Die Letzten ihrer Art - Maja Lunde

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    • Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
    • Verlag: btb Verlag (21. Oktober 2019)
    • Übersetzer: Ursel Allenstein
    • ISBN-10: 3442757908
    • ISBN-13: 978-3442757909
    • Originaltitel: Przewalskis hest 
    • Genre: Gegenwartsliteratur

 
btb Kurzbeschreibung: 
Über Mensch und Tier und das Tier im Menschen: Vom St. Petersburg der Zarenzeit über das Deutschland des Zweiten Weltkriegs bis in ein Norwegen der nahen Zukunft erzählt Maja Lunde von drei Familien, dem Schicksal einer seltenen Pferderasse und vom Kampf gegen das Aussterben der Arten. Ein bewegender Roman über Freiheit und Verantwortung, die große Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage: Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im dritten Teil des literarischen Klimaquartetts "Die Letzten ihrer Art" befasst sich Maja Lunde mit den aussterbenden Arten auf unserem Planeten. Als Beispiel hat sie sich den Przewalski-Pferden, den Ur-Wildpferden, gewidmet, die bereits auf Höhlenmalerien zu bewundern waren.
Wie in ihren Vorgängerromanen hat sie ihre Geschichte auf drei Zeitebenen angesiedelt: 1880, 1992 und 2064. Alle Handlungsstränge werden aus der Sicht des Hauptprotaginisten in der Ich-Form erzählt.

Ende des 20. Jahrhunderts lernen wir den russischen Zoologen Michail Alexandrowitsch Kowrow aus St. Petersburg kennen. In einer Art rückblickenden Reisebericht erzählt er von seiner Expedition in die Mongolei um ein Przewalski-Pferd, von den Einwohnern Takhis genannt, einzufangen und nach Sankt Petersburg in den Zoo zu bringen. Für Michail wäre es eine Sensation das noch unbekannte Wildpferd auszustellen, um endlich wieder mehr Zoobesucher anzulocken und gewinnbringende Zahlen zu schreiben. Gemeinsam mit dem deutschen Tierfänger Wilhelm Wolff macht er sich auf in die Mongolei.

Im Jahr 1992 macht sich die deutsche Tierärztin Karin ebenfalls auf in die Mongolei. Sie beschreitet den umgekehrten Weg und möchte die Pferde wieder auswildern, um die Bestände zu vergrößern.

Im Jahr 2064 hat eine große Völkerwanderung in den Norden der Erde stattgefunden, denn die Recourcen sind am Ende. Eva und ihre Tochter Isa kämpfen auf ihrem Hof ums Überleben und versuchen trotz Mangel an Nahrung ihre Tiere über die Runden zu bringen. Dazu gehören auch die letzten zwei Przewalski-Pferde....die Letzten ihrer Art. Der Nutzen, trotz Hunger die Pferde am Leben zu lassen, ist manchmal zweifelhaft. Als dann auch noch die Französin Luise auftaucht, wird der Kampf ums Überleben noch schwieriger, da die Lebensmittel bereits knapp werden...

Den gehypten ersten Band um die Bienen habe ich leider noch immer im SuB Regal stehen, aber "Die Geschichte des Wassers" habe ich bereits gelesen und war nur mäßig begeistert. Mit ihrem neuen Roman zum Klimaquartett konnte ich leider noch weniger anfangen.
Mit Pferden habe ich nicht viel am Hut, aber ich bin generell ein Tierliebhaber. Deswegen hätte ich den Roman nach der Hälfte fast abgebrochen, denn in gleich zwei Zeitsträngen wurde es für mich fast unerträglich weiterzulesen. Kurz hintereinander wurden hier Tiere misshandelt und getötet. Ich lese blutige Thriller, die mich "kalt lassen", aber ich vertrage keinerlei Tierleid. ...auch wenn es um natürlich Auslese geht, die hier aber nur einmal vorkommt. Sicherlich geht es hier um leben und leben lassen, aber auch wenn ich über die letzten ihrer Art lese, möchte ich keine brutalen Quälereien an Tieren.

Ich stehe mit meiner Kritik wohl ziemlich alleine da, aber auch wenn es ums Aussterben der Tiere geht, möchte ich nicht genau über die Tötung der Pferde oder Kühe lesen, ausgeführt von den Menschen, die sie im Roman eigentlich beschützen sollen (wollen).

Das ist aber nicht mein einziger Kritikpunkt. Auch wenn die Pferde der rote Faden der drei Handlungsstränge sind, menschelt es meiner Meinung in diesem Buch zu viel. Michails Liebe ist verboten, Karin liebt zwar ihre Pferde, aber nicht ihren Sohn. Ihr mangelt es generell an Empathie für Menschen und weiß einfach nicht, wie sie emotinal mit ihnen umgehen soll. Ihr drogenabhängiger Sohn findet in den Steppen der Mongolei etwas zu sich selbst, verzweifelt aber an der Kälte der Mutter. Isa schreibt Tagebuch und stellt sich eine intime Beziehung mit dem Sohn eines Nachbarn vor, während ihr Vater ihre Mutter immer wieder sexuell bedroht.

Sicherlich geht es auch um das Aussterben der Artenvielfalt und in der Folge auch um das der Menschen. Dies hat Maja Lunde aber bereits in den Vorgängergeschichten besser dargestellt. In "Die Letzten ihrer Art" standen für mich die menschlichen (Liebes-)Konflikte zu sehr im Vordergrund. Meiner Meinung nach hat die Autorin das Potential der Thematik nicht optimal ausgeschöpft.

Cover:

Das Originalcover zeigt die Steppenlandschaft, in der die Urpferde leben, aber es könnte auch das bereits ausgedörrte und kaum mehr urbare Norwegen sein, wo das Überleben immer schwieriger wird.


Fazit:
Ich gehöre wohl zur Minderheit, aber mir hat dieser dritte Band des Klimaquartetts nicht wirklich gefallen. Die Thematik rund um das Aussterben der Artenvielfalt wurde viel zu wenig ausgeschöpft und die Tierquälereien waren für mich einfach nur furchtbar zu lesen. Ich werde zwar auch noch den letzten Band lesen, aber bisher konnten mich Band 2+3 nicht wirklich packen.

Amazon hat sich übrigens geweigert meine Rezension zu veröffentlichen und hat mir diese nichtssagende Nachricht geschickt:

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6 Kommentare:

  1. Hallo Martina,

    schade, dass dieses Buch dich nicht richtig packen konnte. Wenn man über Tierleid lesen muss, ist das nicht einfach, da verstehe ich dich voll und ganz. Doch hier zeigt es ja, wie Tiere für das Leben von Menschen in verschiedener Weise wichtig sind.
    Ich mag bei diesem Buch besonders die unterschiedlichen Perspektiven und wie Frau Lunde diese Fäden zu einer einzigen Story zusammenführt.
    Deshalb konnte ich wohl auch erheblich mehr Sterne vergeben.
    Ich habe die Befürchtung, dass der vierte Teil der Reihe dann für mich auch mal eine Enttäuschung werden könnte.

    lg Barbara

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    1. Liebe Barbara,
      mir war schon bewusst, dass es darum geht, dass wir natürlich auch von Tieren abhängen und sie von uns. Ich fand es nur grausam, wie z. Bsp. Karin die Pferde zu früh auswildert und eines elendig zugrunde geht. Das brach mir fast das Herz. Oder auch im Strang aus Norwegen, obwohl Eva ja sehr lange kein Pferd opfern will.
      Mir war die geschichte auch zu sehr auf Pferde bezogen, wenn es um Artenvielfalt geht. Sicherlich war es nur ein Beispiel, aber trotzdem.
      Es war einfach diesmal nicht meins...mal sehen, wie Band 4 wird ;)
      Liebe Grüße
      Martina

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  2. Liebe Martina

    Dass die meisten Leserinnen und Leser das Abschlachten und Quälen von Tieren wesentlich weniger gut ertragen als die blutigsten Krimis und Thriller, kann ich sehr gut nachvollziehen. Und die Erklärung dazu habe ich erst gerade irgendwo gelesen. Anscheinend liegt es vor allem daran, dass wir für Tiere, vor allem für Tiere, die wir als "Haustiere" ansehen, einen besonderen Beschützerinstinkt entwickelt haben, der sogar teilweise noch intensiver ist, als gegenüber Kindern (auf Literatur und Filme bezogen, ich denke nicht, dass es im realen Leben so wäre, würde da aber keine Thesen aufstellen wollen), weil wir das Kuscheln und die Beziehung zu Tieren und die Abhängigkeit, die Tiere immer von uns haben werden, noch viel intensiver erleben. Deswegen erträgt man das beim Lesen weniger gut als in blutigen Thrillern.

    Dass dir aber auch sonst noch ein paar Punkte nicht gefallen haben, ist natürlich sehr schade. Ich bin aber total gespannt darauf, wie dir "Die Geschichte der Bienen" gefallen wird, ich bin von diesem Buch total begeistert.
    Es kann aber auch sein, dass dir der Stil der Autorin einfach generell nicht so zusagt, das scheint einigen so zu gehen.

    Alles Liebe
    Livia

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  3. Guten Morgen Martina

    Die Thematik in diesem Buch scheint sehr heftig dargestellt.Das ist leider im Klappentext nicht ersichtlich. Ich kann Tierquälereien auch nicht gut verkraften. Aber so ist es nun mal. Wir pflegen unsere Haustiere und gehen bei Bedarf auch zum Tierarzt. Andere Menschen wägen ab, ob ein neues Tier nicht günstiger käme. (Hab ich schon erlebt) Du begründest warum dir persönlich das Buch nicht gefallen hat. Daran gibt es wirklich nichts auszusetzen. Aber ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, warum du dann den 4. Teil auch noch lesen willst. 2&3 konnte dich nicht überzeugen. Da ist dann eine negative Meinung vorprogramiert. Ich finde deine Besprechung sehr informativ. Wer Tierquälereien in einem Buch nicht verkraften kann, sollte sie lesen. Ich denke genau daran hängt sich das große "A" auf. Finde ich nicht richtig. Danke für deine ehrliche Besprechung. Sollte ich das Buch einmal lesen, weiß ich zumindest auf was ich mich einlasse.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Gisela

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  4. Liebe Martina!

    Eine wirklich sehr interessante Sicht auf das Buch! Tatsächlich sehe ich zwei Dinge hier ganz anders als du. Als ich gerade bei dir gelesen habe, dass dich das Misshandeln und Töten von Tieren hier so mitgenommen hat, habe ich erst mal überlegen müssen, was genau du meinst, weil das in meinem Kopf so überhaupt nicht präsent war. Ich bin, genauso wie du, kein Pferdefan, aber ebenfalls ein großer Tierfreund. Natürlich sterben ein paar Tiere in dem Roman, aber nicht durch eine böse Absicht, vielleicht eher durch Unwissenheit oder Pech. Und da das ein fiktiver Roman ist, den sich die Autorin so ausgedacht hat, hat mich das auch nicht mitgenommen, ich kann da eine klare Linie ziehen und mich abgrenzen.
    Und die Sache mit dem menscheln ... da gebe ich dir recht: es geht in allein drei Strängen stark um Beziehungskram und Gefühle, aber in der Vergangenheit und in 1992 geht es wohl auch sehr stark um die Pferde bzw. den Erhalt der Art, da ist beides sehr im Vordergrund, das war absolut in Ordnung für mich.

    Aber total spannend, wie unterschiedlich man das alles sehen kann! Und nur weil du anderer Meinung bist und du das Buch schlechter bewertet hast als der Großteil der Leser ... ich finde es absolut grottig von Amazon, deine Rezension deswege nicht zu veröffentlichen! Der Ausdruck deiner persönlichen Meinung wird dir da einfach nicht gewährt. Unglaublich.

    Alles Liebe an dich,
    Janine

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    1. Liebe janine,
      ja, ich weiß, dass es zum Beispiel beim Zukunftsplot ums nackte Überleben geht und man Tiere schlachten muss, um etwas zum Essen zu haben. Und ich wohne auch auf dem Land und bin auch damit aufgewachsen. Meine OMa hat ihre eigenen Schweine gehaebt und geschlachtet (da bin ich immer weit weggelaufen,, um die Schreie nicht hören zu müssen..aber danach beim Verwerten habe ich schon als Kind mitgeholfen und das hat mir wiederum nichts gemacht.) Ich kann es einfach nicht lesen - keine Ahnung warum. Da empfinde ich jedes noch so kleine Leid an Tieren einfach nur grausam...auch wenn es der Lauf der Welt ist. Und das hat mich wahnsinnig von der Story selbst abgelenkt und mitgenommen.
      Und die Story um 1994 hatte mich nicht wirklich gepackt...die beiden anderen schon eher.
      Liebe Grüße
      Martina

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