Adler, weibliche Kriminalpolizei, Berlin: Verdunklung 1940 - Stephan Weichert

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    • Taschenbuch: 330 Seiten
    • Verlag: ‎ edition krimi; 1. Edition (13. September 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948972877
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948972875
    • Genre: Historischer Krimi



edition krimi Kurzbeschreibung:
Berlin 1940: Alliierte Luftangriffe treffen die Reichshauptstadt, es herrscht Verdunkelung bis zum Morgengrauen. Die Männer sind an der Front, während die Frauen die Betriebe am Laufen halten, oft bis spät in die Nacht. Doch ihr Weg nach Hause wird zur Gefahr: in den dunklen S-Bahnzügen Berlins treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Um dem Täter auf die Spur zu kommen, setzt die Polizei auf die Abteilung der weiblichen Kriminalpolizei. Kriminalassistentin Luise Adler soll den attraktiven Lockvogel spielen, doch kommt man bei den Ermittlungen nicht wie gewünscht voran. Fadenscheinig wittert der politische Apparat einen Komplott von Staatsfeinden und schnell wird klar: Es geht nicht mehr um den Fall, sondern um planmäßige Demütigung und Vernichtung all derer, die nicht ins Weltbild der Nationalsozialisten passen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ich habe schon sehr viele historische Krimis gelesen, die auch während der Zeit des Zweiten Weltkrieges spielen, jedoch ist dieser Krimi anders.
Obwohl hier eine weibliche Kommissarin die Hauptprota ist, bekommen wir es nicht mit einer Frau zu tun, die wie so oft in historischen Romanen eine starke Einzelgängerin ist. Ebenso hat der Autor die Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht am Rande, sondern sehr plakativ eingesetzt. Im jeden Kapitel findet man passende Zitate von Hitler oder Goebbels, die das abscheuliche Gedankengut der NS-Diktatur aufzeigen. Darauffolgend bekommt es der Leser mit grausamen Morden an Frauen, sowie an Menschen, die dem System nicht passen zu tun: Juden, Sozialisten, Kommunisten, Homosexuellen und andere.

In den dunklen S-Bahnzügen Berlins treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der auf brutalste Art Frauen vergewaltigt, tötet und aus dem Zug schmeißt. Um ihn zu fassen, wird eine Einheit aus Kriminalpolizisten mit Hilfe der weiblichen Kriminalpolizei gegründet. Neu hinzu kommt Luise Adler, die von einer Kriminalassistentin direkt zur Kommissarin befördert wird, was manchen männlichen Kollegen nicht wirklich schmeckt. Zusätzlich mischt auch noch die Sicherheitspolizei mit, eine Unterabteilung der Gestapo, die ihr eigenes Süppchen kocht und gegen die Kriminalpolzei arbeitet. Diese versucht die Morde den Feinden oder Untermenschen zuzuordnen.
Die Verdunklung am Abend begünstigt die Überfälle auf die Frauen. Die Opfer werden alle mehr oder weniger vorgestellt. Die Anzahl der Figuren ist zahlreich. Neben den Opfern und ihren Angehörigen, steht natürlich die weiblichen Kriminalpolizei unter Polizerätin Grete Hartmann und Kommissarin Luise Adler im Mittelpunkt.
Oscar Zach, Kriminalassistent und Partner von Luise bei den Ermittlungen, dient nur widerwillig den neuen Machthabern und ist dem Alkohol verfallen. Sein Vorgesetzter, Kriminalrat Lüdke, stellt sich ebenfalls gegen die Staatspolizei. Diese besteht aus Obergruppenführer Görnitz und einiger seiner fanatischer Ideologie durchzogenen Sipo-Mitarbeiter. In keinem anderen Krimi habe ich die manipulative Staatspolizei so schlimm empfunden, wie hier. Dazu kommt die absolut unwürdige und herablassende Art von Görnitz gegenüber Frauen. Er spricht Luise Adler nicht an und bezeichnet sie - selbst in ihrem Beisein - nur "als Ding". Seine Art hat mir den Hals vor Wut anschwellen hat lassen.

Bei den Zivilisten trifft man sowohl auf Widerständler, aber auch solchen, die ganz mit der Nazi-Ideologie konform gehen. Dazu gehört das
Ehepaar Schenk, die ein Kinderheim führen und behinderte Kinder gemäß der NS-Rassenlehre der Euthanesie zuführen. Dieser Krimi ist also wirklich brutal und heftig.

Mein Kritikpunkt sind die immer wieder wechselnden Perspektiven, die nicht angezeigt oder durch neue Kapitel markiert werden. Sie tauchen mitten im Erzählstrang auf und man benötigt einige Zeit um sich wieder neu zu orientieren. Das hat den Erzählfluss oftmals sehr gestört, was ich schade finde.

Fazit:
Ein brutaler historischer Krimi, der einen etwas anderen Einblick in die Arbeit der Kriminalpolizei zur Zeit von Staatspolizei und Gestapo, aufzeigt. Verdunklung 1940 soll der erste Band einer Reihe werden und ich bin schon gespannt auf die Nachfolgebände.

Vielen Dank an Bedey & Thoms Media für das Rezensionsexemplar!


4 Kommentare:

  1. vielen dank :) jetzt frage ich mich ob auch Trans Menschen vorkommen?? Die gab es damals. Frage mich gerade ob ich das Buch lesen kann oder lieber liegen lassen sollte

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  2. Hallo Martina,

    vielen lieben Dank für diese Rezension. Das Buch stand auf meiner Merkliste, da ich eine weibliche Kommissarin in der Hauptrolle zu dieser Zeit sehr interessant fand. Aber was du so über den Inhalt schreibst, hat mich zu dem Entschluss kommen lassen, dass ich dieses Buch nicht lesen möchte.

    Liebe Grüße,
    Sandra

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  3. Liebe Martina

    Das klingt eigentlich schon gut, weibliche Ermittlerinnen - vor allem in historischen Krimis aus dieser Zeit - fehlen ja oft im Krimikanon.

    Wird denn das Augenmerk auf die Ermittlungsarbeit und die Kommissarin gelegt? Ich muss nämlich ehrlich sagen, dass ich so langsam die Schnauze voll habe von Autoren, welche mit offensichtlichem Genuss über Serienvergewaltigungen und Frauenmorde schreiben und dies als "Krimi" verkaufen, ohne wirklich auf die eigentlichen Ermittlungen, aber auch die Gründe und Konsequenzen von sexualisierter Gewalt inklusive der Rolle und Verantwortung der Gesellschaft einzugehen...

    Alles Liebe an dich
    Livia

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