Leider eine etwas seichte Geschichte, die mich nur teilweise erreichen konnte.

Vielen Dank an Bastei Lübbe und der Bloggerjury für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentar:

  1. Liebe Martina,

    es ist immer schade, wenn gerade der erste Band einer Reihe ernüchtern ist und nicht packend genug, um auf den nächsten Band hinzufiebern.

    Ich habe das Buch auch in den Vorschauen bemerkt und fand es interessant, aber nach deiner Meinung bin ich froh, es nicht gekauft zu haben.

    Liebe Grüße
    Barbara

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