Sterbewohl - Olivia Monti

     

     

    • Taschenbuch: 216 Seiten
    • Verlag: Neopubli GmbH; 7. Edition (25. Januar 2021)
    • ISBN-10 : 3753154067
    • ISBN-13 : 978-3753154060
    • Genre: Krimi



Amazon Kurzbeschreibung:
Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten. Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nach "Das Haus" ist "Sterbewohl" mein zweiter Krimi von Olivia Monti. Der Klappenetxt hat mich auch hier sofort angesprochen.

Deutschland in der Zukunft. Der Staat wird schleichend zur Diktatur. Die "Bürgerliche Partei" hat die Macht übernommen. Alte, kranke und arbeitslose Menschen werden als Belastung angesehen. Nach dem Motto "Wer nichts beiträgt, ist nichts wert" sucht der Staat nach einer Lösung, denn das Sozialsystem ist schon lange an seine Grenzen gestoßen. Deswegen sollen diese Menschen die Allgemeinheit nicht belasten und ab einem bestimmten Alter Sterbeseminare besuchen. Ihnen wird die Pille "Sterbewohl" angeboten, um zu vermeiden an Demenz zu erkranken oder ein Pflegefall zu werden. Die Entscheidung sei freiwillig und man kann jederzeit abreisen. Doch warum kennt niemand jemanden, der aus dem Seminar wieder zurückgekommen ist?

Diese Briefe sollten eigentlich erst Menschen ab 80 Jahren erhalten, doch Nadja hat gerade ihre erste Rentenzahlung erhalten, als auch schon eine Einladung zum Sterbeseminar ins Haus flattert. Nadja ist erst 65 und wollte nun endlich ihre Freizeit mit den Dingen verbringen, für die sie früher keine Zeit hatte. Sie ist gesund und fit und soll in zwei Wochen zum Sterbeseminar in einem Luxushotel auf Fehrmann einchecken? Nicht nur Nadja, sondern auch ihre Freunde Anna, Max und Fred, mit denen sie ein Mietshaus teilt, um sich im Alter später gegenseitig zu unterstützen, haben denselben Brief erhalten und alle sind noch weit von den achzig, ja selbst von den siebzig Jahren, entfernt. Ihnen bleibt keine Möglichkeit die Einladung abzulehnen, obwohl sie niemanden kennen, der jemals von diesen Seminaren lebendig zurückgekehrt ist. Und warum sollen sie ein Testament aufsetzen und einen Sachverwalter bestimmen? Nadja und ihre Freunde haben keinerlei Möglichkeiten sich dem Staat zu widersetzen. Sie wissen sie müssen diese Reise antreten - aber sie sind nicht gewillt zu sterben.

Die Autorin hat mit "Sterbewohl" ein Thema aufgegriffen, das schockiert und zum Nachdenken anregt. Das beschriebene Szenario ist erschreckend und menschenverachtend, denn es ist gar nicht allzu weit bis zu der Realität, die Olivia Monti hier erschaffen hat. Schon heute sind Menschen ab Vierzig für den Arbeitsmarkt schwer vermittelbar, obwohl das Rentenalter immer wieder angehoben wird. Hier entsteht für mich eine Diskrepanz. Die unterschwelligen Bemerkungen älteren Arbeitnehmern gegenüber, fallen auch mir immer mehr auf, umso näher ich dem Rentenalter komme.
Aber auch aktive und passive Sterbehilfe sind immer wieder aktuelle Themen. Ferdinand von Schirach hat mit "Gott" dieses Thema erst vor kurzem in seinem neuen Buch aufgegriffen, auch wenn er dieses anders anpackt. Gerade die Differenzierung ist bei diesem Thema sehr schwierig. In Olivia Montis Krimi, den ich lieber Dystopie oder Thriller nennen würde, scheinen die Parallelen zum Dritten Reich immer wieder durch. Haben wir ein Recht gesunde Menschen zu töten? Und wann ist ein Leben lebenswert? Dies sind nur zwei Fragen, die einem beim Lesen immer wieder im Kopf herumschwirren. Der Plot ist genial und der Aufbau, für die nicht gerade vielen Seiten, komplex.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Nadja geschrieben. Die Sätze sind kurz, prägnant und einfach. Die Figuren bleiben leider etwas an der Oberfläche.
Monti versteht es gekonnt Spannung zu erzeugen. Ich musste mich zusammennehmen, um nicht alle meine Fingernägel abzuknabbern, so sehr hat mich das nur 216 Seiten starke Buch gefesselt. Man fiebert förmlich der Auflösung entgegen, die man kaum erwarten kann.
Und diese ist auch das kleine Manko am Buch. Es ist zu kurz und der Showdown kommt etwas zu überhastet. Mehr Seiten und noch etwas mehr an Erklärungen zum Aufbau des Staates und dem System hätten dem Buch gut getan. Man hätte aus diesem genialen Thema noch mehr herausholen können...

Trotz meiner Kritik hatte ich sehr spannende Lesestunden. Das Thema wird noch lange nachhallen und mich zu Diskussionen anregen. Ich empfehle diese Dystopie, die gar nicht so weit entfernt scheint, gerne weiter.

Noch ein Wort zum Cover: Ich finde es einfach genial!

Fazit:
Die Autorin hat ein Thema aufgegriffen, das zum Nachdenken anregt und eine Botschaft trägt. Der Spannungsbogen ist hoch und hat mich das Buch in einem Rutsch durchlesen lassen. Das beklemmende Szenario wurde von der Autorin großartig umgesetzt. Nur das Ende konnte mnich nicht so ganz überzeugen.

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar

3 Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    oh Mann, ja, diesees Thema! Seit ich vor Ewigkeiten den Film "… Jahr 2022 … die überleben wollen" gesehen habe (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/%E2%80%A6_Jahr_2022_%E2%80%A6_die_%C3%BCberleben_wollen ) lässt es mich irgendwie nicht mehr los. Und im Büro haben wir schon zuweilen gewitzelt, dass es eines Tages wohl so weit kommen wird, dass man ab der Pensionierung direkt vom Arbeitsplatz zur Notschlachtung weitergeleitet wird...
    Für mich sind Sterbehilfe (wie bei Schirach beschrieben) und das Beseitigen von Alten, Kranken und Arbeitslosen so weit voneinander entfernt, wie es nur sein kann. Das eine ist in meinen Augen ein Gnadenakt, den man bisher nur Tieren angedeihen ließ, während Menschen Qualen bis zuletzt leiden mussten - das andere ist Mord wie in der Nazizeit. Ich hoffe, dass solche Zeiten nie wieder kommen. Dass die noch relativ jungen Protagonisten nicht gewillt sind zu sterben, kann ich gut nachvollziehen - und auch, dass die Geschichte sich zu einem Nägelbeißer entwickelt. Schade, dass das Ende nicht so gut gelungen ist - das ist überhaupt bei vielen Büchern ein Problem...
    Du hast recht, das Cover ist genial!
    Alles Liebe und schönes Wochenende, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/02/zwei-ausfluge-und-ein-blumchenkleid.html
    PS: Das Burgenland ist absolut sehenswert, ich hoffe also, ich konnte dir nachhaltigen Guster machen!

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    1. Liebe Traude,
      du hast es auf den Punkt gebracht: Was Schirach anspricht ist etwas ganz anderes, als dieser Thriller, bei dem man wirklich Gänsehaut bekommt. Ich hoffe sehr, dass es nie soweit kommen wird!!
      LIebe Grüße aus dem nebeligen Mostviertel
      Martina

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  2. Sehr spannend ! Ich mag das Thema und deine Rezi. Ich glaube, ich muss es lesen. Liebe Grüße dieflo

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