[LESERUNDE] Die Hafenschwester: Als wir an die Zukunft glaubten - Melanie Metzenthin

Am 3. September startet hier die gemeinsame

LESERUNDE
zu
Die Hafenschwester:

Als wir an die Zukunft glaubten
den dritten Band der Reihe von Melanie Metzenthin

Die Autorin wird auch diesmal wieder hier vorbeischauen und mit uns diskutieren
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KLAPPENTEXT:
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Inflation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …
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EINTEILUNG DES BUCHES:
Abschnitt 1: Kapitel 1 - 10
Abschnitt 2: Kapitel 11 - 23
Abschnitt 3: Kapitel 24 - 36
Abschnitt 4: Kapitel 37 - 51
Abschnitt 5: Kapitel 52 - 62
Abschnitt 6: Kapitel 63 - 74
Abschnitt 7: Kapitel 75 bis Ende

Teilnehmer:
Sabine von Buchmomente
Andrea vom Leseblick
und ich

Auch Melanie Metzenthin wird wieder vorbeischauen
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Wer möchte mitlesen? Jeder von euch ist herzlich eingeladen!

Schwarzer Sand - Cristina Cassar Scalia

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 432 Seiten
    • Verlag: ‎ Limes Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (14. Juni 2021)
    • Übersetzer: ‎ Christiane Winkler
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3809027197
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3809027195
    • Originaltitel:  ‎ Sabbia Nera
    • Genre: Krimi


Limes Kurzbeschreibung:
Während ein kleines Dorf am Fuße des Ätna von einem Aschenebel eingehüllt wird, macht Alfio Burrano in einer altehrwürdigen Villa einen grausigen Fund: In einem Speiseaufzug krümmt sich der mumifizierte Körper einer Frau, an deren Schädel noch die Reste eines Seidentuchs hängen. Ihr Kopf ist im Neunzig-Grad-Winkel verrenkt und ruht auf einem Pelzmantel. Ihr teures Kostüm, die Perlenketten  und das Schminkköfferchen sehen aus, als stammten sie aus einem längst vergangenen Jahrzehnt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Giovanna Guarrasi, 39 Jahre alt, tough, gefahrenerprobt und gerade aus Palermo zum mobilen Einsatzkommando versetzt, wird mit dem Fall betraut. Da es sich als unerwartet schwierig erweist, die Identität der Leiche zu ermitteln, ruft sie einen Kommissar im Ruhestand zu Hilfe. Ihre Nachforschungen enthüllen den beiden eine Geschichte voller Abgründe, Neid und Habsucht, die sie immer tiefer in eine verschworene Gemeinschaft hineinführt … 

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser Krimi ist mir schon bei der Durchsicht der Vorschau des Verlages aufgefallen und als ich ihn in der Bücherei entdeckte, wanderte er sofort mit mir mit nach Hause. Die Inhaltsangabe klingt richtig spannend - leider war diese das einzig Spannende an diesem Kriminalroman.

Schauplatz ist die italienische Insel Sizilien und der aschespuckende Ätna. Alfio Burrano ist eines Abends auf dem Weg zur Villa Burrano. Das Anwesen gehört seiner Tante und ist nur mehr teilweise bewohnt. Als er eintrifft, eilt ihm Chadi, der Diener seiner Tante, entgegen. Im verlassenen Teil der Villa ist eine Mauer eingestürzt und es scheint auch Wasser eingedrungen zu sein. Als die beiden Wasserflecken finden und Kästen verschieben, entdecken sie einen versteckten Lastenaufzug und darin eine mumifizierte Leiche. Bald ist klar, dass die tote Frau schon seit Jahrzehnten darin verborgen liegen muss. Trotzdem wirbelt die Leiche viel Staub auf, denn vor 50 Jahren ist in genau diesem Teil der Villa Alfios Onkel Gaetan getötet worden....

Dottoressa Giovanna "Vanina" Guarrasi ist vor kurzem von Palermo nach Catania am Fuße des Ätnsas gezogen und leitet den Einsatz. Und hier begann mein Problem. Man wird schon zu Beginn des Krimis mit italieniachen Namen bombardiert, bevor man sich überhaupt ein Bild von den Figuren machen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Autorin einmal Amtsbezeichnungen, dann wieder nur Vornmaen oder Nachnamen oder auch Spitznamen verwendete. Mir schwirrte der Kopf und überlegte immer wieder wer die Figur war, über die ich gerade las.
Auch über Vanina selbst erfuhr man nur Bruchstücke und ich hatte immer wieder das Gefühl hier in eine bereits fixe Reihe einzusteigen. Es wurden laufend Begebenheiten aus der Vergangenheit erwähnt, aber nicht näher erklärt. Ich habe gegoogelt und fand heraus, dass "Schwarzer Sand" das Debüt der Autorin ist. Auch die anderen Figuren blieben sehr an der Oberfläche und auswechselbar - mit einer Ausnahme: der ehemalige Commissario, der damals den Mord an Gaetano untersuchte. Und er trägt auch sehr viel zur Aufklärung des Falles bei, der doch schon vor Jahrzehnten passiert ist. Jedoch scheint sich auch noch heute jemand daran zu stoßen, dass dieser aufgeklärt wird. Dieser Mensch setzt alles daran dies zu verhindern.

Ein weiterer Kritikpunkt war die fehlende Spannung. Es wurde sehr detailliert über alle möglichen Dinge erzählt, jedoch kam mir der eigentlich Fall zu kurz. Die Landschaftsbeschreibungen von Sizililen fand ich hingegen gelungen, die sehr atmosphärisch dargestellt sind. 
Die Handlung ist sehr komplex und die Autorin hat sich sicherlich so einige Gedanken darüber gemacht. Der Aufbau ist gut und mit überraschenden Wendungen kann sie dem Leser das eine oder andere Mal überraschen.

Ich muss zugeben, dass ich zum Ende dann nur mehr quergelesen habe, obwohl die Auflösung des Falles gut gemacht war. Zwar hatte ich schon einen Verdacht, der sich auch bestätigte, aber die Autorin konnte mich noch mit einer weiteren Aufdeckung überraschen. Trotzdem half das alles nichts mehr, um meine Meinung über diesen Auftakt einer neuer Krimireihe zu ändern. Ich werde hier sicherlich nicht weiterlesen. Sehr schade!

Cover:

Auch das italienische Originalcover ist so gar nicht meins. Es hat keinerlei Bezug zu einem Krimi und auch sonst finde ich es ziemlich nichtssagend.
Es dürfte außer ins Deutsche noch keine weiteren Übersetzungen geben, denn ich konnte keine weiteren finden.
 

Fazit:
Ein komplexer Kriminalroman, dem es leider an Spannung fehlt und der mit den vielen italienischen Namen verwirrt. Oftmals hatte ich auch das Gefühl keinen ersten Band einer Reihe zu lesen. Über Vanina wurden einige Dinge aus der Vergangenheit erwähnt, die jedoch nicht aufgeklärt wurden. Für mich ist dieser Reihenauftakt leider nichts....sehr schade!

Drei Frauen und ein Sommer - Lucinde Hutzenlaub

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Penguin Verlag; Originalausgabe Edition (10. Mai 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328105557
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328105558
    • Genre: Roman, Familienroman



Penguin Kurzbeschreibung:
Kurz vor ihrem 40. Geburtstag erfährt Kiki, dass der Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen wollte, eine andere heiraten wird. Ausgerechnet da bittet ihre Mutter sie, sie zu einer Reise auf die Schwäbische Alb zu Kikis Tante zu begleiten. Kiki stimmt nur widerwillig zu. Doch an einem Sommerabend am See, als die letzten Sonnenstrahlen die flachen Steine am Ufer wärmen und Kiki den Duft reifer Himbeeren riecht, beginnt sie zu ahnen, warum Tante Elsie sich diesem Ort so verbunden fühlt. Und endlich erzählt Elsie ihr die tragische Geschichte ihrer großen Liebe Kurt, den sie in den letzten Kriegsjahren hier kennenlernte. Kiki fühlt, wie sich ihre Sicht auf viele Dinge im Leben ändert – besonders, als ihr der charmante Schreiner Jakob über den Weg läuft ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die fast 40jährige Isolde, genannt Kiki, ist unsere Hauptprotagonistin in Lucinde Hutzenlaubs neuestem Roman "Drei Frauen und ein Sommer". Kiki scheint kein glückliches Händchen mit den Männern zu haben, denn ihre momentane Affäre hat ihr verheimlicht, dass er demnächst Verlobung feiert....jedoch nicht mit ihr. Zusätzlich ist er auch noch der Juniorchef im Architekturbüo in dem Kiki arbeitet. Was nun? Bevor sie sich über ihre weitere berufliche Zukunft den Kopf zerbrechen kann, sitzt sie auch schon mit ihrer herrischen Mutter Helga in deren klapprigen Golf Richtung Schwäbisch Alb. Tante Elsie, die ältere Schwester von Helgas verstorbenem Mann Matthias, liegt nämlich mit einem Oberschenkelhalsbruch in einer Rehaklinik in der Schwäbisch Alb. Nach einem etwas besorgniserregenden Anruf der Klinikleiterin will die gelernte Krankenschwester ihre Schwägerin abholen. Doch der alte Golf bleibt auf der Autobahn liegen. Auf der Suche nach Hilfe trifft Kiki auf den Schreiner Jakob, der sie samt Auto und Helga ins nächste Dorf abschleppt. Doch in Ehrenweiler steht das Dorffest vor der Tür und der abgerissene Keilriemen muss warten....

Der Roman erzählt sowohl die Geschichte von Kiki in der Gegenwart und die von Elsie, die in der Vergangenheit spielt. Dieser Part nimmt allerdings einen eher kleinen Teil ein und wird - bis auf den Prolog - eher in Rückblenden erzählt.
Man ist sehr schnell mitten in der Geschichte und fühlt sich davon umhüllt, wie von einer warmen Decke. Der wunderbar lebendige Schreibstil der Autorin nimmt einem sofort gefangen.
Mit Helga und Elsie hat Lucinde Hutzenlaub zwei sehr eigenwillige Charaktere erschaffen. Helga von Betzenstein, die spröde und herrische Mutter von Kiki, die oftmals auf ihre (angeheiratete) Herkunft pocht und Elsie, die Unkonventionelle, die sich der Biologie verschrieben hat und in der weiten Welt herumgereist ist. Auch mit über 90 Jahren vertritt sie resolut ihre Meinung. Einzig Kiki fand ich für ihre fast 40 Jahre noch sehr naiv. Für mich wirkte sie eher wie eine 29jährige, statt 39jährige Frau. Sie fühlt sich unzufrieden, ist antriebslos und ändert doch nichts an ihrer Situation.

Die Figuren sind sehr lebendig und schon bald hat man sie mehr oder weniger ins Herz geschlossen. Auch die Dorfbewohner sind, wenn auch manchmal etwas überspitzt dargestellt, doch teilweise sehr authentisch. Vorallem Roswitha ist ein Unikat. Jakob und seine Tochter Mia und ihr Hund "Little Richard" habe ich sofort ins Herz geschlossen und gehofft, dass Kiki ihren Herzen einen Schubs gibt. Natürlich ist die Liebesgeschichte etwas vorhersehbar, aber das gehört hier dazu und wird auch von den Lesern erwartet. Trotzdem spürte ich
die Gefühle, die zwischen Elsie und ihrem Kurt waren, viel intensiver. Die Beiden wurden durch den Krieg getrennt und konnten einander nie vergessen.
Der Ort Ehrenweiler spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Roman. Dieser hat für Elsie eine ganz besondere Bedeutung. Dessen Magie bekommen auch Kiki und Helga zu spüren.

Den Humor von Lucinde Hutzenlaub fand ich schon in den beiden Sachbüchern "Ich dachte sie ziehen nie aus" und "Ich dachte älter werden dauert länger", die sie gemeinsam mit Heike Abidi geschrieben hat, einfach großartig. Auch in ihrem neuesten Roman mochte ich den unterschwelligen Humor sehr. Schlagfertige Dialoge ließen mich beim Lesen oftmals lauf auflachen. Doch "Drei Frauen und ein Sommer" hat auch tiefgründige Themen, die zum Nachdenken anregen.

Toll fand ich auch den Stammbaum am Anfang des Buches, der mir zu Beginn eine große Hilfe war.

Fazit:
Ein warmherziger und auch humorvoller Roman, der mich sehr gut unterhalten hat. Die Geschichte hat aber auch viele tiefgründige Sequenzen und hat mich teilweise sehr berührt. Der Roman ist wie eine kuschelige Decke zum Wärmen und hat mir gut gefallen. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter.

Vielen Dank an den Penguin Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Gute Nachbarn - Therese Anne Fowler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
    • Verlag: ‎ Droemer HC; 1. Edition (1. Juni 2021)
    • Übersetzer: ‎ Nicole Seifert
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426282518
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426282519
    • Originaltitel‏ : ‎ A Good Neighborhood
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Droemer Kurzbeschreibung:
In Oak Knoll, einem Vorort in North Carolina, ist das Leben noch in Ordnung: Die Nachbarschaft ist grün und der Zusammenhalt zwischen den Nachbarn eng. Hier zieht die alleinerziehende Forstwirtschaftlerin Valerie Alston-Holt ihren Sohn Xavier groß. Er ist ein Musiktalent und das College-Stipendium ist ihm so gut wie sicher. Dennoch hat er zu kämpfen, denn Valerie ist schwarz, Xaviers Vater weiß, und er selbst passt nirgends so richtig hin. Als auf dem Grundstück nebenan die Whitmans mit ihren Töchtern einziehen, verändert sich langsam, aber stetig die Gemengelage in dem kleinen Vorort. Sie sind die scheinbar perfekte weiße Familie, die den amerikanischen Traum lebt. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn hinter der Fassade verbirgt sich manches Geheimnis. Manchmal braucht es nur noch eine sterbende Eiche und eine Teenager-Liebe, um eine hübsche Nachbarschaft von einer Katastrophe erschüttern zu lassen. 

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser Roman hat meine Neugierde geweckt, als ich die Inhaltsangabe gelesen habe. Diese lässt ein Familiendrama erwarten und genauso ist es auch eingetroffen. Doch warum und wieso, möchte ich euch erzählen.
Der Roman spielt in einem Vorort von North Carolina und zwar im fiktiven Ort Oak Knoll. Dort leben größtenteils weiße Familien aus der Mittel- und Oberschicht und es herrscht ein freundliches Miteinander. Seit Jahren wohnt auch die farbige Ökonomin Valerie Alston-Holt mit ihrem Teenagersohn Xavier in der Kleinstadt. Valerie ist seit dem Tod ihres Mannes Alleinerzieherin und bei den Nachbarn beliebt. Sie liebt Pflanzen und ganz besonders ihre alte Eiche im Garten. Xavier ist ein Musiktalent und hat bereits ein Stipendium am Musikkonservatorium in San Francisco sicher. Dennoch hat er manchmal zu kämpfen, da er sich durch seinem weißen Vater und der farbigen Mutter irgendwo "dazwischen" fühlt.
Als das Nachbargrundstück verkauft, alle Bäume abgeholzt und ein protziger Neubau entsteht, ist Valerie auf der Hut. Gegenüber ziehen die Whitmans ein. Eine Familie, wie aus dem Bilderbuch: Bill, ein erfolgreicher  Geschäftsmann und Inhaber der Firma Whitman HLK, seine Frau Julia, seine Stieftochter Juniper und seine Tochter Lily. Doch hinter der Fassade sieht es oftmals anders aus. Sowohl Brad, als auch Julia, stammen aus ärmlichen Verhältnissen. Brad ist zerfressen vor Ehrgeiz. Er will immer mehr und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Juniper wird streng gläubig erzogen und musste mit 14 Jahren ein Keuschheitsgelübde vor der Kirchengemeinde ablegen. Als sich Juniper und Xavier ineinander verlieben und Valerie die Whitmans wegen der Zerstöreung ihrer Eiche verklagt, ist die sich anbahnende Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Aus einem typischen Nachbarschaftsstreit wird ein Familiendrama, das alles zerstört....

Im Vorwort hat Therese Anne Fowler sich die Frage gestellt, ob eine weiße Autorin eine Geschichte über zwei farbige Menschen schreiben darf, denn sie könne sich nicht so einfach in die Gedanken und Gefühlswelt Farbiger hineindenken. Meiner Meinung nach ist sie somit genauso wenig vorurteilsfrei, wie ihre weißen Protagnisten. Jeder Mensch denkt und fühlt anders, egal ob weiß oder schwarz. Muss man unbedingt demselben Geschlecht oder Hautfarbe, wie seine Protagonisten angehören, um sich die Freihet nehmen zu dürfen, einen Roman zu schreiben? Außerm würde sich wohl jeder Thrillerautor fragen müssen, ob er über einen Serienmörder schreibem darf/kann, wenn er selbst keiner ist. Oder eine erwachsene Frau über einen jugendlichen Mann. Da würde es in der Literaturszene wirklich traurig aussehen! Aber zurück zum Buch....
 
Die Geschichte wird von einer nicht personifierzten Erzählstimme erzählt, nämlich aus der Sicht der Nachbarschaft. Mir hat diese ungewöhnliche Erzählweise in der ersten Person Plural sehr gut gefallen, auch wenn sie zu Beginn etwas ungewöhnlich wirkt. Manche Leser störten sich daran, wie ich aus einigen Rezensionen herauslesen konnte.
Die ersten zwei Drittel sind eher ruhig erzählt, auch wenn man von Anfang an eine unterschwellige Bedrohung spürt. Es sind leise Töne, die sich jeodch im Hintergrund immer bemerkbar machen und man weiß, dass man unweigerlich auf eine Katastrophe zusteuern wird.
Therese Anne Fowler hat sich in "Gute Nachbarn" sehr vielen Themen angenommen: Klimaschutz, Glaube, Vorurteile und vorallem Rassismus. Ihre Figuren hat sie trotzdem leider sehr klischeehaft und auch überspitzt dargstellt. Ich kam ihnen nicht wirklich näher. Es bestand immer eine gewisse Distanz zwischen mir und den Protaginisten.
Bill ist der weiße Bösewicht, der nicht nur seine Familie mit seinem moralischen Getue tyrannisiert, sondern einfach den Hals nicht voll bekommt. Für ihn ist klar, dass er immer auf der Gewinnerstraße unterwegs sein wird...komme, was wolle. Aber auch Valerie, der die Herzen zu Beginn zufliegen, macht sich schuldig. Mit ihrer eingereichten Klage bringt sie ihren neuen Nachbarn noch mehr gegen sich auf. Statt persönlich mit Brad zu sprechen und ihm ihre Sicht der Dinge betreffend der Eiche zu erklären (die zwar sinnlos, aber ein Weg in die richtige Richtung gewesen wäre), geht sie sofort zum Angriff über. Die Kettenreaktion, die sich daraus ergeben wird, ist auch für den Leser eine Überraschung, obwohl man natürlich von Beginn an weiß, dass es hier zur Katastrophe kommen wird.
Das letzte Drittel ist sehr spannend und gut erzählt. Das Drama spitzt sich zu und die Art und Weise, wie die Autorin dieses zu Ende bringt, ist gelungen und hat mich sehr nachdenklich gemacht. Vorallem deshalb, weil es in Wirklichkeit ziemlich sicher genauso ablaufen würde...


Was mir ebenfalls nicht gefallen hat, war der erhobene Zeigefinder der Autorin. Sie ließ dem Leser keinerlei Spielraum sich selbst seine Meinung zu bilden. Ich hatte permanant das Gefühl, dass sie mir ihre Sicht der Dinge aufzwingen möchte. Die Geschichte ist gut, aber ich getraue mir zu sagen, dass zum Beispiel Jodie Picoult etwas viel besseres daraus gemacht hätte. Das Thema hätte perfekt zu ihr gepasst. Picoult hat aber nie den erhobenen Zeigefinger parat, sondern schildert aus verschiedenen Sichtweisen. Dabei bringt sie die Figuren dem Leser näher - egal, ob gut oder böse. Das hat hier leider komplett gefehlt, was ich sehr schade finde. 

Cover:

von links nach rechte:
das englischsprachige Originalcover, die Titelbilder aus Bulgarien, Frankreich, Ungarn und Slowenien

Fazit:
Ein Gesellschaftsroman, der einen sehr guten Plot aufweist und hochaktuell ist. Trotzdem hat mir die Ausführung nicht immer gefallen. Der permanent erhobene Zeigefinger hat mich genervt, die Distanz zu den Protagonisten und viele Klischees machten die Geschichte nicht besser. Trotzdem mochte ich das Buch und vorallem Juniper und Xavier, sowie das aufwühlende letzte Drittel. Ich tu mir schwer mit der Bewertung, denn ich habe trotz der vielen Kritikpunkte die Geschichte gerne gelesen. Ich vergebe nach langem Überlegen 3 1/2 Sterne.

Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

Neuerscheinungen im September

 

Hallo meine Bücherwürmer!

Nachdem eigentlich schon der Juli und August Massen an Neuerscheinungen gebracht hat, toppt der September und wahrhscheinlich dann auch Oktober diese beiden Sommermonate mit links.
Wie bereits 2020 erscheinen auch bereits viele Weihnachtsromane, doch diese stelle ich euch später in einer eigenen Post vor - wie gewohnt. Im August ist mir nämlich noch nicht nach Weihnachten....
Trotzdem habt ihr diesmal wirklich eine MENGE Auswahl an Neuerscheinungen.


Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Verlag

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Meine MUST HAVES für den September
 
 

 Sehr unterschiedlich vom Genre her sind meine MUST HAVES

Beginnen wir mit dem vierten Band der Schwestern vom Ku'damm Reihe "Ein neuer Morgen" von Brigitte Riebe. Nachdem mich schon die ersten drei Bände begeistert haben, muss Band 4 natürlich auch einziehen.

Kristin Hannah polarisiert ja in letzter Zeit sehr. Deswegen habe ich mir die englischsprachigen Bewertungen zu "Die vier Winde" angesehen und die waren sehr gut. Also muss ich nicht überlegen, ob ihr neues Buch bei mir einziehen wird.

Fredrik Backman hat mich nicht mit allen seinen Romanen überzeugen können, aber "Kleine Stadt der großen Träume" und "Wir gegen euch" waren beides 5 Sterne Bücher, die mich begeistert haben. Deshalb muss auch "Eine ganz dumme Idee" hier einziehen.

Die letzten Monate habe ich kaum Biografien über die Weltkriege gelesen. Die momentane politische Lage hat mich nicht wirklich dazu greifen lassen. Aber bei Christian Hardinghaus, dessen biografische Sachbücher ich wirklich mit großer Begeisterung lese, mache ich eine Ausnahme. In seinem neuen Buch um die verlorene Generation geht es diesmal um die "Gespräche mit den letzten Kindersoldaten".

Und nun zu meinen beiden liebsten österreichischen Autor:innen:

Alex Beer bringt ihr ihren 5. Band rund um August Emmerich "Der letzte Tod" heraus. Am 8. September werde ich bei einer Lesung von ihr sein! Ich freue mich schon sehr darauf! Endlich wieder Lesungen!

Und sehnlichst erwartet wird auch der 6. Band der Todesreihe von Andreas Gruber "Todesschmerz". Ich muss allerdings den Vorgänger noch lesen, den ich mir aufgehoben habe....ohne einen ungelesen Gruber ist mein Bücherregal nicht perfekt.
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Meine MIGHT HAVES für den September


 Von Marco Bolzano habe ich "Ich bleibe hier" gelesen, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Auch sein Thema zum neuen Buch "Wenn ich widerkomme" regt zum Nachdenken an.

Endlich kommt der letzte Band der Wien-Reihe "Herbst in Wien"von Petra Hartlieb in den Verkauf. Ich bin schon gespannt, wie die Reihe ausgehen wird.

"Die Übersetzerin" ist mir - ich muss es zugeben - durch das schöne Cover zuerst aufgefallen, denn ich kenne die Autorin Jenny Lecoat nicht. Die Inhaltsangabe hat mich jedoch neugierig gemacht.

Vom Thema her hat mich "Als die Flut kam" von Kathrin Hanke angesprochen. Die große Flutwelle über Hamburg...darüber habe ich bereits in einem Roman von Corina Bomann gelesen, aber hier kommt mehr der Krimi durch

"Die Ungerächten" von Volker Dützer ist der zweite Band zu "Die Unwerten", das ich gelesen habe und ich sehr gut fand. Ich muss wissen, wie es weitergeht...

Und ein Arno Strobel muss auch sein. Sein neuer Thriller "Sharing" hat wieder ein sehr aktuelles Thema.
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Ist eure Liste auch so lang? Was wollt ihr unbedingt von den Neuerscheinungen aus dem September lesen?

 

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