Hannah und ihre Brüder - Ronald H. Balson

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 498 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (17. Mai 2019)
    • Übersetzer: Gabriele Weber-Jarić
    • ISBN-10: 3746635098
    • ISBN-13: 978-3746635095
    • Originaltitel: Once we were Brothers
    • Genre: Historischer Roman, zweiter Weltkrieg
    • Reihe: ja - Band 1 Liam Taggert und Catherine Lockhart


Aufbau Kurzbeschreibung:
Bei einer Gala wird ein angesehener jüdischer Bürger Chicagos vom hochbetagten Ben Solomon bedroht und beschuldigt, ein SS-Offizier zu sein. Obwohl alles auf eine Verwechslung hinweist, engagiert Ben die Anwältin Catherine Lockhart und ihren Ermittler Liam Taggart – er ist sich sicher, seinen Ziehbruder zu erkennen, der einst Bens Familie und seine Geliebte Hannah verriet. Bei ihrer Recherche stoßen Catherine und Liam auf das Schicksal dreier Kinder im kriegszerrütteten Polen, die wie Geschwister aufwachsen und einander als Feinde wiederbegegnen. Aber beschuldigt Ben den Richtigen?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit dem Roman "Karolines Töchter", der vom Aufbau Verlag als erster Roman Ronald H. Balsons aus der Reihe rund um den Privatdetektiv Liam Taggert und der Anwältin Catherine Lockhart veröffentlicht wurde, erzielte der Autor auch in Europa eine große Fangemeinde. Ich bin damals doch auf so einige Recherchefehler gestoßen und konnte keine 5 Sterne vergeben.

Mit der Reihenfolge ist es etwas seltsam. Warum der Verlag damals die Fortsetzung zuerst veröffentlicht hat, ist mir ein Rätsel. Im Mai wurde nun "Hannah und ihre Brüder", der erste Band dieser Reihe verlegt. Dies merkt man, denn der Schreibstil ist teilweise noch etwas holprig und Liam und Catherine werden erst zum Team, das sie in "Karolines Töchter" bereits sind.

Aufgebaut ist der Roman ebenfalls genauso wie "Karolines Töchter". Die Rahmenhandlung spielt in der Gegenwart, während der Hauptanteil des Romans von der Vergangenheit handelt und zwar der Vergangenheit von Ben Solomon. Dieser bedroht bei einer Spendengala im Jahre 2004 den angesehen jüdischen Bürger Elliot Rosenzweig mit einer Pistole und behauptet er sei der ehemalige "Schlächter von Zamość", ein SS-Offizier namens Otto Piotnek. Otto wurde in den 1930iger von Ben's jüdischen Eltern in Polen aufgezogen und wurde zum Bruder für ihn und seine kleine Schwester Becca. Jahre später hat er die Familie verraten und wurde ein treuer Nazi. Durch die Anschuldigung droht Ben ein Gerichtsverfahrenren gegen Rosenzweig. Doch er möchte endlich die Wahrhheit ans Licht bringen und engagiert die Anwältin Catherine Lockhart und den Privatermittler Liam Taggert. Gemeinsam versuchen sie der Identität Elliot Rosenzweigs nachzugehen...

Mit den Ermittlungen erfährt der Leser mehr und mehr aus Bens Kindheit in Polen; von Hannah, in die er sich als Teenager verliebte und wie seine geliebte Familie nach und nach Opfer der Nazis wurden. Dieser Abschnitt ist bewegend und spannend geschrieben. Bens Erzählungen klingen glaubwürdig und überzeugen mit der Zeit auch Catherine, die nicht wirklich viel Ahnung vom Holocaust hat. Das bemerkt man auch bei ihrer Vorgehensweise als Anwältin. Viele Ereignisse oder Tatschen, die man hier in Europa über diese schreckliche Zeit weiß, sind für Catherine neu. Sie findet oft nicht die richtigen Ansätze zur Recherche, wie z. Bsp. bei der  tätowierten Häftlingsnummer oder dem Umfeld von Rosenzweig.

Durch die wechselnden Perspektiven zwischen Gegenwart und Vergnagenheit entwickelt sich immer mehr Spannung und man fiebert dem Resultat der Verhandlung entgegen, auch wenn sie für mich sehr bald offensichtlich war.
Beim Lesen irritiert hat mich allerdings, dass oftmals mitten in Bens Erzählung der nächste Satz von Catherine erzählt, die sich ein Glas Wasser holt oder eine Pause einberuft. Das warf mich mehrere Male richtig aus der Geschichte.
Die Gegenwart an sich ist hier der große Kritikpunkt meinerseits. Catherine und Liam bleiben sehr blass und ich fand überhaupt keinen Zugang zu ihnen, obwohl ich sie bereits aus "Karolines Töchter" kannte. Es findet keine wirkliche Charakterentwickling statt bzw. wirkt diese unglaubwürdig. Zu der Arbeit als Anwalt in den USA kann ich nicht viel sagen, weil ich dazu einfach zu wenig weiß.
Viele Figuren sind nicht nur in der Gegenwarts, sondern auch im Vergangenheitsstrang sehr schwarz-weiß gezeichnet. Oftmals fühlte ich mich in der Geschichte mehr als Beobachter am Rande, als mitten drinnen zu sein.

Den deutschen Titel finde ich ebenfalls nicht gut gewählt. Der Originaltitel "Once we were brothers" ist perfekt und ich finde es schade, dass er nicht so übersetzt wurde.

Schreibstil:
Ob es an der Übersetzung oder an Ronald H. Balsons Schreibstil liegt...ich weiß es nicht, aber  auch diesmal kam ich nicht sofort in die Geschichte. Ich fand sie Sätze oft sehr holprig. Die Sätze sind kurz und wirken oftmals emotionslos. Mit der Zeit fällt das nicht mehr auf und mich konnte vorallem Bens Erzählung aus Polen doch noch überzeugen. Die Recherchearbeit dürfte dem Autor hier besser gelungen sein, als bei "Karolines Töchter".

Cover:
Die drei englischsprachigen Cover in der Mitte sind links und rechts von den Exemplaren aus  Italien und Polen umgeben

Fazit:
Ronald H. Balsons erster Roman über den Holocaust konnte mich leider nicht ganz abholen. Während mich der Vergangenheitsstrang um die Judenverfolgung in Polen großteils überzeugen konnte, fand ich die Rahmenhandlung in der Gegenwart oberflächlich und teilweise unglaubwürdig. 

Das Verschwinden der Stephanie Mailer - Joël Dicker

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 672 Seiten
    • Verlag: Piper (2. April 2019)
    • Übersetzer: Amelia Thoma, Michaela Meßner
    • ISBN-10: 3492059392
    • ISBN-13: 978-3492059398
    • Originaltitel: La Disparition de Stephanie Mailer
    • Genre: Spannungsroman,  Gegenwartsliteratur


Piper Kurzbeschreibung:
Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau ...

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" legt Joël Dicker seinen dritten und von vielen sehnsüchtig erwarteten Roman vor. Dieser ist eindeutig mehr Krimi als seine Vorgänger. Vielleicht ist dies auch der Grund, dass die Bewertungen zu seinem neuesten Werk doch sehr auseinander gehen. Mir hat "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" allerdings gut gefallen, auch wenn sein Einblick in das kleinstädische Leben diesmal sehr ausschweifend war.

Im kleinen Städtchen Orphea in den amerikanischen Hamptons erschütterte vor genau 20 Jahren ein großer Mordfall die Bevölkerung. Der damalige Bürgermeister Joseph Gordon und seine gesamte Familie, sowie Meghan Padalin, die vor dem Haus der Gordons vorbei joggte, wurden ermordet. Diese Tat stellte die damals jungen Ermittler Jesse Rosenberg und Derek Scott vor eine große Herausforderung. Die Überführung des Täters brachte den Polizisten der State Police Ruhm ein, doch nun 20 Jahre später und kurz vor der Verabschiedung von Jesse Rosenberg von der Polizeiarbeit, behauptet die junge Journalistin Stephanie Mailer, die Polizei hätte damals das Wesentlichste übersehen und den falschen Mann überführt. Obwohl Jesse und Dirk sich einig sind, dass das nicht stimmen kann, lässt ihnen diese Aussage keine Ruhe. Als Jesse versucht Stephanie Mailer zu kontaktieren und nochmals mit ihr zu sprechen, ist die Journalistin plötzlich von der Bildfläche verschwunden...

Damit beginnt die Geschichte seinen Lauf zu nehmen und man taucht ein in das kleinstädtische Leben von Orphea und seinen Einwohnern. Wie vor 20 Jahren steht das große Theaterfestival vor der Tür und die Menschen sind bereits auphorisch. Und trotzdem erinnern sich auch alle daran, was 1994 geschah. Ohne große Unterstützung versuchen Jesse und Dirk gemeinsam mit der Ermittlerin Anne Kanner den damaligen Fall wieder aufzurollen. Bald stellt sich heraus, dass es doch einige Ungereimtheiten zum Mord vor Zwanzig Jahren gibt. Einige der Bewohner von Orphea haben ihre kleinen Geheimnisse, im Rathaus und auf dem Revier herrscht Vetternwirtschaft und die unheimliche Andeutung der "schwarzen Nacht" erleichtern Dirk, Jesse und Anne nicht gerade ihre Ermittlungsarbeit. Zudem gibt es einen zeitlichen Countdown bis zum Beginn des Theaterfestivals, der die Spannung erhöht. Der Autor liegt viele falsche Fährten und zum Ende hin ist jeder verdächtig. Man bekommt eine Fülle an Informationen, doch mit der Zeit wird Schicht um Schicht freigeleg.

Wie von Joël Dicker gewohnt, beschreibt der Autor auch in seinem neuen Roman seine Geschichte sehr detailliert. Trotz der fast 700 Seiten liest man sich flott durch den Roman, allerdings hatte er doch in der Mitte kleine Längen.
Dicker lässt seine Protagonisten zusätzlich aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Manche dieser Figuren sind etwas skurill geraten, wie der ehemalige Polizeichef und nunmehrige Theaterregisseur Kirk Harvey, der damals die Stadt sehr schnell verließ.
Es gibt immer wieder kurze Rückblicke in die Vergangenheit. Durch die vielen Charaktere muss man sich ziemlich konzentrieren. Ebenso greift der Autor auf die Entwicklung von Dick und Jesse zurück und was der Fall damals in ihrem Privatleben angestellt hat. Als Leser ist man genauso ahnungslos, wie die Ermittler.

Zum Ende hin sind manche Ereignisse doch etwas konstruiert. Eine Figur und ihren Handlungsstrang fand ich absolut unnötig. Wozu Dicker diesen eingebaut hat, blieb mir bis zum Schluss ein Rätsel, vorallem weil das Ende dieser Erzählung rund um diese Figur vollkommen unrealistisch dargestellt wurde.
200 Seiten kürzer und etwas weniger Figuren hätten der Geschichte sicherlich gut getan. Für mich ist dieser Roman leider sein schwächster, aber trotzdem wieder lesenswert.

Schreibstil:
Joël Dicker schreibt sehr detailliert, bildhaft und einnehmend, jedoch auch sehr ausschweifend. Der Plottwist ist gelungen und die Geschichte ist sehr vielschichtig angelegt. Es gibt Passagen aus der Ich-Perspektive und die eines allwissenden Erzählers.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die mit "Abgründe", "Zur Oberfläche" und "Aufstieg" betitelt sind. Am Ende gibt es ein Personenregister, das sehr hilfreich ist.
 
Cover:

von links nach rechts:
Die französischsprachige Originalausgabe, die Cover aus Spanien, Italien, der Niederlande, Rumänien und Bulgarien

Fazit:
Ein sehr vielschichtiger und komplexer Roman mit Krimianteil, der meiner Meinung nach zu viele Figuren und Handlungsstränge aufweist. Einserseits sehr spannend, dann doch wieder zu detailliert und langatmig. 200 Seiten kürzer und einige verwirrende Zusatzinformationen weniger und der Roman wäre wieder top. So finde ich ihn als der Schwächste der drei Romane des Autors. 

Tod in Porto - Mario Lima

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 384 Seiten
    • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (10. Juni 2019)
    • ISBN-10: 3453439597
    • ISBN-13: 978-3453439597
    • Genre: Krimi
    • Reihe: ja - Band 2 rund um Inspektor Fonseca



Heyne Kurzbeschreibung:
Das Team von Inspektor Fonseca hatte schon mit eisbeschlagenen Vinho-Verde-Gläsern auf den wohlverdienten Sommerurlaub angestoßen, als plötzlich ein Mann brasilianischer Herkunft erschossen neben seinem Sportwagen aufgefunden wird. Wenig später taucht ein Video auf, das mit dem Fall in Verbindung steht: Eine Zunge und ein Paar Ohren, genagelt an eine Holztür. Die „brasilianische Methode“ mit Spitzeln umzugehen. Das Video hatte acht Empfänger. Sind weitere Morde geplant? Wie viel weiß der Arbeitgeber des Ermordeten, ein windiger Immobilienmakler? Und was hat die Tochter eines berühmten Anwalts aus Sao Paulo mit dem Ganzen zu tun?
 
Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Für mich ist dieser zweite Band der Einstieg in das Team rund um Inspector Fonseca. Man kann jedoch "Tod in Porto" problemlos ohne Vorkenntnisse lesen.

Mario Lima ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der seit Jahren in Portugal lebt. In seinem zweiten Kriminalroman dreht sich alles um die brasilianische Mafia, die Porto und das Ermittlerteam der Polícia Judiciária rund um Chefinspektor Fonseca in Atem hält. Statt den wohlverdientesn Urlaub anzutreten, müssen Fonseca, Dino, Anna und Pinto wegen Mordes ermitteln. Ein Toter wurde in einem Industriegebiet nahe einer Disco erschossen. Die Spuren führen zu einer Immobilienfirma, bei der das Opfer gearbeitet hat. Doch Pinto und Ana treffen auf eine Mauer des Schweigens. Als ein weiterer Mann brutal ermordert wird drängt die Zeit, doch was ist das Motiv? Drogen? Geldwäsche oder rivalisierende Banden? Als dann auch noch ein verstörendes Video die Runde macht, das eine Zunge und ein Paar Ohren angenagelt an eine Holztür zeigen, ist man sicher, dass die Spur zu den Brasilianern führt, die damit unangenehme Spitzel beseitigen. Und welche Rolle spielt die Halbjapanerin Talita, die in Sao Paulo von der kriminellen Vereinigung PCC entführt wurde und nun ebenfalls in Porto mit einer Horde Security aufgetaucht ist?

Mario Lima hat sich in seinem zweiten Krimi rund um Inspector Fonseca die brasilianische Unterwelt zum Thema gemacht. Ddurch verliert das Buch leider sehr an Lokalkolorit. In meinen Augen hätte es an jedem anderen Ort genauso spielen können. Einzig der Bezug Portugals zu seiner ehemaligen südamerikanischen Kolonie ist ersichtlich. Jedoch erfährt man sehr viel über die Machtverhältnisse in Sao Paulo, wie über die Polícia Militar do Estado und die kriminelle Vereinigung, Primeiro Comando da Capital (PCC).

Die Charaktere sind nur teilweise gut ausgearbeitet. Ana und Pinto sind sympathische Figuren, die für mich greifbar waren. Ein kleiner Einblick in ihr Privatleben und einige charakteristische Handlungen im Laufe der Ermittlungsarbeit machten sie für mich real und sympathisch. Fonseco hingegen blieb mir zu blass. Ihn konnte ich nicht wirklich einordnen. Vielleicht wird er aber im ersten Band etwas genauer vorgestellt, was ich leider nicht beurteilen kann, da ich diesen nicht gelesen habe.

Wie in jedem Krimi steht die Ermittlungsarbeit im Vordergrund und die hat mir gut gefallen, auch wenn die Polizei lange keinen Durchblick und auf gut Glück ihre Nachforschungen betrieben hat. Der Hintergrund hinter all den Morden ist jedoch sehr komplex. Die Spannung bleibt großteils die ganzen 384 Seiten aufrecht und steigert sich im letzten Drittel zum Höhepunkt.
Das Ende ist logisch aufgebaut und birgt noch die eine oder andere Überraschunge.

Schreibstil:
Mario Limas Schreibstil ist lebendig und lässt sich sehr gut lesen. Die eingestreuten portugiesischen Wörter werden in einem Glossar am Ende übersetzt und bringen etwas Lokalkolorit in den Krimi. Sie ergeben aber auch ohne Portugiesischkenntnisse im Zusammenhang mit der Geschichte Sinn.
Auf der Umschlaginnenseite ist zusätzlich ein Plan von Porto abgebildet...eine tolle Beigabe des Verlages.

Fazit:
Ein sehr komplexer Krimi, der sich mit der brasilianischen Unterwelt und dem Zuzug dieser in Portugal befasst. Solide Ermittlungsarbeit, spannende Themen und ein guter Schreibstil konnten mich an den Krimi fesseln. Jedoch fehlte mir das portugiesische Lokalkolorit und die Ermittler waren mir zu blass. Ich vergebe deshalb 3 1/2 Sterne von 5.


Vielen Dank an den Heyne Verlag und an Lovelybooks für das rezensionsexemplar, sowie an den Autor für die Begleitung der Leserunde

Die Saphirtochter - Dinah Jefferies

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover); Auflage: 2. Aufl. 2019 (28. Juni 2019)
    • Übersetzer: Angela Koonen
    • ISBN-10: 3785726457
    • ISBN-13: 978-3785726457
    • Originaltitel: The Sapphire Widow 
    • Genre: Historischer Roman, Love & Landscape



Bastei Lübbe Kurzbeschreibung:
Ceylon, 1935. Louisa Reeve, Tochter eines erfolgreichen Edelsteinhändlers, ist glücklich verheiratet mit dem Geschäftsmann Elliot. Als dieser tödlich verunglückt, erfährt sie nach und nach, dass er ein Doppelleben führte. Eines Tages besucht Louisa die koloniale Zimtplantage Cinnamon Hills, an der ihr Mann Anteile besaß, und lernt den raubeinigen Naturburschen Leo kennen, der mehr über Elliot zu wissen scheint, als er vorgibt. Und während die herrliche Plantage mit Blick auf den Indischen Ozean ihren magischen Zauber entfaltet, gerät Louisas Herz nicht nur wegen Elliots schockierendem Verrat zunehmend in Aufruhr ...

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Bastei Lübbe Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von der Autorin habe ich bereits "Die Tochter des Seidenhändlers" gelesen, welches in Vietnam spielt. Dieser Roman hat sehr stark begonnen und ebenso stark nachgelassen. Nun wollte ich der Autorin nochmals eine Chance mit ihrem neuesten Werk "Die Saphirtochter" geben, vorallem weil der Roman in Sri Lanka spielt....eine Insel, die ich seit meinem 13. Lebensjahr liebe, obwohl ich noch nie dort gewesen bin. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich bei der Leserunde bei der Lesejury ausgewählt wurde. Leider ist es Dinah Jefferies jedoch nicht geglückt mich zu überzeugen, was mir wirklich leid tut.

Wir sind im Jahhre 1935 und Ceylon, das heutige Sri Lanka, steht noch unter britischer Herrschaft. In diesem Umfeld bewegen wir uns auch. Der Einstieg in die Geschichte ist eher ruhig und lange Zeit plätschert die "Einführung der Charaktere" dahin. Doch dann erhält Louisa, unsere Hauptprotagonistin und Tochter eines erfolgreichen Edelsteinhändlers, die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Mannes Elliot, der bei einem mysteriösen Autoumfall ums Leben gekommen ist. Keine Angst, das ist kein Spoiler, denn es passiert ziemlich früh in der Geschichte und wird auch im Klappentext erwähnt. Louisas Ehemann war ein Lebemensch und lebte ziemlich offensichtlich auf den Kosten seiner Frau bzw. seines Schwiegervaters. Nach seinem Tod steht Louisa unverhofft vor einem Schuldenberg und fragt sich zusätzlich, wie viel sie eigentlich von ihrem Mann wusste, der anscheinend ein Doppelleben führte. Als dann auch noch die Gläubiger vor der Tür stehen und die Drohungen immer massiver werden, macht sich Louisa zur Zimtplantage auf, an der ihr Mann Anteile besaß. Sie hofft dem Besitzer überreden zu können, diese Anteile abzugeben, doch auf Cinnemann Hills erwartet sie eine Überraschung....

Die Grundidee der Geschichte fand ich wirklich gut, bei der Umsetzung hat mich die Autorin ein weiteres Mal enttäuscht. Trotz einiger Erzählstränge und in meinen Augen zu viel aufgegriffenen Themen, ist vieles vorhersehbar. Die Figuren blieben blass (mit Ausnahme der "bösen" Schwiegermutter Irene) und sehr an der Oberfläche. Louisa ist einserseits eine starke Frau, die nach vielen Fehlgeburten und dem Tod ihres Mannes die Hoffnung nicht aufgibt, auf der anderen Seite aber wiederum sehr naiv, passiv und emotionslos. Viele ihrer Handlungen konnte ich absolut nicht nachvollziehen, waren unglaubwürdig oder weltfremd.
Was mich allerdings am Meisten störte war, dass viele Handlungen begonnen und entweder nicht zu Ende geführt oder mit einer kurzen banalen Erklärung abgeschlossen wurden. Es kam nie eine richtige Spannung auf und genau die Themen, die man dafür ausbauen hätte können, wurden mit ein oder zwei Sätzen aus der Welt geschafft. Es blieben viel zu viele Fragen offen und auch die anbahnende Liebe zwischen Louisa und Leo hinterließ bei mir keinerlei Emotionen. Außerdem nahm mir die Liebesgeschichte im letzten Drittel einfach zu viel Raum ein. Am Ende löst sich zusätzlich fast alles in Wohlgefallen auf, was unglaublich unrealistisch wirkt.

Oftmals hatte ich das Gefühl auch nicht in der Zeit, in der dieser Roman spielt, angekommen zu sein. Zu Beginn kam mir die Gesellschaft noch viel zu steif für die 1930iger Jahre vor und erinnerten eher an die Jahrhundertwende. Später fand ich einige Erklärungen und Handlungen zu modern. Man konnte die Zeit in der der Roman spielt nicht wirklich zuordnen, weil keinerlei Hintergrundinformationen vorhanden waren....weder politisch noch zu den eigentlichen Einwohnern der Insel. Dabei waren diese Jahre Vorboten eines baldigen Umbruches...die Unabhängigkeit von England und der kommende Zweite Weltkrieg standen an.
Der Titel erschließt sich mir ebenso wenig, denn um Edelsteine ging es nur ganz am Rande.

Volle Punktezahl gebe ich der Autorin für ihre wunderbaren und detaillierten Schildeurngen der Landschaft und die Beschreibung von Gerüchen und Duftkomponenten. Man riecht förmlich das Zimtaroma oder das Aroma von exotischen Blüten.

Der Schreibstil ist blumig und sehr bildgewaltig. Die Landschaftsbeschreibungen sind einfach atemberaubend. Man liest sich trotzallem gut durch die Geschichte, auch wenn sie oftmals ihre Längen hat. Dies ist einzig und allein dem flüssigen Schreibstil der Autorin zu verdanken.

Leider muss ich bei diesem Roman genau dieselben Dinge kritisieren, die ich schon bei "Die Tochter des Seidenhändlers" bemängelt habe: die Geschichte verliert sich in Nebensächlichkeiten und die wichtigen Themen werden nicht fertig ausgeführt bzw. zu Ende erzählt. Hier hatte ich zusätzlich noch mit oberflächlichen Figuren und fehlender Spannung zu kämpfen. Ein weiteres Buch der Autorin werde ich somit nicht mehr lesen....sehr schade!


Cover:
 

Die Cover sind größtenteils wunderschön, aber doch auch sehr unterschiedlich.
Von links nach rechts sehen wir die Cover aus Frankreich, Schweden, Ungarn, danach drei englischhsprachige Exemplare und zum Abschluss ein hebräisches Titelbild. Ich finde das schwedische am Schönsten, da es nicht nur von den Farbtönen gelungen ist, sondern auch die annähernd realistische Landschaft von Sri Lanka darstellt (auch wenn hier das meer fehlt, denn Galle liegt a Meer)

Fazit:
Was für ein wunderschönes Setting und eine interessanter Grundidee, jedoch wurden von der Autorin nur die atemberaubenden Landschaftsbeschreibungen umgesetzt. Alles andere plätschert einfach vor sich hin, Handlungsfäden werden angefangen und nie beendet, Fragen nicht beantwortet, Probleme lösen sich in Luft auf. Das war leider nichts und war auch die letzte Chance, die ich der Autorin gegeben habe. Ich werde keinen Roman mehr von ihr lesen. Schade!
Vielen Dank an die Lesejury und den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die Frauen von Salaga - Ayesha Harruna Attah

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (11. März 2019)
    • Übersetzer: Christiane Burkhardt
    • ISBN-10: 3453292197
    • ISBN-13: 978-3453292192
    • Originaltitel: The Hundred Wells of Salaga 
    • Genre: Historischer Roman



Diana Kurzbeschreibung:
Westafrika, Ende des 19. Jahrhunderts. Aminah, ein verträumtes junges Mädchen, wird brutal aus ihrem Zuhause gerissen und als Sklavin verkauft. Wurche ist eine privilegierte Frau, doch ihr Vater zwingt sie, eine ungewollte Ehe einzugehen. Als Aminah und Wurche sich auf dem Sklavenmarkt von Salaga begegnen, verbinden sich ihre Schicksale unwiderruflich miteinander. Beide hadern mit den Grenzen, die ihnen Zeit und Gesellschaft auferlegen. Beide riskieren ihr Leben. Und beide verlieben sich in denselben Mann.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Sehr selten finde ich Lektüre aus Afrika - nicht nur als Schauplatz, sondern vorallem Autoren dieses Kontinentes. Mit "Die Frauen aus Salaga" habe ich mich nach Westafrika, dem heutigen Ghana, begeben. Dort begleiten wir Ende des 19. Jahrhunderts zwei Frauen unterschiedlicher Herkunft.
Aminah ist ein junges Mädchen aus dem Dorf Botu, welches sich im Landesinneren befindet. Sie gehört zum Volk der Guma. Die Menschen in dieser Gegend sind von den Karawanen abhängig, mit denen sie handeln um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ihr Vater ist Schuster und Aminah möchte später ebenfalls das Schusterhandwerk erlernen. Doch eines Tages wird das Dorf von Sklavenhändlern überfallen. Die ganze Familie wird getötet oder versklavt, wie auch der Rest des Dorfes.
Wurche hingegen ist die Tochter eines Stammesführers, die in einer Siedlung in Salaga-Kpembe, nahe der Goldküste lebt und deren Reichtum durch den Sklavenhandel gestärkt wird. Sie gehört zum Volk der Gonja. Wurche liebt es zu reiten und zu schießen. Sie ist eine eigenwillige Frau und möchte selbst einmal Mitspracherecht bei ihrem Volk erreichen und ist ihrer Zeit weit voraus. Doch sie muss sich ihrem Vater beugen und Adnan vom Volk der Dogma heiraten, den sie verabscheut.

Die Geschichten der beiden Frauen wird abwechselnd erzählt, wobei ich bei Aminah immer lieber verweilte. Ihr Schicksal fand ich interessanter und sie war eine sehr sympathische Protagonistin. Zu Wurche fand ich erst spät Zugang. Sie wirkte auf mich überheblich und arrogant. Leider fand jedoch in der Geschichte keine große Charakterentwicklung der beiden Frauen statt, obwohl sich beide nichts sehnlicher wünschen, als die eigene Freiheit und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Freundschaft der beiden Frauen, die erst sehr spät in der Geschichte aufeinandertreffen, erschien mir nicht wirklich vorhanden. Allerdings verlieben sie sich in denselben Mann. Eine Liebesgeschichte, wie es der Klappentext verheißt, gibt es trotzdem nicht bzw. nur am Rande. Ich fand es schade, dass Aminah und Wurche erst sehr spät aufeinander treffen. Ich hätte gerne mehr Zeit mit Beiden gemeinsam verbracht.

Die Autorin beschreibt das Leben von Aminah und Wurche sehr detailliert. Sie brachte mir diese fremde Kultur näher. Die Beschreibung der Behausungen, der Kleidung und dem Essen, der Einfluss des Islams (Viel-Ehe) und die Landschaft wurden sehr bildhaft dargestellt. Die Konflikte zwischen den einzelnen Stämmen und in weiterer Folge mit den Deutschen, Engländern und Franzosen, sind sehr aufschlussreich beschrieben.
Der Roman greift vorallem die Themen der Sklaverei und der Frauenrechte auf. Die Politik dieser Zeit spielt ebenfalls eine große Rolle. Es war die Zeit, als die Deutschen und die Engländer versuchten in Afrika Fuß zu fassen und Allianzen zu schließen, die jedoch alles andere als stabil waren. Aber auch die Vorherrschaft der Ashanti wurde von den anderen Stämmen nicht gerne gesehen. Die Verteilung und das Auf und Ab der einzelnen Mächte wird sehr gut aufgezeigt.

Schreibstil:
Ayesha Harruna Attah schreibt einerseits sehr distanziert und dann wieder detailverliebt. Abwechselnd erzählt die Autorin aus der Sicht von Aminah und Wurche.
Die vielen für uns fremd klingenden Namen lassen sich zu Beginn schwer lesen und zuordnen. Auch ein Glossar mit der Erklärung der afrikanischen Bräuche und Gerichte, wäre hilfreich gewesen. 

Cover:

von links nach rechts:
Die farbenprächtigen Cover aus Italien, der Niederlande und die beiden englischsprachigen Titel

Fazit:
Die Autorin entführt uns Europäer mit dieser Geschichte in eine fremde Welt und zwar in das Westafrika Ende des 19. Jahrhunderts. Obwohl mich der Roman nicht ganz überzeugen konnte, bleibt er mir sicherlich alleine wegen des Settings und den liebevollen Beschreibungen der Menschen und ihren Bräuchen, der Landschaft, den unterschiedlichen Machtverhältnissen in der Familie, als auch in der Politik dieser Zeit, in Erinnerung. Eine Geschichte über zwei Frauen, die beide ein unabhängiges Leben in Freiheit führen möchten.


Mehr als die Erinnerung - Melanie Metzenthin



    • Taschenbuch: 379 Seiten
    • Verlag: Tinte & Feder (14. Mai 2019)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 2919804316
    • ISBN-13: 978-2919804313
    • Genre: Historischer Roman, Familienroman


Amazon Kurzbeschreibung:
Gut Mohlenberg, 1920: In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen kümmert die junge Medizinerin Friederike von Aalen sich liebevoll um die Patienten. Einer von ihnen ist Friederikes Mann Bernhard, der nach einer Hirnverletzung im Krieg ihre besondere Zuwendung braucht. Der schneidige Leutnant von einst erinnert sich an vieles nicht, aber mit seiner Frau verbindet ihn noch immer eine tiefe Liebe. Da geschehen in der Gegend kurz hintereinander zwei grausame Morde. Man ist schnell bei der Hand mit den Verdächtigungen: Es muss einer der »Geisteskranken von Mohlenberg« gewesen sein! Doch Friederike würde für ihre Patienten die Hand ins Feuer legen und stellt heimlich eigene Nachforschungen an. Was weiß Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen, den sie vor Kurzem erst eingestellt haben? Und welche Rolle spielt der hochintelligente, aber kühle Dr. Weiß? Zu spät begreift Friederike, dass sie mit ihren Fragen sich selbst und die Menschen in ihrer Nähe in große Gefahr gebracht hat …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mein erster Roman der Autorin, obwohl ich noch ihre Romane "Die Stimmlosen" und "Im Lautlosen" auf meinem SuB habe. Lange werden sie dort nicht mehr verweilen, denn "Mehr als die Erinnerung" konnte mich von der ersten Seite an begeistern.

1920. Der Große Krieg ist vorüber und hat viel Leid über die Menschen gebracht. Auf Gut Molenberg leitet Doktor Meinhardt eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen. Seine Tochter Friederike von Aaalen unterstützt ihn, wo sie nur kann. Seit ihr Mann Bernhard im Krieg eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, ist er selbst Patient und steht laut Dr. Weiß, einem Kollegen aus der Pflegeanstalt, auf dem Level eines etwa fünfjährigen Kindes. Seinetwegen hat Friederike ihr Medizinstudium kurz vor Abschluss abgebrochen, denn Bernhard ist trotz seines Handycaps noch immer ihre große Liebe. Für sie und ihren Vater stehen Menschlichkeit, Achtung und Respekt in ihrer Einrichtung an erster Stelle. Die Patienten versuchen sich nach Möglichkeit selbst zu versorgen und werden als vollständige Menschen anerkannt. Eines Tages steht ein junger Kriegsversehrter mit schlimmen Verbrennungen im Gesicht vor der Tür und bittet um Arbeit auf Gut Molenberg. Seine Papiere sind zweifelhaft, doch Bernhard freundet sich sofort mit dem Mann an. Da geschehen im Umkreis des Gutes zwei Morde und der Verdacht fällt automatisch zuerst auf die Patienten des "Irrenhauses", wie die Bewohner des naheliegendes Ortes die Insassen von Gut Molenberg nennen. Friederike ist fassunglos. Wer könnte von den beiden Morden profitieren? Und wer ist eigentlich Walter Pietsch, den sie erst vor kurzem auf Gut Molenhof eingestellt hat? Welche Rolle spielt Dr. Weiß, der seine eigene Theorie über Menschen mit Beeinträchtigung hat? Friederike ist entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen...

Die Aufklärung der Morde werden - wie auch noch heute - durch Vorurteile erschwert. Friederike ist eine toughe junge Frau, die sich für ihre Patienten einsetzt und das Herz auf den rechten Fleck hat. Sie möchte sich von Bernhard nicht scheiden lassen und für ihn da sein, denn die gegenseitige Liebe ist noch immer vorhanden und spürbar. Trotz seiner Beeinträchtigung möchte Bernhard Friedrike seit den Morden beschützen. Doch was versucht er ihr schon die ganze Zeit über zu sagen?
 
Melanie Mentzenthin schreibt in diesem aufwühlenden Roman über Menschen mit Beeinträchtigung und den Therapieansätzen der damaligen Zeit. Sie ist selbst Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Einblick in die damals üblichen Therapiemethoden lassen einem teilweise sprachlos zurück. Einige Methoden kannte ich schon aus anderen Romanen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Der Mensch schreckt jedoch vor Nichts zurück und somit gibt es an Grausamkeiten immer wieder Neues zu entdecken....leider! Einer dieser Menschen ist Doktor Weiß. Er möchte in einer Studie aufzeigen, dass jeder Mensch aufgrund von Schlüsselreizen zum Mörder werden kann. Für ihn sind alle Behinderten Subjekte ohne Seelen und Gefühle. Er ist sicherlich einer jener "Menschen", der noch vor der Erstarkung des Nationalsozialismus perfekt in die SS Maschinerie passt.
Ebenso werden zu dieser Zeit auch gerne Frauen der "Hysterie" bezichtigt, die von ihren Familien aus irgendeinem Grund abgeschoben werden sollen, wie auch Juliane Brunner, die der Familie "Schande bereitet hat".

Wer entscheidet was "normal" ist und was nicht? Dieses sensible Thema hat die Autorin in beeindruckender Weise beschrieben. Sehr interessan fand ich auch die Gegenüberstellung der verschiedenen Denkansätze der damaligen Medizin und ihrer Vertreter, als auch ihre Anwendungen.

Die leichte Kriminote liefert dem historischen Roman noch zusätzliche Spannung. In kleinen Rückblenden erfahren wir, wie es zu der schweren Kopfverletzung von Bernhard gekommen ist, die am Ende des Rätsels Lösung zu sein scheint. Packend und berührend.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin lässt sich wunderbar lesen und ich war von Beginn an von der Geschichte gefesselt. Die Figuren sind autenthisch und facettenreich. Das Thema Behinderung wird feinfühlig erzählt. Man erkennt, dass melanie Metzenthin vom Fach ist.
Im Nachwort findet man weitere Erklärungen der Autorin über die damaligen Kliniken und Behandlungsmethoden.

Fazit:
Ein fesselnder Roman, der die unterschiedlichen Behandlungsmethoden von Menschen mit Beeinträchtigung nach dem Großen Krieg beschreibt und für einen menschlichen Umgang plädiert. Das fundierte Wissen der Autorin zu diesem Thema, die grandiose Umsetzung und die leichte Kriminote machen diesen Roman für mich zu einem richtigen Highlight und zu einer Leseempfehlung!

Vielen Dank an ehrlich & anders und der lieben Irmi Keis für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Neuerscheinungen im August

Hallo liebe Bücherwürmer!

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es heuer keine wirkliche Sommerpause gibt, wenn es um Neuerscheinungen geht. Was meint ihr? Ich habe nämlich auch für den August wieder jede Menge interessante Bücher gefunden und ein Buch ist ja auch dabei, auf das ich mich schon ein halbes Jahr lang freue: der neue Andreas Gruber =)

Wollt ihr mal einen Blick auf die Neuerscheinungen für den August werfen?  Wie gewohnt ein bunter Genre-Mix für euch:

Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Verlag 

************************************

Da gibt es diesmal doch so einige Bücher, die ich unbedingt lesen möchte

Meine MUST READS für den August

 

Als Andreas Gruber und Fan der Totenreihe warte ich schon sehnsüchtig auf den nächsten Maarten S. Sneijder Thriller "Todesmal

Natürlich muss auch der neue Roman von Lucinda Riley hier einziehen. Zu "Das Schmetterlingszimmer" wird es wieder eine gemeinsae Blogger Leserunde bei der lieben Andrea vom Leseblick geben.

In der Vorschau aufgefallen ist mir "Die im Dunklen sieht man nicht" von Andreas Götz. Der Inhalt entspricht so ganz meinem Lieblingsgenre rund um die Weltkriege

Und natürlich muss ich nach Band 1 und 2 der Ärztinnen Reihe auch Band 3 "Die Wege der Liebe" von Helene Sommerfeld lesen. 
__________________________________________

Jede Menge interessante Bücher habe ich auch noch ins Auge gefasst....

Meine MIGHT READS


Tja, das war eine Überraschung, als Ursula Poznanski plötzlich für August "Erebos 2" ankündigte. Sogar bei der Lesung, die ich in Linz besucht hatte, gab es kein Wort dazu. 

Sehr gefreut habe ich mich, als ich sah, dass Adriana Popescu kein neues Jugendbuch, sondern einen Erwachsenenroman veröffentlicht. Ich bin schon gespannt auf "Goldene Zeiten im Gepack".

Auch Liane Moriarty hat einen interessanten neuen Roman. Ob sie mit "Neun Fremde" an ihren Erfolg "Tausend kleine Lügen" anschließen kann?

Vom Klappenetext her ist mir "Die Gabe" von Ellen Vahr aufgefallen - ein historischer Roman, der in Norwegen spielt.

Und es gibt auch endlich wieder Neues von Karin Slaughter mit "Die letzte Witwe", kommt wieder ein neuer Will Trent Thriller auf uns zu.
____________________________________

Auch ein paar andere Neuerscheinungen werde ich noch im Auge behalten, aber man kann ja nicht alles aufeinmal lesen ;)

Worauf freut ihr euch im August am meisten? Habt ihr auch schon fleißig in den Neuerscheinungen gestöbert?

P.S.: Erebos 2 ist nach dem Beenden des ersten Teiles nun zu einem MUST READ geworden und ich habe das Buch bereits vorbestellt...
 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos