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Die Bildrechte liegen beim Verlag
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Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
- Verlag:
Droemer HC; 1. Edition (1. Juni 2021)
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Übersetzer:
Nicole Seifert
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ISBN-10
:
3426282518
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ISBN-13
:
978-3426282519
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Originaltitel
:
A Good Neighborhood
- Genre: Gegenwartsliteratur
Droemer Kurzbeschreibung:
In Oak Knoll, einem Vorort in North Carolina, ist das Leben noch in Ordnung: Die Nachbarschaft ist grün und der Zusammenhalt zwischen den Nachbarn eng. Hier zieht die alleinerziehende Forstwirtschaftlerin Valerie Alston-Holt ihren Sohn Xavier groß. Er ist ein Musiktalent und das College-Stipendium ist ihm so gut wie sicher. Dennoch hat er zu kämpfen, denn Valerie ist schwarz, Xaviers Vater weiß, und er selbst passt nirgends so richtig hin. Als auf dem Grundstück nebenan die Whitmans mit ihren Töchtern einziehen, verändert sich langsam, aber stetig die Gemengelage in dem kleinen Vorort. Sie sind die scheinbar perfekte weiße Familie, die den amerikanischen Traum lebt. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn hinter der Fassade verbirgt sich manches Geheimnis. Manchmal braucht es nur noch eine sterbende Eiche und eine Teenager-Liebe, um eine hübsche Nachbarschaft von einer Katastrophe erschüttern zu lassen.
Meine Bewertung: * * * undeinhalb
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine
Meinung:
Dieser Roman hat meine Neugierde geweckt, als ich die Inhaltsangabe gelesen habe. Diese lässt ein Familiendrama erwarten und genauso ist es auch eingetroffen. Doch warum und wieso, möchte ich euch erzählen.
Der Roman spielt in einem Vorort von North Carolina und zwar im fiktiven Ort Oak Knoll. Dort leben größtenteils weiße Familien aus der Mittel- und Oberschicht und es herrscht ein freundliches Miteinander. Seit Jahren wohnt auch die farbige Ökonomin Valerie Alston-Holt mit ihrem Teenagersohn Xavier in der Kleinstadt. Valerie ist seit dem Tod ihres Mannes Alleinerzieherin und bei den Nachbarn beliebt. Sie liebt Pflanzen und ganz besonders ihre alte Eiche im Garten. Xavier ist ein Musiktalent und hat bereits ein Stipendium am Musikkonservatorium in San Francisco sicher. Dennoch hat er manchmal zu kämpfen, da er sich durch seinem weißen Vater und der farbigen Mutter irgendwo "dazwischen" fühlt.
Als das Nachbargrundstück verkauft, alle Bäume abgeholzt und ein protziger Neubau entsteht, ist Valerie auf der Hut. Gegenüber ziehen die Whitmans ein. Eine Familie, wie aus dem Bilderbuch: Bill, ein erfolgreicher Geschäftsmann und Inhaber der Firma Whitman HLK, seine Frau Julia, seine Stieftochter Juniper und seine Tochter Lily. Doch hinter der Fassade sieht es oftmals anders aus. Sowohl Brad, als auch Julia, stammen aus ärmlichen Verhältnissen. Brad ist zerfressen vor Ehrgeiz. Er will immer mehr und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Juniper wird streng gläubig erzogen und musste mit 14 Jahren ein Keuschheitsgelübde vor der Kirchengemeinde ablegen. Als sich Juniper und Xavier ineinander verlieben und Valerie die Whitmans wegen der Zerstöreung ihrer Eiche verklagt, ist die sich anbahnende Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Aus einem typischen Nachbarschaftsstreit wird ein Familiendrama, das alles zerstört....
Im Vorwort hat Therese Anne Fowler sich die Frage gestellt, ob eine weiße Autorin eine Geschichte über zwei farbige Menschen schreiben darf, denn sie könne sich nicht so einfach in die Gedanken und Gefühlswelt Farbiger hineindenken. Meiner Meinung nach ist sie somit genauso wenig vorurteilsfrei, wie ihre weißen Protagnisten. Jeder Mensch denkt und fühlt anders, egal ob weiß oder schwarz. Muss man unbedingt demselben Geschlecht oder Hautfarbe, wie seine Protagonisten angehören, um sich die Freihet nehmen zu dürfen, einen Roman zu schreiben? Außerm würde sich wohl jeder Thrillerautor fragen müssen, ob er über einen Serienmörder schreibem darf/kann, wenn er selbst keiner ist. Oder eine erwachsene Frau über einen jugendlichen Mann. Da würde es in der Literaturszene wirklich traurig aussehen! Aber zurück zum Buch....
Die Geschichte wird von einer nicht personifierzten Erzählstimme erzählt, nämlich aus der Sicht der Nachbarschaft. Mir hat diese ungewöhnliche Erzählweise in der ersten Person Plural sehr gut gefallen, auch wenn sie zu Beginn etwas ungewöhnlich wirkt. Manche Leser störten sich daran, wie ich aus einigen Rezensionen herauslesen konnte.
Die ersten zwei Drittel sind eher ruhig erzählt, auch wenn man von Anfang an eine unterschwellige Bedrohung spürt. Es sind leise Töne, die sich jeodch im Hintergrund immer bemerkbar machen und man weiß, dass man unweigerlich auf eine Katastrophe zusteuern wird.
Therese Anne Fowler hat sich in "Gute Nachbarn" sehr vielen Themen angenommen: Klimaschutz, Glaube, Vorurteile und vorallem Rassismus. Ihre Figuren hat sie trotzdem leider sehr klischeehaft und auch überspitzt dargstellt. Ich kam ihnen nicht wirklich näher. Es bestand immer eine gewisse Distanz zwischen mir und den Protaginisten.
Bill ist der weiße Bösewicht, der nicht nur seine Familie mit seinem moralischen Getue tyrannisiert, sondern einfach den Hals nicht voll bekommt. Für ihn ist klar, dass er immer auf der Gewinnerstraße unterwegs sein wird...komme, was wolle. Aber
auch Valerie, der die Herzen zu Beginn zufliegen, macht sich schuldig. Mit ihrer eingereichten Klage bringt sie ihren neuen Nachbarn noch mehr gegen sich auf. Statt persönlich mit Brad zu sprechen und ihm ihre Sicht der Dinge betreffend der Eiche zu erklären (die zwar sinnlos, aber ein Weg in die richtige Richtung gewesen wäre), geht sie sofort zum Angriff über. Die Kettenreaktion, die sich daraus ergeben wird, ist auch für den Leser eine Überraschung, obwohl man natürlich von Beginn an weiß, dass es hier zur Katastrophe kommen wird.
Das letzte Drittel ist sehr spannend und gut erzählt. Das Drama spitzt sich zu und die Art und Weise, wie die Autorin dieses zu Ende bringt, ist gelungen und hat mich sehr nachdenklich gemacht. Vorallem deshalb, weil es in Wirklichkeit ziemlich sicher genauso ablaufen würde...
Was mir ebenfalls nicht gefallen hat, war der erhobene Zeigefinder der Autorin. Sie ließ dem Leser keinerlei Spielraum sich selbst seine Meinung zu bilden. Ich hatte permanant das Gefühl, dass sie mir ihre Sicht der Dinge aufzwingen möchte. Die Geschichte ist gut, aber ich getraue mir zu sagen, dass zum Beispiel Jodie Picoult etwas viel besseres daraus gemacht hätte. Das Thema hätte perfekt zu ihr gepasst. Picoult hat aber nie den erhobenen Zeigefinger parat, sondern schildert aus verschiedenen Sichtweisen. Dabei bringt sie die Figuren dem Leser näher - egal, ob gut oder böse. Das hat hier leider komplett gefehlt, was ich sehr schade finde.
Cover:
von links nach rechte:
das englischsprachige Originalcover, die Titelbilder aus Bulgarien, Frankreich, Ungarn und Slowenien
Fazit:
Ein Gesellschaftsroman, der einen sehr guten Plot aufweist und hochaktuell ist. Trotzdem hat mir die Ausführung nicht immer gefallen. Der permanent erhobene Zeigefinger hat mich genervt, die Distanz zu den Protagonisten und viele Klischees machten die Geschichte nicht besser. Trotzdem mochte ich das Buch und vorallem Juniper und Xavier, sowie das aufwühlende letzte Drittel. Ich tu mir schwer mit der Bewertung, denn ich habe trotz der vielen Kritikpunkte die Geschichte gerne gelesen. Ich vergebe nach langem Überlegen 3 1/2 Sterne.
Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!