- Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
- Verlag: Aufbau Verlag;
Auflage: 5. (10. August 2018) - Übersetzer: Nicola Denis
- ISBN-10: 9783351037284
- ISBN-13: 978-3351037284
- Originaltitel: La disparition de Josef Mengele
- Genre: Biografischer Roman, Biografie
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| Die Bildrechte liegen beim Verlag |
Aufbau Kurzbeschreibung:
1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand. Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein rasanter Politthriller und wahrt zugleich die notwendige Distanz.
Meine Bewertung: * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Dieses Buch behandelt das Leben des "Todesengels" von Ausschwitz, Josef Mengele, nach seiner Flucht 1948 über die "Rattenlinie" nach Südamerika. Mit einem neuen Namen und der Gewissheit in Argentinien unter Diktator Péron ein neues Leben beginnen zu können, nahm er nach seiner Ankunft in Buenos Aires 1949 die Verbindung zum wohlorganisierten Netzwerk aus Unterstützern auf. Der Kontakt zu seiner reichen Günzburger Familie, die einen Landmaschinenhandel betrieb und sogar über Mengele nach Südamerika lieferte, blieb immer bestehen. Kindheitsfreund Hans Sedlmeier und ein weitverzweigtes Netz von Nazi-Seilschaften in Südamerika, sowie in Deutschland, ließen ihn in Argentinien ein angenehmes Leben führen. Erst nach dem Sturz Pérons, den Aktivitäten des deutschen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer sowie der Verurteilung und Hinrichtung Eichmanns beginnt sein gut geführtes Leben zu bröckeln. Im Laufe der Jahre wechselt Mengele öfters seinen Namen und den Wohnort. Nach einer langen Zeit in Argentinien lebt er anschließend in Paraguay und später in, wo er erst 1979 beim Baden im Meer ertrinkt. Seine Verbrechen blieben ungesühnt.
Für mich war es unvorstellbar, dass es der Justiz nicht gelang Mengele aufzuspüren bzw. wie lange es dauerte bis überhaupt nach den geflohenen Naziverbrechern gesucht wurde.
Wie das Nachkriegsdeutschland, aber auch der Rest der Welt, das Thema lange Zeit ausschließt und nicht aufarbeitet, lässt mich verständnislos den Kopf schütteln. Erst in den späten 1970er Jahren beginnt man die Verbrechen aufzuarbeiten und startet mit der Suche, die vorallem von Israel und dem Mossad, angeführt wurde. Diese Suche wikt zu Beginn noch sehr unstrukturiert und mangelhaft und führt im Laufe der Jahre dazu, dass viele Naziverbrecher nicht aufgespürt wurden.
Der Roman oder die Biografie liest sich sehr emotionslos und kühl. Das Buch lässt sich generell schlecht einordnen, denn als Roman ist es zu dokumentarisch angelegt. Es gibt kaum Dialoge, es ist sehr sachlich gehalten und an einigen Stellen zeitraffend. Die dreißig Jahre, die Mengele nach dem Verlassen Europas in Südamerika lebt, werden rasch abgehandelt.
Der Autor zeigt Mengele als aufbrausenden und lamentierenden Mann, der oft im Selbstmitleid versinkt und keinerlei Reue oder Einsicht zeigt. Er versteht nicht, warum ein Mann von seinem Ruf, sowie seiner Hingabe für Führer und Vaterland, immer seine Flucht vor Augen haben muss und nicht anerkannt wird. Mengele ist oft ein ängstlicher einsamer Mann, jedoch bevor man als Leser "Mitleid" mit ihm haben könnte, springt der Autor zurück in die Vergangenheit und erzählt über die Gräueltaten des damaligen Arztes. Selbst als untergetauchter Mann, der auf das Wohl seiner Freunde angewiesen ist, Familien, die ihm unbekannter Weise beherbergen, führt er sich zeitweise wie ein Despot auf. Immer wieder versucht er die Menschen in seinem Umkreis zu manipulieren und seine Überlegenheit auszuspielen.
Die Recherchearbeit des Autors ist bemerkenswert. Die Geschichte selbst ist nicht wirklich spannend geschrieben, sondern wirkt kühl und eher wie ein Sachbuch.
"Immer nach zwei oder drei Generationen, wenn das Gedächtnis verkümmert und die letzten Zeugen der vorherigen Massaker sterben, erlöscht die Vernunft, und die Menschen säen wieder das Böse. (S. 214)"
Diesen Satz möchte ich am Ende so stehen lassen, denn ich denke, dass er nicht weit hergeholt ist und leider ein sehr ungutes Gefühl im Magen verursacht.
Cover:
von links nach rechts:
Am ersten Cover im französischen Original sieht man ein Foto des Autors, danach folgt die italienische Ausgabe, die französische, die niederländische und die spanische.
Fazit:
Das Buch ist schwer einzuordenen. Es ist sachlich, und eher dokumentarisch mit kaum Dialogen. Auf jeden Fall ist es ein sehr wichtiges Buch, das aufzeigt, wie rücksichtslos und unbelehrbar Mengele und seine Nazifreunde waren. Lektüren wie diese sollten uns immer wieder aufzeigen, wie grausam der Mensch sein kann und dass diese Gräueltaten auch in Zukunft passieren können. #gegendasvergessen

















Hallo Martina,
AntwortenLöschenAlso, dein Fazit hat mich verwirrt. Ich dachte erst, es sei eine Dokumentation; aber das mit den fiktiven Anteilen - was sind denn diese fiktiven Anteile? Wird im Buch klar, was Fiktion und was Tatsache ist?
Das Buch würde mich interessieren, aber dann sollen auch die historischen Einzelheiten stimmen.
LG
Daniela
Nein, im Buch wird eben nicht ganz klar, was fiktiv ist. Aber es handelt sich vorallem um die Gefühle und das Handeln von Mengele, das man ja nicht mehr recherchieren kann. Man weiß nur, wie er eben zu den Menschen war, mit denen er in Kontakt war. Was seine inneren Quälereien angeht, kann sich der Autor das nur selbst zusmamenreimen. Sorry für die Verwirrung. Ich werde das nochmals ändern....
Löschen@Daniela: Ich habe das Fazit jetzt abgeändert und das Fiktive rausgenommen.
AntwortenLöschenHallo Martina!
AntwortenLöschenMich hat das Buch absolut begeistert. Es war ein schräges Gefühl, dass der Autor erst nach und nach Mengeles Gräueltaten offenbart. Guez hat mich dadurch in die unangenehme Situation gebracht, beinahe so etwas wie Mitgefühl für den in ständiger Angst lebenden Mengele zu fühlen. Immer wieder drängte sich jedoch mein Wissen über seine Machenschaften in den Vordergrund und verursacht eine ganz unangenehmem Beklemmung.
Recherchiert ist das Buch auf jeden Fall ausgezeichnet. Teilweise steigt der Autor jedoch so tief in die Gefühlswelt und Denkmuster von Mengele ein, dass dadurch ein eventuell verzerrtes Bild von ihm entsteht. Deshalb fällt das Buch für mich auch klar unter Fiktion. Es ist schlicht zu wenig greifbar was nun Realität und was Fiktion ist. Ein großartiges Buch ist es jedoch allemal.
Liebe Grüße
Sabrina
Hallo Sabrina!
LöschenDu hast es auf den Punkt gebracht! Es ist auf jeden Fall ein Buch, das in Erinnerung bleibt und das einem auch Gänsehaut bereitet.
Liebe Grüße
Martina